Leo Karl von Habsburg-Lothringen

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Erzherzog Leo Karl von Habsburg-Lothringen in polnischer Offiziersuniform 1920
Leo Karl als Kleinkind mit Eltern und Geschwistern im Jahr 1896

Erzherzog Leo Karl Maria Kyrill Method von Habsburg-Lothringen (* 5. Juli 1893 in Pola, heute Kroatien; † 28. April 1939 in Bestwina, Oberschlesien/Polen) war ein Offizier der k.u.k. Armee und polnischer Militär.[1]

Leben[Bearbeiten]

Leo Karl war das fünfte Kind und zweiter Sohn des k. u. k. Admirals Erzherzog Karl Stephan und seiner Gemahlin Maria Theresia, geborene Erzherzogin von Österreich und Prinzessin von Toskana. Er verbrachte seine ersten Jahre in Istrien, besuchte ein Realgymnasium in Wien und übersiedelte dann mit der Familie auf deren Güter nach Saybusch im Westen Galiziens.

Im Ersten Weltkrieg war er als Rittmeister an der Ostfront eingesetzt. 1915 erhielt er den Orden vom Goldenen Vlies. Während des Krieges waren sein Vater und sein älterer Bruder Karl Albrecht Anwärter auf den Thron des von den Mittelmächten beherrschten Regentschaftskönigreichs Polen. Auch sein jüngerer Bruder Wilhelm wurde 1918 als Anwärter auf den ukrainischen Thron gehandelt.

Die Saybuscher Habsburger blieben nach 1918 auf ihrem Schloss Żywiec im neu entstandenen Polen. Erzherzog Leo Karl nahm 1919 die polnische Staatsbürgerschaft und den Namen Leon Karol Habsburg-Lotaryński an. Er wurde als Offizier von der polnischen Armee übernommen, nachdem er sich schon im November 1918 in Krakau als Freiwilliger gemeldet hatte, und kämpfte in den Kriegen gegen die Ukraine (1919) und gegen Sowjetrussland (1920). Leon erreichte im Dienst des 17. Ulanenregiments mit Sitz in Leszno wieder den Rang eines Hauptmanns.[2]

Am 28. Februar 1919 verfügte das Ministerium für Landwirtschaft und Staatsgüter in Warschau eine staatliche Verwaltung über das Vermögen der Habsburger.[3] Die beschlagnahmten Güter der Familie in Żywiec (53.263 ha Land, davon 48.446 ha Wald) und Bestwina wurden, nach Übertragung durch Karl Stephan an die polnischen Offiziere Leo Karl und Karl Albrecht, im Jahre 1924 wieder zurückgegeben. Sogar der spanische König Alfons XIII., ein Cousin Leo Karls, hatte dahingehend beim polnischen Präsidenten interveniert.[4]

Im Jahre 1922 heiratete Leo Marie-Klothilde von Thuillières, Comtesse de Montjoye-Vaufrey et de la Roche (1893–1978) in Wien. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.[5]

Im Jahre 1934 erhielt er aus dem Erbe seines Vaters das Gut Bestwina im polnischen Oberschlesien, wo er sich mit seiner Familie niederließ.[6] Dort starb er schon im Alter von 45 Jahren an Tuberkulose.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter von Hueck (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels. Verlag Starke, Limburg 1956, S. 95.
  2. Józef Buszko (Hrsg.): Österreich – Polen. 1000 Jahre Beziehungen. Verlag Nakładem Uniw. Jagiellońskiego, Krakau 1995, ISBN 83-233-0968-X, S. 315.
  3. Bogumiła Hyla: Die Habsburger in Saybusch (Żywiec).
  4. Józef Buszko (Hrsg.): Österreich – Polen. 1000 Jahre Beziehungen. Verlag Nakładem Uniw. Jagiellońskiego, Krakau 1995, ISBN 83-233-0968-X, S. 317.
  5. Walter von Hueck (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels. Verlag Starke, Limburg 1956, S. 95 und Leo Karl und Familie auf thePeerage.
  6. Józef Buszko (Hrsg.): Österreich – Polen. 1000 Jahre Beziehungen. Verlag Nakładem Uniw. Jagiellońskiego, Krakau 1995, ISBN 83-233-0968-X, S. 318.
  7. Timothy Snyder: Der König der Ukraine. Die geheimen Leben des Wilhelm von Habsburg. Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-552-05478-3, S. 175.