Michail Iwanowitsch Tugan-Baranowski

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Michail Iwanowitsch Tugan-Baranowski

Michail Iwanowitsch Tugan-Baranowski (russisch Михаил Иванович Туган-Барановский; * 8. Januar 1865 im Gouvernement Charkow; † 21. Januar 1919 nahe Odessa) war ein russischer Ökonom und Historiker. Ursprünglich Marxist, vertrat Tugan-Baranowski später revisionistische Positionen und versuchte, marxistisches Gedankengut mit Ansätzen der historischen Schule und der Grenznutzenschule zu verbinden. Er gilt als einer der führenden ökonomischen Theoretiker des so genannten „Legalen Marxismus“.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Tugan-Baranowski absolvierte 1888 die physikalisch-mathematische Fakultät der Universität Charkow und erwarb 1894 den Magister der politischen Ökonomie mit der Arbeit Die Industriekrisen im heutigen England. [1] Von 1895 bis 1899 und von 1905 bis 1913 war er als Dozent für politische Ökonomie an der Universität Petersburg tätig. In der Revolutionsperiode 1905 bis 1907 stieß er zur liberalen Konstitutionell-demokratischen Partei (Kadetten), wurde 1912 als deren Kandidat für die Reichsduma vorgeschlagen, aber nicht gewählt. Nach der Oktoberrevolution war er vorübergehend Finanzminister der Zentralregierung in der Ukraine. Von 1917 bis 1919 war Tugan-Baranowski Professor an der Kiewer Universität und Dekan ihrer juristischen Fakultät. Tugan-Baranowski war erstes Mitglied der Ukrainischen Ökonomischen Gesellschaft und 1919 einer der Begründer der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine.

Tugan-Baranowski wurde durch die These bekannt, dass im Kapitalismus eine schrankenlose Akkumulation möglich sei. Die Produktion entwickele sich unabhängig vom Konsum und es bestehe kein Zusammenhang zwischen Krisen und dem so genannten „Realisierungsproblem“. Die Ursache der kapitalistischen Krisen liege vielmehr in der Disproportionalität und in der Bewegung des Leihkapitals.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Jahreszahl in runden Klammern verweist auf das Jahr der ersten Originalausgabe.

  • Studien zur Theorie und Geschichte der Handelskrisen in England, Jena 1901 (1894)
  • Geschichte der russischen Fabrik, Berlin 1900 (1898)
  • Theoretische Grundlagen des Marxismus, Leipzig 1905 (1905)
  • Der moderne Sozialismus in seiner geschichtlichen Entwicklung, Dresden 1908 (1906)
  • Soziale Theorie der Verteilung, Berlin 1913

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu den Grunddaten des Lebens und Denkens von Tugan-Baranowski siehe: Goetz Heininger: Tugan-Baranowski, Michail Iwanowitsch, in: Werner Krause, Karl-Heinz Graupner, Rolf Sieber (Hrsg.): Ökonomenlexikon. Berlin, Dietz 1989, S. 578-580