Marquard Herrgott

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Marquard Herrgott auch Marquardt (* 9. Oktober 1694 in Freiburg im Breisgau; † 9. Oktober 1762 in Bad Krozingen) war ein Benediktinermönch, Priester, Diplomat und Historiker, Bibliothekar, Kaiserlicher Rat und Gesandter.

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Studium in Freiburg und Straßburg trat er in das Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald ein. Von 1728 bis 1748 war er als diplomatischer Vertreter der Breisgauer Stände am kaiserlichen Hof in Wien. Dort begann der im Kloster St. Germain-des-Prés im Geiste von Jean Mabillon und Bernard de Montfaucon ausgebildete Historiker seine ausgiebigen Studien zur Geschichte des Hauses Habsburg, deren erste Früchte er 1737 als „Genealogiea diplomatica Augusta Gentis Habsburgicae“ veröffentlichte. Sein Hauptwerk ist das vierbändige Werk „Monumenta Augustae Domus Austriacae“, in dem die Siegel, Münzen, Bilder und Grabmäler des Hauses Habsburg systematisch erfasst, beschrieben und in Form von Kupferstichen abgebildet sind. Mehr als ein Drittel dieser Abbildungen stammt von Peter Mayer aus St. Blasien.[1] Der vierte und letzte Teil dieses Werks wurde, da 1769 vollständig verbrannt, neu gearbeitet von Martin Gerbert und 1772 veröffentlicht.

Gesandter in Wien[Bearbeiten]

Im Jahre 1738 erschienen die erste Abteilung des Werkes, die Genealogie, dieselbe erregte großes Aufsehen und erntete vieles Lob, aber auch mancherlei scharfen Tadel. Jedenfalls war sie eine imponierende Erscheinung, schon durch die prächtige topographische Ausstattung und die Zierde mit zahlreichen Vignetten und Kupfertafeln, welche ihr zur bildlichen Erklärung beigegeben waren. Denn Herrgott hatte von Freiburg den Kupferstecher Peter Meyer mit nach Wien genommen. Kaiser Karl VI. war über die drei Folianten so erfreut, daß er den Verfasser nicht nur mit einer Medaille beschenkte sondern ihn auch zu seinem Rat- und Historiographen ernannte. Während der Papst ihm für die Übersendung des Werkes in einem höchst schmeichelhaften Breve seine dankbare Anerkennung erstattete.[2]Die Herausgabe der letzten beiden Werke erfolgte unter seinem Schüler und Vertrauten Rustenus Heer. Das Werk war, wie fast alle diese Anstrengungen, gedacht zum Lob des Hauses Habsburg, das ja die Landeshoheit über das Kloster hatte, damit das Kloster weiterbestehen und sich weiter entwickeln könnte, dieses gelang dennoch nicht, wie sich dann später zeigte. Nach 20 Jahren Aufenthalt in Wien, wo er als Vertreter und des Prälatenstandes immer mehr ins Abseits geriet, beugte er seiner Entlassung durch einen diskreten Hinweis durch einen Minister unter Maria Theresia vor, und kehrt 1747 nach Krozingen zurück. Als ihm der Abt schriftlich zusicherte das er hier seinen Lebensabend verbringen dürfe, ließ er die Probstei (1578), die von Abt Kaspar II. (dem Nachfolger von Caspar Molitoris) stammte, durch den Baumeister Johann Caspar Bagnato umbauen. Die Räume bekamen Marmorkamine. Auch die Schlosskapelle (1608) die noch von Martin Meister I. erbaut war, ließ er neu ausstatten, mit Stuck, wahrscheinlich von Joseph Anton Feuchtmayer, und mit Fresken, die der Künstler Johann Anton Morath malte. Das Altarblatt malte vermutlich Johann Christian Wentzinger, während das Bild am Antependium von dem Freiburger Maler Simon Göser stammt. Auch den Garten liess er neu anlegen, er wollte keine »Ökonomie«: Ich fresse kein Gras und wird für das Vieh schon anderwärts welches beigeschafft werden. So ausgestattet lebte er recht konform. Hier widmete er sich bis zu seinem Tod der Herausgabe der Monumenta. Als Vertreter des Abtes war er weiterhin Präsident des Prälatenstandes. Er litt lange Jahre an Wassersucht, und entschlief zuletzt friedlich. Er wurde in der Schloßkapelle in Bad Krozingen beigesetzt.

Das Schloß Bad Krozingen und die Schloßkapelle ist in Privatbesitz. Im Schloß befindet sich die „Sammlung historischer Tasteninstrumente Fritz Neumeyer“. Es finden Konzerte statt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Joseph Bader vergleicht ihn und sein Werk mit dem seines Zeitgenossen und Besucher in Krozingen Johann Daniel Schöpflin, dieser erhielt höchste Ehrungen unter anderem durch eine Schrift Goethes, während Pater Marquardt praktisch unerwähnt und weitgehend unbekannt blieb.

Werke[Bearbeiten]

Buch aus der Klosterdruckerei Sankt Blasien, Marquard Herrgott und Rustenus Heer, Nummotheca principum Austriae, 2. Auflage St. Blasien, Band 2, Teil 1, 1789
  • Vetus disciplina monastica, seu Collectio auctorum Ordinis S. Benedicti maximam partem ineditorem [...], Paris 1726.
  • Instructio pro iis, qui annales S. Blasii scribere intendunt.
  • Origines San-Blasianae seu Annales inclyti et principalis ad S. Blasium in nigra sylva monasterii
  • Conceptus reformandi literarum studia in monasterio S. Blasii
  • Conspectus monastici Blasiani und Hercynia vetus
  • Genealogiae diplomatica Augusta Gentis Habsburgicae, Wien 1737. Tomus I und II. Cum tabulis aeri incisis XXV, (Folio)
  • Monumenta Augustae Domus Austriacae.
Tomus 1: Sigilla Vetera etc., Wien 1750. (2 Teile)
Tomus 2: Nummotheca Principium Austriae, 2 Bde., Freiburg 1753.
Tomus 3: Pinacotheca Principium Austriae, 2 Bde., Freiburg 1760.
Tomus 4: Taphographia Principium Austriae, 2 Bde., (1769 vollständig verbrannt, neu gearbeitet von Martin Gerbert) Sankt Blasien 1772.

Monumenta insgesamt (nach Bader): 8 Folianten, (Bücher in Folio)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. theol.uni-freiburg.de: Das Ex Libris der Theologischen Fakultät — Theologische Fakultät, Zugriff am 26. Mai 2009
  2. Joseph Bader: Das ehemalige Kloster St. Blasien auf dem Schwarzwalde und seine Gelehrten-Academie in: Freiburger Diöcesan Archiv, VIII. Band, 1874, S. 79