Kranowitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Siehe Krzanowice (Begriffsklärung)
Kranowitz
Krzanowice
Wappen von Krzanowice
KranowitzKrzanowice (Polen)
KranowitzKrzanowice
Kranowitz
Krzanowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Landkreis: Racibórz
Fläche: 3,19 km²
Geographische Lage: 50° 1′ N, 18° 7′ O50.01666666666718.116666666667Koordinaten: 50° 1′ 0″ N, 18° 7′ 0″ O
Höhe: 220 m n.p.m
Einwohner: 2195
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 47-470
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SRC
Wirtschaft und Verkehr
Straße: RacibórzOpava
Nächster int. Flughafen: Flughafen Katowice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 5 Ortschaften
4 Schulzenämter
Fläche: 47,06 km²
Einwohner: 5864
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 125 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2411033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Manfred Abrahamczyk
Adresse: ul. 15 Grudnia 5
47-470 Krzanowice
Webpräsenz: www.krzanowice.pl

Kranowitz (polnisch Krzanowice [kʃanɔ'vʲiʦɛ], tschechisch Křenovice, auch Chřenovice; 1936–1945 Kranstädt) ist eine Stadt im Powiat Raciborski in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Sie ist Sitz einer gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Kranowitz liegt zehn Kilometer südwestlich von Racibórz auf dem Leobschützer Lößhügelland (Płaskowyż Głubczycki) an der Bilawoda. Nachbarorte sind Samborowice (Schammerwitz) im Norden, Woinowitz und Bieńkowice (Benkowitz) im Nordosten, Bolesław (Boleslau; 1936–1945 Bunzelberg) im Osten, Borutin im Südosten und Klein Peterwitz im Nordwesten. Jenseits der Grenze zu Tschechien, die südlich und westlich verläuft, liegen Chuchelná im Süden, Strahovice (Strandorf) und Rohov (Rohow) im Südwesten und Sudice im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Marktplatz in Kranowitz

Das Dorf „Cranewicz“ gehörte seit seinem Bestehen zu Mähren. Mit Genehmigung des Königs Ottokar II. Přemysl wurde es 1265 von Herbort von Fülme, einem Truchsess des Olmützer Bischofs Bruno von Schauenburg, zur Stadt erhoben und nach Leobschützer Recht umgesetzt. 1269 wurde Kranowitz dem Herzogtum Troppau eingegliedert, das aus der damaligen Provinz Troppau für Nikolaus I., einen unehelichen Sohn des Königs Ottokar II. Přemysl, neu geschaffen wurde. Für das Jahr 1302 ist die St.-Wenzels-Kirche belegt, und 1313 bestätigte König Johann von Böhmen die Stadtrechte.

Die Lage am Handelsweg von Ratibor nach Troppau war der Entwicklung in den Jahrhunderten danach förderlich. Es siedelten sich verschiedene Handwerker an, und es wurde Bier gebraut. Die Besitzer des Städtchens, das im 17. Jahrhundert an Bedeutung verlor, wechselten häufig.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Kranowitz 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Es sank zu einem Marktflecken ab und gehörte zunächst zum Leobschützer Kreis. Nach der Neugliederung Preußens erfolgte 1818 die Eingliederung in den Landkreis Ratibor. Die Behörden führten nun eine organisatorische Teilung zwischen dem Marktflecken Kranowitz sowie dem gleichnamigen Dorf durch. 1784 bestand der Marktflecken aus 472 Einwohnern, während im Dorf Kranowitz 666 Personen wohnten. Nachdem die Bemühungen um die Wiedererlangung des Stadtrechts in den 1870er Jahren scheiterten, kam es zu einer Vereinigung des Marktfleckens mit dem Dorf.

1891 begann der von Karl Max Fürst Lichnowsky erkämpfte Bau einer Eisenbahn zwischen Ratibor und Troppau, auf der am 20. Oktober 1895 der erste Zug fuhr. Am 24. Oktober 1919 kam es zum Eisenbahnunfall von Kranowitz, bei dem nach widersprüchlichen Angaben zwischen 34 und 60 Menschen starben, als der von Kuchelna kommende Personenzug in eine Güterlok fuhr und es dabei zur Explosion eines Fasses geschmuggelten Alkohols kam.

