Lorenzkirche (Erfurt)

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Lorenzkirche
Lorenzkirche

Die Lorenzkirche ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im Zentrum der Altstadt von Erfurt. Sie liegt am Nordrand des Angers und am Beginn der Schlösserstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Lorenzkirche wurde 1138 durch den Mainzer Vitztum Giselbert 1138 gestiftet. Der Bau der Kirche erfolgte um 1140. Sie wurde vom damaligen Erfurter Propst und späteren Mainzer Erzbischof Adelbert II geweiht und war seit ihrer Gründung Pfarrkirche. Der Urbau war romanisch, von dem fast nichts mehr erhalten ist. Ein zweiter Bau wurde vermutlich Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts in gotischem Stil aufgeführt, der nach einem Brand im Jahr 1413 nochmals verändert wurde. Aus der bis dahin einschiffigen Kirche wurde durch Anbau an der Nordseite eine zweischiffige Kirche. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die bis dahin gerade Ostwand durchbrochen. Von den ursprünglichen drei Fenstern wurden zwei in die neu entstandene Apsis wieder eingebaut. Damit wurde der heutige bauliche Zustand der Kirche erreicht.

Schutzpatrone der Kirche sind der hl. Laurentius, der der Kirche den Namen gab, und der hl. Wenzeslaus. Ihre Statuen flankieren das Südportal der Kirche.

Für die Geschichte der Erfurter Grabplastik sind die Epitaphien an der südlichen Außenseite und drei große Plastiken im Kircheninneren von Bedeutung. Darüber hinaus befinden sich im Kircheninneren ein gotischer Flügelaltar und figürliche Heiligendarstellungen des hohen und späten Mittelalters, u.a. eine seltene Christusdarstellung aus Sandstein an einer der Säulen.

Während des 2. Weltkriegs erlitt die Kirche durch Bomben- und Luftmineneinschläge in unmittelbarer Nähe erhebliche Schäden an Dach und Fenstern. Einem Bombenangriff in den Vormittagsstunden des 20. Juli 1944 wäre sie fast zum Opfer gefallen. Unmittelbar vor dem Südeingang zur Kirche war eine Brandbombe niedergegangen. Das ausbrechende Feuer hat der damalige Pfarrer Busch noch während des Angriffs gelöscht.

Zwischen 1664 und 1773 wurde die Kirche durch die gegenüber im Jesuitenkolleg ansässigen Jesuiten mitgenutzt.


Im Turm befinden sich eine Glocke von 1445 sowie zwei von 1962.

In der Lorenzkirche als erster Kirche in der DDR fanden bereits seit 1978 ökumenische Friedensgebete statt. Sie war im Oktober 1989 auch Ausgangspunkt eines ersten Zuges von 70 Menschen zur Andreaskirche, direkt gegenüber von der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Daraus entwickelten sich rasch die Donnerstagsdemonstrationen in Erfurt zur Zeit der Friedlichen Revolution mit Zehntausenden von Teilnehmern.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Evi Baumeister: „Gang der Betroffenen. Wie die Friedensgebete in der Erfurter Lorenzkirche den 89ern Kraft gaben“. Thüringische Landeszeitung, 11. Juli 2009

Weblinks[Bearbeiten]

50.97688333333311.033338888889Koordinaten: 50° 58′ 37″ N, 11° 2′ 0″ O