Erzabtei Beuron

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Die Erzabtei St. Martin zu Beuron (lat. Archiabbatia Sancti Martini Beuronensis) ist ein seit 1863 bestehendes Benediktinerkloster in Beuron im Oberen Donautal und Stammkloster der Beuroner Kongregation. In den Gebäuden bestand zuvor zwischen dem 11. Jahrhundert und 1803 das Augustiner-Chorherrenstifts Beuron.

Erzabtei Beuron (2009)

Geschichte[Bearbeiten]

Augustiner-Chorherrenstift Beuron[Bearbeiten]

Klosterareal Beuron (1787)

Die Gründung des Klosters fällt wohl in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts (um 1080/1090?). Damals wurde an einem hochwasserfreien Platz im Donautal durch den Adligen Peregrin von Hosskirch für eine nach einer Kanonikerregel lebende Männergemeinschaft das Stift St. Maria und St. Martin errichtet. 1097 nahm Urban II. das Stift in päpstlichen Schutz und gewährte ihm freie Propstwahl und die römischen Freiheiten; eine königliche Schutzurkunde datiert von 1131. Aus dem Jahr 1146 stammen die Nachrichten, dass in Beuron die Gewohnheiten der Abtei Murbach (Vogesen) und die Augustiner-Chorherren-Regel gelten.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts erscheint Beuron als landsässiges Stift der Herrschaft Mühlheim. Diese Herrschaft gehörte damals den Grafen von Hohenzollern, kam 1391 an die Herren von Weitingen und 1409 an die Freiherren von Enzberg. Die Enzberger übten daher auch die landesherrlichen Rechte über die Beuroner Besitzungen aus - teilweise jedoch nur im Auftrag Österreichs (Verträge 1452 und 1615), das gewisse Lehenshoheiten in Teilen der Herrschaft Mühlheim innegehabt zu haben scheint. Die Enzberger wurden vermutlich seit dem 16. Jahrhundert als Teil der Reichsritterschaft angesehen, und als sich letztere in Ritterkreisen und Ritterkantonen zu organisieren hatte, wurde die Herrschaft Mühlheim Teil des Reichsritterkantons Hegau-Allgäu-Bodensee.

Bischof Hugo von Konstanz gab dem Stift 1499 bei einer Visitation neue Statuten und setzte 1513 den Kreuzlinger Augustiner Johannes Weck als Verwalter ein. Die Schwerpunkte des Beuroner Grundbesitzes lagen nördlich der Donau in Irndorf, Königsheim, Böttingen und Mahlstetten, und südlich der Donau zwischen Beuron und Unterschwandorf südlich der Donau. Dazu kam Fernbesitz, der mittels der drei Schaffnereien Freiburg im Breisgau (Verkauf 1668), Stafflangen (bei Biberach, Verkauf 1737) und Mengen (Verkauf 1751) verwaltet wurde. Weitere Schaffnereien bestanden in Mühlheim, Egesheim und Ebingen/Balingen.

Seit etwa der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts versuchte Beuron, seine Rechte auszubauen und sich von der Herrschaft Mühlheim zu lösen. 1687 erhob Papst Innozenz XI. die Propstei zur Abtei. 1721 versuchte Österreich erfolglos, aus Beuron ein landsässiges Kloster Österreichs zu machen. Beuron strebte nun nach der Reichsstandschaft. Hierfür benötigte man ein reichständisches Territorium. Scheiterte 1737 noch der Kauf der reichsritterschaftlichen Herrschaft Randegg, so gelang 1751 der Erwerb des hohenzollerischen Dorfs Bärenthal mit dem Schlösschen Ensisheim. Jedoch war damit nur eine Niedergerichtsherrschaft verbunden, die höheren Rechte scheinen bei Österreich geblieben zu sein. Abt Rudolf Reichel (1751-1790) versuchte vergeblich, für diese Herrschaft die Reichsunmittelbarkeit zu erlangen, weswegen er zahlreiche gefälschte Dokumente anfertigen ließ. Diese Betrugsversuche wurden bekannt, dennoch gewährte Österreich 1791 der Abtei als österreichisches Lehen die Territorialhoheit in Bärenthal sowie den Gütern Ensisheim und Rheinfeld/Reinfeld (bei Beuron).

