Maichingen

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48.7241666666678.9647222222222460Koordinaten: 48° 43′ 27″ N, 8° 57′ 53″ O

Maichingen
Wappen von Maichingen
Höhe: 460 m ü. NN
Fläche: 7,44 km²
Einwohner: 12,000
Postleitzahl: 71069
Vorwahl: 07031

Maichingen ist ein Stadtteil von Sindelfingen mit rund 12.000 Einwohnern.

Geographie[Bearbeiten]

Maichingen liegt rund drei Kilometer nordwestlich von Sindelfingen.

Benachbarte Orte sind: Magstadt (nördlich), Schafhausen (westlich) – heute Stadtteil von Weil der Stadt, Döffingen (südwestlich) – heute Stadtteil von Grafenau und Darmsheim (südwestlich) – heute ebenfalls Stadtteil von Sindelfingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlungsspuren auf dem Gebiet Maichingens datieren aus dem 4. Jahrtausend v. Chr., als eine jungsteinzeitliche Siedlung im Bereich des heutigen Wohngebiets „Sträuble-Propstei“ bestand. Rund 4000 Jahre jünger ist ein Römischer Gutshof im Bereich ebendieser steinzeitlichen Siedlung, der aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert stammt. Von alemannischer Siedlungstätigkeit zeugt ein auf das 6. Jahrhundert datiertes Reihengräberfeld im Bereich der alten Kirche. Im Jahre 830 schenkte der Adlige Erlafried (siehe Grafen von Calw) dem Kloster Hirsau Güter im Gebiet des späteren Maichingen.

Maichingen 1681, Forstlagerbuch von Andreas Kieser

Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes stammt von 1075. In einer Urkunde bestätigt König Heinrich IV. dem Kloster Hirsau unter anderem auch den Güterbesitz in Maichingen, das damals den Namen Mouchingen trug. Maichingen wechselte danach mehrfach den Besitzer und gehörte zeitweise dem Kloster Hirsau, den Pfalzgrafen von Tübingen, den Herren von Maichingen und denen von Rohr. Im Laufe der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erwarb das Haus Württemberg den Ort. Maichingen wurde dem Oberamt Böblingen zugeordnet. Im Jahre 1850 hatte Maichingen 1129 evangelische und einen katholischen Einwohner, die in 147 Haupt- und 127 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.[1]

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

1971 wurde Maichingen nach Sindelfingen eingemeindet. Sechs Jahre später erfolgte die Fertigstellung des Gartenhallenbades. 1982 wurde das Gymnasium Unterrieden eingeweiht.

Verkehr[Bearbeiten]

Die als Kraftfahrstraße ausgebaute Bundesstraße 464 führt westlich des Orts in nord-südlicher Richtung über Maichinger Gemarkung. Es besteht eine Anschlussstelle zur Kreisstraße 1064. Die Nachbarorte Stuttgart, Sindelfingen, Grafenau und Magstadt sind über Gemeinde-, Landes- oder Kreisstraßen erreichbar.

Maichingen wird durch eine Reihe von Buslinien des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart erschlossen. Mit den Linien 704, 715 und 716 besteht eine direkte Verbindung zum Busbahnhof Sindelfingen. In der Hauptverkehrszeit verkehren einzelne Kurse der Linie 704 weiter zum Bahnhof Böblingen an der Gäubahn Stuttgart–Singen (Stuttgarter S-Bahn-Linie S1). Weiterhin bestehen Verbindungen mit der Linie 745 nach Magstadt, mit der Linie 748 zum Bahnhof Stuttgart Universität (S1, S2, S3) und mit der Linie 749 nach Ostelsheim. Darüber hinaus verkehren in Maichingen noch die Buslinien 722 und N73. Durch Maichingen verläuft die Rankbachbahn Böblingen–Renningen, die 2010 als S60 für den Personenverkehr reaktiviert wurde. Dafür wurden zwei neue Haltepunkte – Maichingen und Maichingen Nord – gebaut. Am 14. Juni 2010 wurde der S-Bahn-Betrieb zwischen Böblingen und Maichingen aufgenommen.[2] Die Fahrpläne der Buslinien 704, 715, 716, 745, 748 und 749 sind auf den Fahrplan der S-Bahn abgestimmt. Der Haltepunkt Maichingen Nord ging mit Fertigstellung der Gesamtbaumaßnahmen der S60 zum Winterfahrplan 2012/2013 am 9. Dezember 2012 in Betrieb.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Hoher Baum im Sommer 2008

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Kleinmotoren- und Motorgerätehersteller Solo hat in Maichingen seinen Sitz.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Maichingen gibt es eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, die Johannes-Widmann-Schule. Unmittelbar südöstlich von Maichingen, schon auf Sindelfinger Gemarkung, befindet sich das Gymnasium Unterrieden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johannes Widmann (* um 1444 in Maichingen; † 31. Dezember 1524 in Pforzheim).
    Leibarzt des Herzogs Eberhard im Bart und des Herzogs Ulrich von Württemberg. Er wirkte als Arzt und Universitätsdozent in Basel und als Professor und Dekan an der medizinischen Fakultät in Tübingen.
  • Gottlieb Friedrich Wagner (* 3. November 1744 in Reusten im Ammertal; † 1839 in Maichingen), Schulmeister in Maichingen (1796–1831), erster frei gewählter Schultheiß in Maichingen (1818–1839), Verfasser mehrerer Schauspiele in schwäbischer Mundart.
  • Roland Emmerich (* 10. November 1955 in Stuttgart-Obertürkheim), deutscher Filmproduzent, Regisseur und Drehbuchautor. Aufgewachsen in Maichingen. Der Abschlussfilm seines Studiums an der Hochschule für Fernsehen und Film München, Das Arche-Noah-Prinzip, wurde zum großen Teil in einer alten Fabrikhalle in Maichingen gedreht.
  • Michael Klauß (* 20. April 1987 in Sindelfingen), deutscher Fußballspieler. Aufgewachsen in Maichingen. Ist am 14. Mai 2012 in einem Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC mit dem SSV Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga aufgestiegen.

Fotos[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Heimberger: Maichingen – Unsere Heimat im Wandel der Jahrhunderte, Hrsg. Stadt Sindelfingen, Röhm-Verlag, Sindelfingen 1981
  • Maichingen – eine Bilderreise in die Vergangenheit, Geiger-Verlag, Horb 1991
  • Felix Burkhardt: Schulgeschichte des Kreises Böblingen, Band 11 der Veröffentlichungen des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e. V., Böblingen 1971; S. 120–125.
  • Karlheinz Arnau, Tim Schweiker: "Maichingen - Veränderungen" Hrsg. Stadt Sindelfingen, Bezirksamt Maichingen, Röhm-Verlag 2010 und 2011

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschreibung des Oberamts Böblingen – Tabelle I.
  2. http://www.bahn.de/s_stuttgart/view/aktuell/startschuss_s60.shtml