Marie-Louise von Österreich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marie Louise von Österreich
(Porträt von François Gérard)

Marie-Louise von Österreich (* 12. Dezember 1791 in Wien; † 17. Dezember 1847 in Parma), eigentlich Maria Ludovica Leopoldina Franziska Therese Josepha Lucia von Habsburg-Lothringen, später (seit 1817) auch Maria Luigia d’Asburgo-Lorena, Duchessa di Parma, Piacenza e Guastalla, war die Tochter von Franz II./I. und zweite Ehefrau Napoleons I.

Biografie[Bearbeiten]

Jugend in Wien[Bearbeiten]

Marie-Louise von Österreich war die erste Tochter des österreichischen Kaisers Franz II. und seiner zweiten Ehefrau Maria Theresia von Neapel-Sizilien, Tochter König Ferdinands I. beider Sizilien und seiner Gattin Erzherzogin Maria Karolina von Österreich. Sie war eine Urenkelin Maria Theresias sowie eine Großnichte der französischen Königin Marie Antoinette, die knapp zwei Jahre nach Marie-Louises Geburt in der französischen Revolution ihren Kopf unter der Guillotine verlor.

Das Mädchen war Enkelin von Maria Karolina von Österreich und der spanische Infantin Maria Luisa von Spanien, nach der sie benannt wurde.

Im Alter von 15 Jahren verlor sie ihre Mutter. Ein Jahr später, am 6. Januar 1808, heiratete ihr Vater Maria Ludovika Beatrix von Österreich. Die Ehe blieb kinderlos aufgrund einer Krankheit Ludovikas.

In vierter Ehe heiratete er am 10. November 1816 in Wien Prinzessin Karoline Auguste von Bayern (1792–1873), Tochter König Maximilians I.. Warum die vierte Ehe kinderlos blieb, ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Der Kaiser liebte alle seine vier Frauen.

Ehe mit Napoleon[Bearbeiten]

Durch die Verheiratung mit Napoleon Bonaparte erhoffte sich ihr Vater Franz II. die Festigung der politischen Verhältnisse zwischen dem Kaiserreich Frankreich und dem Kaisertum Österreich, Napoleon hingegen die Legitimation seines Kaiserreichs. Am 11. März 1810 fand eine Ferntrauung zwischen der damals achtzehnjährigen Erzherzogin und dem Kaiser der Franzosen statt. Die offizielle Hochzeit wurde am 1. April in der Kapelle des Louvre vollzogen.

Leidtragende war Marie Louise selbst, denn seit Jahren verabscheute sie Napoleon, der ihren geliebten Vater mehrmals militärisch gedemütigt hatte. Sie besaß sogar eine nach Napoleon benannte Puppe, an der sie ihren Zorn über den Antichrist, wie sie ihn nannte, abreagierte. Außerdem hatte sie sich bereits in jungen Jahren in Erzherzog Franz von Modena-Este verliebt, einen Bruder ihrer Stiefmutter, der Kaiserin Maria Ludovika. Eine Hochzeit war jedoch von Anfang an ausgeschlossen, da sie als Kaiserstochter von ihrem Vater für Höheres bestimmt war.[1]

Thomas Rowlandson: Karikatur über die Ehe Napoleons und Marie-Louise unter dem Titel Boney and his New Wife, or a Quarrell about Nothing, 1810

Marie Louise fügte sich in ihr Schicksal, sie betrachtete es als eine Art persönliches Opfer für das Haus Habsburg. Während die Unterschichten auf einen lang anhaltenden Frieden hofften, empfand der Adel die Heirat als nationale Demütigung. Dem Kaiser war jedoch klar, dass er es nicht riskieren konnte, Napoleon zurückzuweisen. Der österreichische Gesandte Metternich bemerkte treffend: „Kann man zwischen dem Untergang einer ganzen Monarchie und dem persönlichen Unglück einer Prinzessin wählen?“

Das französische Volk stand ihr stets ablehnend gegenüber, erinnerte man sich doch noch an die Zeit, als man Napoléons erste Gattin, Joséphine, als Glücksbringer des Kaiserreiches betrachtet hatte. Als mit Marie Louise auch die kleineren militärischen Niederlagen Einzug hielten, war die Meinung des Volkes beschlossen. Daran konnte auch die Geburt eines Erben nichts ändern. Als Napoleon während seines Russlandfeldzuges Marie Louise mit der Aushebung der immer jünger werdenden Soldaten beauftragte, wurden diese als Marie Louisen bezeichnet und die Ablehnung des Volkes erreichte ihr gegenüber einen neuen Höhepunkt. Auch aus Sicht des direkten Umfelds Napoléons hielt Marie Louise dem Vergleich zwischen ihr und Joséphine nicht stand, hatte sich diese doch immer durch ihren Charme, ihre Hilfsbereitschaft und Anmut ausgezeichnet, während Marie Louises Zurückhaltung als Arroganz ausgelegt wurde und diese auch noch den Fehler machte, ihre Unsicherheit durch übertrieben herrisches Verhalten kaschieren zu wollen.

