Nicotinsäure
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| Strukturformel | ||
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| Allgemeines | ||
| Trivialname |
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| Andere Namen |
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| Summenformel | C6H5NO2 | |
| CAS-Nummer | 59-67-6 | |
| Kurzbeschreibung | farblose Kristalle [1] | |
| Vorkommen | Geflügel, Leber, Kaffee, Bierhefe | |
| Physiologie | ||
| Funktion | Bestandteil der Coenzyme NADH und NADPH | |
| Täglicher Bedarf | 15–20 mg/Tag | |
| Folgen bei Mangel | leicht: Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen schwer: Pellagra |
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| Überdosis | über 1,5–3 g/Tag | |
| Eigenschaften | ||
| Molare Masse | 123,11 g·mol−1 | |
| Aggregatzustand | fest | |
| Dichte | 1,473 g·cm−3 [1] | |
| Schmelzpunkt | 236–237 °C [1] | |
| Siedepunkt | sublimiert vor Siedepunkt [1] | |
| Löslichkeit | löslich in Wasser (18 g/l bei 20 °C[2]) | |
| Sicherheitshinweise | ||
| Gefahrstoffkennzeichnung [2] | ||
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| R- und S-Sätze | R: 36 | |
| S: 26 | ||
| LD50 | 3720 mg/kg (Maus, peroral) [3] | |
| Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | ||
Nicotinsäure ist ein Vitamin aus dem B-Komplex. Die Bezeichnungen Vitamin B3, seltener B5 oder PP-Faktor (Pellagra-Preventing-Faktor) für Nicotinsäure gelten heute als veraltet und überholt. Das Synonym Niacin bezieht sich dabei sowohl auf die Nicotinsäure selbst als auch auf ihr Aminderivat Nicotinamid. Die Nicotinsäure wurde 1867 bei der Oxidation von Nicotin entdeckt[4]; ihre physiologische Wirksamkeit wurde 1934 erkannt[5].
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Beschreibung
Nicotinsäure ist eine Carbonsäure des Pyridins.
Nicotinsäure findet sich in allen lebenden Zellen und wird in der Leber gespeichert. Es bildet einen wichtigen Baustein verschiedener Coenzyme (NAD, NADP) und ist von zentraler Bedeutung für den Stoffwechsel von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Gegenüber Hitze, Licht und dem Luftsauerstoff ist Nicotinsäure weniger empfindlich als andere Vitamine der B-Gruppe.
[Bearbeiten] Aufgabe/Funktion
Nicotinsäure ist am Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt. In Form der Coenzyme NAD/NADP und ihrer reduzierten Formen NADH/NADPH, der sogenannten Reduktionsäquivalente, ist die Nicotinsäure z. B. am Citratzyklus und der Atmungskette beteiligt. Sie hat eine antioxidative Wirkung und nimmt an vielen enzymatischen Vorgängen teil. Nicotinsäure ist wichtig für die Regeneration der Haut, Muskeln, Nerven und DNA.
[Bearbeiten] Vorkommen und Bedarf
Natürliche Lieferanten von Nicotinsäure sind Nahrungsmittel wie Geflügel, Wild, Fisch, Pilze, Milchprodukte und Eier. Auch Leber, Kaffee, Vollkornprodukte, verschiedene Gemüse und Obst enthalten Nicotinsäure, wobei es aus tierischen Produkten grundsätzlich besser vom Organismus verwertet wird. Veganer können ihren Bedarf beispielsweise aus Erdnüssen, Weizenkleie, Datteln, Champignons, Bierhefe, getrockneten Aprikosen und Hülsenfrüchten decken.
Der tägliche Nicotinsäure-Bedarf des Körpers hängt vom Energiebedarf ab. Im Durchschnitt benötigt der erwachsene Körper etwa 6,6 Milligramm Niacin um eine Energiemenge von 1000 Kilokalorien für seine Zellen, Gewebe und Organe zu erzeugen. Damit beträgt der Bedarf für Frauen 13 bis 15 mg Nicotinsäure pro Tag, für Männer 15 bis 20 mg pro Tag. Da Nicotinsäure aus Tryptophan gebildet werden kann, wird der Bedarf in Niacin-Äquivalenten angegeben. Aus 60 mg Tryptophan kann in der Leber mit einer ausreichenden Menge Vitamin B6 1 mg Nicotinsäure hergestellt werden.