Obwohl Kranowitz mehrheitlich mährischsprachig war, verblieb es 1920, im Gegensatz zu dem benachbarten Zauditz, das an die Tschechoslowakei angeschlossen wurde, beim Deutschen Reich. In der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 über die weitere staatliche Zugehörigkeit wurden in Kranowitz 2.134 Stimmen (96,9 %) für den Verbleib bei Deutschland und 69 (3,1 %) für den Anschluss an Polen abgegeben – Kranowitz blieb bei Deutschland.[2]

1936 benannten die Nationalsozialisten die Stadt in Kranstädt um. 1939 bestand es aus 3872 Einwohnern. Nach dem Einmarsch der Roten Armee und der Übergabe an die polnische Verwaltung erhielt es 1945 den polnischen Namen Krzanowice. Da nur ein Teil der angestammten Bewohner geflohen war oder vertrieben wurde, konnte sich in der Gegend eine deutsche Minderheit halten. 2001 wurden die Stadtrechte erneuert. Entsprechend der Volkszählung von 2002 gehörten 20,64 % der Gemeindebevölkerung der deutschen Minderheit an, weitere 7,10 % bezeichneten sich als „Schlesier“.[3] Damit ist Kranowitz die einzige Kommune in der Woiwodschaft Schlesien mit einem Minderheitenanteil von über 20 Prozent. Die Gemeinde hat trotz Berechtigung Deutsch noch nicht als Hilfssprache genehmigt, dagegen aber 2008 bereits zweisprachige Ortsbezeichnungen eingeführt. Die grenzüberschreitende Eisenbahnverbindung ist heute stillgelegt. Im November 2012 wurden in der Gemeinde schließlich die zweisprachigen Ortstafeln aufgestellt. Sie ist damit die erste Gemeinde in der Woiwodschaft Schlesien, in der alle Orte zweisprachige Ortstafeln haben.[4]

Ein Teil der Bevölkerung spricht bis zum heutigen Tage einen Dialekt, der dem Mährischen sehr ähnlich ist.

Eigentümer[Bearbeiten]

  • Johannes Herbord von Füllstein (–1300)
  • Eckerich Herbord von Füllstein (1313–)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen Kranowitz':[5]

Jahr Einwohner
1822 1.501
1830 1.444
1844 2.111
1855 2.141
Jahr Einwohner
1861 2.328
1910 2.999
1933 3.863
1939 3.873

Partnergemeinde[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Wenzel
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
  • Die katholische Pfarrkirche St. Wenzel (Kościół św. Wacława) auf dem ehemaligen Burgberg wurde erstmals 1302 erwähnt und nach mehreren Umbauten 1742 im Stil des Barock errichtet. Nach einem Brand 1813 erfolgte 1915 ein Neubau im Stil des Neubarock nach Entwurf des Architekten Joseph Seyfried. Der kreuzförmige Grundriss der abgebrannten Kirche mit barockem Frontturm und Dachreiter wurde wiederaufgenommen; mit 48 Metern Länge, 35 m Breite und dem 56 m hohen Kirchturm ist sie jedoch deutlich größer als der Vorgängerbau. Kuppel und Innenraum wurden von Hans Martin ausgemalt. Der Hauptaltar, dessen Gemälde den hl. Wenzel darstellt, wird von zwei barocken Figuren aus dem 18. Jahrhundert flankiert.
Drei Glocken der Kirche wurden 1958 gegossen, die alte Urbansglocke überlebte den Zweiten Weltkrieg: St. Hedwig (fis; 750 kg), St. Urban (cis; 400 kg), St. Franziskus (cis, 215 kg) sowie im Dachreiter St. Ignaz (fis, 76 kg).
  • Die Nikolauskirche (Kościół św. Mikołaja) im Nordosten der Stadt wurde 1744 im Stil des Spätbarock an Stelle einer Kapelle errichtet und mit einem Dachreiter versehen. Nachdem sich bereits 1762 sich Risse im Gewölbe zeigten, wurde es 1802 bei einer umfangreichen Renovierung durch ein hölzernes ersetzt. Die Inneneinrichtung (Altarblätter der Seitenaltäre, der Kreuzweg sowie einige Statuen) stammt noch größtenteils aus dem 18. Jahrhundert.

Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Kranowitz gehören neben dem gleichnamigen Hauptort die Ortsteile

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kranowitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Vgl. Ergebnisse der Volksabstimmung; abger. am 11. Oktober 2009
  3. Vgl. Polnisches Haupt-Statistikamt (GUS)
  4. Internetportal der Deutschen in Polen: Die Ortstafeln stehen! Gemeinde Kranowitz ganz in zweisprachigen Ortsschildern!; vom 22. November 2012
  5. Quellen der Einwohnerzahlen: 1822: [1] – 1830: [2] – 1844: [3] – 1855, 1861: [4] - 1910: [5] – 1933, 1939: [6]