Deutscher Dualismus

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Der Begriff deutscher Dualismus oder auch preußisch-österreichischer Dualismus beschreibt den Konflikt zwischen Österreich und Preußen um die Dominanz im damaligen deutschen Staatengebiet, der im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) seinen ersten Höhepunkt fand.

Einen zweiten Höhepunkt erreichte der deutsche Dualismus während der Einigungskriege in den 1860er Jahren. Nachdem Österreich und Preußen gemeinsam die dänischen Bestrebungen, das Herzogtum Schleswig näher an das eigentliche Königreich Dänemark zu binden, im Deutsch-Dänischen Krieg zunichtegemacht hatten, führten Unstimmigkeiten über die Führung im Deutschen Bund zu einer Bundesexekution gegen Preußen und schließlich zum Deutschen Krieg. Anlass für den Krieg war ein Streit um die Verwaltung Schleswigs und Holsteins nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges.

Der deutsche Dualismus war geprägt von grundlegenden, in den jeweiligen Staaten konsolidierten Gegensätzen, die zu jener Zeit kaum miteinander vereinbar waren. Letztlich konnte sich Preußen nach dem Sieg über Österreich 1866 mit der Umsetzung der kleindeutschen Lösung durchsetzen, die die Vereinigung der deutschen Staaten ohne Österreich bedeutete. Der seit 1815 existierende Deutsche Bund wurde nach dem Frieden von Prag aufgelöst. Die von Österreich bevorzugte großdeutsche Lösung war für viele Politiker Europas zu gefährlich, da das Mächtegleichgewicht und der Status quo damit in Gefahr gebracht worden wären. Im Zuge der Neuordnung des europäischen Bündnissystems auf dem Berliner Kongress im Jahre 1878 wurde die Deutsch-Deutsche Rivalität mit dem Zweibund endgültig beigelegt.

Die Gegner Österreich als Elefant und Preußen als Löwe
Auf eine Begegnung zwischen Friedrich II. von Preußen und Kaiser Joseph II. im Jahr 1769 projizierte Adolph Menzel in seinem Gemälde von 1857 die Hoffnung großer Teile des Bürgertums auf Überwindung des deutschen Dualismus.

Unterschiede zwischen Österreich und Preußen[Bearbeiten]

Staat[Bearbeiten]

Wappen des Kaisertums Österreich

Während das Königreich Preußen eher ein künstliches Staatsgebilde war, das mit der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg aus der Fusion des Kurfürstentums Brandenburg und des Herzogtums Preußen entstand, war Österreich eine traditionelle Hausmacht des Alten Reichs, von den Habsburgern beherrscht seit dem 13. Jahrhundert.

In den 1860ern, als die Industrialisierung zunehmend den europäischen Kontinent erreichte, schaffte es Österreich als Großmacht nicht, mit Großbritannien und Frankreich wirtschaftlich mitzuhalten und wurde sogar von den deutschen Nachbarstaaten (relativ am Anteil der Weltindustrieproduktion gesehen) überholt. Das Industrialisierungsniveau stieg in Österreich weniger stark als bei den anderen europäischen Großmächten (ausgenommen Russland). Gründe hierfür sind zum einen die konservative Politik Österreichs (Restauration) seit dem Wiener Kongress, zum anderen ein geringer nationaler Zusammenhalt sowie die Geographie Österreichs.

Militär[Bearbeiten]

Militärisch gesehen war der preußische Staat dem österreichischen voraus. In Preußen gab es nach der preußischen Heeresreform ein modernes Wehrpflichtigenheer, dessen Offiziere nach persönlichen Leistungen befördert wurden und auch bürgerlicher Herkunft sein konnten; umgangssprachlich sagte man, dass „andere Staaten ein Militär hätten, in Preußen jedoch das Militär einen Staat“. In Österreich dagegen waren die habsburgerischen Streitkräfte vom Adel geprägt, der die Offizierposten nicht nach persönlicher Leistung, sondern häufig nach dem Dienstalter besetzte.