In der noch kurzen verbleibenden Zeit der Existenz des Reiches bis 1803/1806 scheint diese neue Rechtslage allerdings keine großen Auswirkungen mehr gehabt zu haben. Denn Beuron erscheint weder als reichsständisches Terrorium im Reichstag noch als kreisständisches Territorium im Schwäbischen Kreis oder im Österreichischen Kreis. Vielleicht galt der winzige Beuroner Staat mit etwa 500 Untertanen nun als reichsunmittelbar ohne Reichs- und Kreisstandschaft. Offensichtlich wurde er aber nicht mehr als Teil der Herrschaft Mühlheim angesehen, denn Beuron fiel 1802/1803 an die Grafschaft Hohenzollern-Sigmaringen, während die Herrschaft Mühlheim 1806 zum Herzogtum Württemberg kam. Dominikus Mayer war von 1790 bis 1802 letzter Abt des Augustiner-Chorherrnstifts Beuron.

Benediktiner-Erzabtei St. Martin[Bearbeiten]

Beuron im Donautal (2006)
Willibrord Verkade: St. Martin am Westgiebel der Abteikirche, um 1900

Aufgrund einer Stiftung durch Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen war 1862 ein Neubeginn des klösterlichen Lebens in Beuron durch die Benediktinermönche Maurus und Placidus Wolter möglich. Die Erzabtei St. Martin wurde 1863 von den Brüdern als Benediktiner-Kloster neu gegründet. 1868 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Beuron ist Gründungskloster der „Beuroner Kongregation“ mit 16 Klöstern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aus dem 1862 aufgehobenen Kloster Rheinau kam der Abtsstab des dortigen letzten Abtes Leodegar Ineichen nach dem jungen Beuron.

Während des Kulturkampfs mussten die Mönche von 1875 bis 1887 Beuron verlassen. Dadurch begannen Gründungen und Neubesiedlungen anderer Klöster, die später zu einem Zusammenschluss der verschiedenen von Beuron aus begründeten Klöster in der Beuroner Kongregation führten.

Bedeutenden Einfluss auf die religiöse Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte die Beuroner Kunstschule, die sich an frühchristlichen und byzantinischen Vorbildern orientierte.

Neben der Pastoralarbeit in benachbarten Gemeinden und dem Gästehaus des Klosters bilden wissenschaftliche Tätigkeiten ein wichtiges Arbeitsfeld der Mönche. So besitzt die Erzabtei Beuron mit rund 405.000 Werken die größte Klosterbibliothek Deutschlands. Schwerpunkte bilden Theologie, Geschichte des Benediktinerordens und Kunstgeschichte des Mittelalters. Die Bibliothek kann nach Voranmeldung für wissenschaftliche Arbeiten genutzt werden; sie nimmt am Deutschen Leihverkehr (Fernleihe) teil.

Seit 1884 erscheint das Messbuch der heiligen Kirche (Missale Romanum), ein Laienmessbuch, das nach seinem Begründer, dem Beuroner Pater Anselm Schott (1843–1896), auch als Der Schott bekannt wurde.

1887 erfolgte die Erhebung des Klosters zur Erzabtei.