[Bearbeiten] Biosynthese
Die Biosynthese der Nicotinsäure erfolgt auf zwei Wegen. Einerseits kann Glycerinaldehydphosphat mit Asparaginsäure über einen Schritt zur Nicotinsäure umgewandelt werden, andererseits wird Tryptophan über Kynurenin zur Nicotinsäure oxidiert.
[Bearbeiten] Mangelerscheinungen (Hypovitaminose)
Mangelsymptome treten selten auf, da der Körper Nicotinsäure auch aus der Aminosäure Tryptophan bilden kann. Durch eine eiweißarme Ernährung oder durch Absorptionsstörungen kann es zunächst zu unspezifischen Störungen wie Appetitlosigkeit, Konzentrations-und Schlafstörungen sowie einer gewissen Reizbarkeit kommen. Symptome bei Nicotinsäuremangel sind weiterhin:
- Hautveränderungen Dermatitis
- Durchfall
- Depressionen
- Entzündung der Mund- und Magen-Darmschleimhäute
- Krankheit: Pellagra
Das Auftreten der Pellagra-Krankheit steht im Zusammenhang mit der Einführung des Mais außerhalb Mittelamerikas. In seinem Ursprungsland Mexiko wird der Mais bis heute nach der Ernte üblicherweise in alkalisches Kalkwasser gelegt und nass vermahlen, wodurch die Nicotinsäure im Mais erst freigesetzt wird. Von den spanischen Eroberen wurde der Mais nach Südeuropa, Nordamerika und Afrika gebracht, ohne diese Zubereitungstechnik zu übernehmen. Wegen der höheren Erträge stellten sich viele Bauern schon bald von Weizen und Gerste auf Mais um. Die Folge war, dass bei ganzen Bevölkerungsschichten, bei denen Mais als Hauptnahrungsquelle galt, Nicotinsäure-Mangelerscheinungen auftraten. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Zusammenhang von Pellagra und Maisernährung aufgeklärt.
[Bearbeiten] Folgen einer Überdosierung (Hypervitaminose)
Von einer Überdosierung spricht man bei der Nicotinsäure bei 1,5–3 g Dosierung pro Tag. Bei einer Zufuhr von über 500 mg pro Tag, in Einzelfällen auch weniger, kommt es zum hautgefäßerweiternden Effekt Flush und bei einer Menge von über 2500 mg pro Tag können Blutdrucksinken, Schwindelgefühle und ein erhöhter Harnsäuregehalt im Blut auftreten.
[Bearbeiten] Nicotinsäure als Medikament
Nicotinsäure wird zur Absenkung erhöhter Blutfettwerte eingesetzt (z. B. NiaSpan®), um der Arteriosklerose vorzubeugen. Dabei senkt Nicotinsäure in einer Dosis von 500–1000 mg/Tag den LDL-Wert des Cholesterins, es erhöht den HDL-Wert und erniedrigt die Triglyzeride. Die Gabe von Nicotinsäure wurde bisher durch seine Nebenwirkungen (Flush-Syndrom) begrenzt. Häufig sind auch Magen-Darm-Beschwerden. Die längere Einnahme von hochdosierten Nicotinsäurepräparaten kann die Glucosetoleranz verschlechtern und die Harnsäurewerte im Blut erhöhen. Durch eine retardierte Form und eine abendliche Einnahme ist das Medikament besser verträglich geworden. Eine große Studie, die einen lebensverlängernden Effekt von Nicotinsäure beweist, steht noch aus.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ a b c d Hermann Römpp, Jürgen Falbe und Manfred Regitz: Römpp Lexikon Chemie. 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1992.
- ↑ a b Sicherheitsdatenblatt der Firma Carl Roth
- ↑ Nicotinsäure bei ChemIDplus
- ↑ Fieser, L.F. und Fieser, M.: Organische Chemie. Verlag Chemie, Weinheim, 1965, S. 1675-76.
- ↑ Wooley, J.G and Sebrell, W.H.: Niacin (Nicotinic Acid), an Essential Growth Factor for Rabbits [...], Division of Physiology, National Institute of Health, U.S. Public Health Service, Bethesda, Maryland, 1944
[Bearbeiten] Weblinks
- Swiss Forum For Sport Nutrition: Infoblatt Niacin (PDF)
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