Lemken (Volksstamm)

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Die Lemken sind ein russinischer Volksstamm in der historischen Region von Galizien, heute Ostpolen und Ukraine (Gebiet um Ternopil und Grenze zur Slowakei), und in der Nordostslowakei, der die Ostkarpatengegend zwischen den Quellen des San und der Łomnica bewohnt und vorwiegend Viehzucht und Handel betreibt.

Der Begriff Lemken ist ein Neologismus aus dem 20. Jahrhundert, „lem“ bedeutet in ihrer Sprache „nur“. Die Lemken selbst bezeichnen sich überwiegend als „Rusnáci“, also als Russinen. In der Ukraine werden sie zu den Ukrainern gezählt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Lemken lebten wahrscheinlich seit dem 19. Jahrhundert in den Ostbeskiden zwischen San und Poprad. Bis 1919 gehörte der südliche Teil zu Ungarn, dann zur Tschechoslowakei. Der zu Polen gehörende nördliche Teil kam mit der Ersten Polnischen Teilung 1772 unter österreichische Herrschaft.

Flagge der Lemko-Russinischen Republik 1918–1920

Von Dezember 1918 bis März 1920 gab es im galizischen Florynka eine Lemko-Russinische Republik, deren Selbstverwaltung zunächst die Einheit mit Russland proklamierte, dann die Angliederung an die Tschechoslowakei anstrebte. Die Führer der Republik wurden bereits im Februar 1919 von polnischen Truppen arrestiert, die gesamte Region war Anfang 1920 unter polnischer Kontrolle.[1] Im Oktober bzw. November 1938 proklamierte die Karpatenukraine ein autonomes Staatswesen innerhalb der Tschechoslowakei, während ein Teil mit dem Ersten Wiener Schiedsspruch an Ungarn kam. Die Karpatenukraine wurde dann im März 1939 von Ungarn vollständig okkupiert, nach Kriegsende 1945 fiel sie an die Ukrainische Sowjetrepublik.

Nachdem 1945 die polnischen Grenzen neu gezogen worden waren, wurden die in Polen lebenden Lemken in der Aktion Weichsel in ihre heutigen Gebiete, nach Pommern, Masuren und Niederschlesien, zwangsumgesiedelt. Bei der Volkszählung 2002 in Polen wurden 5800 Lemken gezählt, Schätzungen gehen von deutlich höheren Zahlen, für 2003 etwa 60.000 aus. Begründet wird die Differenz damit, dass ein Teil der Lemken sich als Ukrainer ansieht.[2]

Jedes Jahr treffen sich in dem polnischen Dörfchen Zdynia Lemken zu einem Volksfest, bei dem auch viele Nachkommen von nach Übersee ausgewanderten Lemken teilnehmen. Dies ist das weltweit größte Festival der Lemken, welches Watra (deutsch: Hirtenfeuer) genannt wird.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Roman Drozd, Bohdan Halczak: Dzieje Ukraińców w Polsce w latach 1921–1989. Wydanie 2, poprawione. Tyrsa, Warszawa 2010, ISBN 83-89085-12-7.
  • Bohdan Halczak: Łemkowskie miejsce we wszechświecie. Refleksje o położeniu Łemków na przełomie XX i XXI wieku. In: Stefan Dudra, Bohdan Halczak, Roman Drozd, Iryna Betko, Michal Šmigeľ (Hrsg.): Łemkowie, Bojkowie, Rusini. Historia, współczesność, kultura materialna i duchowa. Band 4, Teil 1. Drukarnia Wydawnictwo „Druk-Ar“ u. a., Głogów u. a. 2012, ISBN 978-83-60087-63-3, S. 119–133.
  • Bohdan Halczak: Problemy tożsamości narodowej Łemków. In: Stefan Dudra, Bohdan Halczak, Andrzej Ksenicz, Jerzy Starzyński (Hrsg.): Łemkowie, Bojkowie, Rusini. Historia, współczesność, kultura materialna i duchowa. Band 1. Łemkowski Zespół Pieśni i Tańca „Kyczera“ u. a, Legnica 2007, ISBN 978-83-916673-1-6, S. 41–55.
  • Bohdan Halczak: Publicystyka narodowo-demokratyczna. Wobec problemów narodowościowych i etnicznych II Rzeczypospolitej (= Historia. Bd. 2). Wydawnictwo Wyższa Szkoła Pedagogiczna im. Tadeusza Kotarbińskiego w Zielonej Górze, Zielona Góra 2000, ISBN 83-7268-029-9.
  • Christhardt Henschel: Zwischen den Nationen. Zur Entwicklung des nationalen Selbstverständnisses der lemkischen Minderheit in Polen. In: Cassubia Slavica. Bd. 2, 2004, ISSN 1610-188X, S. 37–46.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lemkos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Lemken – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Robert Magocsi, Ivan Pop (Hrsg.): Encyclopedia of Rusyn history and culture. University of Toronto Press, Toronto u. a. 2002, ISBN 0-8020-3566-3, S. vii und 290.
  2. Dieter Bringen, Krzysztof Ruchniewicz (Hrsg.): Länderbericht Polen. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, ISBN 978-3-593-38991-2, S. 362 und 369
  3. Der Standard, vom 20. Oktober 2012, S. A 3.