Gedenktafel für die Hl. Edith Stein in Beuron

Zwischen 1927 und 1933 besuchte Edith Stein (1891–1942) oft das Kloster Beuron; 15 Aufenthalte sind nachgewiesen. Ursprünglich jüdischer Abstammung, konvertierte sie 1922 zum katholischen Glauben und wurde Nonne. Der Beuroner Erzabt Raphael Walzer hielt sie über Jahre von ihrem Plan ab, in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen einzutreten und bat sie, weiterhin und verstärkt in der Öffentlichkeit zu wirken. Im August 1942 wurde Stein im KZ Auschwitz-Birkenau in der Gaskammer ermordet.[1]

1945 wurde durch Pater Bonifatius (Peter Paul) Fischer (1915–1997) das Vetus-Latina-Institut gegründet und aufgebaut, das sich die Sammlung und Herausgabe aller erhaltenen altlateinischen Bibelübersetzungen zum Ziel gesetzt hat. Die geplante Edition ist auf 27 Bände ausgelegt. Die geistige Arbeit der Mönche findet seit 1919 ihren Niederschlag in der Benediktinischen Monatsschrift, die seit 1959 den Titel Erbe und Auftrag (EuA) trägt. Herausgegeben wird die Schrift von der Erzabtei Beuron, verlegt wird sie im Beuroner Kunstverlag.

Die Theologische Hochschule Beuron hat den Lehrbetrieb 1967 eingestellt, besteht jedoch juristisch fort. Seit 1993 wird die Klause St. Benedikt bei Großschönach, einer der letzten Reste der Burg der Grafen und Ritter von Ramsberg aus dem 11. Jahrhundert, von Bruder Jakobus Kaffanke OSB, Mönch des Klosters Beuron, bewohnt. Er führt dort einen großen Teil des Jahres ein – für einen Benediktiner untypisches – Eremitenleben, ist nach wie vor ebenso im Kloster tätig (in erster Linie als Exerzitienbegleiter). Anfang September 2008 zählt der Konvent der Erzabtei Beuron 50 Mönche (davon 20 Priester); dazu kommen 8 Novizen.

Im Jahre 2004 hat die Erzabtei auf der ehemaligen Klosterinsel Reichenau die Cella St. Benedikt errichtet, zu der drei Mönche gehören. Sie bewohnen das Pfarrhaus in Niederzell. Schon einmal in den 1930er-Jahren hatte Beuron einen ähnlichen Versuch gemacht, der am Widerstand der Nationalsozialisten gescheitert war.[2]

Liste der Erzäbte seit 1863[Bearbeiten]

  1. Maurus (Rudolf) Wolter aus Bonn (1825–1890): Gründerprior 1863, Abt 1868–1890, Erzabt 1885
  2. Placidus (Ernst) Wolter aus Bonn, Bruder des Gründers (1828–1908): 1890–1908
  3. Ildefons (Friedrich) Schober aus Pfullendorf (1849–1918): 1908–1917
  4. Raphael (Josef) Walzer aus Ravensburg (1888–1966): 1918–1937
  5. Benedikt (Karl Borromäus) Baur aus Mengen (1877–1963): 1938–1955
  6. Benedikt II. (Johannes) Reetz aus Ripsdorf/Eifel (1897–1964): 1957–1964
  7. Damasus (Josef) Zähringer aus Ibach (1899–1977): 1965–1967
  8. Ursmar (Johannes) Engelmann aus Jena (1909–1986): 1970–1980
  9. Hieronymus (Gerhard) Nitz aus Flensburg (* 1928): 1980–2001
  10. Theodor (Klaus) Hogg aus Kirchen-Hausen (* 1941): 2001–2011
  11. Tutilo (Hans) Burger aus Seppenhofen (* 1965), seit 2011

Klosterkomplex[Bearbeiten]

Blick zum Chor

Zum Klosterkomplex gehört die beeindruckende barocke Kloster- und Wallfahrtskirche an der Via Beuronensis mit wertvollen Deckengemälden, ebenso die Gnadenkapelle mit den Ausmalungen im Beuroner Stil.

