Marian Rejewski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marian Rejewski 1932
Marian Rejewski 1943/44
Das Sächsische Palais (poln. Pałac Saski) in Warschau beherbergte in den 1930er-Jahren das polnische Chiffrenbüro Biuro Szyfrów

Marian Adam Rejewski?/i (* 16. August 1905 in Bromberg; † 13. Februar 1980 in Warschau) war ein polnischer Mathematiker und Kryptologe. Er legte 1932 die Grundlagen zur Kryptoanalyse der deutschen Schlüsselmaschine ENIGMA und damit zur Entzifferung der Funksprüche, die die deutschen Militärs im Zweiten Weltkrieg damit verschlüsselten.

Studentenleben[Bearbeiten]

Rejewski begann nach Beendigung der Schule Mathematik und Statistik an der Universität in Posen zu studieren. Im Sommer 1929 wechselte er nach Göttingen, wo er ein Jahr blieb. Während Rejewskis Abwesenheit hielt das Biuro Szyfrów (deutsch: „Chiffren-Büro“) des polnischen Generalstabs einen Kurs für zwanzig ausgewählte Studenten ab. Der Geheimdienst hatte Posen für diesen Sonderkurs ausgewählt, da die Stadt von 1793 bis 1918 zu Deutschland gehört hatte und daher viele deutschsprachige Studenten beherbergte. Man hatte die Hoffnung, so neue Kryptologen zu gewinnen. Rejewski wurde kurze Zeit später eine Assistentenstelle an seiner Heimatuniversität angeboten, woraufhin er aus Göttingen zurückkehrte. Nach dem Kurs des Geheimdienstes war an der Posener Universität ein Chiffrenbüro eingerichtet worden, in dem die beiden jüngeren Studenten Henryk Zygalski und Jerzy Różycki arbeiteten. Nun begann auch Rejewski, sich mit der Kunst der Verschlüsselung zu beschäftigen.

Arbeit im Chiffrenbüro[Bearbeiten]

Das Zyklometer (1934)
Denkmal für Marian Rejewski in seiner Geburtsstadt Bydgoszcz (Bromberg), das im Jahr 2005 anlässlich seines 100. Geburtstags dort enthüllt wurde. Links neben ihm ist eine ENIGMA zu sehen.
Ehrenmal für Marian Rejewski in Posen.
Militärzeremonie am Grab Marian Rejewskis anlässlich seines 100. Geburtstags.

Im Jahr 1932 wurde er vom Biuro Szyfrów (deutsch: „Chiffrenbüro“) in Warschau angeworben, und dem Referat BS4, der für Deutschland zuständigen Abteilung, zugeteilt. Dort gelang ihm bereits im Jahr 1932, zusammen mit seinen beiden Kollegen Różycki und Zygalski, die Kryptanalyse und der erste Einbruch in die deutschen ENIGMA-Funksprüche. Hierzu nutzte er speziell dafür konstruierte elektromechanische Maschinen, die als Zyklometer beziehungsweise Bomba bezeichnet wurden. Hiermit konnte innerhalb von wenigen Stunden der Tagesschlüssel gefunden werden, der zum Verschlüsseln der Nachrichten diente. Vor 1936 wurde er von den Deutschen nur quartalsweise gewechselt, danach täglich. Mit seinem Wissen über die ENIGMA war Rejewski allen anderen Kryptoanalytikern, die die ENIGMA für „unbrechbar“ hielten, um viele Jahre voraus.

Im Jahr 1939 entschloss sich das Chiffrenbüro, angesichts der für Polen zunehmend drohenden Gefahr, die seit 1932 erfolgreich entwickelten Methodiken und Gerätschaften, mit denen es gelungen war, den von der deutschen Reichswehr und später von der Wehrmacht mithilfe der ENIGMA verschlüsselten Nachrichten zu entziffern, an die französischen und britischen Verbündeten weiterzugeben. Am 26. und 27. Juli 1939[1] kam es zu einem legendären Treffen französischer, britischer und polnischer Codeknacker im Wald von Pyry, knapp 20 km südlich von Warschau, bei dem sie den verblüfften Briten und Franzosen ihre ENIGMA-Nachbauten und ihre kryptanalytischen Maschinen präsentierten und ihre Methodiken offenbarten.[2] Mit diesem Anschub konnten die britischen Codebreaker im englischen Bletchley Park mit Ausbruch des Krieges einen erneuten Angriff auf die deutsche Maschine starten, der es ihnen in der Folge ermöglichte, die verschlüsselten deutschen Funksprüche nahezu kontinuierlich zu entziffern.

