Kevin Rudd

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Kevin Rudd (2013)

Kevin Michael Rudd (* 21. September 1957 in Nambour, Queensland, Australien) ist ein australischer Politiker und ehemaliger Diplomat. Er war Premierminister Australiens vom 3. Dezember 2007 bis 24. Juni 2010 und vom 27. Juni 2013 bis zum 8. September 2013.

Rudd ist außerdem parlamentarischer Vorsitzender der Australian Labor Party, auch dieses Amt hatte er bereits von Dezember 2006 bis zum 24. Juni 2010 inne. Vom 14. September 2010 bis zum 22. Februar 2012 amtierte er im Kabinett von Premierministerin Gillard als Außenminister.

Rudd schlug beruflich die Laufbahn eines Diplomaten ein, ist studierter Sinologe und spricht fließend Hochchinesisch.

Frühes Leben[Bearbeiten]

Kevin Rudd ist der jüngste Sohn von Albert (Bert) und Margaret Rudd, geborene DeVere. Er wuchs auf einer Farm bei Eumundi in Queensland auf. Im Alter von 11 Jahren starb sein Vater, der ein Mitglied der Country Party war. Seine Mutter arbeitete nach dem Tod ihres Mannes als Krankenschwester im Brisbane Mater Hospital. Rudd ging zwei Jahre lang in Brisbane zu einer katholischen Schule, zum Marist Brothers College Ashgrove. Als seine Mutter am Nambour Hospital in Nambour arbeitete, schloss Rudd seine Schulausbildung an der Nambour State High School ab. Danach lebte er ein Jahr in Sydney. Anschließend studierte an der Australian National University in Canberra chinesische Geschichte und chinesische Sprache. Sein Studium schloss er als Bachelor of Arts (Asian Studies) mit einem exzellenten Zeugnis ab.

1977 heiratete er Thérèse Rein, mit der er drei gemeinsame Kinder hat.[1]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

1981 begann Kevin Rudd seine berufliche Karriere im australischen Außenministerium als Diplomat. Er arbeitete an den Botschaften in Stockholm und anschließend in Peking. 1986 kehrte er nach Canberra zurück. 1988 wurde Kevin Rudd zum Botschaftsrat im diplomatischen Dienst Australiens befördert.[1]

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

Karrierebeginn[Bearbeiten]

Kevin Rudd trat 1972 im Alter von 15 Jahren in die Australian Labor Party ein.

1988 arbeitete Kevin Rudd im Wahlkampfteam von Wayne Goss, der die Wahl zum Premierminister von Queensland im Jahr 1989 gewann. Kevin Rudd wurde sein Kanzleramtsminister und von 1991 bis 1995 Generaldirektor des Kabinettbüros.

Ab 1993 war Rudd zuständig für asiatische Sprachen an Schulen unter der australischen Regierung von Paul Keating. 1996 wurde er von seiner Partei für den Wahlkreis Griffith durch den Rücktritt eines langjährigen Parlamentsmitglieds zu dessen Nachfolger für das australische Hause of Representatives (australisches Parlament) ernannt. 1998 gewann Kevin Rudd die Wahl und kam im Alter von 41 Jahren ins Parlament; 2001 wurde er wiedergewählt. Im November 2011 wurde Rudd von der Labor Party zum Schattenminister für auswärtige Beziehungen, im Dezember 2003 für internationale Sicherheit und im Juni 2005 für Handel bestimmt.

Am 4. Dezember 2006 erfolgte Kevin Rudds Wahl zum 19. Vorsitzenden der Australian Labor Party.[1]

Premierminister[Bearbeiten]

Rudd mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew (2009)

Bei der Parlamentswahl vom 24. November 2007 gelang der Labor Party ein deutlicher Wahlsieg, und am 3. Dezember 2007 wurde Rudd als Nachfolger John Howards als 26. Premierminister Australiens vereidigt. Sein Kabinett umfasste 29 Ministerien.

Im November 2007 kündigte Rudd an, zu Beginn seiner Amtszeit eine förmliche Entschuldigung für die Kindsentführungen, Massaker und Misshandlungen an den australischen Aborigines seit der britischen Kolonialisierung 1788 vorzubringen.[2] Am 13. Februar 2008 machte er seine Ankündigung wahr und bat im Namen der australischen Regierung in einer Rede vor dem australischen Parlament für das während zwei Jahrhunderten angetane Unrecht um Entschuldigung.[3] Rudds Vorgänger John Howard hatte eine solche Entschuldigung stets abgelehnt.[4]

Die erste Amtshandlung seiner Regierung war die Ratifizierung des von seinem Vorgänger abgelehnten[5] Kyoto-Protokolls.[6]

