Münchner Schule (Bildende Kunst)

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Münchner Schule ist ein Begriff für einen typischen Malstil der Münchner Malerei des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die im Umfeld der Akademie der Bildenden Künste München angesiedelt war. Sie gilt heute als Höhepunkt akademischer Malerei und bedeutend für die Avantgarde des 20. Jahrhunderts.

Geschichte[Bearbeiten]

Karl Raupp: Der neugierige Dackel, Sonnenstrahlen im Wald

König Ludwig I. der seit 1825 regierte, förderte die Kunst einerseits durch Museen, andererseits auch durch Förderung der zeitgenössischen Kunst, die München zwischen 1850 und 1914 zum einem der weltweit bedeutenden Zentren der Malerei machte. Diese ungewöhnlich starke Kulturengegement wird als Kompensation der geringen wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung des Landes interpretiert.[1]. Weder in Berlin noch in Düsseldorf gab es eine vergleichbare öffentliche Förderung.[2] Gleichzeitig schafft es die Kunstkritik deutschlandweit ein Publikum zu gewinnen, teilweise wurde durch die Kunstkritik auch politische Kritik geübt. Ludwig I. war bemüht auch ausserhalb der Landesgrenzen die Kunst zu fördern, so etwa deutsche Künstler in Rom durch entsprechende Auftragsvergaben.

An der Akademie waren zuvor der Nazarener Peter von Cornelius und Julius Schnorr von Carolsfeld tätig. Mit der Berufung von Karl von Piloty als neuen Leiter wurde einerseits das akademisches Niveau perfektioniert, andererseits aber auch auf die dynastischen Präferenzen abgestimmt. Dieser Zeitpunkt gilt bei strenger Auslegung als Beginn der Münchner Schule. Ein Anliegen Ludwig I. war es auch die Freskomalerei wieder zu etablieren. In diesem Zusammenhang entstanden die Fresken in den Hofgartenarkaden von Peter von Cornelius, diesen Werk verschaffte der Münchener Schule erstmals größere internationale öffentliche Aufmerksamkeit und Berichterstattung. Das Repertoire der Malerei umfasste anfangs vornehmlich die Historienmalerei, später auch Genre- und Landschaftsmalerei aber auch Porträts und Tierdarstellungen. 1843 wurde die Neue Pinakothek auch als Ausstellungsfläche der Schule eröffnet. Spätestens seit der Weltausstellung 1867 in Paris hatte die Münchner Schule die Führung der Kunstentwicklung übernommen und die Düsseldorfer Schule abgelöst.[3].

Eine beachtliche Anzahl von Künstlerinnen und Künstlern erwirtschaftete ein beachtliches Vermögen, das dem etablierter Millionäre in nichts nahestand.[4]. Ein bedeutender Anteil der Kunstwerke wurde im Ausland, allem voran den USA abgesetzt. Die Künstlerin Tini Rupprecht malte nur in schneller Pastelltechnik, lehnte fünf mal mehr Aufträge ab als sie annahm und erwirtschaftete trotzdem einen siebenstelligen Betrag. Zum Wohlstand einiger Künstler trug das neue Urheberrecht bei, zahlreiche Werke wurden durch Lithographien und Stiche verbreitet. Mit Beginn des ersten Weltkriegs brachen die Verkaufszahlen auf dem Kunstmarkt ein, gleichzeitig kam das künstlerische Ende der Münchener Schule.

Bekannte Vertreter[Bearbeiten]

Einordnung, Umfeld und Resonanz[Bearbeiten]

Die Münchner Schule zeichnete sich durch Genauigkeit und Naturalismus bei der Darstellung aus. Typische Genres waren Landschafts-, Historien- und Porträtmalerei. In der Historienmalerei wurde eine Versachlichung gepflegt die dieses Genre von den Effekten und dem übertriebenen Pathos des 17. Jahrhunderts befreite.[6][7].

Neben der Akademie entstanden zahlreiche Kunstschulen, darunter die von renommierten von Heinrich Knirr und von Anton Ažbe. 1914 gab es fast sechzig Kunstschulen in der Stadt.[8] Ein Grund war auch dass Frauen waren in der Akademie nicht zugelassen waren, 1882 wurde der Münchner Künstlerinnenverein gegründet. Ein weiterer Grund war, dass man versuchte anders als in den anderen Großstädten die Zahl der Studierenden an der Akademie gering zu halten. Viele Künstler waren in der Münchner Künstlergenossenschaft organisiert, ein Teil spaltete sich später ab und gründete die Münchener Secession. Die große Bedeutung für die Kunst in Deutschland zeigt sich nicht zuletzt daran, dass nahezu die gesamte folgende Avantgarde an der Akademie studiert hatte, darunter Lovis Corinth, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Ernst Oppler und Franz Marc. Diese begleiteten jedoch auch das Ende der akademischen Malerei und der Münchener Schule als stilistische Abgrenzung.

Die Münchener Schule als europäische Kunstrichtung[Bearbeiten]

Neben Paris war München eines von zwei Studienorten der Kunst internationaler Dimension: Nahezu jede europäische Malerei hat Einflüsse der Münchener Schule zu verzeichnen. Wenngleich es sich insgesamt nur um einige hundert ausländische Studierende handelt, so zählen diese häufig später unter den wichtigsten Künstlern ihrer Heimatländer.[9]

Johan Christoffer Boklund der in München studiert hatte, etablierte deren Prinzipien an der Königlich Schwedischen Kunstakademie. Einen ebenso großen Einfluss hatte München auf die Malerei Griechenlands, da wiederum Griechen an der Akademie lehrten entstand eine vielfältige Wechselwirkung. Auch Polen und Litauer entschieden sich in nennenswerter Anzahl für ein Studium in München.[10] Ein von impressionistischen Freiheiten bereicherter Realismus machte für die litauische Malerei München zum Vorbild.[11]. Die Neue Bulgarische Malerei geht ebenfalls auf Münchener Vorbilder zurück.[12] Amerikanische Vertreter der Münchener Schule umfassten Frank Duveneck und William Merritt Chase[13] sowie John Henry Twachtman und Walter Shirlaw.

Museale Rezension[Bearbeiten]

Neue Pinakothek in München

Die Münchener Schule wurde lange Zeit dem Historismus vollkommen gleichgesetzt und ihre Bedeutung für die europäische Malerei und die deutsche Avantgarde wurde aus vielfältigen Gründen vergessen, teilweise wurde das Werk einzelner Protagonisten aus dem Zusammenhang gerissen. 1979 wurde die Ausstellung Die Münchner Schule: 1850-1914 der Bayerische Staatsgemäldesammlungen gezeigt, 2008 die Ausstellung Vor den Alpen: Malerei der Münchner Schule. Werke der Münchener Schule befinden in vielen der wichtigsten Kunstsammlungen weltweit. Die Anzahl der Werke auf dem Kunstmarkt ist heute jedoch eher gering, so dass selbst kleinere Arbeiten unbekannter Künstler aus dem Umfeld hohe vierstellige Beträge auf Auktionen erzielen.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Münchner Schule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Büttner auf: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/917/1/Buettner_Die_Muenchener_Malerschule_2006.pdf
  2. Franz Büttner auf: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/917/1/Buettner_Die_Muenchener_Malerschule_2006.pdf S.13
  3. Richard Muther: Geschichte der Malerei im neunzehnten Jahrhundert, S. 270,2013
  4. http://www.societyofcontrol.com/ppmwiki/pmwiki.php/Main/BohemeLenman
  5. Meyers Konversationslexikon, Leipzig und Wien 1885-1892, 11. Band: Luzula - Nathanael, S. 158)
  6. Deutsche Vierteljahrsschrift, Ausgabe 7, S. 293 1839
  7. Wolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen bis auf die neuesten Tage S. 1064, 1837
  8. http://www.societyofcontrol.com/ppmwiki/pmwiki.php/Main/BohemeLenman
  9. Birgit Jooss: Die Digitale Edition der Matrikelbücher der Akademie der Bildenden Künste, S.6-7
  10. http://www.zeitenblicke.de/2006/2/Slavinskiene/dippArticle.pdf
  11. http://www.zeitenblicke.de/2006/2/Slavinskiene/dippArticle.pdf
  12. http://www.peterlang.com/download/datasheet/17412/datasheet_32693.pdf Dobrinowa-Bauer, Snegi: Auf den Spuren der Münchener Malerei. Nikola Michailow und die Neue Bulgarische Malerei
  13. Severens 1995, p. 98.
  14. http://www.artauktionen.com/press/docs/Handelsblatt%20Artikel%20vom%2002.07.2010.pdf Bettina Beckert: Liebeskrank nach der Stiefmutter. Die Malerei der Münchner Schule ist wieder gesucht.