Marie-Louise und ihr Sohn Napoleon Franz, der spätere Herzog von Reichstadt
Daguerreotypie von Marie-Louise als Herzogin von Parma, kurz vor ihrem Tod (um 1847)
Palazzo Ducale Parma

Aus dieser Verbindung ging 1811 der von Napoleon ersehnte Thronfolger Napoléon-François-Charles-Joseph Bonaparte, genannt Napoleon II., hervor. Napoléon, der sich während seiner ersten Ehe nicht gerade durch Monogamie ausgezeichnet hatte, hielt ihr jedenfalls offiziell die Treue bis zu seinem Tod, denn so lange waren sie auf dem Papier verheiratet.

Nach der Abdankung Napoleons 1814 floh Marie Louise zunächst mit ihrem Sohn über Blois nach Wien, wo sie von der Bevölkerung mit großem Jubel empfangen wurde. Am 21. Mai 1814 gelangte sie nach Schönbrunn; dieses wurde ihr als Aufenthaltsort zugewiesen. Von Kaiserin Maria Ludovika wurde sie erleichtert empfangen, mit dem Stiefenkel, dem kleinen Napoleon Franz, konnte Marie Ludovika aber nur wenig anfangen. Zwar empfand sie ihn als auffallend hübsch, jedoch erinnerte sie sein Anblick immer an seinen allzu verhassten Vater. Hätte sie zu entscheiden gehabt, hätte das Kind, um keinerlei politische Probleme heraufzubeschwören, später Priester werden müssen.[2]

Herzogin von Parma und Piacenza[Bearbeiten]

Auf dem Wiener Kongress 1814/15 wurden ihr die Herzogtümer Parma und Piacenza sowie Guastalla zugesprochen. Dabei wurden ihre Interessen vom Grafen Adam Albert von Neipperg (1775–1829) vertreten, mit dem sie dann in Parma zusammenlebte, obwohl sie noch Gattin Napoleons war. Mit dem Grafen hatte sie auch mehrere Kinder, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichten: die 1817 geborene Albertine sowie der 1819 geborene Wilhelm Albrecht. Ihre Kinder gab sie gleich nach der Geburt einem Arzt namens Dr. Rossi in Obhut, und auch um ihren Erstgeborenen, den Sohn von Napoléon, kümmerte sie sich nicht mehr. Erst nach dem Tode Napoleons wurde ihre Verbindung mit Neipperg 1821 durch eine morganatische Heirat legitimiert. Die Kinder aus dieser Verbindung erhielten den Namen Montenuovo und wurden später zu Fürsten erhoben, wobei Montenuovo die italienische Entsprechung zu Neuberg ist, der möglichen Namensherkunft der Grafen von Neipperg.

Ihre dritte Ehe schloss sie 1834 als 43 jährige mit dem Grafen Charles-René de Bombelles (1785–1856), Obersthofmeister und Minister am Hof von Parma. In dieser Ehe entwickelte sie sich bis zu ihrem Tod 1847 zu einer echten Landesmutter.

Im Dezember 1847 verstarb sie in Parma an einer Brustfellentzündung. Sie verabschiedete sich von ihren Untertanen und dem Staatsrat mit den Worten „Addio, amici miei“ („Lebt wohl meine Freunde“). Nach dem Tod Marie-Louises erfolgte die Leichenkonservierung: Nach der Entfernung von Herz, Gehirn und Innereien wurde eine Lösung aus einem Kilogramm Arsenik und zehn Litern Alkohol durch die Halsschlagader eingeleitet.[3] Der Leichnam wurde dann sechs Tage im Palazzo Ducale in Parma auf einem Paradebett aufgebahrt. Schließlich wurde die Tote in einen mit violettem Samt ausgeschlagenen Holzsarg gelegt, der in einen bleiernen und einen hölzernen Übersarg verschlossen wurde, und nach Österreich überführt. Marie-Louise wurde, wie viele ihrer Verwandten aus dem Hause Habsburg, in der Kaisergruft in Wien beigesetzt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Seydel: Die Seitensprünge der Habsburger, S. 121–122, Ueberreuter-Verlag, Wien 2005.
  2. Friedrich Weissensteiner: Frauen auf Habsburgs Thron – die österreichischen Kaiserinnen, Ueberreuter-Verlag, Wien 1998.
  3. a b Magdalena Hawlik-van de Water, Die Kapuzinergruft. Begräbnisstätte der Habsburger in Wien, 2. Aufl. Wien 1993, S. 269.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marie-Louise von Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Jean-Jacques Régis de Cambacérès Herzogin von Parma
18141847
Karl Ludwig