Abteikirche[Bearbeiten]

Die barocke Abteikirche wurde 1872 innen nach der Beuroner Schule überformt. Eine Restaurierung von 1947 hat das meiste davon wieder rückgängig gemacht. Die Fassade weist Reste einer historischen Barockaußenbemalung auf. Im Hochaltarblatt hat sich der Beuroner Kunststil überdauert. Das Altarbild des Hochaltars kann ausgewechselt werden. Das Wechselbild von der Krönung Mariens wird jährlich zur Weihnachtszeit gegen das Bild mit der Krippenszene ausgetauscht. Dieses Bild ist ein Werk von Gabriel Wüger aus dem Jahr 1867. Aufgrund von Lagerungsschäden (es wurde zusammengerollt aufbewahrt) musste es vor wenigen Jahren aufwändig restauriert werden. Heute ist das drei mal sechs Meter große Bild auf einem Holzrahmen aufgespannt. Das Altarbild muss über den Friedhof in die Kirche getragen und mit Hilfe eines Flaschenzugs über dem Hochaltar befestigt werden.[3] Die Abteikirche wurde von 1732 bis 1738 im Auftrag des Abtes Rudolf II. von Strachwitz von dem Baumeister Matthäus Scharpf aus Rottweil erbaut, der Hochaltar war ein Hauptwerk von Joseph Anton Feuchtmayer, das zusammen mit den Stuckateuren Johann Georg Dirr und Franz Anton Dirr entstanden war, und zeigte die Himmelfahrt Mariens. Die beiden Seitenaltäre und die Beichtstühle sind noch erhalten und stammen ebenfalls von Feuchtmayer und Dirr. Die Deckenfreskos malte Joseph Ignaz Weegschaider aus Riedlingen. Weitere Stuckaturen stammen von Johannes Schütz aus Wurzach und von Pontian Gigl aus Wessobrunn.

Orgel[Bearbeiten]

Hauptorgel „St. Martin“

Die Orgel der Abteikirche wurde 1984 von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) erbaut. Der historisierende Prospekt hat die Barockorgel aus dem 18. Jahrhundert zum Vorbild. Das Instrument mit 57 Registern auf drei Manualen und Pedal hat mechanische Spieltrakturen und elektrische Registertrakturen.[4]

I Rückpositiv C–g3

1. Rohrgedackt 8′
2. Quintadena 8′
3. Principal 4′
4. Flöte 4′
5. Octave 2′
6. Waldflöte 2′
7. Sesquialter II 22/3
8. Larigot 11/3
9. Scharff IV 1′
10. Vox humana 8′
11. Cromorne 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
12. Bourdon 16′
13. Principal 8′
14. Principalschwebung 8′
15. Salicional 8′
16. Flûte harmonique 8′
17. Gedackt 8′
18. Octave 4′
19. Flûte octaviante 4′
20. Quinte 22/3
21. Superoctave 2′
22. Cornet V 8′
23. Mixtur V 11/3
24. Cymbel III 1/2
25. Trompete 8′
26. Clairon 4′
III Schwellwerk C–g3
27. Quintadena 16′
28. Diapason 8′
29. Gamba 8′
30. Vox coelestis 8′
31. Flûte harmonique 8′
32. Nachthorngedackt 8′
33. Fugara 4′
34. Flûte octaviante 4′
35. Nasard 22/3
36. Octavin 2′
37. Terz 13/5
38. Piccolo 1′
39. Fourniture VI 2′
40. Basson 16′
41. Trompette harm. 8′
42. Hautbois 8′
43. Clairon harm. 4′
Tremulant
Pedal C–f1
44. Untersatz 32′
45. Principal 16′
46. Contrabass 16′
47. Subbass 16′
48. Octave 8′
49. Cello 8′
50. Bourdon 8′
51. Quinte 51/3
52. Superoctave 4′
53. Flûte 4′
54. Hintersatz IV 22/3
55. Posaune 16′
56. Trompete 8′
57. Clairon 4′

Krypta[Bearbeiten]

