Metallbaukasten

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Märklin-Metallbaukasten, 1970er Jahre
4 Metallbaukästen, ca. 1930
Titelbild Märklin-Anleitungsheft 1930er Jahre

Ein Metallbaukasten ist ein Baukasten, mit dem aus unterschiedlichen metallenen Teilen Modelle gefertigt werden können. Diese Modelle können entweder frei erfunden oder nach Vorlage angefertigt werden.

Entwicklung und Verbreitung[Bearbeiten]

Die in Deutschland bekanntesten Metallbaukästen sind der „Stabil“ der Firma Walther, die Kästen der Firma Märklin sowie das unter dem Namen Trix bekanntgewordene System. Weltweit war das von Frank Hornby entwickelte Baukasten-System „Meccano“ verbreitet, dessen technische Normen, insbesondere der Lochabstand von 1/2 Zoll = 12,7 mm, heute als internationaler Standard gelten. Im ganzen sind etwa 450 oft sehr kurzlebige Marken und Systeme hergestellt worden.

Angesichts der Konkurrenz von Plastik-Baukästen wie LEGO oder Fischertechnik sowie der elektronischen Spielzeuge war der wirtschaftliche Erfolg der Metallbaukästen seit den 1970er Jahren rückläufig. Die Produktion von STABIL-Baukästen wurde um 1970 eingestellt, Märklin METALL und TRIX verschwanden nach stufenweisen Reduktionen 1999 vom Markt, jedoch erschien 2004 die einmalige Jubiläums-Edition eines thematisch orientierten Märklin-Großbaukastens (Bagger). Einzig die ursprünglich in der DDR entwickelten Baukästen der Marke „Construction“ sowie die tschechischen der Marke „Merkur“ werden in erheblich verbesserter Form weiterhin angeboten, schließlich noch das zuerst 1942 von den Brüdern Stockmann in der Schweiz entwickelte System der Stokys-Baukästen, das sich trotz seiner Besonderheiten an den durch „Meccano“ vorgegebenen technischen Standards orientiert und damit kompatibel ist.

Eine Besonderheit im Metallbaukastensystem stellt eine Baukastenreihe aus der DDR dar, wo erstmals Pneumatik in dieser Baukastenwelt angewendet wird, das die Möglichkeiten im Modellbau wesentlich erweitert hat. Die Baukästen P01 (Druckluftverdichter), P02 (pneumatische Steuerungen und Antriebe) und P03 (elektropneumatische Steuerungen und Antriebe) der ORSTA-Modelltechnik wurden um 1983 im VEB Kombinat ORSTA-Hydraulik Leipzig konzipiert und die Baukästen P01 und P02 im VEB Hydraulik Dippoldiswalde in Serie hergestellt. Der Baukasten P03 wurde im VEB Industriewerke Karl-Marx-Stadt entwickelt und in nur 100 Stück hergestellt. Mit diesem Baukasten wurden computergesteuerte Robotermodelle gebaut.

Eine Renaissance der Metallbaukästen bahnt sich zum einen durch die Aktivität von Firmen an, die in großem Umfang Repliken von Märklin- und MECCANO-Teilen herstellen und damit eine weltweite Fan-Gemeinde bedienen. In Deutschland ist METALLUS ein inzwischen international bekannter Hersteller solcher Repliken. Zum anderen kommen in jüngerer Zeit mehr und mehr Roboterbausätze aus Metall auf den Markt. Ein deutscher Hersteller mit einem sehr umfangreichen Produktsortiment ist die Firma EITECH aus Pfaffschwende. Dieses Unternehmen bietet nicht nur die klassischen Metallbaukästen, sondern auch Antriebseinheiten und Zubehör wie Solarzellen und eine Brennstoffzelle für die alternative Energieerzeugung an.

