Martin Kind

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Martin Kind

Martin Kind (* 28. April 1944 in Walsrode) ist ein deutscher Unternehmer, der Eigentümer und Geschäftsführer der Kind Gruppe ist. Er ist mit kurzer Unterbrechung seit 1997 Präsident des Sportvereins Hannover 96. Die Beteiligung von 96 e. V. an der Profi-Fußballabteilung wurde unter seiner Präsidentschaft komplett von der von ihm angeführten Gruppe regionaler Unternehmer übernommen. Dies wurde im April 2015 mit mehrmonatiger Verspätung bekannt. [1] [2]

Vereinspräsident[Bearbeiten]

Am 26. September 1997 übernahm der gelernte Hörgeräte-Akustik-Meister und Kaufmann[3] Martin Kind erstmals das Präsidentenamt des Sportvereins Hannover 96. Der Verein stand nach vereinsinternen Querelen um seinen Vorgänger Utz Claassen sowie dem Abstieg in die Regionalliga sportlich und finanziell schlecht da. Unter Martin Kind gelang der Neuaufbau. Er führte die Fußballabteilung des Vereins mit striktem Führungsstil und großer finanzieller Unterstützung zum Aufstieg aus der Regionalliga wieder in die Bundesliga.

In seiner Amtszeit erfolgte der Umbau des Niedersachsenstadions Hannover zur AWD-Arena (heute: HDI-Arena). Damit wurden erstklassige Voraussetzungen für Fußballspiele in Hannover geschaffen, beispielsweise für den Bundesligabetrieb oder Spiele während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Zu Saisonbeginn 2005/2006 trat Kind mit der Begründung, die Weichen für eine erfolgversprechende Zukunft gestellt zu haben, überraschend zurück. Er übergab die Vereinsführung an verschiedene Personen, darunter Karl Heinz Vehling und Götz von Fromberg. Diese legten bereits im Juli 2006 ihre Ämter nieder. Grund waren Unstimmigkeiten zwischen der Vereinsführung und den Geldgebern über den Kurs des Vereins und die Transferpolitik. Der Aufsichtsrat sowie der Großteil der Fans forderten eine Rückkehr Kinds, der auch nach seinem Rücktritt weiterhin zu den wichtigsten Geldgebern des Vereins gehörte. Er nahm noch am Tag von Vehlings Rücktritt die Fäden wieder in die Hand.

2014 teilte Martin Kind mit, dass er sich bis zur Saison 2017/18 vom Präsidentenamt zurückziehen und in den Aufsichtsrat wechseln will. Zu diesem Zeitpunkt sollten auch die Stimmrechte von 96 nach seinen Aussage komplett in der Hand von Investoren sein.[4] Die kompletten Geschäftsanteile am Profifussball hat der Verein unter der Präsidentschaft von Martin Kind an eine Gruppe von Geschäftsleuten um M. Kind übertragen. [5][6]

Kritik[Bearbeiten]

Kind ist ein vehementer Gegner der in der Bundesliga geltenden 50+1-Regel, die als Schutz der Vereine (beziehungsweise der den Vereinen zugehörigen Kapitalgesellschaften) vor rein gewinnorientierten Investoren installiert wurde. Sie besagt, dass die Mehrheit der Anteile an den Profiabteilungen beim „Mutterverein“ (z. B. Hannover 96 e. V.) bleiben muss. Damit haben die jeweiligen Kapitalgesellschaften (z. B. Hannover 96 GmbH & Co. KGaA ) nicht die Entscheidungsgewalt. Ausnahmen bilden in der ersten Bundesliga nur die Werksclubs Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg. Gegen diese vermeintliche Ungleichbehandlung drohte Kind mit Klagen. Am DFB-Schiedsgericht konnte er folgende Regelung erreichen: Wenn sich Gesellschaften oder Investoren nachhaltig über 20 Jahre bei einem Verein engagieren, können sie die 50plus1-Regel außer Kraft setzen und die Mehrheit der Anteile an einem Bundesligisten übernehmen. Der gefundene Kompromiss erlaubt es langjährigen Investoren dann auch, ihre Anteile an Dritte weiter zu veräußern.[7] So will Kind nach Ablauf der 20-Jahre-Frist 2017/2018 den Verein Hannover 96 komplett aus dem Profigeschäft verdrängen und dieses komplett von Investoren übernehmen lassen.[8][7] Im April 2015 wurde bekannt, dass lediglich noch Stimmrechte beim Verein verblieben sind. Ohne Beteiligung der Vereinsmitglieder wurde der komplette Verkauf der ausgelagerten Profi-Abteilung bereits vollzogen. Die restlichen von 15,66 Prozent wurden dabei für nur 3,25 Millionen Euro an die Investorengruppe um den Vereinspräsidenten und Unternehmer verkauft.[9] Laut Handelsblatt wurde der Kaufpreis anhand des Buchwertes ermittelt, bei Zugrundelegung des Marktpreises hätte ein Vielfaches gezahlt werden müssen. [10]