Die Beuroner Krypta ist seit dem Abschluss von Restaurierungsarbeiten Ende 2012 ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Kirchenraum unter der Gnadenkapelle, einem Anbau an die Beuroner Klosterkirche. Die Krypta ist die Grablege der Beuroner Erzäbte und war bis zum Ende der 1980er Jahre die Kirche für die Pfarrgemeinde Beuron. Der mit Säulen ausgestattete Raum wurde nach Art der Beuroner Kunstschule ausgemalt, stellt aber kein so wertvolles Relikt der Beuroner Kunst dar wie beispielsweise die Gnadenkapelle oder die Maurus-Kapelle. Der Innenraum der Unterkirche der Gnadenkapelle befindet sich nicht mehr vollständig im Originalzustand wie zur Zeit des Baus der Gnadenkapelle ab 1898. Die beiden Seitenaltäre aus Marmor befanden sich bis Mitte der 1960er Jahre in der Klosterkirche und wurden erst zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der Neugestaltung des Kirchenraumes in die Krypta versetzt.[5] Restauriert wurden Gewölbe, Wandmalereien und Grabplatten, der Fußboden wurde mit Granitsteinplatten erneuert und eine neue Beleuchtung und Fußbodenheizung wurden eingebaut.

Glocken[Bearbeiten]

Die Abteikirche besitzt ein sechsstimmiges Bronzegeläut, das auf die Tonfolge c'-es'-f'-as'-b'-c" gestimmt ist und 1912/13 von dem Glockengießermeister Georg Wolfart aus Lauingen gegossen wurde.

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Erzabtei Beuron unterhält mit rund 405.000 Bänden die größte deutsche Klosterbibliothek. Schwerpunkte sind alle theologischen Disziplinen, vor allem Liturgiewissenschaft, Kunstgeschichte des Mittelalters, die Geschichte des Benediktinerordens und Patrologie.

Pilger-Büro[Bearbeiten]

Am Fronleichnamstag 2009 wurde in der ehemaligen Klosterbuchhandlung in Beuron das Pilger-Büro eröffnet. Das Pilger-Büro im Erdgeschoss eines Klosteranbaus soll als Begegnungsstätte für Jakobspilger auf dem Via Beuronensis dienen. Es können offizielle Pilgerausweise ausgestellt werden, die in Santiago de Compostela anerkannt werden. Das Pilger-Büro besteht aus zwei Büro-Arbeitsräumen und dem Empfangsraum. Im Empfangsraum werden Kunstgewerbe- und Antiksachen aus dem Kloster angeboten.[6]

Donau-Wasserkraftwerk[Bearbeiten]

Bereits seit 1921 gibt es zur Stromerzeugung ein klostereigenes Wasserkraftwerk an der Donau im Weiler St. Maurus zwischen Beuron und dem Talhof bei Langenbrunn. Nach einer umfassenden Erneuerung 2008/09 konnte die Leistung gesteigert und verstetigt werden.

Renovierung seit 1989[Bearbeiten]

Seit 1989 wurden (umgerechnet) zehn Millionen Euro in Baumaßnahmen investiert. Das Geld kam durch Spenden und große Sponsoren zusammen. Mittel aus der Landesdenkmalpflege und Sondermittel vom Land flossen in die Benediktinerabtei. Die Diözese Rottenburg und die Erzdiözese Freiburg haben für das Kloster Gelder bewilligt, obwohl es keiner der beiden Diözesen untersteht.