Dass in Preußen die Industrialisierung eher und rascher Einzug hielt als in Österreich, hatte auch Einfluss auf das Militär, insbesondere auf seine Ausrüstung und Bewaffnung. Auch die Struktur der preußischen Armee war ein Vorteil: Die Wehrpflicht lag bei drei Jahren, während man anschließend vier Jahre der Reserve angehörte. So konnte Preußen sieben Jahrgänge einziehen und den Nachteil einer geringeren Bevölkerung wettmachen, auch, weil man mehr auf Qualität statt Quantität setzte und ein preußischer Gefreiter grundsätzlich gut ausgebildet und ausgerüstet war. Zudem arbeitete der preußische Generalstab Fehler der Vergangenheit auf und sorgte für Verbesserungen.

Staatsphilosophie[Bearbeiten]

Auch der Glaube spaltete die beiden Staatsvölker. Das protestantische und aufgeklärte Preußen stand zu dem katholischen und feudalen Österreich in Opposition. Gehorsam und Selbstdisziplin – freiwillige Selbstbindung – waren im Beamtentum und in der preußischen Armee wichtiger als Glaube, der wiederum in Österreich maßgeblich war. Im fernen Königsberg hatte Immanuel Kant der Vernunft den Vorrang vor der Offenbarung zugewiesen. Die Katholiken in Schlesien und Westpreußen, im Ermland und (bis zum Kulturkampf) auch in der Rheinprovinz hatten es gut. Nicht schlechter ging es den Juden, die in Berlin, Breslau und Königsberg die größten Gemeinden Deutschlands hatten.

In Österreich herrschte Joseph II. nach dem Prinzip des aufgeklärten Absolutismus: „Alles für das Volk; nichts durch das Volk“. Im Gegensatz zu dieser feudalen Ordnung Österreichs war Preußen ein Verfassungsstaat, in dem Recht, Herrschaft und Verwaltung eindeutig festgelegt waren – und geachtet wurden.

Ein wesentlicher Unterschied war auch, dass Preußen sich mehr auf innerdeutsche Angelegenheiten konzentrierte, während Österreich mit dem zunehmenden Verfall des Osmanischen Reiches nach Südosten expandierte und schließlich, ein Jahr nach dem verlorenen Deutschen Krieg, den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich eingehen musste. In diesem neuen Vielvölkerstaat waren Krisen und Konflikte absehbar; denn zwischen den Deutschen, Slawen, Ungarn und vielen anderen Nationalitäten herrschten oft Uneinigkeit und divergierende Interessen.

Trotz seiner Sympathien für das „mütterlich warme“ Österreich und trotz größter Skepsis gegenüber dem protestantischen Staat im Norden meinte Joseph Görres:[1]

„Sicher ist die Übermacht des Geistigen auf Seite Preußens, und der Geist ist’s, der in jetziger Zeit zuletzt immer siegreich bleibt.“

Joseph Görres

Geschichte 1740–1866[Bearbeiten]

Vorgeschichte des Dualismus[Bearbeiten]

Nachdem Kaiser Karl VI. am 20. Oktober 1740 gestorben war und ein männlicher Nachkomme in der habsburgischen Familie fehlte, trat Maria Theresia gemäß der Pragmatischen Sanktion von 1713 die Nachfolge als Herrscherin über die habsburgischen Territorien an. Doch nicht alle europäischen Fürsten erkannten die Pragmatische Sanktion an, so auch Friedrich II. von Preußen. Als Gegenleistung für die Anerkennung forderte er aufgrund alter Verträge Schlesien von Österreich. Am 11. Dezember 1740 stellte er Maria Theresia diesbezüglich ein Ultimatum.

Schlesische Kriege 1740–1742 und 1744/1745[Bearbeiten]

König Friedrich II. von Preußen

Ohne die Antwort auf das Ultimatum abzuwarten, marschierte Preußen am 16. Dezember 1740 in Schlesien ein und löste so den Ersten Schlesischen Krieg und den Österreichischen Erbfolgekrieg aus, da andere europäische Mächte ebenfalls Anspruch auf die habsburgischen Territorien erhoben. Es gelang den Österreichern nicht, Friedrich II. am Erwerb von Schlesien zu hindern. Nach der verlorenen Schlacht bei Chotusitz sah sich Maria Theresia gezwungen, mit Preußen Frieden zu schließen, auch um den gleichzeitigen Erbfolgekrieg zu Gunsten Österreichs beenden zu können. Daher schloss sie mit Friedrich den Vorfrieden von Breslau und den Frieden von Berlin, in denen Ober- und Niederschlesien sowie die Grafschaft Glatz an Preußen fielen; zum Ausgleich übernahm Preußen die schlesischen Schulden.