Kritische Betrachtung findet auch sein (medial oft so bezeichneter) „Verschleiß“ von Managern und Trainern und die somit fehlende Kontinuität in der sportlichen Entwicklung. So arbeiteten in Kinds Amtszeit (1997–2005, 2006–2015) neun Sportdirektoren[11] und zwölf Cheftrainer.[12]

Martin Kind fällt regelmäßig durch unbedachte Äußerungen gegenüber den Medien auf, in denen er sich oft verletzend über Mitarbeiter und Anhänger des Vereins äußert. So bezeichnete er z. B. einen Spieler nach längerer Verletzungspause als bequem und übergewichtig[13] und eigene Anhänger als „Arschlöcher“.[14] Sämtliche Titel und eine mehr als hundertjährige Vereinsgeschichte vor seinem eigenen Engagement dort fasste er mit den Worten „Hannover 96 ist ein Scheißverein gewesen“ zusammen.[15] Als ungewöhnlich muss auch gelten, die Namen von abgelehnten (und anderweitig beschäftigten) Bewerbern gegenüber der Presse zu nennen.[16]

Seit etwa 2013 kommt es bei Heimspielen und auch bei Auswärtsspielen vorwiegend aus den Fanblöcken zu Kind-muss-weg-Rufen und zum Zeigen von Spruchbändern, die die Absetzung Kinds als Vereinspräsident fordern. Dies setzte sich auch fort, nachdem die Ultras aus Protest gegen Kind zur Saison 2014/15 die Spiele der Profimannschaft komplett boykottieren und somit nicht mehr anwesend sind. Auch Fans anderer Mannschaften schließen sich immer wieder den Protesten und Absetzungsforderungen an.

Privat[Bearbeiten]

Kind ist verheiratet und hat zwei Söhne.[17] 2013 wurde sein Vermögen auf 600 Millionen Euro geschätzt, damit rangiert er auf Rang 188 der reichsten Deutschen.[18]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2006 wurde ihm die Stadtplakette von Hannover verliehen.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Martin Kind ist

  • Ehrenmitglied von Lesestart Hannover[19]
  • Seit 2002 Kuratoriumsmitglied Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung
  • Seit 2004 Vorstandsvorsitzender Die Wahren Dorff Freunde e. V.
  • Seit 2005 Aufsichtsratsmitglied Hannoverscher Rennverein e. V.
  • Seit 2005 Aufsichtsratsmitglied NORD/LB
  • Seit 2006 Mitglied Stifterkreis Mädchenchor Hannover e. V.
  • Seit 2006 2. Vorsitzender Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung
  • Seit 2007 Beiratsmitglied Gerald-Asamoah-Stiftung
  • Mitglied im Beirat des Deutsch-Türkischen Netzwerk Niedersachsen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Hannover 96 verkauft sich an Kind“ In: Spiegel-Online. 28. April 2015.
  2. „Alle Macht dem Kind“ In: NZZ-Online. 28. April 2015.
  3. Martin Kind
  4. Hannover-Präsident Kind: „Ich kann niemanden zwingen, Karten zu kaufen“ In: Spiegel-Online. 17. November 2014.
  5. faz.net: Streit um den Millionen-Deal des Alphatiers In: FAz-net. 28. April 2015.
  6. Das System Hannover 96“ In: Handelsblatt. 11. Mai 2015 (Seite 22f).
  7. a b Ungeliebte Investoren In: Sportschau.de. Abgerufen am 8. April 2014.
  8. Investoren übernehmen die Macht bei Hannover 96. In: The Wall Street Journal Deutschland. Abgerufen am 8. April 2014.
  9. „Ärger bei der Mitgliederversammlung“ In: Lüneburger Zeitung-online. 28. April 2015.
  10. Das System Hannover 96“ In: Handelsblatt. 11. Mai 2015 (Seite 22f).
  11. Manager von Hannover 96. In: Hannover96.de. Abgerufen am 3. Januar 2014.
  12. Trainer von Hannover 96 (von 1932 bis heute). In: Hannover96.de. Abgerufen am 3. Januar 2014.
  13. Kind: „Bei Lakic waren wir zu spät dran“. In: Kicker.de. 12. Januar 2012.
  14. Volker Königkrämer: Hannover-Boss nennt eigene Fans „Arschlöcher“. In: stern.de. 3. September 2012.
  15. Martin Kind: „Hannover 96 ist ein Scheißverein gewesen“. In: HAZ.de. 5. April 2013.
  16. Lukas Rilke: Hannover 96: Trapattoni wollte Slomka-Nachfolger werden. In: Spiegel Online. 2. Januar 2014.
  17. vgl. Referenten-Beschreibung In: manager-lounge.manager-magazin.de.
  18. Erfolg ist so einfach! In: Handelsblatt. 25. März 2014.
  19. Wer wir sind, Unterseite von lesestart-hannover.de