Es wurden unter anderem 770 Fenster und 8.900 Quadratmeter Dach renoviert. Jahr für Jahr wurden kompakte Maßnahmen in Angriff genommen und abgeschlossen. So begann der Bauausschuss 1989 die Südseite der Kirchenfassade, den Kirchenvorplatz und die Friedhofsmauer zu sanieren, 1992 war es die Kirchenwestfassade, 1997 das Kirchendach, 1998 das Archiv Beuroner Kunst und 2000 die historische Holzbrücke. Der Neubau der Bibliothek kam 2001. 2003 wurden Innenausbauten im Refektoriumsbau getätigt. 2006 wurde das Ökonomiegebäude in Sankt Maurus und 2008 das Klerikatsgebäude saniert. 2009 stand das Kraftwerk Sankt Maurus und die Nordfassade der Kirche vom Kircheneingangsbereich bis zur Gnadenkapelle an. Der Bauausschuss hat sich im April 2009 aufgelöst.[7] 2009 wurden im Sanierungsbereich die Relikte der ursprünglichen barocken Fassadengestaltung gefunden. 2010 konnte im Nordost-Bereich mit dem Chorraum nach 20 Jahren die Sanierung der kompletten historischen Kirchenfassade abgeschlossen werden. Dabei wurden schadhafte Stellen im Putz ausgebessert, alle Fensterbänke aus Sandstein erneuert, die historischen Kirchenfenster erhielten eine Zweifach-Schutzverglasung und neue Farbe aufgebracht. Aus praktischen wie auch aus denkmalpflegerischen Gründen war es nicht möglich, die barocke Fassade wiederherzustellen. Die Kirche mit Beuroner-Stilfassade an zwei und der barocken Fassade an einer Seite zu gestalten, kam nicht in Frage, und die beiden anderen Seiten ebenfalls so kurz nach der Neugestaltung der Fassade erneut mit einer neuen Bemalung zu versehen, wäre wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen. Aus diesem Grund umzieht nun ein erdiger Farbton den gesamten Klosterkomplex. Ebenfalls 2010 wurde für 380.000 Euro der Bereich der historischen Pforte saniert. Dieser Zwischenbereich zwischen dem historischen Gebäudekomplex, dem Südflügel und dem später errichteten Gästeflügel war nur noch von einem morschen Holzdach und einem ebenfalls baufälligen Holz-Glasgang überspannt. Die alte Dachkonstruktion und der über die alte Pforte führende Holz-Glasgang wurde ersetzt. Nun ist die barocke Giebelfassade des Südflügels wieder voll sichtbar. Der Bereich, in dem die Pforte heute untergebracht ist, entstand erst in den 1950er Jahren nach dem Brand des Ökonomieteils und ist hinsichtlich seiner architektonischen Qualität unter den Fachleuten umstritten. 2011 schlossen sich die Fassadenarbeiten am eigentlichen Klostergebäude zwischen der Kirche und der Bibliothek an.[8]

Verein der Freunde der Erzabtei St. Martin[Bearbeiten]

1989 wurde der Verein der Freunde der Erzabtei St. Martin durch 13 Gründungsmitglieder gegründet. Die Gründung wurde durch Erzabt Hieronymus Nitz und dem damaligen Innenminister von Baden-Württemberg, Dietmar Schlee, initiiert. Der Verein versteht sich als Partner des Klosters. Vordringlichste Aufgabe ist es, ständig an der Bausubstanz arbeiten zu lassen und den Erhalt zu sichern.[9]

2008 hatte der Verein 1.790 Mitglieder. Erste Vorsitzende ist die ehemalige baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner. Ihre Vorgänger in diesem Amt waren Dietmar Schlee und nach dessen Tod ab 2002 Friedhelm Repnik.

Bekannte Mönche[Bearbeiten]

Wallfahrtsort[Bearbeiten]

