Ukrainer

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Ukrainischer Volkstanz Prywit (Привiт)

Ukrainer (früher Ruthenen, Kleinrussen) ist die Bezeichnung für ein slawisches Volk, das in der Ukraine die Bevölkerungsmehrheit bildet. Als Minderheit leben Ukrainer in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und als Auswanderer in vielen Staaten weltweit. Insgesamt gibt es etwa 46 Mio. Ukrainer.[1][2][3] Sie sprechen ostslawische Sprachen: Ukrainisch, Russisch und eine Mischsprache Surschyk.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Karte der Völker Osteuropas des tschechischen Ethnographen Lubor Niederle, 1920er Jahre. Das Siedlungsgebiet der Ukrainer ist dunkelgrün dargestellt. Sie selbst sind als Teil des gesamtrussischen Volkes ("Rusove") unter dem Namen Kleinrussen ("Malorusove") dargestellt

Das ukrainisch-weißrussische Grenzgebiet (Polesien) gilt als ein mögliches Ursprungsgebiet der Slawen insgesamt. Ostslawische Stämme wie Poljanen, Drewljanen, Sewerjanen, Wolhynier und Tiwerzen bewohnten im Frühmittelalter das Gebiet der Ukraine und bildeten später die relativ homogene altrussische Ethnie der Kiewer Rus. Als diese in Folge der Mongoleninvasion zerfiel, gelangten ihre westlichen Gebiete in die Einflusszone des Großfürstentums Litauen und später Polens. Dies verursachte sprachliche und kulturelle Unterschiede zwischen den Ostslawen, wobei die Übergänge bis ins 20. Jahrhundert geographisch sehr fließend blieben. Über die ukrainischen Kosaken, die in der südlichen Steppe am Dnepr lebten, nahm die ukrainische Nationalkleidung und Sprache auch turktatarische Elemente auf. Dennoch bewahrte der Großteil der Ukrainer den orthodoxen Glauben, auch wenn im Westteil des ukrainischen Siedlungsgebiets große Bevölkerungsteile infolge des polnischen Druckes zum katholischen Glauben übertraten.

Im späten 18. Jahrhundert expandierte infolge der russischen Siege über die Osmanen der Siedlungsraum der Ukrainer, genau wie der der Russen, bis an das Schwarze Meer, wobei die ukrainischen Kosaken als Ausgleich für die Aufhebung ihrer Autonomie auch neue Gebiete im Krasnodar- und Stawropol-Gebiet besiedeln durften. Ein ukrainischer kultureller und sprachlicher Einschlag ist in diesen südrussischen Gebieten noch heute spürbar.

Die Selbstbezeichnung der Ukrainer blieb bis ins 19. Jahrhundert Russen bzw. Ruthenen (русини). Von kirchlicher und offizieller Seite wurden sie im Russischen Reich Kleinrussen (малороссы) genannt, da dort eine Konzeption der drei Zweige des russischen Volkes (Großrussen, Kleinrussen und Weißrussen) vorherrschte. Im Zuge des romantischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts entwickelte sich vor allem in Galizien, das Teil Österreich-Ungarns war, eine Konzeption der Eigenständigkeit des ukrainischen Volkes, die von österreichischer Seite unterstützt wurde. Auf der Grundlage westukrainischer Dialekte wurde eine standardisierte Literatursprache geschaffen, die sich vom Russischen deutlich unterschied. Auch das Wort Ukrainer, in den vergangenen Jahrhunderten in der Bedeutung "Bewohner des Grenzgebiets", begann sich als neues Ethnonym durchzusetzen. Parallel existierte in Galizien bis zum Ersten Weltkrieg eine pro-russische kulturelle Bewegung, die jedoch während des Ersten Weltkrieg entweder durch österreichische Repressalien oder durch Abwanderung mit der zurückweichenden russischen Armee weitgehend verschwand.

