Mittelstaat

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Mittelstaaten

Als Mittelstaat, gelegentlich auch Mittelmacht, wird ein Staat bezeichnet, der zu groß ist, um als Kleinstaat zu gelten, aber auch zu klein bzw. zu schwach, um eine (globale oder regionale) Großmacht zu sein.

Die Bezeichnung Mittelmacht wird eher selten verwendet, da sie missverständlich ist. Die im Ersten Weltkrieg verbündeten Großmächte Deutschland und Österreich-Ungarn werden gemeinsam als Mittelmächte bezeichnet. Das Mittel bezieht sich hier auf die geografische Lage in Mitteleuropa, nicht auf die Größe der Staaten.

Wie die Abgrenzung zwischen Kleinstaat und Zwergstaat ist auch die Abgrenzung zwischen Kleinstaat und Mittelstaat nicht fest, genauso die zu Großmacht. Insbesondere kann ein Staat im globalen Maßstab ein Mittelstaat sein, regional aber eine großmachtähnliche Rolle spielen, das gilt zum Beispiel für Ägypten im Nahen Osten, Indonesien in Südostasien oder Brasilien in Südamerika.

Historisch wird der Begriff Mittelstaat vor allem in der deutschen Geschichte während des Dualismus zwischen Preußen und Österreich verwendet, um die mittelgroßen deutschen Staaten Sachsen, Hannover, Bayern usw. zu bezeichnen, die zuweilen auch als „Drittes Deutschland“ zusammengefasst werden.

Aktuelle Diskussion[Bearbeiten]

Mit dem zunehmenden Einfluss der Bundesrepublik Deutschland auf die internationale Politik seit dem Beitritt der DDR zum bundesdeutschen Grundgesetz 1990 wurde der Begriff der Mittelmacht erneut verwendet, allerdings im Sinne von mittelgroßer Macht.

Insbesondere der frühere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder benutzte diesen Begriff, um die Rolle der vergrößerten Bundesrepublik Deutschland neu zu definieren. Auch andere Industriestaaten wie Kanada und Japan werden in Abgrenzung zur klassischen Hegemonial- oder Supermacht als Mittelmächte eingestuft, im Gegensatz zur US-amerikanischen Großmacht. ([1]).