Die Erzabtei Beuron ist auch Wallfahrtsort. Das Fest Mariä Himmelfahrt ist in Beuron neben dem Annatag im Juli einer der Hauptwallfahrtstage. Begründet wurde die Lichterprozession zu Ehren der Gottesmutter Maria 1954 anlässlich des Marianischen Jahres, das Papst Pius XII. zum Gedenken an das 100. Jubiläum der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens ausgerufen hatte. Bei guter Witterung wird die Marienfeier mit jeweils rund 2000 Gläubigen bei der Lourdesgrotte im Liebfrauental abgehalten. Hierbei illuminieren viele Kerzen das Marienheiligtum in der felsigen Waldschlucht. Der weitverbreitete Brauch der Segnung von Kräutern und Blumen an Mariä Himmelfahrt wird hier ebenfalls gepflegt. Die Kräuterbuschen werden in der Andacht am Sonntagabend im Liebfrauental und nach der Wallfahrtsmesse am Montag gesegnet.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vortrag. Bruder Jakobus stellt Edith Stein vor. In: Schwäbische Zeitung vom 24. Oktober 2008
  2. Hermann-Peter Steinmüller: Probleme gemeinsam lösen. In: Südkurier vom 5. Januar 2005
  3. Hermann-Peter Steinmüller (hps): Schwerstarbeit in der Beuroner Abteikirche. Südkurier vom 22. Dezember 2007
  4. Informationen zur Orgel der Abteikirche
  5. Hermann-Peter Steinmüller (hps): Kirchenraum bleibt gesperrt. In: Südkurier vom 9. Juli 2010
  6. Offizielle Station auf Jakobusweg in ehemaliger Klosterbuchhandlung. Pilgerbüro öffnet seine Türen. In: Südkurier vom 15. Juni 2009
  7. Vera Romeu (vr): Kloster Beuron. Nach Auftrag löst sich der Bauausschuss auf. In: Schwäbische Zeitung vom 22. April 2009
  8. Hermann-Peter Steinmüller (hsp): Das Gerüst am Kloster verwindet. In: Südkurier vom 12. November 2010
  9. Ursula Mallkowsky (sky): Umweltministerin Tanja Gönner nimmt Stellung zu ihrem Amt als Vorsitzende in Beuron. „Die Wahl bedeutet Vertrauen“. In: Südkurier vom 6. Dezember 2008
  10. Lichterprozession zum Hochfest. In: Südkurier vom 12. August 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • 150 Jahre Benediktiner in Beuron. Ein Kloster im Wandel, hrsg. von der Erzabtei St. Martin zu Beuron. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2013, ISBN 978-3-87071-305-8. [Festschrift zum Jubiläum 1863-2013]
  • Notburg Geibel / Stefan Petzolt OSB: Das Lied der Mönche, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2006, ISBN 3-87071-147-7 [Bild-Textband, der das heutige Beuroner Mönchsleben von der Feier der Liturgie her erschließt, mit Gregorianik-CD]
  • Augustinus Gröger OSB: Das Kloster Beuron, in: Edwin Ernst Weber (Hg.): Klöster im Landkreis Sigmaringen in Geschichte und Gegenwart, (Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Sigmaringen, Band 9), Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2005, S. 46–92, ISBN 3-89870-190-5.
  • Notker Hiegl OSB: Beuron und seine Heiligen, Beuroner Kunstverlag, Beuron 1996 [Volkstümliche Darstellung der wichtigsten Beuroner Klosterheiligen]
  • Manfred Krebs: Der älteste Besitzrodel des Klosters Beuron, in: „Freiburger Diözesan-Archiv“, Neue Folge, 36 (1935), S. 217-244.
  • Hubert Krins: Die Kunst der Beuroner Schule. „Wie ein Lichtblick vom Himmel“, Beuroner Kunstverlag, Beuron 1998, ISBN 3-87071-078-0. [Wichtiges Überblickswerk zur Beuroner Kunst]
  • Hubert Krins: Beuron an der Donau. Geschichte, Kirche und Kloster, Mönche und Werke, Ort und Umgebung. Beuroner Kunstverlag / Kunstverlag Josef Fink, Beuron /Lindenberg im Allgäu 2004, ISBN 3-87071-115-9 oder ISBN 3-89870-167-0.
  • Johannes Schaber OSB: Phänomenologie und Mönchtum. Max Scheler, Martin Heidegger, Edith Stein und die Erzabtei Beuron; in: Holger Zaborowski & Stephan Loos (Hg.): Leben, Tod und Entscheidung. Studien zur Geistesgeschichte der Weimarer Republik. Berlin 2003, S. 71–100.
  • Benedikt Schwank OSB: Benediktiner im allgemeinen und Beuroner Benediktiner im besonderen. Ein Vortrag vor Jesuiten, in: Erbe und Auftrag, 72 (1996), S. 482-490

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Beuron – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.0514288.969736Koordinaten: 48° 3′ 5″ N, 8° 58′ 11″ O