Nachdem 1742 die Kaiserkrone an den bayerischen Kurfürsten Karl VII. gefallen war, gelang es Österreich, Bayern zu besetzen und ein Bündnis mit Großbritannien zu schließen. Daher fürchtete Friedrich II., Österreich könne von Preußen die Rückgabe Schlesiens fordern.

Deswegen fiel er im August 1744 in Böhmen ein und eröffnete so den Zweiten Schlesischen Krieg. Zwar konnte Prag erobert werden, doch Nachschubprobleme und die Hinhaltetaktik der Österreicher, die einer Entscheidungsschlacht geschickt auswichen, zwangen die preußische Armee zum Rückzug nach Schlesien, das nun seinerseits bedroht war. Da Preußen sich in der Defensive jedoch erfolgreich gegen Österreich und dessen Verbündete behaupten konnte, kam es 1745 zum Frieden von Dresden, in dem die Bestimmungen des Friedens von Berlin noch einmal bestätigt wurden. Friedrich II. erkannte im Gegenzug Franz Stephan, den Ehemann Maria Theresias, als römisch-deutschen Kaiser an, nachdem Karl VII. gestorben war.

Vom Schlesischen zum Siebenjährigen Krieg 1745–1763[Bearbeiten]

Nach dem Frieden von Dresden war Preußen nicht mehr am Österreichischen Erbfolgekrieg beteiligt, der erst 1748 mit dem Frieden von Aachen endete, worin die europäischen Mächte die Pragmatische Sanktion und Maria Theresia als Thronerbin anerkannten. Preußen wurde im Friedensvertrag noch einmal Schlesien bestätigt. Nach 1748 führte Maria Theresia in ihren Ländereien, ausgenommen Ungarn, Reformen durch, um den Staat zu verbessern und die Militärstärke zu heben, damit sie wieder in den Besitz Schlesiens kommen könnte. Außenpolitisch versuchte sie, geleitet von Staatskanzler Kaunitz, Preußen zu isolieren, indem sie Bündnisse mit Russland und mit Frankreich schloss (Renversement des alliances). Nachdem die Reformen Wirkung gezeigt hatten, bereitete sie die österreichische Armee auf einen Einmarsch in Preußen vor.

Europa zur Zeit des Siebenjährigen Krieges

Nachdem Friedrich II. über seine Spione Kenntnis von der österreichisch-russisch-französisch-sächsischen Allianz erhalten hatte, sah er sich mit dem Problem eines Mehrfrontenkrieges konfrontiert. Um dieses zu lösen, schloss er ein Bündnis mit England (Konvention von Westminster) und fiel am 29. August 1756 ohne Kriegserklärung in Sachsen ein, was den Siebenjährigen Krieg auslöste. Er plante, einen schnellen Sieg über Sachsen zu erringen und es zu erobern, weil Sachsen für Preußen aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen wichtig war. Nach einem Sieg in Sachsen wollte er schnell Prag erobern, um dauerhaft Truppen im gegnerischen Land zu stationieren. So wollte er Österreich zu Friedensverhandlungen zwingen, und nach einem Friedensschluss sollte es Russland nicht mehr wagen, allein gegen Preußen ins Feld zu ziehen.

Ihm gelang zwar der Sieg gegen Sachsen, aber die Österreicher waren schneller als gedacht und somit scheiterte sein Plan, Österreich schnell zu schlagen. Er versuchte 1757 noch einmal Prag zu erobern, scheiterte jedoch. Infolgedessen wurde die preußische Lage immer kritischer, sodass bis 1760 Preußen offensiv erschöpft war und entscheidende Gebiete (Ostpreußen, Sachsen, Schlesien) sich in der Hand des Gegners befanden; der Erhalt Preußens schien ernsthaft gefährdet. Zu Friedrichs Vorteil erwies sich jedoch die Uneinigkeit seiner Gegner, die ihre Siege über Preußen ungenutzt verstreichen ließen (Mirakel des Hauses Brandenburg). Die endgültige Rettung kam schließlich mit dem Tod der Zarin Elisabeth im Jahre 1762, da ihr Nachfolger Peter III. Frieden mit Preußen schloss. Hierauf war Österreich, weil es schon am Ende seiner militärischen und wirtschaftlichen Kraft war, gezwungen, ebenfalls Frieden mit Preußen zu schließen. Im Frieden von Hubertusburg wurde Preußen für alle Zeit verbindlich Ober- und Niederschlesien samt der Grafschaft Glatz zugesprochen. Von da ab war Preußen fünfte europäische Großmacht.

