Kreuzkirche (Bonn)

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Kreuzkirche zu Bonn (2013)
Innenansicht
Luftaufnahme der Kreuzkirche, im Hintergrund die Hofgartenwiese

Die Kreuzkirche ist eine evangelische Kirche in Bonn. Sie ist seit 1871 die Kirche der Kreuzkirchengemeinde, und zudem die evangelische Stadtkirche von Bonn.[1] Mit einer Sitzplatzkapazität von 1200 Sitzplätzen ist sie die größte evangelische Kirche im Rheinland und die größte Kirche in Bonn.[2][3] Die Kreuzkirche steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem das Rheinland 1815 preußisch geworden war, wurde 1816 die „Evangelische Gemeinde aller evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Bürger“ gegründet. 1817 überließ König Friedrich Wilhelm III. der Gemeinde die Schlosskapelle für den Gottesdienstgebrauch. In der Folgezeit entwickelte sich das evangelische Leben in Bonn, u.a. mit der Eröffnung einer evangelischen Schule, der Gründung des Rheinischen Provinzialausschusses für die Innere Mission in Bonn und der Errichtung der Friedrich-Wilhelm-Stiftung.

Im Jahre 1866 wurde der Grundstein für die Kirche am Kaiserplatz gelegt, die erst 1947 den Namen Kreuzkirche erhielt. Ende 1871 wurde die Kirche fertiggestellt. 1928 erhielt die Kirche die erste große Orgel. 1935 wurde die Kirche renoviert, wobei der neugotische Zierrat weitgehend entfernt wurde.

Nachdem die Kreuzkirche 1944 bei Bombenangriffen zerstört worden war, wurde zunächst eine Notkirche eingerichtet. In den Jahren 1951 bis 1954 wurde die Kirche nach Plänen des Trierer Architekten Heinrich Otto Vogel wieder aufgebaut und eingeweiht. Mit der Gestaltung der Innenraumgewölbe als Faltwerk auf schlanken Betonrundpfeilern nimmt er Bezug auf die neugotischen Rippengewölbe der Vorkriegszeit und nimmt Formen vorweg, die er bei der Gestaltung der Langhausgewölbe in der Martinskirche (Kassel), seinem Hauptwerk, wenige Zeit später verwendet. 1963 erhielt die Kirche ihr neues Geläut. 1967 wurde die Krypta zum Gottesdienstraum umgestaltet.[5]

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Innenraum der Kreuzkirche ist schlicht gehalten und verfügt über wenig Ausstattung.[6]

Die Chorfenster wurden von Hans Gottfried von Stockhausen (Stuttgart) geschaffen. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Jesu, Bilder der Apostel und weitere biblische Szenen.

Der Altar und das Kreuz wurden von Arnold Rickert entworfen. Der Altar ist aus Graubüttelbrunner Muschelkalk. Das Kreuz ist aus Eiche, mit Kupfer beschlagen. Die Wundmale Jesu werden durch rote Halbedelsteine angedeutet. An den Balkenenden finden sich die Symbole der Evangelisten (Mensch, Löwe, Stier, Adler). Im Zentrum befindet sich das Lamm Gottes mit dem Kreuz.

Die Kanzel wurde von Rolf Scheibner gestaltet. Ihr Fuß besteht aus Basalt. Die Kanzel selbst ist mit Messing beschlagen. Sie zeigt in der Mitte den verklärten Jesus, rechts und links Moses und Elia.

Der Taufstein wurde von Eugen Keller entworfen. Der Sockel besteht aus Basalt, die Taufschale ist mit Goldmosaik ausgelegt. Auf dem Taufstein findet sich eine Darstellung von besiegten Dämonen. Fensterrose im Hauptportal

Über dem Hauptportal befindet sich eine große Fensterrose.

Die Orgel wurde von Baurat Vogel entworfen. Bemerkenswert sind die Flügeltüren am Orgelprospekt, die von Hans Gottfried von Stockhausen bemalt wurden. Die linke Tür zeigt David, der vor König Saul Harfe spielt. Die rechte Tür zeigt die Posaunen von Jericho.

Orgel[Bearbeiten]

Die große Orgel der Kreuzkirche wurde 1956 von der Orgelbaufirma Paul Ott (Göttingen) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 65 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch. Die Koppeln sind wahlweise mechanisch oder elektrisch. Die Orgel wurde 1982 und zuletzt im Jahre 2001 durch die Orgelbaufirma Karl Schuke (Berlin) umfassend renoviert und um eine 4000-fache Setzeranlage erweitert.[7]

I Rückpositiv C–
1. Quintadena 8′
2. Gedackt 8′
3. Prinzipal 4′
4. Blockflöte 4′
5. Oktave 2′
6. Nachthorn 2′
7. Sifflöte 1′
8. Nasat 22/3
9. Terz 13/5
10. Quinte 11/3
11. Septime 11/7
12. None 8/9
13. Scharf IV
14. Rankett 16′
15. Krummhorn 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–
16. Quintade 16′
17. Prinzipal 8′
18. Gemshorn 8′
19. Koppelflöte 8′
20. Oktave 4′
21. Rohrflöte 4′
22. Quinte 22/3
23. Oktave 2′
24. Großmixtur VI 22/3
25. Scharf IV 1/3
26. Trompete 16′
27. Trompete 8′
Zimbelstern
III Schwell-Oberwerk C–
28. Stillgedackt 16′
29. Praestant 8′
30. Spitzgedackt 8′
31. Dolkan 8′
32. Schwebung 8′
33. Prinzipal 4′
34. Trichterflöte 4′
35. Praestantflöte 2′
36. Weitprinzipal 2′
37. Mixtur IV 11/3
38. Zimbel II 1/6
39. Dulzian 16′
40. Trompete 8′
41. Oboe 8′
42. Schalmey 4′
Tremulant
IV Brust-Schwellwerk C–
43. Holzgedackt 8′
44. Holzflöte 4′
45. Waldflöte 2′
46. Prinzipal 2′
47. Quintflöte 11/3
48. Terzzimbel III 1/6
49. Baerpfeife 8′
Tremulant
Pedal C–
50. Prinzipal 16′
51. Subbass 16′
52. Quintbass 102/3
53. Oktave 8′
54. Gedackt 8′
55. Oktave 4′
56. Hohlflöte 4′
57. Gemshorn 2′
58. Schwiegel 1′
59. Sesquialtera II 51/3
60. Rauschpfeife III 4′
61. Hintersatz V 22/3
62. Basszimbel III 1′
63. Posaune 16′
64. Trompete 8′
65. Trompete 4′
  • Koppeln I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P

Glocken[Bearbeiten]

Das erste Geläut der Kreuzkirche wurde im Jahre 1879 von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock gegossen. Die drei Glocken mit den Schlagtönen a0, c1 und d1 wogen 3.651, 1.974 und 1.356 kg. Nebenbei existierten zwei kleine Glocken für den Uhrschlag, die im Ersten Weltkrieg abgeliefert wurden. Für den Zweiten Weltkrieg wurden die beiden großen Glocken abgenommen, sodass lediglich die kleine Läuteglocke (d1) übrigblieb. Sie überstand die Bombardements des Krieges und wurde nach dem Wiederaufbau 1954 bis zur Anschaffung des neuen Geläuts geläutet.

Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker goss 1963 fünf neue Glocken; die drei großen Glocken haben ähnliche Ausmaße und die gleiche Tonhöhe wie ihre Vorgängerinnen des 19. Jahrhunderts. Das Geläut ist abgestimmt auf nahezu alle Innenstadtkirchen, insbesondere auf das der Münsterbasilika. Am 4. Juni 1966 zur 150-Jahr-Feier der evangelischen Gemeinde Bonn wurde abends um 19 Uhr zum ersten Mal geläutet. Die vorhandene Turmuhr ist nicht mehr über ein Schlagwerk mit den Glocken verbunden. Alle Glocken hängen in einem monumentalen vierstöckigen Stahlglockenstuhl an geraden Stahljochen. Aus statischer Sicht wurden für alle Glocken Gegenpendel installiert. Im Jahre 2011 wurden die vier vorhandenen Schallfenster auf die ursprüngliche Höhe vergrößert und mit eichenen Schalljalosuien versehen, um sich dem historischen Äußeren anzunähern und die Akustik der Glockenstube zu verbessern.

Nr.
 
Name
(Funktion)
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
1 Liebe (Kreuzglocke) 1963 Glocken- und Kunstgießerei Rincker, Sinn 1.830 3.606 a0 −4
2 Hoffnung 1.558 2.300 c1 −2
3 Glaube 1.383 1.605 d1 −3
4 Freude (Taufglocke) 1.230 1.151 f1 −1
5 Friede (Vaterunserglocke) 1.100 831 g1 −2

Mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr erfolgt das Gebetläuten mit den Glocken 4 und 3. Freitags um 15 Uhr zur Sterbestunde Christi läutet die große Glocke. Zur Wochenschlussandacht werden um 17:50 Uhr die Glocken 5, 4 und 2 geläutet. Eine halbe Stunde vor Beginn des Hauptgottesdienst an Sonn- und Feiertagen erfolgt ein Vorläuten, was in der Regel durch die Glocken 4, 3 und 2 erfolgt. Das Zusammenläuten bis Gottesdienstbeginn übernehmen die Glocken 4, 3, 2 und 1; Glocke 5 wird an Festtagen ergänzt. Sie selbst wird auch zum Vaterunser geläutet. Die große Glocke läutet alleine am Karfreitag, Glocke 4 zu Taufen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Kreuzkirche
  2. Kreuzkirche steht deutschlandweit im Rampenlicht; Bonner General-Anzeiger vom 26. September 2011
  3. Kanzelreden in der Bonner Kreuzkirche am Kaiserplatz; bonn-evangelisch.de vom 24. Januar 2010
  4. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 28, Nummer A 798
  5. Informationen zur Geschichte
  6. Nähere Informationen zur Ausstattung
  7. Nähere Informationen zur Geschichte und Disposition der Orgel, gesehen 1. September 2011.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Jurgilewitsch, Wolfgang Pütz-Liebenow: Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis, Bouvier Verlag, Bonn 1990, ISBN 3-416-80606-9, S. 25–30. [noch nicht für diesen Artikel ausgewertet]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreuzkirche (Bonn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.7319337.10243Koordinaten: 50° 43′ 55″ N, 7° 6′ 9″ O