[Bearbeiten] Verteilung der Ukrainer nach Ländern

Bevölkerungsanteil mit ukrainischer Nationalität nach Oblasten (Statistik 2001)
Ethnien in Moldawien
Land Anzahl der ukrainischen Einwohner Quelle
UkraineUkraine Ukraine 37.541.700 [4]
RusslandRussland Russland 2.942.961 [5]
BrasilienBrasilien Brasilien 950.000
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 890.000 [6]
KanadaKanada Kanada 600.000 (300.000 reine Ukrainer, 1.200.000 mit teilweise ukrainischer Familie) [7]
KasachstanKasachstan Kasachstan 550.000 [8]
MoldawienMoldawien Moldawien 375.000 [9]
ArgentinienArgentinien Argentinien 305.000 [10]
WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 248.000 [11]
ParaguayParaguay Paraguay 130.000 [12]
DeutschlandDeutschland Deutschland 128.100 [13]
ItalienItalien Italien 107.118 [14]
PortugalPortugal Portugal 66.048 [15]
SpanienSpanien Spanien 65.262 [16]
RumänienRumänien Rumänien 61.350 [17]
SlowakeiSlowakei Slowakei 55.000 [18]
KirgisistanKirgisistan Kirgisistan 50.442 [19]
LettlandLettland Lettland 45.699 [20]
PolenPolen Polen 40.000 [21]
TurkeiTürkei Türkei 35.000 [22]
AustralienAustralien Australien 33.960 [23]
AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan 30.000 [24]
LitauenLitauen Litauen 22.488 [25]
EstlandEstland Estland 22.300 [26]
GriechenlandGriechenland Griechenland 14.149 [27]
KroatienKroatien Kroatien 1.977 [28]
P globe.svg Rest der Welt 140.000 (geschätzt)
P globe.svg Insgesamt 46.000.000

In Moldawien lebt ein Drittel der Ukrainer in Transnistrien, das sich 1992 von Moldawien lossagte. 28,9 % der Einwohner dort sind Ukrainer.

In Deutschland lebten Ende 2005 130.674 ukrainische Staatsbürger. 2004 wurden 3.844 eingebürgert.

In Portugal sind mehrere zehntausend Ukrainer hauptsächlich als Bauarbeiter beschäftigt.

In Kroatien leben die meisten Ukrainer in der Gespanschaft Brod-Posavina (in Slavonski Brod), der Gespanschaft Vukovar-Syrmien (in Vukovar) und in der Gespanschaft Sisak-Moslavina [2] .

[Bearbeiten] Verwandte ethnische Gruppen

Es gibt mehrere Volksgruppen in Osteuropa, die in ihren Heimatländern aus unterschiedlichen Gründen nicht zu den Ukrainern gezählt werden. Diese Zuordnungen sind teilweise Grund heftiger Diskussionen. Die wichtigste Gruppierung bilden die Russinen (oft, vor allem in der Vergangenheit Ruthenen genannt). In der Ukraine und in Rumänien werden sie als Ukrainer betrachtet, in Polen, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Serbien, den USA und Kanada sind sie als eine von den Ukrainern getrennte nationale Minderheit anerkannt, werden aber auch in diesen Ländern von manchen Forschern als eine Untergruppe der Ukrainer klassifiziert.

Hauptartikel: Russinen

[Bearbeiten] Siehe auch

Darstellung eines ukrainischen Kosakens beim Bandura spielen

Portal:Ukraine, Bandura (Instrument), Kosaken, Russen, Ukrainisch-orthodoxe Kirche - Kiewer Patriarchat, Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats, Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Ukrainer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Ukrainians – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Ukrainian diaspora abroad makes up over 20 million
  2. 20 million Ukrainians live in 46 different countries of the world.
  3. 20 million Ukrainians living outside Ukrainian territory
  4. Всеукраїнський перепис населення 2001 | English version | Results | General results of the census | National composition of population:
  5. Äåìîñêîï Weekly - Ïðèëîæåíèå. Ñïðàâî÷íèê ñòàòèñòè÷åñêèõ ïîêàçàòåëåé
  6. http://www.census.gov/prod/2004pubs/c2kbr-35.pdf
  7. Population by selected ethnic origins, by province and territory (2001 Census)
  8. http://www.ide.go.jp/English/Publish/Mes/pdf/51_cap1_2.pdf
  9. CIA - The World Factbook - Moldova
  10. Article | UCRANIA.com
  11. CIA - The World Factbook - Belarus
  12. Startseite
  13. Startseite
  14. Statistiche demografiche ISTAT
  15. A Imigração em Portugal,Comunidades lusófonas, Países do Leste da Europa
  16. http://www.ine.es/prodyser/pubweb/anuario06/anu06_02demog.pdf
  17. Informatii utile | Agentia Nationala pentru Intreprinderi Mici si Mijlocii
  18. CIA - The World Factbook - Slovakia
  19. GEF->Local Initiative Facility for Urban Environment,->Kyrgyz Republic
  20. [1]
  21. Poland: Stocks of foreigners (selected components) by major citizenships, 2000
  22. Informatii utile | Agentia Nationala pentru Intreprinderi Mici si Mijlocii
  23. http://www.crc.nsw.gov.au/statistics/Sect1/Table1p08Aust.pdf
  24. Azerbaijan Daily Digest
  25. Lithuania: Population by ethnic nationality* (2001)
  26. CIA - The World Factbook - Estonia
  27. http://www.migrantsingreece.org/transpartner/Tables.pdf
  28. SAS Output
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