Vom Siebenjährigen bis zum Bayerischen Erbfolgekrieg 1763–1780[Bearbeiten]

Kaiser Joseph II.

Im Frieden von Hubertusburg hatte Österreich Schlesien endgültig an Preußen verloren. Im Gegenzug hatte Friedrich II. sich verpflichtet, bei der Kaiserwahl dem Sohn Maria Theresias Joseph II. die Stimme zu geben, was 1764 auch geschah. Danach gab es keine kriegerischen Konflikte, doch Friedrich II. versuchte, den Kaiser, das Reich und Österreich zu schwächen.

Eine andere Situation trat ein, als Preußen und Russland die erste polnische Teilung planten. Für Österreichs Zustimmung bot Preußen Österreich an, ebenfalls einen Teil zu erhalten. Bei der Teilung bekam Österreich 1772 Galizien, Russland Polnisch-Livland und die weißrussischen Wojewodschaften und Preußen alle preußischen Gebiete, die bis dahin unter polnischer Herrschaft standen. Seitdem nannte sich Friedrich II. nicht mehr „König in Preußen“, sondern „König von Preußen“. Auch nach der Teilung hörten die österreichisch-preußischen Spannungen nicht auf, aber es kam zu keinen kriegerischen Auseinandersetzungen.

Dies änderte sich, als 1777 die bayerische Linie der Wittelsbacher ausstarb und Karl Theodor aus der pfälzischen Linie das Kurfürstentum Bayern erben sollte. Doch Kaiser Joseph II., der in Bayern einen geeigneten Ort sah, seine Ländereien nach dem Verlust Schlesiens zu vergrößern und seine Stellung im Reich zu verbessern, intervenierte. Karl Theodor beugte sich dem österreichischen Druck und trat Niederbayern und die Oberpfalz ab, dafür sollte er Vorderösterreich erhalten. Doch das stieß auf die Ablehnung der übrigen Reichsmitglieder und Preußens. Daher ließ Friedrich II. seine Truppen in Böhmen einmarschieren, aber es kam aufgrund logistischer Probleme zu keinem großen Gefecht. Frankreich und Russland vermittelten infolgedessen den Frieden von Teschen, in dem Kaiser Joseph II. die Hausverträge der Wittelsbacher anerkannte und das Innviertel von Bayern erhielt.

Vom Bayerischen Erbfolgekrieg bis zu den Koalitionskriegen 1780–1812[Bearbeiten]

Die Spannungen glätteten sich trotz des Friedens nicht und gingen weiter, aber ohne kriegerische Auseinandersetzungen. Kritisch wurde die Lage erneut, als Österreich 1785 plante, Bayern gegen die Österreichischen Niederlande zu tauschen (Bayerisch-Niederländisches Tauschprojekt). Infolgedessen bildete sich der protestantische Fürstenbund unter Führung Preußens gegen Österreich.

1786 starb Friedrich II. von Preußen. Hierauf begannen Österreich und Russland einen weiteren Feldzug gegen die Türken, um das schwache Osmanische Reich aus Europa herauszudrängen und die eroberten Gebiete unter sich aufzuteilen. Das hätte aber eine massive Machtverschiebung in Europa zugunsten Österreichs und Russlands bedeutet, was der neue preußische König Friedrich Wilhelm II. nicht akzeptieren wollte. Deshalb zog er 1790 die preußische Armee in Schlesien zusammen, um sie gegen Österreich zu führen.

Doch diesen Plan gab der König nach kurzer Zeit selbst auf, weil er zu teuer war. Verstärkt durch die Französische Revolution 1789 versuchten auf englische Initiative der neue Kaiser Leopold II. und Friedrich Wilhelm II. von Preußen die österreichisch-preußischen Konflikte zu bereinigen, was in der Reichenbacher Konvention von 1790 auch gelang. Österreich beendete den Türkenkrieg und Preußen seine Expansion nach Osten.

