Deutscher Dualismus

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Die Gegner Österreich als Elefant und Preußen als Löwe
Auf eine Begegnung zwischen Friedrich II. von Preußen und Kaiser Joseph II. im Jahr 1769 projizierte Adolph Menzel in seinem Gemälde von 1857 die Hoffnung großer Teile des Bürgertums auf Überwindung des deutschen Dualismus.

Der Begriff deutscher Dualismus oder auch preußisch-österreichischer Dualismus bezeichnet die Rivalität zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland.

Österreich war traditionell die wichtigste Macht im Heiligen Römischen Reich und nach 1815 im Deutschen Bund. Über das Reich hatte der österreichische Herrscher den Kaisertitel, ab 1806 einen eigenen. Preußen hingegen erhob sich erst 1701 zum Königreich, unter Billigung Österreichs. Der mittelgroße Staat in Nordostdeutschland hielt sich aber eine starke Armee und vergrößerte sein Staatsgebiet mit friedlichen und anderen Mitteln: 1740 eroberte der junge König Friedrich II. das bis dahin österreichische Schlesien und legte damit den eigentlichen Grundstein für die Feindschaft. Dieser Konflikt um das wirtschaftlich bedeutende Schlesien wurde teilweise fortgeführt im Siebenjährigen Krieg (1756–1763).

Trotz aller zeitweiligen Zusammenarbeit blieb Preußen der Rivale, zumindest gleichberechtigt mit Österreich in Deutschland führen wollte. Während der Revolution von 1848 und vor allem in der Herbstkrise 1850 ging es um die Frage, ob Österreich überhaupt einem deutschen Nationalstaat angehören konnte, und ob es ihm gelingen würde, einen kleindeutschen Nationalstaat unter preußischer Führung zu verhindern.

Setzte sich Österreich 1848-1850 noch durch, so hatte Preußen in den kommenden anderthalb Jahrzehnten seine Position in Deutschland wirtschaftlich und kulturell verstärken können. Vorschläge zu einer Reform des Deutschen Bundes versandeten. Nachdem Österreich und Preußen gemeinsam im Deutsch-Dänischen Krieg die dänische Herrschaft über Schleswig und Holstein beendet hatten, nahm Preußen schließlich 1866 die Verwaltung dieser beiden Herzogtümer zum Anlass, den offenen Konflikt zu suchen. Es besetzte entgegen den Absprachen mit Österreich das österreichisch verwaltete Holstein. Österreich strengte eine Bundesexekution gegen den Friedensstörer Preußen an, die in den Deutschen Krieg Juli/August 1866 münste.

Nach dem Sieg Preußens musste Österreich die Auflösung des Bundes akzeptieren. Preußen bildete zunächst 1867 den Norddeutschen Bund und 1870/1871 das Deutsche Kaiserreich. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gehörte Österreich nicht mehr zu Deutschland. Im Zuge der Neuordnung des europäischen Bündnissystems auf dem Berliner Kongress im Jahre 1878 wurde die Deutsch-Deutsche Rivalität mit dem Zweibund endgültig beigelegt.

Unterschiede zwischen Österreich und Preußen[Bearbeiten]

Staat[Bearbeiten]

Wappen des Kaisertums Österreich

Während das Königreich Preußen eher ein künstliches Staatsgebilde war, das mit der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg aus der Fusion des Kurfürstentums Brandenburg und des Herzogtums Preußen entstand, war

Österreich galt als traditionell vorherrschende Macht des Heiligen Römischen Reiches, von den Habsburgern beherrscht seit dem 13. Jahrhundert. Preußen sah man hingegen eher als Emporkömmling unter den deutschen Staaten an, das noch mehr als Österreich kein zusammenhängendes Staatsgebiet hatte.

