Mikronährstoff (Medizin)

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Mikronährstoffe (auch als Vitalstoffe bezeichnet) sind im Gegensatz zu den Makronährstoffen Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß Stoffe, die der Stoffwechsel pflanzlicher und tierischer Organismen aufnehmen muss, ohne dass sie Energie liefern. Zu den Mikronährstoffen zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie sind essentiell an einer Vielzahl von Körperfunktionen beteiligt, wie z. B. dem Stoffwechsel, dem Zellwachstum und die damit verbundene Erneuerung etwa von Haut, Knochen und Blutkörperchen oder der Nervenreizleitung. Andere Mikronährstoffe dienen als Kofaktor für Enzymreaktionen, als Bestandteile für Hormone (z. B. Jod als Bestandteil des Schilddrüsenhormons), als Elektrolyte oder als Antioxidantien.

Mangelerscheinungen und Versorgungslage[Bearbeiten]

Normalerweise werden Mikronährstoffe dem menschlichen Körper bei ausgewogener Ernährung in ausreichender Menge zugeführt. Eine Unterversorgung bleibt ohne akute Krankheits-Symptome, solange der Körper auf Depots, z. B. in Knochen, Bindegewebe, Haut, Leber und Muskulatur, zurückgreifen kann. Fehlen jedoch durch Krankheit oder längere Mangelernährung einer oder mehrere dieser Stoffe, so entwickeln sich schwerwiegende Mangelerscheinungen. So können durch Vitaminmangel Störungen des Stoffwechsels auftreten, z. B. Skorbut durch den Mangel an Vitamin C oder Rachitis durch Vitamin D-Mangel. Ebenso kann ein Mangel an Mineralstoffen zu für das jeweilige Mineral spezifischen Störungen führen (siehe z. B. Eisenmangel, Kaliummangel, Selenmangel).

Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist Deutschland „kein Vitaminmangelland“, entsprechende Krankheiten seien „sehr selten“[1]. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung[2] und das Deutsche Krebsforschungszentrum[3] sehen die Versorgung im Normalfall als ausreichend an. Dennoch werden aus Sorge vor Mangelerscheinungen häufig Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Dies ist meist überflüssig, lediglich für bestimmte Nährstoffe und Lebenssituationen kann dies sinnvoll sein, etwa Folsäure in der frühen Schwangerschaft oder Vitamin D bei Säuglingen und Pflegebedürftigen.

Der Begriff des Vitalstoffs[Bearbeiten]

Eingeführt wurde der Begriff „Vitalstoff“ 1935 von dem Chemiker Hans Adalbert Schweigart als Sammelbezeichnung für chemisch uneinheitliche Stoffe, die eine Rolle im Stoffwechsel spielen. 1954 gründete er die Internationale Gesellschaft für Nahrungs- und Vitalstoff-Forschung (IVG). 1957 gab diese Gesellschaft folgende Definition: „Vitalstoffe sind überwiegend als Biokatalysatoren in Zellen und Geweben bei Anwesenheit von Wasser, Sauerstoff und Kohlensäure (letztere bei Pflanzen) wirksame lebenswichtige Bestandteile. Dazu gehören nach bisherigen Feststellungen: Enzyme, Co-Enzyme, Vitamine, Hormone, exogen-essentielle Aminosäuren, exogen-essentielle Fettsäuren, Haupt- und Spurenelemente, Duft- und Geschmacksstoffe.“[4]

Der Begriff ist für den wissenschaftlichen Gebrauch ungeeignet, da er eine große Anzahl verschiedener Substanzen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (z. B. Vitamine und Mineralstoffe) zusammenfasst.[5] Der Begriff wurde von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als zu ungenau kritisiert und abgelehnt.

In der alternativmedizinischen Orthomolekularen Medizin nach Linus Pauling wird der Begriff jedoch verwendet.

Die IVG führte außerdem den Begriff „Antivitalstoffe“ ein und verstand darunter „Substanzen, die durch unerwünschtes Eingreifen im Zellgeschehen den von Natur aus gesicherten Ablauf hemmen, zerstören oder auch überfordern.“[6] Dieser Begriff setzte sich nicht durch.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  NIH State-of-the Science Panel: National Institutes of Health State-of-the-Science Conference Statement: Multivitamin/Mineral Supplements and Chronic Disease Prevention. In: The American Journal of Clinical Nutrition. 85, Nr. 1, 2007, S. 257S–264S, PMID 17209206 (Volltext, abgerufen am 5. Februar 2013).
  •  Bruce N. Ames: Low micronutrient intake may accelerate the degenerative diseases of aging through allocation of scarce micronutrients by triage. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 103, Nr. 47, 2006, S. 17589–17594, doi:10.1073/pnas.0608757103.
  • U. Gröber: Mikronährstoffe. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Deutschland ist kein Vitaminmangelland
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung: Gesundheitliche Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln
  3. krebsinformationsdienst.de: Vitamine, Spurenelemente und Krebstherapie
  4. Jörg Melzer, Vollwerternährung. Diätetik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch, Stuttgart 2003, S. 311
  5. Brockhaus Ernährung, Artikel Vitalstoffe, 2. Aufl. 2004
  6. Jörg Melzer a. a. O. S. 315 f.