Als erster Hersteller bietet die TRONICO – RCEE GmbH aus Bremen seit 2011 unter der Marke TRONICO farbige Modellbaukästen aus Metall mit Lizenzen an. Die Konzentration liegt dabei auf Lizenzen in den Bereichen Landmaschinen, vorzugsweise Traktoren oder auch Schlepper genannt, Baufahrzeuge, Einsatzfahrzeuge, Luftfahrt. Bei den Lizenzen für Deutschland handelt es sich aktuell um die Marken Fendt, Claas, Massey Ferguson, Challenger, Krampe, Mercedes Benz, Krone, Linde, ADAC, CASE IH, Liebherr, New Holland. Die Maßstäbe sind 1:16, 1:24, 1:32, 1:64, 1:100. Der kleinste Metallbaukasten der Welt, die Micro-Serie im Maßstab 1:64, wurde auf der Nürnberger Spielwarenmesse 2014 erstmals präsentiert. Dabei handelt es sich um Traktoren mit Anhängern, die auch ferngesteuert produziert werden. Es sind eigens besondere Bauteile dafür entwickelt worden um dem Maßstab 1:64 zu realisieren.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der Vorläufer des Metallbaukastens ist der „Modellbaukasten“, der von Gustav Lilienthal, dem Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal, entwickelt wurde. Der Lilienthal-Baukasten bestand aus gelochten Holzleisten und Verkleidungsplatten aus Pappe, mit denen die Leerräume zwischen den Leisten gefüllt werden konnten. Das Patent zu diesem Baukasten wurde von Otto Lilienthal angemeldet, da Gustav Lilienthal durch einen kurz zuvor verlorenen Prozess um die ebenfalls von ihm entwickelten Steinbaukästen in finanziellen Schwierigkeiten steckte. In der Patentschrift aus dem Jahre 1888[1] heißt es:

„Die Herstellung von Modellbauten aus Leisten verschiedener Länge, welche in einer gleichmäßigen Längeneintheilung vielfach gelocht sind und mittelst gerader oder gekrümmter V-förmiger Splintnadeln und dazugehöriger Keile verbunden werden, während die Flächenfüllung durch Einschieben von Platten in die an den Leisten angebrachten Nuthen bewirkt wird.“

Nun war es nur noch ein kleiner Schritt von der Holzbauweise zu verschraubten Metallteilen.

Julius Weiss aus Hamburg meldete 1892 unter der Patentnummer 67599 ein Patent zu einem „Brückenbaukasten“ – nun aus gestanzten Metallteilen – an. Der Kasten wurde 1896 von der Firma Richter, Rudolstadt tatsächlich vermarktet, wegen Erfolglosigkeit aber nach nur einem Jahr wieder eingestellt.

Den echten Durchbruch erlangte der Metallbaukasten erst mit dem Patent von Frank Hornby aus Liverpool (GB) (1901), der erstmals auch Räder in sein System einbezog. Zunächst unter dem Namen „Mechanics made easy“, ab etwa 1908 unter dem Namen „Meccano“ vermarktet.

Marken und Kompatibilität[Bearbeiten]

Die Anzahl der Hersteller war besonders in der Mitte des 20. Jahrhunderts und besonders in Deutschland (Ost- und West-) groß.[2] Wichtigstes Merkmal für die Kompatibilität ist der Lochabstand, zweitrangig sind Lochdurchmesser und Profilbreite.[3]

Marke Hersteller Lochabstand
[mm]
Lochdurchmesser
[mm]
Profilbreite
[mm]
Blechdicke
[mm]
Material Oberfläche
Construction Metallwaren Schmerbach 10 4,3 10 Stahl vernickelt
EITECH EITECH[4] 10 4,2 10 0,8 Stahl
HW 12,5 4,2 12 Stahl schwarz gebrannt
Merkur Merkur Toys in Police nad Metují, Tschechische Republik[5] 10 4,0 10 Stahl farbig lackiert, pulverbeschichtet
Märklin Märklin 12,73 4,2 12,7 Stahl, selten Aluminium lackiert, pulverbeschichtet, schwarz gebrannt
Meccano Meccano Ltd. 12,73 4,2 Stahl vernickelt, farbig lackiert
Möwe Möwe-Metall-Baukasten-Fabrik, Mönninghoff und Weiss in Priorei (Hagen), 1946-1950 13 4,4 13 Stahl blank
Stabil[6] Walther 12,5 4,2 12,3 Stahl vernickelt
Stokys Stokys Systeme AG Bauma, Schweiz[7] 12,7 4,0 Aluminium blank
Sonneberger[8] Injekta
Thale VEB Metallspielwaren[9] 12,5 4,2 12 Stahl schwarz gebrannt, lackiert
Trix Trix 7,8 3,5 15 Stahl verzinkt/pulverbeschichtet
Tronico Tronico – RCEE GmbH[10] 10,0 4,2 10,0 Stahl farbig, lackiert

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kaiserliches Patentamt Patentschrift Nr. 46312 (77)
  2. Umfangreiche Bilddatenbank auf www.baukastensammler.de
  3. Zusammenstellung zahlreicher weiterer technischer Daten zur Identifikation auf metallbaukasten.de
  4. Produktkatalog der EITECH-Baukästen
  5. Merkur Toys
  6. Seite von W. Sticht zu Walthers Stabil-Baukasten
  7. Produktkatalog der STOKYS-Baukästen
  8. Sonneberger Metallbaukasten
  9. baukastensammler.de
  10. aktuell geführte Produktübersicht