In den 1860er-Jahren, als die Industrialisierung zunehmend den europäischen Kontinent erreichte, schaffte es Österreich als Großmacht nicht, mit Großbritannien und Frankreich wirtschaftlich mitzuhalten und wurde sogar von den deutschen Nachbarstaaten (relativ am Anteil der Weltindustrieproduktion gesehen) überholt. Das Industrialisierungsniveau stieg in Österreich weniger stark als bei den anderen europäischen Großmächten (ausgenommen Russland). Gründe hierfür sind zum einen die konservative Politik Österreichs (Restauration) seit dem Wiener Kongress, zum anderen ein geringer nationaler Zusammenhalt sowie die Geographie Österreichs.

Militär[Bearbeiten]

Militärisch gesehen war der preußische Staat dem österreichischen voraus. In Preußen gab es nach der preußischen Heeresreform ein modernes Wehrpflichtigenheer, dessen Offiziere nach persönlichen Leistungen befördert wurden und auch bürgerlicher Herkunft sein konnten; umgangssprachlich sagte man, dass „andere Staaten ein Militär hätten, in Preußen jedoch das Militär einen Staat“. In Österreich dagegen waren die habsburgerischen Streitkräfte vom Adel geprägt, der die Offizierposten nicht nach persönlicher Leistung, sondern häufig nach dem Dienstalter besetzte.

Dass in Preußen die Industrialisierung eher und rascher Einzug hielt als in Österreich, hatte auch Einfluss auf das Militär, insbesondere auf seine Ausrüstung und Bewaffnung. Auch die Struktur der preußischen Armee war ein Vorteil: Die Wehrpflicht lag bei drei Jahren, während man anschließend vier Jahre der Reserve angehörte. So konnte Preußen sieben Jahrgänge einziehen den Nachteil wettmachen, dass es weniger Einwohner zählte. Außerdem setzte Preußen mehr auf Qualität statt Quantität; ein preußischer Gefreiter war grundsätzlich gut ausgebildet und ausgerüstet. Zudem arbeitete der preußische Generalstab Fehler der Vergangenheit auf und sorgte für Verbesserungen.

Staatsphilosophie[Bearbeiten]

Auch der Glaube trennte die beiden Staaten. Das protestantische und aufgeklärte Preußen stand zu dem katholischen und feudalen Österreich in Opposition. Gehorsam und Selbstdisziplin – freiwillige Selbstbindung – waren im Beamtentum und in der preußischen Armee wichtiger als Glaube, der wiederum in Österreich maßgeblich war. Im fernen Königsberg hatte Immanuel Kant der Vernunft den Vorrang vor der Offenbarung zugewiesen. Die Katholiken in Schlesien und Westpreußen, im Ermland und (bis zum Kulturkampf) auch in der Rheinprovinz hatten es gut. Nicht schlechter ging es den Juden, die in Berlin, Breslau und Königsberg die größten Gemeinden Deutschlands hatten.

In Österreich herrschte Joseph II. nach dem Prinzip des aufgeklärten Absolutismus: „Alles für das Volk; nichts durch das Volk“. Im Gegensatz zu dieser feudalen Ordnung Österreichs war Preußen ein Verfassungsstaat, in dem Recht, Herrschaft und Verwaltung eindeutig festgelegt waren – und geachtet wurden.

Ein wesentlicher Unterschied war auch, dass Preußen sich mehr auf innerdeutsche Angelegenheiten konzentrierte, während Österreich mit dem zunehmenden Verfall des Osmanischen Reiches nach Südosten expandierte und schließlich, ein Jahr nach dem verlorenen Deutschen Krieg, den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich eingehen musste. In diesem neuen Vielvölkerstaat waren Krisen und Konflikte absehbar; denn zwischen den Deutschen, Slawen, Ungarn und vielen anderen Nationalitäten herrschten oft Uneinigkeit und divergierende Interessen.

