Kevin Rudd

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Kevin Rudd (2010)

Kevin Michael Rudd (* 21. September 1957 in Nambour, Queensland, Australien) ist ein australischer Politiker, ehemaliger Diplomat und war vom 3. Dezember 2007 bis 24. Juni 2010 der 26. Premierminister Australiens. Von Dezember 2006 bis 24. Juni 2010 war er parlamentarischer Vorsitzender der Australian Labor Party. Vom 14. September 2010 bis 22. Februar 2012 amtierte er im Kabinett von Premierministerin Julia Gillard als Außenminister.

Rudd ist studierter Sinologe und spricht fließend Hochchinesisch.

Inhaltsverzeichnis

Premierminister [Bearbeiten]

Rudd mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew (2009)

Bei der Parlamentswahl vom 24. November 2007 gelang der Labor Party ein deutlicher Wahlsieg, und am 3. Dezember 2007 wurde Rudd als Nachfolger John Howards als 26. Premierminister Australiens vereidigt. Sein Kabinett umfasste 29 Ministerien.

Im November 2007 kündigte Rudd an, zu Beginn seiner Amtszeit eine förmliche Entschuldigung für die Kindsentführungen, Massaker und Misshandlungen an den australischen Aborigines seit der britischen Kolonialisierung 1788 vorzubringen.[1] Am 13. Februar 2008 machte er seine Ankündigung wahr und bat im Namen der australischen Regierung in einer Rede vor dem australischen Parlament für das während zwei Jahrhunderten angetane Unrecht um Entschuldigung.[2] Rudds Vorgänger John Howard hatte eine solche Entschuldigung stets abgelehnt.[3]

Die erste Amtshandlung seiner Regierung war die Ratifizierung des von seinem Vorgänger abgelehnten[4] Kyoto-Protokolls.[5]

Ein weiteres wichtiges Anliegen Rudds war die Verteidigungspolitik. Nach seiner Amtsübernahme beauftragte er Verteidigungsminister Joel Fitzgibbon mit der Erstellung eines neuen Weißbuches, welches die Regierung am 2. Mai 2009 veröffentlichte. In diesem spiegelt sich unter anderem Rudds Wahlversprechen wider, den Verteidigungsetat des Landes dauerhaft zu vergrößern und die australische Position im pazifischen Raum zu stärken. Im Zusammenhang mit Letzterem kühlten sich die Beziehungen zu China ab, da das Dokument die Volksrepublik China als potenzielle Bedrohung auffasste.[6]

Rücktritt [Bearbeiten]

Am Abend des 23. Juni 2010 verdichteten sich plötzlich Gerüchte, dass vor allem der rechte Parteiflügel eine umgehende Ablösung von Rudd betreiben würde. Im Verlauf des Abends wurden diese Gerüchte zur Gewissheit und Julia Gillard galt schon bald als Favoritin bei einer Herausforderung Rudds.

Am folgenden Morgen, dem 24. Juni 2010, wurde eine Sitzung der parlamentarischen Fraktion der Labor Party einberufen. Bei dieser Sitzung wurde klar, dass Gillard breitere Unterstützung als Rudd besaß. Rudd stellte sich nicht mehr zur Wiederwahl, trat als Parteivorsitzender und Premierminister zurück und schied aus der Regierung aus.

Außenminister [Bearbeiten]

Nach den folgenden Parlamentswahlen am 21. August 2010 konnte sich Labor nach dem Verlust der absoluten Mehrheit dank der Unterstützung unabhängiger Abgeordneter knapp an der Regierung behaupten. Rudd wurde von der im Amt bestätigten Ministerpräsidentin Gillard zum Außenminister ernannt. Rudd war damit in bester Position, seinen Spitznamen Kevin 747,[7][8][9] den er sich als stets reisefreudiger Politiker erworben hat, verteidigen zu können.

Am 22. Februar 2012 trat er vom Amt des Außenministers zurück. Nachdem Rudd Zweifel an der Fähigkeit von Ministerpräsidentin Gillard geäußert hatte, die nächsten Wahlen gewinnen zu können, setzte diese für den 27. Februar 2012 eine Abstimmung über den Parteivorsitz in der Parlamentsfraktion von Labor an. Diese gewann sie mit 71 Stimmen für sich gegen 31 für Rudd. Rudd erklärte in der Folge, er habe nicht vor, nochmals bei einer Abstimmung um eine Führungsposition gegen Gillard anzutreten.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Kevin Rudd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Financial Times Deutschland: Australiens Regierung will sich bei Aborigines entschuldigen, 10. Februar 2008
  2. Swissinfo: Australien entschuldigt sich erstmals formell bei Ureinwohnern, 13. Februar 2008
  3. Nick Squires: New PM Kevin Rudd to apologise to Aborigines The Telegraph, 27. November 2007
  4. Sydney Morning Herald: Kyoto Protocol 'next to useless': PM 16. Februar 2005
  5. http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/australien_aid_227916.html
  6. vgl dazu o. V.: Sharpening the koala's claws, in: The Economist Online, 7. Mai 2009. Zugriff am 13. Mai 2009.
  7. Where is Kevin 747? (Version vom 8. Februar 2011 im Internet Archive)
  8. Samantha Maiden: Kevin '747' takes off before Rudd boards plane, The Australian, 16. September 2010
  9. Australia's Mandarin "Assassinated"