Rejewski selbst nahm mit Teilen des Biuro Szyfrów im Oktober 1939 seine Arbeit in Frankreich auf und wurde dort dem „PC Bruno“ zugeteilt. Als auch dort die deutsche Wehrmacht im Juni 1940 einmarschierte, wurden er und weitere Kollegen des BS über Algerien nach Südfrankreich in den neuen Standort „Cadix“ evakuiert. Am 30. August 1943 wurden sie nach Großbritannien gebracht, wo sie ihre Forschungsarbeiten in Boxmoor durchführten. Die Erkenntnisse des Biuro Szyfrów wurden von den Alliierten, vor allem in England, weiter genutzt und verbessert. Die Erfolge der englischen Kryptoanalytiker in Bletchley Park zum Bruch der ENIGMA basieren auf den Arbeiten von Rejewski und dem Biuro Szyfrów.

Nach dem Krieg kehrte Rejewski nach Polen zurück, wo er seine Frau und seine beiden Kinder wiederfand. Er verfasste ein Buch über seine Arbeit, das aber nie veröffentlicht wurde. Die Polnische Gesellschaft für Mathematik ehrte ihn mit einer speziell für ihn kreierten Medaille. Rejewski starb 1980 in Warschau und ist dort auf dem Powązki-Friedhof bestattet.

Posthume Ehrungen[Bearbeiten]

2000 wurde ihm posthum das Großkreuz des Ordens Polonia Restituta verliehen. 2001 wurde in einer offiziellen Zeremonie in Gegenwart polnischer Generäle, Rejewskis Tochter und des Präsidenten der polnischen mathematischen Gesellschaft eine Erinnerungsplakette an Rejewski an seinem Grab eingeweiht.[3]

Im Jahr 2014 wurde er in die Hall of Honor (Ehrenhalle) der NSA (National Security Agency) aufgenommen.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Chris Christensen: Review of IEEE Milestone Award to the Polish Cipher Bureau for ‘‘The First Breaking of Enigma Code’’. Cryptologia. Rose-Hulman Institute of Technology. Taylor & Francis, Philadelphia PA 39.2015,2, S. 178–193. ISSN 0161-1194.
  • Rudolf Kippenhahn: Verschlüsselte Botschaften, Geheimschrift, Enigma und Chipkarte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999. ISBN 3-499-60807-3
  • Władysław Kozaczuk: Geheimoperation Wicher. Bernard u. Graefe, Koblenz 1989, Karl Müller, Erlangen 1999. ISBN 3-7637-5868-2, ISBN 3-86070-803-1
  • Władysław Kozaczuk: Im Banne der Enigma. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, 1987, ISBN 3-327-00423-4
  • Władysław Kozaczuk & Jerzy Straszak: Enigma – How the Poles Broke the Nazi Code. Hyppocrene Books, New York 2004. ISBN 0-7818-0941-X
  • Marian Rejewski: An Application of the Theory of Permutations in Breaking the Enigma Cipher. Applicationes Mathematicae, 16 (4), 1980, S. 543–559 PDF; 1,6 MB.
  • Gordon Welchman: From Polish Bomba to British Bombe: The Birth of Ultra. Intelligence and National Security, 1986.
  • Chris Christensen: Polish mathematicians finding patterns in Enigma messages, Mathematics Magazine, Band 80, 2007, S. 247-273

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marian Rejewski – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralph Erskine: The Poles Reveal their Secrets – Alastair Dennistons's Account of the July 1939 Meeting at Pyry. Cryptologia. Rose-Hulman Institute of Technology. Taylor & Francis, Philadelphia PA 30.2006,4, S. 294
  2. Ralph Erskine: The Poles Reveal their Secrets – Alastair Dennistons's Account of the July 1939 Meeting at Pyry. Cryptologia. Rose-Hulman Institute of Technology. Taylor & Francis, Philadelphia PA 30.2006,4, S. 294
  3. Foto in Booss-Bavnbek, Jens Hoyrup Mathematics and War: An invitation to revisit, Mathematical Intelligencer, 2003, Nr.3, S.20
  4. Chris Christensen: Review of IEEE Milestone Award to the Polish Cipher Bureau for ‘‘The First Breaking of Enigma Code’’. Cryptologia. Rose-Hulman Institute of Technology. Taylor & Francis, Philadelphia PA 39.2015,2, S. 192. ISSN 0161-1194.