Geschichte 1740–1866[Bearbeiten]

Vorgeschichte des Dualismus[Bearbeiten]

Nachdem Kaiser Karl VI. am 20. Oktober 1740 gestorben war und ein männlicher Nachkomme in der habsburgischen Familie fehlte, trat Maria Theresia gemäß der Pragmatischen Sanktion von 1713 die Nachfolge als Herrscherin über die habsburgischen Territorien an. Doch nicht alle europäischen Fürsten erkannten die Pragmatische Sanktion an, so auch Friedrich II. von Preußen. Als Gegenleistung für die Anerkennung forderte er aufgrund alter Verträge Schlesien von Österreich. Am 11. Dezember 1740 stellte er Maria Theresia diesbezüglich ein Ultimatum.

Schlesische Kriege 1740–1742 und 1744/1745[Bearbeiten]

König Friedrich II. von Preußen

Ohne die Antwort auf das Ultimatum abzuwarten, marschierte Preußen am 16. Dezember 1740 in Schlesien ein und löste so den Ersten Schlesischen Krieg und den Österreichischen Erbfolgekrieg aus, da andere europäische Mächte ebenfalls Anspruch auf die habsburgischen Territorien erhoben. Es gelang den Österreichern nicht, Friedrich II. am Erwerb von Schlesien zu hindern. Nach der verlorenen Schlacht bei Chotusitz sah sich Maria Theresia gezwungen, mit Preußen Frieden zu schließen, auch um den gleichzeitigen Erbfolgekrieg zu Gunsten Österreichs beenden zu können. Daher schloss sie mit Friedrich den Vorfrieden von Breslau und den Frieden von Berlin, in denen Ober- und Niederschlesien sowie die Grafschaft Glatz an Preußen fielen; zum Ausgleich übernahm Preußen die schlesischen Schulden.

Nachdem 1742 die Kaiserkrone an den bayerischen Kurfürsten Karl VII. gefallen war, gelang es Österreich, Bayern zu besetzen und ein Bündnis mit Großbritannien zu schließen. Daher fürchtete Friedrich II., Österreich könne von Preußen die Rückgabe Schlesiens fordern.

Deswegen fiel er im August 1744 in Böhmen ein und eröffnete so den Zweiten Schlesischen Krieg. Zwar konnte Prag erobert werden, doch Nachschubprobleme und die Hinhaltetaktik der Österreicher, die einer Entscheidungsschlacht geschickt auswichen, zwangen die preußische Armee zum Rückzug nach Schlesien, das nun seinerseits bedroht war. Da Preußen sich in der Defensive jedoch erfolgreich gegen Österreich und dessen Verbündete behaupten konnte, kam es 1745 zum Frieden von Dresden, in dem die Bestimmungen des Friedens von Berlin noch einmal bestätigt wurden. Friedrich II. erkannte im Gegenzug Franz Stephan, den Ehemann Maria Theresias, als römisch-deutschen Kaiser an, nachdem Karl VII. gestorben war.

Vom Schlesischen zum Siebenjährigen Krieg 1745–1763[Bearbeiten]

Nach dem Frieden von Dresden war Preußen nicht mehr am Österreichischen Erbfolgekrieg beteiligt, der erst 1748 mit dem Frieden von Aachen endete, worin die europäischen Mächte die Pragmatische Sanktion und Maria Theresia als Thronerbin anerkannten. Preußen wurde im Friedensvertrag noch einmal Schlesien bestätigt. Nach 1748 führte Maria Theresia in ihren Ländereien, ausgenommen Ungarn, Reformen durch, um den Staat zu verbessern und die Militärstärke zu heben, damit sie wieder in den Besitz Schlesiens kommen könnte. Außenpolitisch versuchte sie, geleitet von Staatskanzler Kaunitz, Preußen zu isolieren, indem sie Bündnisse mit Russland und mit Frankreich schloss (Renversement des alliances). Nachdem die Reformen Wirkung gezeigt hatten, bereitete sie die österreichische Armee auf einen Einmarsch in Preußen vor.

