Malcolm Turnbull

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Australischer Minister

Malcolm Bligh Turnbull (* 24. Oktober 1954 in Sydney, Australien) ist ein australischer Politiker der konservativen Liberal Party of Australia. Der vormalige Rechtsanwalt und Investmentbankier diente dabei als Umweltminister und Oppositionsführer.

Malcolm Turnbull, in relativ einfachen Verhältnissen in den östlichen Vororten von Sydney aufgewachsen, studierte zunächst in seiner Heimatstadt Recht und Kunst, ehe er seine juristische Ausbildung an der englischen Eliteuniversität Oxford fortsetzte. Parallel zu seinem Studium arbeitete er in beiden Ländern auch als Journalist für Zeitungen, Magazine und Rundfunk.

Noch in England heiratete er 1980 die im australischen Mittagong geborene Lucy Hughes, die selbst 2003 als erste Frau das Amt des Oberbürgermeisters von Sydney bekleiden sollte. Noch im selben Jahr kehrte das Paar nach Australien zurück. Dort arbeitete Malcom Turnbull zunächst als Rechtsanwalt, ehe er 1983 Rechtsberater der Firma Australian Consolidated Press des Medienzaren Kerry Packer wurde, den er dabei erfolgreich im Zusammenhang mit einer Aufsehen erregenden Steuerminimierungsangelegenheit, der sogenannten "Goanna-Affäre", verteidigte.

1985 machte er zusammen mit Bruce McWilliam die eigene Anwaltskanzlei Turnbull McWilliam auf. 1986 erreichte er dabei Bekanntheit, als er gegen britische Interessen die Veröffentlichung des Buches Spycatcher des ehemaligen britischen Geheimagenten Peter Wright durchsetzen konnte. 1987 eröffnete er zusammen mit Nicholas Whitlam, einem Sohn des ehemaligen australischen Ministerpräsidenten Gough Whitlam und Neville Wran, einem ehemaligen Ministerpräsidenten des Bundesstaates New South Wales, beide von der Australian Labor Party, die Investmentbank Whitlam Turnbull & Co Ltd. Nach dem Ausscheiden Whitlams 1990 firmierte die Bank als Turnbull & Partners Ltd.

Bereits in jener Zeit trat Turnbull in den Aufsichtsrat diverser Firmen ein und erwarb auch diverse Beteiligungen. 1997 wurde er Leiter von Goldman Sachs in Australien und stieg dort bereits im Jahr darauf zum Partner auf. Die Zusammenarbeit mit Goldman Sachs dauerte bis 2001 an. 1999 verkaufte er seinen Anteil am Internet Service Provider OzEmail nach Berichten für AUD 60 Millionen an Worldcom.

1981 machte er seinen ersten Ausflug in die Politik, als er sich erfolglos um die Kandidatur der Liberalen für den in den wohlhabenden östlichen Vororten Sydneys gelegenen Bundes-Parlamentssitz von Wentworth bemühte.

1993 wurde er Vorsitzender der antimonarchistischen Bewegung in Australien, des Australian Republican Movement. Nach dessen Niederlage in einem Referendum 1999 behielt er den Vorsitz bis 2000 bei.

2004 bewarb er sich erneut um den Sitz von Wentworth. Er investierte dabei nach Berichten rund AUD 600.000 seines eigenen Vermögens. Zunächst schlug er dabei den amtierenden Abgeordneten Peter King um die Kandidatur für die Liberalen und gewann schließlich den Sitz trotz dessen, dass die Partei in Wentworth rund 10 % der Stimmen im Vergleich zur vorhergehenden Wahl einbüßten. 2006 wurde er von Premierminister John Howard zunächst mit der Leitung des Amtes für Wasserressourcen betraut, ehe er anfangs des darauf folgenden Jahres zum Minister für Umwelt und Wasserressourcen wurde.

Nachdem die Howard-Regierung noch im November desselben Jahres von der Labor Party unter Kevin Rudd aus dem Amt verjagt wurde - Turnbull gelang dabei in seinem Sitz entgegen dem Bundestrend ein leichter Stimmengewinn - bemühte er sich um das Amt des Oppositionsführers. Bei der Kampfabstimmung in der liberalen Fraktion unterlag er aber gegen den Ex-Verteidigungsminister Dr. med. Brendan Nelson mit 45 zu 42 Stimmen. Unter diesem wurde Turnbull Schattenminister für Finanzen. Nelson erwies sich aber als blasser Führer und hangelte sich von einem Umfragetief zum nächsten. Im September 2008 kam es zu einer erneuten Kampfabstimmung zwischen den beiden um die Oppositionsführung. Turnbull siegte diesmal mit 45 zu 41 Stimmen.

Unter Turnbull verbesserten sich die Umfragewerte für die Opposition, ohne dass diese sich aber ernsthaft an die Werte für die regierende Labor Party und deren weiterhin auf einer Welle allgemeiner Popularität schwimmenden Premierminister Rudd annäherten. Ernsthaften Schaden nahm das Ansehen von Turnbull erstmals als er Mitte 2009 in der sogenannten OzCar Affäre Fehlinformationen und einem gefälschten E-Mail eines den Liberalen nahestehenden hohen Beamten des Finanzministeriums aufsaß und in der Folge Premierminister Rudd im Parlament mit falschen Anschuldigungen belastete.

Das Ende der Führung Turnbulls kam aber durch seinen nachhaltigen Eintritt für den auch seinerzeit von der Regierung befürworteten Emissionsrechtehandel zustande; die Mehrheit der liberalen Fraktionskollegen war dagegen und Turnbulls Position wurde in Umfragen nicht durch Zustimmungswerte für die Opposition belohnt. Dies kumulierte im Dezember 2009 in einer erneuten Kampfabstimmung um die Führung der Opposition. Diesmal unterlag Turnbull dem erzkonservativen vormaligen Priesteramtsstudenten Tony Abbott mit 41 zu 42 Stimmen.

Turnbull bekam keine Berufung in dessen Schattenkabinett und kündigte seinen Verzicht auf eine Wiederwahl als Abgeordneter bei den für Ende 2010 anstehenden Parlamentswahlen an, was er aber wenige Monate später widerrief. Nach den Wahlen, bei denen die Liberalen Stimmengewinne verbuchten, aber am Ende mangels Vertrauen durch die Unabhängigen Abgeordneten nicht die Regierung bilden konnten, wurde er Schattenminister für Telekommunikation.

2009 galt er mit einem Vermögen von geschätzten AUD 186 Millionen als einer der 200 reichsten Australier und als der vermögendste Parlamentarier.

Einzelnachweise und Weblinks[Bearbeiten]