Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH
VVS-Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 22. Dezember 1977
Sitz Stuttgart
Mitarbeiter 88 (1. August 2010)
Branche Verkehrsverbund
Website www.vvs.de

Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (VVS) koordiniert den öffentlichen Personennahverkehr in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart sowie in den angrenzenden Landkreisen Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr, darüber hinaus auch in Teilen des Landkreis Göppingen und des Ostalbkreises. Der Verbund sorgt für einheitliche Beförderungsbedingungen und Tarifbestimmungen sowie einen abgestimmten Fahrplan. Dabei kooperiert er mit den Landkreisen und Kommunen sowie dem Verband Region Stuttgart.

Geschichte[Bearbeiten]

Der VVS-Gemeinschaftstarif wurde am 1. Oktober 1978 eingeführt. Zunächst handelte es sich dabei um eine Tarifgemeinschaft zwischen der Deutschen Bundesbahn (Eilzüge, Nahverkehrszüge, Bahnbusse sowie die zeitgleich mit dem VVS eingeführte Stuttgarter S-Bahn) und fast allen Verkehrsmitteln der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Die SSB gaben damals gleichzeitig ihren Haustarif auf, lediglich auf der bis 1993 betriebenen Flughafenbuslinie A galt bis zum Schluss ein SSB-eigener Tarif. Außerhalb des damaligen S-Bahn-Netzes waren anfangs folgende Eisenbahnstrecken integriert:[1]

Am 1. Juli 1982 wurde der VVS-Übergangstarif eingeführt. Dieser ermöglichte den Fahrgästen, mit einer Monatskarte nicht nur die Verkehrsmittel von DB und SSB, sondern auch die Busse und Bahnen von rund 40 privaten Verkehrsunternehmen zu benutzen.

Am 1. Oktober 1993 wurde der Übergangstarif abgeschafft und der Gemeinschaftstarif auf das gesamte Gebiet der vier Stuttgarter Umlandkreise ausgedehnt.[2] Die Regionalzüge konnten fortan nicht mehr nur bis zum Endpunkt der S-Bahn, sondern darüber hinaus bis zur letzten Station vor der Kreisgrenze mit Verbundfahrscheinen benutzt werden.

Zum 1. Januar 2014 wurde die Filstalbahn im Landkreis Göppingen bis zum Bahnhof Geislingen (Steige) sowie die Bahnstrecke Stuttgart-Bad Cannstatt–Aalen bis zum Bahnhof Lorch (Württemberg) im Ostalbkreis in den VVS-Tarif integriert.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Das Verkehrsgebiet des VVS umfasst 3012 Quadratkilometer mit rund 2,4 Millionen Einwohnern. In diesem Bereich verkehren 17 Regionalbahnlinien, sieben S-Bahnlinien, 14 Stadtbahnlinien (davon zwei Sonderlinien, die nur zu besonderen Veranstaltungen fahren), die Zahnradbahn Stuttgart, die Standseilbahn Stuttgart sowie 356 Omnibuslinien, zwei Oberleitungsbuslinien (siehe Oberleitungsbus Esslingen am Neckar) und 28 Nachtbuslinien.

Im VVS sind 146 S-Bahn-Triebwagen, 164 Stadtbahnfahrzeuge, 26 Dieseltriebwagen, neun Oberleitungsbusse, drei Zahnradtriebwagen, zwei Standseilbahnwagen und rund 1300 Omnibusse im Einsatz.

Im Gründungsjahr 1978 wurden 178 Millionen Fahrgäste befördert, 2006 waren es erstmals über 320, im Jahr 2012 waren es 338 Millionen und im Jahr 2013 bereits 348,9 Millionen.[3] Mit Tarifeinnahmen von 327 Millionen Euro konnten 57 Prozent der Kosten des Verbundbetriebs gedeckt werden – im Jahr 2000 betrug der Kostendeckungsgrad bei Einnahmen von 269 Millionen Euro nur 52 Prozent.[4]

Organisation[Bearbeiten]

Haltestelle im VVS

Mit der Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs wurde die Verbundgesellschaft am 1. Januar 1996 vom Unternehmens- zum Mischverbund. Seither sind neben den Verkehrsunternehmen auch die Aufgabenträger zur Hälfte am VVS beteiligt.[2]

Geschäftsführer der VVS GmbH sind Thomas Hachenberger und Horst Stammler. Der Aufsichtsrat des VVS hat 26 Mitglieder. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Gesellschafter[Bearbeiten]

Gesellschafter Beteiligung Sitze im
Aufsichtsrat
Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) 26,00 %
Verband Region Stuttgart (VRS) 20,00 %
DB Regio AG 19,00 %
Land Baden-Württemberg 7,50 %
Landeshauptstadt Stuttgart 7,50 %
GbR der Kooperationspartner des VRS
(Zusammenschluss der kleineren Verkehrsunternehmen)
5,00 %
Landkreis Böblingen 3,75 %
Landkreis Esslingen 3,75 %
Landkreis Ludwigsburg 3,75 %
Rems-Murr-Kreis 3,75 %
Gesamt 100,00 % 26 

¹ darunter drei Vertreter der Arbeitnehmer
² darunter ein Vertreter der RBS und ein Vertreter der Arbeitnehmer

Da die SSB die Mehrheit der Anteile halten, bestimmen sie de facto den Erhöhungssatz der Tarife. Die Verteilung dieser Erhöhung auf die einzelnen Produkte – unter Berücksichtigung von strukturellen Änderungen im Tarif – beschließen dann alle Gesellschafter.

Träger der so genannten „Verbundstufe II“, also des einheitlichen VVS-Tarifs, ist der Verband Region Stuttgart, der diese jährlich mit rund 140 Mio. Euro finanziert.[5] Der Verkehrsetat des Regionalverbandes setzt sich aus einer Verkehrsumlage, die von der Stadt Stuttgart und den vier am VVS beteiligten Landkreisen aufgebracht wird, sowie aus Mitteln von Bund und Land zusammen.

Tarife[Bearbeiten]

Im Verkehrsverbund Stuttgart gibt es für das Gesamtgebiet einen einheitlichen Tarif.

Fahrplanbereiche[Bearbeiten]

Folgende Fahrplanbücher erscheinen jährlich:

  • Landeshauptstadt Stuttgart
  • Kreis Böblingen
  • Rems-Murr-Kreis
  • Kreis Esslingen
  • Kreis Ludwigsburg Nord
  • Kreis Ludwigsburg Süd

Verkehrsbetriebe im VVS[Bearbeiten]

Die Verkehrsleistungen werden von etwa 40 Unternehmen erbracht:

Liniensystem im VVS[Bearbeiten]

Verkehrsmittel Liniennummern Gebiet Betreiber
Regionalzug
RE, RB, IRE
R1 – R82 Stuttgart sowie die Landkreise Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr DB Regio, RAB, WEG
S-Bahn
S-Bahn
S1 – S6, S60 Stuttgart sowie die Landkreise Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr DB Regio
siehe S-Bahn Stuttgart
Stadtbahn
Stadtbahn
U1 – U19 Stuttgart sowie Fellbach, Gerlingen, Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern und Remseck Stuttgarter Straßenbahnen
siehe Stadtbahn Stuttgart
Zahnradbahn 10 Stuttgart Stuttgarter Straßenbahnen
siehe Zahnradbahn Stuttgart
Standseilbahn 20 Stuttgart Stuttgarter Straßenbahnen
siehe Standseilbahn Stuttgart
Bus
Bus
35 – 99
N1 – N9, N11
Stuttgart sowie Ditzingen, Fellbach, Gerlingen, Korntal, Leonberg, Sindelfingen und der Filderraum Stuttgarter Straßenbahnen (auf mehreren Vorortlinien werden die Fahrleistungen ganz oder teilweise von Subunternehmern erbracht)
Oberleitungsbus
Oberleitungsbus
101, 118 Esslingen, Stuttgart-Obertürkheim SVE
Bus
Bus
102 – 199
N10
Landkreis Esslingen Bader, END, Fischle, Ganter, Haussmann & Bauer, OVK, OVR, RBS, Ruffner, Schefenacker, Schlienz, SVE
Bus
Bus
201 – 390
N20, N30
Rems-Murr-Kreis Böltz, Dannenmann, Eisemann, Knauss, Maier, OVR, RBS, Römer, Schlienz
Bus
Bus
401 – 624
N40 – N57
Landkreis Ludwigsburg, Stuttgart-Stammheim, Stuttgart-Zuffenhausen, Stuttgart-Mühlhausen, Stuttgart-Feuerbach Flattich, WEG, Knisel, LVL, RBS, Seiz, Spillmann, OVR, Zeiher
Bus
Bus
631 – 794
N60 – N73
Landkreis Böblingen Däuble, Kappus, Klingel, Nagoldtal-Reisen, Hassler, Pflieger, RAB, RBS, Seitter, Stadtwerke Herrenberg, Wöhr Tours
Bus
Bus
809, 826, 828 Landkreise Esslingen und Böblingen Melchinger (809), RBS (826,828)

Der 300er-Bereich bezeichnet Linien im ehemaligen Landkreis Backnang, entsprechend repräsentieren die Liniennummern ab 600 den nicht mehr existenten Landkreis Leonberg.

Kritik[Bearbeiten]

  • Die Zeitschrift Deutsche Sprachwelt stellte den VVS 2007 in ihre Rubrik „Sprachsünder-Ecke“, weil er das Wort „Fahrkarte“ durch „Ticket“ ersetzte.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das große Verbundgebiet auf www.et420-online.de
  2. a b Verbundgeschichte auf vvs.de
  3. VVS Newsletter März 2014 auf vvs.de
  4. Verbundberichte auf vvs.de
  5. Finanzierung auf s-bahn-region-stuttgart.de