Malcolm Turnbull

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Malcolm Turnbull (2013)

Malcolm Bligh Turnbull (* 24. Oktober 1954 in Sydney, Australien) ist ein australischer Politiker der konservativen Liberal Party of Australia. Der vormalige Rechtsanwalt und Investmentbankier dient seit September 2013 unter Ministerpräsident Tony Abbott als Minister für das Fernmeldewesen. Unter Ministerpräsident John Howard diente er von Januar zu dessen Abwahl im Dezember 2007 als Umweltminister. Anschließend war er zunächst Schattenminister für Finanzen und von September 2008 bis Dezember 2009 Oppositionsführer.

Turnbull, von 1993 bis 2000 Vorsitzender der Republikanischen Bewegung Australiens, wird dem zentristischen Flügel der Liberalen zugerechnet für die er seit 2004 einen Wahlkreis im Osten von Sydney im Bundesparlament vertritt. Seine gesellschaftspolitischen Ansichten zu Themen wie gleichgeschlechtliche Ehe und Umwelt gelten als fortschrittlich und dem heutigen australischen Mainstream entsprechend. Schon bald nach seinem Eintritt in das Bundesparlament zählte er zu den populärsten Politikern des Landes und ist in Umfragen oft sogar der beliebteste.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Malcolm Turnbull, in relativ einfachen Verhältnissen in den östlichen Vororten von Sydney aufgewachsen, studierte zunächst in seiner Heimatstadt Recht und Kunst, ehe er seine juristische Ausbildung an der englischen Eliteuniversität Oxford fortsetzte. Parallel zu seinem Studium arbeitete er in beiden Ländern auch als Journalist für Zeitungen, Magazine und Rundfunk.

Noch in England heiratete er 1980 die im australischen Mittagong geborene Lucy Hughes, Tochter des vormaligen Liberalen Bundesjustizministers Tom Hughes[1] und Nichte des Kunstkritikers und Autoren Robert Hughes[2], die ihm in den Jahren 1982 und 1985 den Sohn Alex und die Tochter Daisy gebar und von 2003 bis 2004 als erste Frau das Amt des Oberbürgermeisters von Sydney bekleiden sollte. Noch im selben Jahr kehrte das Paar nach Australien zurück. Dort arbeitete Malcom Turnbull zunächst als Rechtsanwalt, ehe er 1983 Rechtsberater des Großverlegers von Magazinen Australian Consolidated Press des Medienzaren Kerry Packer wurde, den er dabei erfolgreich im Zusammenhang mit einer Aufsehen erregenden Steuerminimierungsangelegenheit, der sogenannten "Goanna-Affäre", verteidigte.

1985 machte er zusammen mit Bruce McWilliam die eigene Anwaltskanzlei Turnbull McWilliam auf. 1986 erreichte er dabei Bekanntheit, als er gegen britische Interessen die Veröffentlichung des Buches Spycatcher des ehemaligen britischen Geheimagenten Peter Wright durchsetzen konnte. 1987 eröffnete er zusammen mit Nicholas Whitlam, einem Sohn des ehemaligen australischen Ministerpräsidenten Gough Whitlam und Neville Wran, einem ehemaligen Ministerpräsidenten des Bundesstaates New South Wales, beide von der Australian Labor Party, die Investmentbank Whitlam Turnbull & Co Ltd. Nach dem Ausscheiden Whitlams 1990 firmierte die Bank als Turnbull & Partners Ltd.

Bereits in jener Zeit trat Turnbull in den Aufsichtsrat diverser Firmen ein und erwarb auch diverse Beteiligungen. 1997 wurde er Leiter von Goldman Sachs in Australien und stieg dort bereits im Jahr darauf zum Partner auf. Die Zusammenarbeit mit Goldman Sachs dauerte bis 2001 an. 1999 verkaufte er seinen 1994 für AUD 500.000 erworbenen Anteil am Internet Service Provider OzEmail nach Berichten für AUD 57 Millionen an WorldCom.[3]

Politik[Bearbeiten]

1981 machte er seinen ersten Ausflug in die Politik, als er sich erfolglos um die Kandidatur der Liberalen für den in den wohlhabenden östlichen Vororten Sydneys gelegenen Bundes-Parlamentssitz von Wentworth bemühte.

1993 wurde er Vorsitzender der antimonarchistischen Bewegung in Australien, des Australian Republican Movement. Nach dessen Niederlage in einem Referendum 1999 behielt er den Vorsitz bis 2000 bei.

Malcolm Turnbull (2005)

2004 bewarb er sich erneut um den Sitz von Wentworth. Er investierte dabei nach Berichten rund AUD 600.000 seines eigenen Vermögens. Zunächst schlug er dabei den amtierenden Abgeordneten Peter King um die Kandidatur für die Liberalen und gewann schließlich den Sitz trotz dessen, dass die Partei in Wentworth rund 10 % der Stimmen im Vergleich zur vorhergehenden Wahl einbüßten. 2006 wurde er von Premierminister John Howard zunächst mit der Leitung des Amtes für Wasserressourcen betraut, ehe er anfangs des darauf folgenden Jahres zum Minister für Umwelt und Wasserressourcen wurde.