Ein weiteres wichtiges Anliegen Rudds war die Verteidigungspolitik. Nach seiner Amtsübernahme beauftragte er Verteidigungsminister Joel Fitzgibbon mit der Erstellung eines neuen Weißbuches, welches die Regierung am 2. Mai 2009 veröffentlichte. In diesem spiegelt sich unter anderem Rudds Wahlversprechen wider, den Verteidigungsetat des Landes dauerhaft zu vergrößern und die australische Position im pazifischen Raum zu stärken. Im Zusammenhang mit Letzterem kühlten sich die Beziehungen zu China ab, da die Volksrepublik China das Dokument als potenzielle Bedrohung auffasste.[7]

Rücktritt[Bearbeiten]

Am Abend des 23. Juni 2010 verdichteten sich plötzlich Gerüchte, dass vor allem der rechte Parteiflügel eine umgehende Ablösung von Rudd betreiben würde. Im Verlauf des Abends wurden diese Gerüchte zur Gewissheit und Julia Gillard galt schon bald als Favoritin bei einer Herausforderung Rudds.

Am folgenden Morgen, dem 24. Juni 2010, wurde eine Sitzung der parlamentarischen Fraktion der Labor Party einberufen. Bei dieser Sitzung wurde klar, dass Gillard breitere Unterstützung als Rudd besaß. Rudd stellte sich nicht mehr zur Wiederwahl, trat als Parteivorsitzender und Premierminister zurück und schied aus der Regierung aus.

Außenminister[Bearbeiten]

Nach den folgenden Parlamentswahlen am 21. August 2010 konnte sich Labor nach dem Verlust der absoluten Mehrheit dank der Unterstützung unabhängiger Abgeordneter knapp an der Regierung behaupten. Rudd wurde von der im Amt bestätigten Ministerpräsidentin Gillard zum Außenminister ernannt.

Analog zu dem Slogan seiner Wahlkampagne von 2007, Kevin 07,[8] erhielt Rudd wegen seiner häufigen Flugreisen den Spitznamen Kevin 747, der sich auf das Großraumflugzeug Boeing 747 bezieht.[9][10][11]

Am 22. Februar 2012 trat er vom Amt des Außenministers zurück. Nachdem Rudd Zweifel an der Fähigkeit von Ministerpräsidentin Gillard geäußert hatte, die nächsten Wahlen gewinnen zu können, setzte diese für den 27. Februar 2012 eine Abstimmung über den Parteivorsitz in der Parlamentsfraktion von Labor an. Diese gewann sie mit 71 Stimmen für sich gegen 31 für Rudd. Rudd erklärte in der Folge, er habe nicht vor, nochmals bei einer Abstimmung um eine Führungsposition gegen Gillard anzutreten.

Zweite Amtszeit als Premierminister[Bearbeiten]

Am 26. Juni 2013 bewarb sich Rudd erneut bei einer Abstimmung seiner Parlamentsfraktion um den Parteivorsitz gegen Gillard. Er konnte diese mit 57 zu 45 Stimmen für sich entscheiden.[12] Am nächsten Tag übernahm er auch wieder das Amt des Premierministers.[13] Rudd amtierte bis zur nächsten Parlamentswahl in Australien und verlor diese Wahl gegen seinen Herausforderer Tony Abbott von der liberalkonservativen Partei der Liberal Party of Australia und trat am 8. September 2013 vom Amt des Premierministers zurück.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kevin Rudd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c primeministers.naa.gov.au: Before Office, in englischer Sprache, abgerufen am 26. Juni 2013
  2. Financial Times Deutschland: Australiens Regierung will sich bei Aborigines entschuldigenVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, 10. Februar 2008
  3. Swissinfo: Australien entschuldigt sich erstmals formell bei Ureinwohnern, 13. Februar 2008
  4. Nick Squires: New PM Kevin Rudd to apologise to Aborigines The Telegraph, 27. November 2007
  5. Sydney Morning Herald: Kyoto Protocol 'next to useless': PM 16. Februar 2005
  6. http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/australien_aid_227916.html
  7. vgl dazu o. V.: Sharpening the koala's claws, in: The Economist Online, 7. Mai 2009. Zugriff am 13. Mai 2009.
  8. The Australian, Simon Canning: Adman Neil Lawrence goes from Kevin 07 to 747s with Qantas, 19. August 2011, abgerufen am 28. Juni 2013
  9. Where is Kevin 747? (Version vom 8. Februar 2011 im Internet Archive)
  10. Samantha Maiden: Kevin '747' takes off before Rudd boards plane, The Australian, 16. September 2010
  11. Australia's Mandarin "Assassinated"
  12. Kevin Rudd ousts Australia Prime Minister Julia Gillard. BBC, 26. Juni 2013, abgerufen am 26. Juni 2013 (englisch).
  13. Emma Griffiths: Kevin Rudd produces fresh uncertainty over election date, Tony Abbott says election 'can't come soon enough'. ABC, 27. Juni 2013, abgerufen am 27. Juni 2013 (englisch).