Kurt Freiherr von Schröder

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Schröder als Zeuge bei den Nürnberger Prozessen (1947)

Kurt Freiherr von Schröder (* 24. November 1889 in Hamburg; † 4. November 1966 ebenda) war ein deutscher Bankier, NSDAP-Gauwirtschaftsberater und SS-Brigadeführer.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn einer Bankiersfamilie nahm 1908 ein Jurastudium in Bonn auf und wurde Mitglied des Corps Borussia Bonn. 1909 brach er das Studium ab und wurde Berufsoffizier (bis 1919) beim Husaren-Regiment „König Wilhelm I.“ (1. Rheinisches) Nr. 7 in Bonn.[1] Von Anfang 1918 bis Anfang 1919 diente er als Hauptmann im Großen Generalstab.

1913 heiratete er Ottilie Marie Edith von Schnitzler (1892–1951), eine Cousine von Karl-Eduard von Schnitzler, und wurde dadurch 1921 Teilhaber des Kölner Bankhauses J. H. Stein, das bereits 1919 unter seiner maßgeblichen Beteiligung ein Zentrum der rheinischen Separatisten geworden war; eine Konferenz von Industriellen und Bankiers in diesem Hause wählte ihn in den Wirtschaftsausschuss zur Vorbereitung eines Separatstaates.

Ab 1928 wurde von Schröder politisch aktiv und schloss sich der Deutschen Volkspartei an. Er war Mitglied des Deutschen Herrenklubs. Schröder war im November 1932 Mitunterzeichner einer Eingabe an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, in der Industrielle, Bankiers und Landwirte die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler forderten.

Kölner Treffen mit Hitler[Bearbeiten]

Villa Schröders am Stadtwaldgürtel 35

Von Schröder gehörte auch zum Studienkreis für Wirtschaftsfragen („Keppler-Kreis“), dem späteren Freundeskreis Reichsführer-SS, und verwaltete das „Sonderkonto S“ seines Bankhauses, auf das die Mitglieder des Freundeskreises jährlich eine Million Reichsmark für Sonderaufgaben von Heinrich Himmler einzahlten. Mit Wilhelm Keppler organisierte er am 4. Januar 1933 eine Geheimbesprechung in seiner Villa (Stadtwaldgürtel 35) in Köln-Lindenthal[2], in der Hitler und Franz von Papen Vorbereitungen für eine Regierungsübernahme vereinbarten. Hitler wurde zu diesem Treffen von Wilhelm Keppler, Heinrich Himmler und Rudolf Heß begleitet. Bei dieser Zusammenkunft einigten sich Hitler und Papen darauf, die Regierung Kurt von Schleichers zu stürzen und gemeinsam eine Rechtskoalition Hitler-Hugenberg-Papen zu bilden.

Drittes Reich[Bearbeiten]

Einen Tag nach Hitlers Machtübernahme trat von Schröder am 1. Februar 1933 in die NSDAP (Mitgliedsnr. 1.475.919) ein und spendete ihr im Laufe der Zeit Millionenbeträge. Ende April 1933 wurde er Präsident der Industrie- und Handelskammer in Köln, in der Folgezeit Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, Vorsitzender der Außenhandelsstelle für das Rheinland und Inhaber zahlreicher weiterer Ämter in der Wirtschaft.

Der Ernennung zum Leiter der Privatbanken in der Reichsgruppe Banken im Jahre 1934 folgte 1935 jene zum Leiter der Wirtschaftskammer Rheinland. In der Zeitschrift Die Bankwirtschaft wird 1943 seine Tätigkeit als Leiter der Fachgruppen Privatbanken gewürdigt: Insbesondere wurde unter seiner Führung die Arisierung, die gerade im Privatbankengewerbe eine äußerst schwierige Aufgabe war, entschlossen aber unter Erhaltung der wertvollen Firmensubstanz durchgeführt.[3] Ab Mai 1942 war Schröder darüber hinaus Präsident der Gauwirtschaftskammer Köln-Aachen. In der Zeit von 1933 bis 1945 verdoppelte er die Zahl seiner Aufsichtsratsposten auf über 30. Dazu gehörten folgende Firmen:

Am 13. September 1936 trat von Schröder in die SS (SS-Nr. 276.904) ein und wurde am 20. April 1943 zum SS-Brigadeführer befördert. Laut seiner SS-Beurteilung vom 10. August 1937 stand er in einem besonderen „Vertrauensverhältnis mit dem Führer“ und wurde „häufig vom Führer zu vertraulichen Besprechungen und Missionen gebeten und gerufen“.[4] Seit dem 9. November 1944 gehörte er zum Stab Reichsführer-SS. Weiterhin war er Mitglied der Akademie für Deutsches Recht, des Reichsverkehrsrats und der Beiräte der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Reichspost sowie Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Außerdem war er Ratsherr der Stadt Köln, Mitglied des Kuratoriums der Universität zu Köln, Mitglied des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sowie königlich schwedischer Generalkonsul.[5]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurde Schröder in einem französischen Kriegsgefangenenlager entdeckt, wo er die Uniform eines SS-Gefreiten trug. Von den Briten wurde er am 12. November 1947 vor einem Bielefelder Spruchgericht zu drei Monaten Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und 1500 Reichsmark Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses milde Urteil demonstrierten in Bielefeld 40.000 Arbeiter; in einer Entschließung des nordrhein-westfälischen Landtags, die außer von den Abgeordneten der SPD, KPD und FDP auch von zwei CDU-Abgeordneten unterstützt wurde, wurde das Urteil als „Verhöhnung der Demokratie“ bezeichnet.[6] Nachdem die Anklagebehörde in Berufung gegangen war, wurde das Urteil 1948 auf ein Jahr Gefängnis und 500.000 Reichsmark erhöht. Nach einer weiteren Berufung der Verteidigung wurde dieses Urteil 1949 aufgehoben und Schröder 1950 endgültig zu einer Geldbuße in Höhe von 60.000 DM verurteilt, von der die Hälfte durch die Internierungshaft als abgegolten angesehen wurde. An der Geschäftsführung des 1950 wieder eröffneten Bankhauses J. H. Stein war Schröder nicht mehr beteiligt. Seine letzten Jahre verbrachte er auf dem Gut Hohenstein bei Eckernförde.

Familie[Bearbeiten]

Schröder war ein Urenkel von Johann Heinrich Schröder und mit dem in England lebenden Bankier Bruno Schröder verwandt. sein Stiefvater Carl Heinrich Johann Merck war der Inhaber der Hamburger Handelsbank H. J. Merck & Co..[7]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Wilhelm Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, 1931, 2. Band, Spalte 1710
  2. Vgl. Ulrich S. Soénius/Tobias Kaufmann: Adolf Hitlers Kölner Treffen (Kölner Stadt-Anzeiger, 4. Januar 2008)
  3. Die Bankwirtschaft (Berlin), Nr. 18, vom 15. Dez. 1943
  4. Joachim Petzold: Großbürgerliche Initiativen für die Berufung Hitlers zum Reichskanzler. In: ZfG, 1/1983, S. 52.
  5. Die Bankwirtschaft (Berlin), Nr. 18, vom 15. Dez. 1943
  6.  Gérard Schmidt: Schröder: Geehrt und verurteilt. In: Kölner Stadt-Anzeiger. Nr. 2, 4. Januar 1983, S. K 17.
  7. Deutsches Geschlechterbuch 128, S. 225