Nachdem die Howard-Regierung noch im November desselben Jahres von der Labor Party unter Kevin Rudd aus dem Amt verjagt wurde - Turnbull gelang dabei in seinem Sitz entgegen dem Bundestrend ein leichter Stimmengewinn - bemühte er sich um das Amt des Oppositionsführers. Bei der Kampfabstimmung in der liberalen Fraktion unterlag er aber gegen den Ex-Verteidigungsminister Dr. med. Brendan Nelson mit 45 zu 42 Stimmen. Unter diesem wurde Turnbull Schattenminister für Finanzen. Nelson erwies sich aber als blasser Führer und hangelte sich von einem Umfragetief zum nächsten. Im September 2008 kam es zu einer erneuten Kampfabstimmung zwischen den beiden um die Oppositionsführung. Turnbull siegte diesmal mit 45 zu 41 Stimmen.

Unter Turnbull verbesserten sich die Umfragewerte für die Opposition, ohne dass diese sich aber ernsthaft an die Werte für die regierende Labor Party und deren weiterhin auf einer Welle allgemeiner Popularität schwimmenden Premierminister Rudd annäherten. Ernsthaften Schaden nahm das Ansehen von Turnbull erstmals als er Mitte 2009 in der sogenannten OzCar Affäre Fehlinformationen und einem gefälschten E-Mail eines den Liberalen nahestehenden hohen Beamten des Finanzministeriums, Godwin Grech, aufsass und in der Folge Premierminister Rudd im Parlament mit falschen Anschuldigungen belastete.

Das Ende der Führung Turnbulls kam aber durch seinen nachhaltigen Eintritt für den auch seinerzeit von der Regierung befürworteten Emissionsrechtehandel zustande; die Mehrheit der liberalen Fraktionskollegen war dagegen und Turnbulls Position wurde in Umfragen nicht durch Zustimmungswerte für die Opposition belohnt. Dies kumulierte im Dezember 2009 in einer erneuten Kampfabstimmung um die Führung der Opposition. Diesmal unterlag Turnbull dem erzkonservativen vormaligen Priesteramtsstudenten und Monarchisten Tony Abbott mit 41 zu 42 Stimmen.

Turnbull bekam keine Berufung in dessen Schattenkabinett und kündigte seinen Verzicht auf eine Wiederwahl als Abgeordneter bei den für Ende 2010 anstehenden Parlamentswahlen an, was er aber wenige Monate später widerrief. Nach den Wahlen, bei denen die Liberalen Stimmengewinne verbuchten, aber am Ende mangels Vertrauen durch die unabhängigen Abgeordneten nicht die Regierung bilden konnten, wurde er Schattenminister für Telekommunikation.

Im September 2013 gelang den Liberalen ein überzeugender Wahlsieg nachdem die Labor-Regierung unter Ministerpräsidentin Gillard in schwer Ungnade gefallen war und deren wenige Wochen vor den Wahlen wieder ins Amt berufene Kevin Rudd den Rückstand in den Umfragen nurmehr geringfügig aufholen konnte. Der neue Ministerpräsident Tony Abbott berief Turnbull zum Minister für das Fernmeldewesen mit Sitz im Kabinett. Als seine Hauptaufgabe wird die Reorganisation des Aufbaus des unter der ersten Ministerpräsidentschaft von Kevin Rudd und mit Kosten von AUD 40 Milliarden veranschlagten National Broadband Network (NBN) angesehen.

Vermögen[Bearbeiten]

Malcolm Turnbull galt 2009 mit einem Vermögen von geschätzten AUD 186 Millionen als einer der 200 reichsten Australier und als der vermögendste Parlamentarier. 2014 wurde er nicht mehr in der Liste der "Reichsten 200" Australiens aufgeführt, wofür ein Vermögen von mindestens 250 Millionen Dollar notwendig gewesen wäre.[4] Sein Haus am Hafen in Point Piper, einem Vorort im Osten Sydneys, wurde 2015 mit einem Wert von rund 50 Millionen Dollar beziffert. [5]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Tom Hughes (*1921), Justizminister 1969-71 unter Ministerprásident John Gorton.
  2. Robert Hughes (1938-2012), Hauptwerk: The Fatal Shore, 1987.
  3. A decade of life with OzEmail, Sydney Morning Herald 14.10.2002.
  4. BRW Rich 200, Business Review Weekly, 2014.
  5. Lucy Macken: Inside Malcolm Turnbull's Point Piper mansion, Domain, 6.2.1015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malcolm Turnbull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien