Ben Chifley

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Joseph Benedict Chifley

Joseph Benedict Chifley (* 22. September 1885 in Bathurst, New South Wales; † 13. Juni 1951 in Canberra, Australian Capital Territory) war Politiker der Australian Labor Party und der 16. Premierminister Australiens. Seine Amtszeit dauerte vom 13. Juli 1945 bis zum 19. Dezember 1949. Vom 19. Dezember 1949 bis zum 13. Juni 1951 war er der Oppositionsführer.

Die Zeit, bevor er Premierminister wurde (bis Juli 1945)[Bearbeiten]

Ben Chifley wurde in Bathurst als ältester dreier Söhne von Patrick und Mary Anne Chifley, geb. Corrigan, Geburt|geboren. Mit 5 Jahren wurde er auf die kleine Farm seines Großvaters geschickt. Dort wurde er aufgezogen und erhielt eine einfache Schulbildung. Nach dem Tod seines Großvaters musste der nunmehr 13-Jährige in sein Elternhaus zurückkehren. Nach einem weiteren Jahr auf eine Schule in Bathurst begann sein Arbeitsleben.

Nachdem er zunächst in einem örtlichen Laden und einer Gerberei arbeitete, fing er im Alter von 15 Jahren bei der New South Wales Railways an. Binnen 12 Jahren brachte er es dort zum Lokführer. Während dieser Zeit eignete er sich seine gute Bildung in Abendschule an. Zudem engagierte sich aktiv in Gewerkschaften und trat der Australian Labor Party (ALP) bei. Im Jahre 1914 heiratete er Elisabeth McKenzie. Die Ehe blieb aber kinderlos.

1917 war er in Bathurst einer der Anführer eines Eisenbahnerstreiks, der sich zum australischen Generalstreik von 1917 entwickelte. Nach 6 Wochen wurde dieser allerdings durch den massiven Druck der Arbeitgeber beendet, was für viele Arbeiter zur Entlassung bzw. Zurückstufung im Arbeitsverhältnis führte. Auch Ben Chifley wurde entlassen und wurde erst 1920, allerdings in einer niedrigeren Position, wieder eingestellt. Erst 1925 wurde er wieder Lokführer. Dies führte dazu, dass er sich mehr und mehr der aktiven Politik zuwandte.

1925 trat er erstmals als Kandidat der ALP im Wahlkreis Macquarie, New South Wales, bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus an, konnte sich als Kandidat allerdings nicht durchsetzen. Erst im zweiten Anlauf bei den Wahlen im Jahr 1928 gewann er den Sitz im Repräsentantenhaus, ebenso bei den vorgezogenen Neuwahlen im Jahre 1929. Im Zuge einer Kabinettsumbildung wurde Ben Chifley 1931 zum Verteidigungsminister unter Premierminister James Scullin ernannt. Diesen Posten verlor er noch im selben Jahr zusammen mit seinem Parlamentssitz, als die Regierung Scullin abgewählt wurde.

In den folgenden Jahren musste er sich auf die lokale Politik konzentrieren, da er bei der folgenden Wahl zum Repräsentantenhaus (1934) keinen Erfolg hatte und 1937 noch nicht einmal von seiner Partei aufgestellt wurde. Auch auf Landesebene hatte er bei Wahlen 1935 keinen Erfolg. Im selben Jahr wurde er aber von der Regierung Joseph Lyons in die staatliche Kommission für das Bankwesen (Royal Commission into the banking system) berufen. Dort setzte er sich, wenngleich mit dieser Meinung in der Minderheit, für die Verstaatlichung der Privatbanken ein.

1940 wurde er wieder als Kandidat im Wahlkreis Macquarie aufgestellt und gewann ihn zurück. Nachdem Robert Menzies 1941 sein Amt an den glücklosen Arthur Fadden verlor, welcher nach lediglich 39 Tagen als Premierminister ebenfalls aufgeben musste, wurde John Curtin Premierminister. Dieser machte Ben Chifley zu seinem Finanzminister. 1942 wurde Ben Chifley zudem Minister im neu geschaffenen Ressort Ministry for Postwar Reconstruction und somit zu zweitwichtigsten Mitglied des Kabinetts, obschon er nicht stellvertretender Premierminister war.

Die Zeit als Premierminister (Juli 1945 bis Dezember 1949)[Bearbeiten]

Nachdem John Curtin am 5. Juli 1945 verstarb, wurde zunächst Frank Forde als Premierminister vereidigt. Ben Chifley gewann allerdings in der darauffolgenden Woche die Wahlen zum Parteivorsitz der ALP, so dass er am 13. Juli 1945 das Amt des Premierministers antrat.

Ben Chifley (Mitte), Herbert Evatt (links) und Clement Attlee (rechts) auf der Dominion and British Leaders Conference 1946

Bei den ersten Parlamentswahlen, welche er im September 1946 zu bestehen hatte, wurde er mit einer komfortablen Mehrheit wiedergewählt, so dass er seinen bereits ein Jahr zuvor eingeschlagenen politischen Kurs fortsetzen konnte. Dieser Kurs bestand in der Beibehaltung der rigiden Wirtschaftspolitik, welche während des Zweiten Weltkriegs eingeführt wurde. Dies bedeutete weiterhin die Rationierung von wichtigen Wirtschaftsgütern wie beispielsweise Benzin. Auch unterlag der Warenimport nach Australien staatlicher Steuerung. Die Auslandsschulden Australiens wurden so zurückgefahren, während die Inflation in Grenzen gehalten wurde.

Er öffnete auch die Tore für Einwanderer nach Australien und schuf eigens ein Ministerium, welches sich mit Fragen der Einwanderungspolitik beschäftigte. Notwendig wurde dies durch den starken Bedarf an Arbeitskräften, welcher sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ergab. Ben Chifley legte somit den Grundstein für die multikulturelle Gesellschaft, die man heute in Australien vorfindet.

In der Außenpolitik setzte sich Ben Chifley für die Unabhängigkeit sowohl Indiens wie auch Indonesiens ein.

Folgende Meilensteine fallen in Ben Chifleys Amtszeit:

Von einer sicheren Machtbasis ausgehend, wollte Ben Chifley nunmehr seinen alten Plan, die Privatbanken zu verstaatlichen, umsetzen. Im Oktober 1947 brachte er ein entsprechendes Gesetz im Parlament ein, was eine heftige Reaktion der Opposition wie auch der Presse auslöste. Diese Gesetzgebung wurde schließlich vom High Court of Australia und vom Privy Council for Australia in London für verfassungswidrig erklärt. Die öffentliche Meinung wandte sich seit dieser Zeit von Ben Chifley und der ALP ab.

Im Winter 1949 löste dann ein langer und verbissener Streik in der Kohleindustrie Arbeitslosigkeit und soziale Härten aus. Ben Chifley sah in diesem Streik einen Schachzug der Communist Party of Australia, der ALP den Platz als der Partei für die Arbeiterklasse streitig zu machen. Er setzte sogar das Militär ein, um den Streik zu brechen und um einige der Anführer inhaftieren zu lassen.

Oppositionsführer Robert Menzies nutzte diese Situation und die zunehmende antikommunistische Hysterie, welche der beginnende Kalte Krieg hervorrief, aus, um die öffentliche Meinung gegen die ALP zu mobilisieren.

Bei den Parlamentswahlen am 10. Dezember 1949 verlor die ALP folglich ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus, so dass Ben Chifley am 19. Dezember 1949 seinen Platz als Premierminister für Robert Menzies räumen musste.

Die Zeit, nachdem er Premierminister war (ab Dezember 1949)[Bearbeiten]

Nach der Wahl blieb Ben Chifley weiter der Parteivorsitzende der ALP und übernahm somit die Rolle des Oppositionsführers. Zudem kontrollierte seine Partei weiterhin den Senat, so dass er Robert Menzies Regierungsarbeit zu erschweren gedachte und auf diesem Wege wieder an die Macht gelangen wollte.

1951 brachte Robert Menzies ein Gesetz zum Verbot der Communist Party of Australia ein, gegen welches Ben Chifley aus Gründen zivilrechtlicher Freiheit opponierte.

Robert Menzies schlachtete diese Einstellung für seine politischen Zwecke aus und rief Neuwahlen für April 1951 aus. Bei diesen Wahlen gewann er nunmehr auch die Mehrheit im Senat.

Am 13. Juni 1951 erlitt Ben Chifley in seinem Hotelzimmer in Canberra einen fatalen Herzanfall.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ben Chifley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien