Magyar Államvasutak

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Magyar Államvasutak (Ungarische Staatsbahnen), kurz MÁV, ist die staatliche Eisenbahngesellschaft Ungarns.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Ein Regionalzug der MÁV vom Typ Bombardier Talent
Ein Regionalzug der MÁV vom Typ Stadler Flirt
Der Bahnhof Budapest Keleti pályaudvar (Ostbahnhof) ist ein wichtiges Drehkreuz im Netz der MÁV

[Bearbeiten] Gründerjahre

Die erste Bahnlinie wurde am 15. Juli 1846 zwischen Pest und Vác eröffnet. Dieses Datum gilt als die Geburtsstunde der Eisenbahn im Königreich Ungarn. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs das Streckennetz schnell, und bald waren alle größeren Städte in Ungarn durch Bahnlinien miteinander verbunden.

Ein wichtiges Teilstück der Strecke Timișoara – Wien wurde von den Österreichern gebaut und befindet sich im Banat, welches damals unmittelbar dem Wiener Ministerium unterstelltes Kronland war. Die Inauguration fand statt am 15. November 1857. Diese Linie verband die Städte Temesvár, Hatzfeld, Kikinda und Szeged auf einer Länge von 112 km. Dadurch verkürzte sich die Reisezeit von Temesvár nach Wien auf 36 Stunden.[1] In der damals ungarischen Batschka begann das Eisenbahnzeitalter 1869 mit der Eröffnung der Teilstrecke SuboticaSombor als Teil des ungarischen Netzes.

In den nachfolgenden Jahren wuchs in Ungarn, wie auch in anderen europäischen Ländern, die Größe des Schienennetzes, damit aber auch die Anzahl der kleinen, teils privaten Betreiber, stark an. Im Jahr 1894 folgte daher die Verstaatlichung der ungarischen Eisenbahn und die Zusammenfassung einer dreistelligen Zahl an Bahngesellschaften in der dazu gegründeten MÁV. [2]

[Bearbeiten] Entwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Nach dem ersten Weltkrieg verlor die MÁV zahlreiche Rollmaterialien, aber auch Streckenteile an Nachbarländer. Oft wurden Streckenneubauten nötig, da zwischen zwei Stationen eine Abtrennung erfolgt war, die Trasse also durch fremdes Staatsgebiet lief und nicht mehr befahren werden durfte.[2]

Die MÁV spielte bei der Entwicklung der Technik für den Bahnbetrieb mit Einphasenwechselstrom von 50 Hz eine große Rolle. Sie war der erste Bahnbetrieb, der Einphasenwechselstrom mit der Standard-Netzfrequenz von 50 Hz für den Bahnbetrieb benutzte. Erste Versuche hierzu begannen auf Initiative des Ingenieurs Kálmán Kandó zu Beginn der 1920er Jahre auf einer 15 km langen Strecke beim Budapester Westbahnhof. Die von ihm entwickelten Lokomotiven besaßen an Bord einen mechanischen Umformer, der den Einphasenwechselstrom in Drehstrom umwandelte, welcher wiederum die Fahrmotoren speiste. Nachdem 1928 die Testfahrten erfolgreich verliefen, wurde bis 1932 die Strecke von Budapest nach Hegyeshalom mit Einphasenwechselstrom 50 Hz und 16 kV elektrifiziert. Hierbei wurden erstmals die noch heute am weitesten verbreiteten N-förmigen Ausleger für die Befestigung der Oberleitung verwendet.

[Bearbeiten] Die MÁV im und nach dem Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden mit Hilfe der MÁV in kürzester Zeit die Juden und Roma aus dem Land in die Konzentrationslager deportiert. Eine Aufarbeitung dieses Abschnittes der Geschichte wurde noch nicht vollzogen. Ungarn war ein Verbündeter Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, schon vor der deutschen Besetzung. Überlebende und Angehörige der Opfer reichten deshalb im Februar 2010 Klage vor einem amerikanischen Gericht ein.[3][4]

Durch den Zweiten Weltkrieg wurden jedoch auch große Teile der Bahnanlagen und Fahrzeuge zerstört. Da die ungarische Industrie nach dem Krieg nicht in der Lage war, den Mangel an Lokomotiven durch neue Exemplare zu beseitigen, mussten über fünfhundert amerikanische Kriegslokomotiven erworben werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte die Eisenbahn eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Landes. Bedingt durch die zentrale Lage in Europa führen viele internationale Bahnverbindungen durch Ungarn. In dieser Zeit wurde die Streckenelektrifizierung mit Einphasenwechselstrom 50 Hz aber mit einer Spannung von 25 kV fortgeführt. Dadurch wurde 1983 die Ära der Dampflokomotive beendet.[2]

[Bearbeiten] Entwicklung seit 1990

Seit 1993 ist die MÁV eine Aktiengesellschaft mit dem Namen MÁV Ungarische Staatseisenbahnen AG (MÁV Magyar Államvasutak Zrt.). 2007 wurde sie in eine Holding umgewandelt, deren wichtigste Tochterunternehmen die MÁV-START Personenverkehrs-AG (MÁV-START Zrt.) und MÁV Cargo AG (MÁV Cargo Zrt.) sind.[5]

Die Frachtsparte MÁV Cargo wurde Anfang Dezember 2008 durch Rail Cargo Austria um einen Preis von rund 100 Milliarden Forint vollständig übernommen.[6] Im Jahr 2010 wurde der Name der MÁV Cargo an die Rail Cargo Austria mit Rail Cargo Hungaria angepasst.[7]

Anfang 2010 betrugen die Schulden der MÁV ca. 1 Mrd. Euro aufgrund von Misswirtschaft und fortwährend ungedeckten operativen Verlusten.[8]

[Bearbeiten] Schienennetz

Das Schienennetz der MÁV

Das Schienennetz hat eine Gesamtlänge von 7.664 Kilometern[9]. Davon sind 7.394 Kilometer in Normalspur von 1435 Millimetern ausgeführt; 36 Kilometer Schiene liegen in Breitspur von 1524 Millimetern vor, wie es auch im Nachbarland, der Ukraine, üblich ist. Das Netz der Schmalspurstrecken umfasst 176 Kilometer.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Banat's Historical Chronology for the Last Millennium: XIX Century. genealogy.ro. Abgerufen am 19. Mai 2011.
  2. a b c Siehe MÁV AG, Geschichte der ungarischen Eisenbahn. Abgerufen am 11. Januar 2011.
  3. Pester Lloyd: „Holocaust - Opfer verklagen ungarische Staatsbahn MÁV“. Budapest 11. Februar 2010.
  4. portfolio.hu: Holocaust survivor heirs sue Hungarian railway company MÁV for USD 1.24 bn. 11. Februar 2010.
  5. Siehe MÁV AG, Liste der wichtigsten Tochterunternehmen (MÁV Gruppe). Abgerufen am 11. Januar 2011.
  6. Siehe www.railcargo.at, Rail Cargo Austria und MÁV Cargo gemeinsam Nummer Eins in Zentral- und Osteuropa, Pressemitteilung vom 2. Dezember 2008. Abgerufen am 11. Januar 2011.
  7. MÁV Cargo heißt jetzt Rail Cargo Hungaria im Pester Lloyd vom 8. März 2010, abgerufen am 11. März 2010
  8. Pester Lloyd: Defizit auf Rädern. Budapest 3. Februar 2010.
  9. Siehe MÁV AG, Wichtigste Kennwerte der MÁV Gruppe. Abgerufen am 11. Januar 2011.