Kloster Marienrode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zisterzienserabtei Marienrode
Mühlenteich und Klosterkirche St. Michael
Mühlenteich und Klosterkirche St. Michael
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Niedersachsen
Koordinaten: 52° 7′ N, 9° 55′ O52.1139449.914308Koordinaten: 52° 6′ 50″ N, 9° 54′ 52″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
639
Patrozinium Hl. Maria
Gründungsjahr 1125/1259
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1806
Mutterkloster Kloster Riddagshausen
Primarabtei Kloster Morimond

Tochterklöster

keine

Das Kloster Marienrode ist ein im Jahre 1125 gegründetes Kloster in der zu Hildesheim gehörenden Ortschaft Neuhof/Hildesheimer Wald/Marienrode.

Geschichte[Bearbeiten]

Henriette Gräfin von Egloffstein

Das Kloster Marienrode bei Hildesheim wurde am 22. Mai 1125 durch den Hildesheimer Bischof Berthold I. von Alvensleben in der damaligen Siedlung Baccenrode (lat.: Novale Bacconis) gegründet. „Novale“ bedeutet zu bebauendes oder bereits bebautes Ackerland, etwa Neubruch, der erste Siedler könnte demnach Bacco geheißen haben. Es bestand bis 1259 zunächst als Augustiner-, später als Tochterkloster von Kloster Riddagshausen aus der Filiation der Primarabtei Morimond als Zisterzienser-Kloster. Die Zisterzienser gaben dem Ort den heute noch gebräuchlichen Namen Marienrode, nachdem Bischof Johann I. von Brakel im Jahre 1259 die Mönche und Nonnen des Klosters Backenroth wegen sittlichen Verfalls vertrieben hatte. Die Zisterzienser gaben dem Kloster den neuen Namen: Monasterium Novalis sanctæ Mariæ.

„Nach Franziscus Borsums Chronik von Hannover“ betrieb das Kloster schon um 1250 eine Niederlassung in Hannover, den bis zur Reformation betriebenen Marienröder Hof.[1]

Nach der Säkularisation 1806 kam die Domäne 1807 in den Besitz des Königreichs Westphalen unter Jérôme Bonaparte, wurde an den Calenberger Amtsschreiber Süllow verpachtet und 1811 vom königlich-westphälischen Finanzminister Carl August von Malchus (ab 1813 Titel Graf von Marienrode) gekauft. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig verlieh Kurfürst (später König) Georg III. von Hannover die Domäne 1813 dem Generalleutnant und Oberforstmeister Carl Baron von Beaulieu-Marconnay. Dieser war seit 1804 mit Henriette Gräfin von Egloffstein (1774–1864) verheiratet. Sie und drei Töchter aus erster Ehe, Caroline, Julie, Auguste, die zum Weimarer Kreis um Johann Wolfgang von Goethe gehörten, liegen in einer gemeinsamen Grabstelle, nahe der westlichen Zufahrt zum einstigen Gutshof. Der Baron verstarb 1855. Danach gab es eine Reihe weiterer Pächter. Das gartenartige Terrain nahe der Grabstelle der Gräfin Egloffstein, wurde während des Dritten Reiches als Friedhof für die russischen und polnischen Zwangsarbeiter benutzt. Das Grab des polnischen Feldgeistlichen wurde in den 1960er Jahren umgebettet und ist auf dem katholischen Friedhof zu betrachten. Die restlichen, zum Teil orthodoxen Grabstellen, wurden im Auftrag des katholischen Gemeinderats eingeebnet.

Marienrode wurde von 1818 bis 1850 verwaltet von dem hier auch beigesetzten Amtsjuristen Christian Eberhard Meyer (* 1777, † 14. Juli 1850 in Marienrode). Er war dem seit 2. Mai 1795 an der Universität Göttingen, 1800 Amtsauditor in Osterode am Harz, 1803 dort Amtschreiber, 1806 in Uslar, 1809 Friedensrichter in Osterode, 1814 Amts-Assessor in 1814 Burgdorf und war zuletzt 1818 in Marienrode Oberamtmann. Er heiratete am 30. November 1809 in Osterode die dortige Amtsjuristentochter Antoinette Kern.

Nach 1945 dienten einige Gutsgebäude der Unterbringung von Vertriebenen aus Schlesien und Ostpreußen, die teilweise noch bis zur Klosterneugründung dort lebten.

Seit Beginn seiner Amtszeit 1983 bemühte sich der Hildesheimer Bischof Josef Homeyer um die Ansiedlung neuer Klöster im Bistum Hildesheim und so wurde das Kloster Marienrode am 5. Mai 1988 durch 10 Benediktinerinnen aus der Abtei St. Hildegard in Eibingen wiederbesiedelt, nachdem die vorherigen Bewohner und die Pächter des Gutshofs 1986 zum Auszug gedrängt worden waren. 1998 wurde Marienrode unabhängiges Priorat; das Kloster gehört der Beuroner Kongregation an.

Marienrode heute[Bearbeiten]

Zum Kloster gehört die katholische Pfarrkirche St. Michael. Außerdem gibt es in Marienrode am Rande des Klostergeländes eine kleinere evangelische Pfarrkirche St. Cosmas und Damian, eine ehemalige Wallfahrtskirche. Östlich vom Kloster befindet sich der Friedhof von Marienrode.

Gemäß der populär gewordenen Kurzfassung benediktinischen Lebens Ora et labora (bete und arbeite) wird der Alltag von den gemeinsamen Gebetszeiten strukturiert. Die Schwestern von Marienrode leiten ein von der Diözese Hildesheim unterhaltenes Exerzitien- und Gästehaus, führen eine Buch- und Kunsthandlung, leisten Küster- und Organistendienste in der Kirche, die zugleich Pfarrkirche ist, und erledigen die täglich anfallende Hausarbeit. Ihr Konvent schließt sich als dreiflügelige Anlage nördlich an die Kirche St. Michael an und umschließt einen schlicht gehaltenen Kreuzganggarten. Die Klosterpforte ziert, ebenso wie das zweite Barockportal des Westflügels, ein Chronogramm.

Bilder[Bearbeiten]

Kloster[Bearbeiten]

Kloster- und Pfarrkirche St. Michael[Bearbeiten]

Evangelische Kirche St. Cosmas und Damian[Bearbeiten]

Umgebung[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut von Jan: 850 Jahre Kloster Marienrode. Verlag Gebrüder Gerstenberg, Hildesheim 1975, ISBN 3-8067-8017-X.
  • Wilfried Meyer (Hrsg.): Marienrode. Gegenwart und Geschichte eines Klosters. Bernward Verlag, Hildesheim 1988, ISBN 3-87065-445-7.
  • Offen für Gott – offen fürs Leben. Das Benediktinerinnenkloster Marienrode.. Verlag Schnell & Steiner, 2003, ISBN 3-7954-1650-7.
  • Helmut von Jan: Bischof, Stadt und Bürger. Aufsätze zur Geschichte Hildesheims. Bernward, Hildesheim 1985, ISBN 3-87065-375-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Marienrode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arnold Nöldeke: Marienröder Hof. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Bd. 1, H. 2, Teil 1, Hannover, Selbstverlag der Provinzialverwaltung, Theodor Schulzes Buchhandlung, 1932 (Neudruck Verlag Wenner, Osnabrück 1979, ISBN 3-87898-151-1), S. 225.