1791 verbündeten sich Österreich und Preußen in der Pillnitzer Deklaration und erklärten dem französischen König die uneingeschränkte Solidarität. Darauf erklärte der französische Nationalkonvent am 20. April 1792 Österreich und Preußen den Krieg (Erster Koalitionskrieg). Den beiden Mächten gelangen aber aufgrund veralteter Heeresorganisationen und mangelnden Kriegswillens keine großen Siege. Preußen schloss 1795 den Frieden von Basel, Österreich 1797 den Frieden von Campo Formio, in denen beide der Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich zustimmten und dafür Entschädigungen erhalten mussten.

Nach dem Zweiten Koalitionskrieg (1799–1801), an dem nur Österreich teilnahm, schloss auch das Heilige Römische Reich als Ganzes Frieden mit Frankreich (Friede von Lunéville), in dem es der Abtretung aller Reichsgebiete links des Rheins zustimmte und die betroffenen Fürsten entschädigt werden mussten. Dies geschah mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 durch Mediatisierung und Säkularisation. Damit war der Kaiser seiner wichtigsten Machtstütze beraubt, wodurch die Auflösung des Alten Reiches nur eine Frage der Zeit war. Um dem Statusverlust entgegenzutreten und die Kaiserwürde zu behalten, rief Kaiser Franz II. am 11. August 1804 das Kaisertum Österreich aus.

Danach führten die beiden deutschen Großmächte unabhängig voneinander Kriege gegen Frankreich, 1805 Österreich (Dritter Koalitionskrieg; Niederlage und 1806 Auflösung des Alten Reiches), Preußen 1806/07 (Vierter Koalitionskrieg; Niederlage und Verlust des Großmachtsstatus) und erneut Österreich 1809 (Fünfter Koalitionskrieg; Niederlage). Beide wurden gezwungen, mit Frankreich (Napoleon) ein Militärbündnis zu schließen (Preußen 1807 im Frieden von Tilsit und Österreich 1809 im Frieden von Schönbrunn), das sie zwang, 1812 gegen Russland zu ziehen.

Befreiungskriege und Wiener Kongress 1813–1815[Bearbeiten]

Nach der französischen Niederlage in Russland lösten sich Österreich und Preußen aus dem Bündnis mit Frankreich und verbündeten sich mit Russland. Gemeinsam befreiten sie Deutschland von Napoleon. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Herbst 1813 siegten die Alliierten und zwangen Napoleon, sich hinter den Rhein zurückzuziehen. Im März 1814 marschierten sie in Paris ein und zwangen Napoleon zur Abdankung. Ein kleines Nachspiel drohte, als Napoleon 1815 zurückkehrte und kurzzeitig noch einmal die Macht übernahm. Doch in der Schlacht bei Waterloo wurde Napoleon endgültig geschlagen und nach St. Helena verbannt.

Auf dem Wiener Kongress wurden die Territorien Österreichs und Preußens weitgehend wieder so hergestellt, wie es vor 1789 der Fall war. Österreich verlor zugunsten der staatlichen Geschlossenheit Vorderösterreich und die Österreichischen Niederlande, erhielt aber das riesige Königreich Lombardo-Venetien, dessen König in Personalunion der Kaiser von Österreich war. Für Preußen war ein harter Verlust die Abtretung der Gebiete aus der Dritten Polnischen Teilung, es erhielt lediglich Posen und einige Gebiete am Rhein als Schutzwall gegen Frankreich, musste aber noch alle Gebiete, die nicht wegen des staatlichen Geschlossenheitsprinzipes zum Hauptgebiet hinzukamen, abtreten, unter anderem in Süddeutschland einige Gebiete, erhielt aber die Provinz Sachsen. Anstelle des Alten Reiches wurde der Deutsche Bund mit der alleinigen Präsidialmacht Österreich gegründet, ein Defensiv-Bündnis aller deutschen Staaten.

Vom Wiener Kongress bis zur Märzrevolution 1815–1849[Bearbeiten]

Deutscher Bund 1815 bis 1866

Nach dem Wiener Kongress setzte in Deutschland eine Restaurationsphase (Vormärz) ein, die überwiegend vom österreichischen Staatskanzler Metternich geprägt war, der schon auf dem Wiener Kongress eine dominierende Rolle gespielt hatte. Auf seine Veranlassung hin wurden Liberale und Nationale Kräfte unterdrückt, die Fürsten regierten absolutistisch, 1819 die Karlsbader Beschlüsse gefasst, und ein Zentraluntersuchungskommission in Mainz zur Verfolgung Liberaler eingesetzt. Das hatte für Österreich langfristig negative Folgen: Man geriet durch die konservativ-restaurative Politik gesellschaftlich, politisch, militärisch und wirtschaftlich etwas hinter die europäischen Mächte zurück. Diese Missstände riefen alsbald eine Revolution herauf.

Im März 1848 trieben die oben genannten Missstände das Volk auf die Barrikaden, es kam zur Revolution. Sie hatte vielseitige Gründe: Das Streben nach einem Nationalstaat, die Unterdrückung der Liberalen und Nationalen, und die soziale Frage, die durch die Industrielle Revolution, die durch die Gründung des Deutschen Zollvereines 1834 beschleunigt, auftrat. In den großen deutschen Städten kam es zu Barrikadenkämpfen, die Fürsten mussten liberale Regierungen einsetzen; in Wien musste Staatskanzler Metternich zurücktreten, in Berlin musste Friedrich Wilhelm IV. der Einberufung eines Parlamentes und einer Verfassungsgebung zustimmen, in München musste der bayerische König zurücktreten.

Es wurde erstmals ein gesamtdeutsches Parlament gewählt, das sich in der Frankfurter Paulskirche traf. Es erarbeitete eine Verfassung für Deutschland, die aber durch die Gegenrevolution im Sommer 1848 in Österreich nicht wirksam wurde und durch die Ablehnung Österreichs und Bayerns scheiterte. Der preußische König nahm auch zugunsten des von Österreich propagierten Monarchenprinzipes die deutsche Kaiserkrone nicht an.

Von der Märzrevolution bis zum Ende des Deutschen Bundes 1850–1866[Bearbeiten]

Schlacht bei Königgrätz 1866, die den Deutschen Krieg für Preußen entschied

Nach der Märzrevolution verschärfte sich der österreichisch-preußische Dualismus, nachdem er lange nur sehr schwach ausgeprägt war, wieder. 1850 wurde gegen den Willen Preußens der Deutsche Bund unter österreichischer Führung wiederhergestellt. Eine von Österreich vorgeschlagene Bundesreform lehnte Preußen aus Angst vor Machtverlust ab; dem Frankfurter Fürstentag 1863 blieb Preußen fern. Eine Entwicklung der Zeit erschwerte es, den Deutschen Bund in dem Zustand des Wiener Kongresses beizubehalten: Auch in konservativen Kreisen etablierte sich die Idee eines Nationalstaates. Von daher war das Ende des Deutschen Bundes als solcher ohne Reform abzusehen, zumal ein solcher Gedanke der Präsidialmacht Österreich als Vielvölkerstaat im Inneren Probleme bereitete.

1864 kam es noch einmal zu einer österreichisch-preußischen Zusammenarbeit, als Dänemark entgegen den Bestimmungen des Londoner Protokolls von 1852 das Herzogtum Schleswig über eine Verfassungsänderung näher an das eigentliche Königreich binden wollte. Bundestruppen unter Beteiligung Österreichs und Preußens besetzten in einer Bundesexekution zunächst Holstein und Lauenburg, kurze Zeit später eroberten Österreich und Preußen im Deutsch-Dänischen Krieg schließlich auch das Herzogtum Schleswig. Die Verwaltung in den Herzogtümern wurde anschließend zwischen beiden Großmächten geteilt: Österreich verwaltete Holstein und Preußen Schleswig. Doch Unstimmigkeiten über die Verwaltung der beiden Herzogtümer führten schließlich zum Deutschen Krieg von 1866, in dem Österreich unterlag. Im Prager Frieden musste Österreich der Auflösung des Deutschen Bundes und dem Austritt aus der deutschen Politik zustimmen. Damit fand auch der Dualismus sein Ende.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oswald Hauser: Das geistige Preußen (1985)