Grafenau (Württemberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grafenau
Grafenau (Württemberg)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grafenau hervorgehoben
48.7122222222228.8977777777778402Koordinaten: 48° 43′ N, 8° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Böblingen
Höhe: 402 m ü. NHN
Fläche: 13,04 km²
Einwohner: 6418 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 492 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71120
Vorwahl: 07033
Kfz-Kennzeichen: BB, LEO
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 054
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wittumstraße 1
71120 Grafenau
Webpräsenz: www.grafenau-wuertt.de
Bürgermeister: Martin Thüringer
Lage der Gemeinde Grafenau im Landkreis Böblingen
Landkreis Esslingen Landkreis Tübingen Landkreis Reutlingen Landkreis Ludwigsburg Stuttgart Landkreis Calw Enzkreis Pforzheim Mötzingen Jettingen Holzgerlingen Deckenpfronn Aidlingen Ehningen Gärtringen Hildrizhausen Nufringen Bondorf Gäufelden Herrenberg Waldenbuch Weil im Schönbuch Weil im Schönbuch Altdorf (Landkreis Böblingen) Holzgerlingen Böblingen Schönaich Steinenbronn Magstadt Sindelfingen Grafenau (Württemberg) Weil der Stadt Renningen Rutesheim Rutesheim Weissach LeonbergKarte
Über dieses Bild

Grafenau ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen, nahe den Städten Sindelfingen, Weil der Stadt und Calw.

Geografie[Bearbeiten]

Die Flüsse Schwippe und Würm durchfließen Grafenau.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Grafenau besteht aus den ehemals selbständigen Gemeinden Dätzingen und Döffingen. Zur ehemaligen Gemeinde Dätzingen gehört das Dorf Dätzingen. Zur ehemaligen Gemeinde Döffingen gehören das Dorf Döffingen und die Orte Burschelberg, Kapellenberg und Wenninger Höfe sowie die abgegangenen Ortschaften Hofstätten, Mietersheim, Welbingen, Stegmühle (vermutlich in Burschelberg aufgegangen).[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Sowohl Döffingen als auch Dätzingen wurden erstmals 1075 urkundlich erwähnt. Seit dem 1. September 1972 bilden Döffingen und Dätzingen die Gemeinde Grafenau.

Dätzingen[Bearbeiten]

Wappen

Ursprünglich gehörte der Ort den Grafen von Fürstenberg. Im 13. Jahrhundert geriet der gesamte Ort in den Besitz des Johanniter-/Malteserordens. Dätzingen bildete ab 1263 eine eigene Kommende und gehörte zum katholischen Großpriorat Deutschland des Johanniter-/Malteserordens, mit Sitz in Heitersheim. 1806 kam Dätzingen an das Königreich Württemberg.[3]

1850 hatte Dätzingen 5 evangelische und 640 katholische Einwohner, die in 86 Haupt- und 43 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.[4]

Döffingen[Bearbeiten]

Wappen

Döffingen unterstand den Pfalzgrafen von Tübingen. Es fiel aber bereits im 14. Jahrhundert an Württemberg. Im Jahre 1388 fand hier die große Schlacht bei Döffingen (siehe auch Ulrichstein) statt, welche den entscheidenden Sieg der Landesfürsten unter Eberhard II. von Württemberg gegen die Freien Reichsstädte brachte und zum Landfrieden von Eger führte.[5] Nahezu ganz Döffingen wurde am 8. September 1634 von einem großen Feuer zerstört – jedoch schnell wieder aufgebaut.
siehe auch Burgruine Döffingen

1850 hatte Döffingen 1194 evangelische und 13 katholische Einwohner, die in 147 Haupt- und 124 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.[4]

Grafenau Döffingen durch die Streuobstwiesen am Schwippetal

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[6] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 1.531
1. Dezember 1880 ¹ 1.586
1. Dezember 1890 ¹ 1.482
1. Dezember 1900 ¹ 1.325
1. Dezember 1910 ¹ 1.304
16. Juni 1925 ¹ 1.356
16. Juni 1933 ¹ 1.376
17. Mai 1939 ¹ 1.479
13. September 1950 ¹ 2.191
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 3.289
27. Mai 1970 ¹ 4.482
31. Dezember 1980 5.100
27. Mai 1987 ¹ 5.139
31. Dezember 1990 5.564
31. Dezember 1995 5.917
31. Dezember 2000 6.565
31. Dezember 2005 6.577
31. Dezember 2010 6.516

Religion[Bearbeiten]

Während das Malteserordensgebiet Dätzingen katholisch blieb, wurde in Württemberg und damit auch in Döffingen im 16. Jahrhundert die Reformation eingeführt (Siehe evangelische Kirchengemeinde Döffingen). Heutzutage gibt es auch eine neuapostolische Gemeinde im Ort.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

In Grafenau wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Grafenau hat nach der letzten Wahl 16 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis[7]. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
33,83 %
32,66 %
19,83 %
13,67 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+0,56 %p
-3,44 %p
+0,43 %p
+2,43 %p
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 33,83 6 33,27 6
FW Freie Wähler Grafenau 32,66 5 36,1 6
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 19,83 3 19,4 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 13,67 2 11,24 2
gesamt 100,0 16 100,0 17
Wahlbeteiligung 53,86 % 57,10 %

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Rot unter zwei schräg gekreuzt einen goldenen Heuliechern ein silbernes Johanniterkreuz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Grafenau ist gut erreichbar über die Bundesautobahnen 8 und die 81. Die A 81 ist etwa 7 km von Grafenau entfernt.

Es besteht ein Busanschluss der Linien 763 (Böblingen-Calw) und 766 (Böblingen-Weil der Stadt) von Regiobus Stuttgart sowie mit der Linie 749 (Ostelsheim-Grafenau-Sindelfingen) eines privaten Busunternehmens. Den Bahnhof Böblingen erreicht man mit den Bussen in etwa 15 Minuten.

Bahnanschluss besteht über die Linie S1 der S-Bahn Stuttgart Haltestelle Hulb in Richtung Stuttgart bzw. Herrenberg oder über Weil der Stadt. Nächstgelegener Flughafen ist der Flughafen Stuttgart.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss Dätzingen

Denkmäler[Bearbeiten]

  • Ulrichstein, 1888 in Erinnerung an den 500 Jahre zuvor dort gefallenen Kronprinzen Ulrich von Württemberg errichtet.

Gebäude[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

In Grafenau gibt es viele Vereine, darunter aus dem Bereich der Musik die Chorvereinigung Grafenau (bestehend aus dem ehemaligen Liederkranz und den Klangfarben), den Musikverein Grafenau, das Grafenauer Kammerorchester und das Kinder-Kammerorchester sowie die beiden HC´s aus Döffingen und Dätzingen. Aus dem Bereich Sport den TSV Grafenau und den Tennisclub. Einer der jüngsten Vereine ist die 1. Narrenzunft.

Weit über die Grenzen von Grafenau hinaus bekannt ist der 1979 gegründete Kulturkreis Grafenau. Der in seinen Sparten Musik, Theater/Ausstellung und Heimatmuseum durch seine Konzert- und Veranstaltungsreihen rund um das schöne Dätzinger Schloss schon manch namhaften Interpreten anlocken konnte. So erst 2011 den berühmten Geiger Alexander Kagan oder 2012 das Mandelringquartett.

Schulen[Bearbeiten]

Da Grafenau aus zwei Ortsteilen besteht, die früher selbständige Gemeinden waren, gibt es noch zwei eigenständige Schulen. So in Dätzingen eine Grundschule mit angeschlossener Kernzeitbetreuung vor und nach dem regulärem Schulbetrieb. Durch Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Vereinen kann sie ein nachmittägliches Bildungsangebot bieten. Seit 2010 gibt es die "Fidelmäuse AG". In Döffingen gibt es die Grund-Werkshauptrealschule. Auch diese bietet eine Rundum-Versorgung mit Kernzeitbetreuung und ebenfalls Nachmittagsbildungsangebote mit u. a. einer "Flötenklasse". Seit dem Schuljahr 2012/13 ist diese Schule auch eine der Ersten, welche zu den wenigen Starterschulen als "Gemeinschaftsschule" zählt. Durch den Einsatz des Schulleiters Metzger und des Bürgermeisters Thüringer, ist es der Gemeinde gelungen, daß das Los zur Genehmigung vom Landesschulamt auf die Döffinger Schule fiel.

Die Volkshochschule Böblingen/Sindelfingen betreibt hier in Grafenau eine Außenstelle.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 81–83
  3. Dätzingen in der Beschreibung des Oberamts Böblingen von 1850
  4. a b Beschreibung des Oberamts Böblingen – Tabelle I.
  5. Döffingen in der Beschreibung des Oberamts Böblingen von 1850
  6. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012
  7. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grafenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien