Griechisch-katholische Kirche in der Slowakei

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Die Bistümer der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei sind eine mit Rom unierte Kirchen des byzantinischen Ritus.

Die Slowakische Griechisch-Katholische Kirche, die als solche gerade im Entstehen ist, umfasst 4 Diözesen, davon eine in der Diaspora in Kanada, und gut 220.000 Gläubige.

Aufbau[Bearbeiten]

Karte der Bistümer mit Wappen

Heute bestehen drei Bistümer: die Erzeparchie von Prešov (Gründung 1816/1818), die aus dem von 1997 bis 2008 bestehenden Apostolischen Exarchat von Košice entstandene Eparchie Košice und die 2008 neu gegründete Eparchie von Bratislava. Die Mehrheit der Mitglieder der slowakisch griechisch-katholischen Kirche lebt in der Ostslowakei. Die Diözesen unterstehen direkt dem Heiligen Stuhl (Kongregation für die Ostkirchen). Die Erzeparchie von Prešov umfasst den politischen Kreis (Kraj) Prešov, die Eparchie Košice den politischen Kreis (Kraj) Košice und die Eparchie von Bratislava ist für die in der restlichen Slowakei lebenden Mitglieder der slowakisch griechisch-katholischen Kirche zuständig. In der Mittel- und Westslowakei gibt es nur wenige Pfarrgemeinden.

Laut der Volkszählung von 2001 gibt es in der Slowakei 219.831 griechisch-katholische Gläubige, das sind 4,1 Prozent der Bevölkerung. Die slowakischen Bistümer des byzantinischen Ritus bilden in zweierlei Hinsicht keine Nationalkirche. Zum einen gehört nur ein kleiner Teil der Slowaken diesen Diözesen an, zum anderen haben sie auch ruthenisch- und (wenige) ungarischsprachige Mitglieder. Die Liturgie wird entweder in kirchenslawischer oder in slowakischer Sprache gefeiert, daher stellt sie als Rituskirche eine eigenständige Teilkirche des Katholizismus dar.

Die Slowakische Eparchie des byzantinischen Ritus in Ontario mit 5000 Gläubigen ist heute sprachlich gemischt (englisch, slowakisch, russinisch, ungarisch), und steht vorerst in keinem näheren organisatorischen Zusammenhang mit der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei. In der sonstigen Diaspora treten die Unterschiede zur Ruthenischen Mutterkirche kaum hervor.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche ist beginnend mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie nach dem Ersten Weltkrieg aus der Ruthenischen (griechisch-katholischen) Kirche hervorgegangen. 1787 wurde in Košice ein Vikariat des byzantinisch-slawischen Ritus errichtet, das 1792 nach Prešov verlegt wurde. Auf Betreiben des österreichischen Kaisers Franz I. wurde das Vikariat 1816 zu einer eigenständigen Eparchie erhoben. Dies wurde am 22. September 1818 vom Heiligen Stuhl offiziell bestätigt, was als „Geburtsjahr“ dieser kirche bezeichnet werden kann.[1]

In den 1920er Jahren hatten sich der Vatikan und die Regierung der Tschechoslowakei über die Errichtung einer Metropolie für die griechischen Katholiken verständigt. Das Vorhaben kam aber vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zur Ausführung.

Mit der kommunistischen Machtübernahme 1948 wurde die Situation der Kirchen in der Tschechoslowakei immer schwieriger. Im April 1950 kündigten 5 Priester und eine Anzahl von Laien auf Druck der Kommunisten auf einer Synode in Prešov die Union mit Rom auf und begaben sich unter die Jurisdiktion der Russisch-Orthodoxen Kirche. Die Bischöfe Pavol Gojdic OSBM und Vasil Hopko wurden gemeinsam mit vielen anderen Geistlichen inhaftiert. Die übrigen konvertierten in der Folgezeit zur Orthodoxie oder wurden nach Tschechien ausgesiedelt. Unter diesem Druck besuchten die meisten Gläubigen römisch-katholische Gottesdienste. Der Prager Frühling 1968 brachte den Gemeinden eine gewisse Erleichterung. Sie durften frei wählen, ob sie im Verbund mit Moskau verbleiben, oder aber unter die Obhut Roms zurückkehren wollten, was 205 von 292 taten. Die Griechisch-katholische Kirche war nun zwar erlaubt, aber die fortgesetzte Verfolgung von Seiten des Staates machte einen organisierten Wiederaufbau praktisch unmöglich. So wurde das zuvor beschlagnahmte Eigentum nicht vollständig zurückgegeben und auch die Errichtung eines griechisch-katholischen Priesterseminars blieb bis zur Wende verboten.

Erst nach der samtenen Revolution von 1989 konnten das Priesterseminar und die theologische Fakultät in Prešov gegründet werden. In den 1990er Jahren passte der Vatikan die Bistumsorganisation der Katholiken des byzantinischen Ritus den neuen politischen Gegebenheiten an. Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei (1993) entstand 1996 für die Gläubigen der Griechisch-katholischen Kirche in Tschechien das Prager Exarchat. 1997 wurde das Exarchat von Košice gegründet.

Am 30. Januar 2008 verkündete der Heiligen Stuhl mit der Apostolischen Konstitution Spiritali emolumento des Papst Benedikt XVI. die Neuordnung der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei. Das Eparchat Prešov wurde zur Erzeparchie von Prešov erhoben und das Apostolische Exarchat Košice erhielt den Status einer eigenständigen Eparchie Košice. Der Westen der Slowakei wurde vom Eparchat Prešov abgetrennt und ebenfalls zu einer eigenständigen Eparchie Bratislava erhoben. Dadurch hat die Slowakische Griechisch-Katholische Kirche einen eigenen Ersthierarchen bekommen, den Metropolitan-Erzbischof von Prešov.[1] Eine Zusammenführung mit des 1980 begründeten kanadischen Diözese Saints Cyril and Methodius of Toronto zu einer Gesamtkirche dürfte längerfristig möglich sein.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ján Babjak: Die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei. In: OST-WEST. Europäische Perspektiven, 7 (2006), Heft 4 (online, owep.de).
  • Andrej Škoviera: Die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei nach dem 2. Weltkrieg. In: Ostkirchliche Studien, 57, 2008, Heft 1, S. 150-156. (online, academia.edu).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei, pro-oriente.at


48.99418821.243171Koordinaten: 48° 59′ 39″ N, 21° 14′ 35″ O