Europa zur Zeit des Siebenjährigen Krieges

Nachdem Friedrich II. über seine Spione Kenntnis von der österreichisch-russisch-französisch-sächsischen Allianz erhalten hatte, sah er sich mit dem Problem eines Mehrfrontenkrieges konfrontiert. Um dieses zu lösen, schloss er ein Bündnis mit England (Konvention von Westminster) und fiel am 29. August 1756 ohne Kriegserklärung in Sachsen ein, was den Siebenjährigen Krieg auslöste. Er plante, einen schnellen Sieg über Sachsen zu erringen und es zu erobern, weil Sachsen für Preußen aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen wichtig war. Nach einem Sieg in Sachsen wollte er schnell Prag erobern, um dauerhaft Truppen im gegnerischen Land zu stationieren. So wollte er Österreich zu Friedensverhandlungen zwingen, und nach einem Friedensschluss sollte es Russland nicht mehr wagen, allein gegen Preußen ins Feld zu ziehen.

Ihm gelang zwar der Sieg gegen Sachsen, aber die Österreicher waren schneller als gedacht und somit scheiterte sein Plan, Österreich schnell zu schlagen. Er versuchte 1757 noch einmal Prag zu erobern, scheiterte jedoch. Infolgedessen wurde die preußische Lage immer kritischer, sodass bis 1760 Preußen offensiv erschöpft war und entscheidende Gebiete (Ostpreußen, Sachsen, Schlesien) sich in der Hand des Gegners befanden; der Erhalt Preußens schien ernsthaft gefährdet. Zu Friedrichs Vorteil erwies sich jedoch die Uneinigkeit seiner Gegner, die ihre Siege über Preußen ungenutzt verstreichen ließen (Mirakel des Hauses Brandenburg). Die endgültige Rettung kam schließlich mit dem Tod der Zarin Elisabeth im Jahre 1762, da ihr Nachfolger Peter III. Frieden mit Preußen schloss. Hierauf war Österreich, weil es schon am Ende seiner militärischen und wirtschaftlichen Kraft war, gezwungen, ebenfalls Frieden mit Preußen zu schließen. Im Frieden von Hubertusburg wurde Preußen für alle Zeit verbindlich Ober- und Niederschlesien samt der Grafschaft Glatz zugesprochen. Von da ab war Preußen fünfte europäische Großmacht.

Vom Siebenjährigen bis zum Bayerischen Erbfolgekrieg 1763–1780[Bearbeiten]

Kaiser Joseph II.

Im Frieden von Hubertusburg hatte Österreich Schlesien endgültig an Preußen verloren. Im Gegenzug hatte Friedrich II. sich verpflichtet, bei der Kaiserwahl dem Sohn Maria Theresias Joseph II. die Stimme zu geben, was 1764 auch geschah. Danach gab es keine kriegerischen Konflikte, doch Friedrich II. versuchte, den Kaiser, das Reich und Österreich zu schwächen.

Eine andere Situation trat ein, als Preußen und Russland die erste polnische Teilung planten. Für Österreichs Zustimmung bot Preußen Österreich an, ebenfalls einen Teil zu erhalten. Bei der Teilung bekam Österreich 1772 Galizien, Russland Polnisch-Livland und die weißrussischen Wojewodschaften und Preußen alle preußischen Gebiete, die bis dahin unter polnischer Herrschaft standen. Seitdem nannte sich Friedrich II. nicht mehr „König in Preußen“, sondern „König von Preußen“. Auch nach der Teilung hörten die österreichisch-preußischen Spannungen nicht auf, aber es kam zu keinen kriegerischen Auseinandersetzungen.

Dies änderte sich, als 1777 die bayerische Linie der Wittelsbacher ausstarb und Karl Theodor aus der pfälzischen Linie das Kurfürstentum Bayern erben sollte. Doch Kaiser Joseph II., der in Bayern einen geeigneten Ort sah, seine Ländereien nach dem Verlust Schlesiens zu vergrößern und seine Stellung im Reich zu verbessern, intervenierte. Karl Theodor beugte sich dem österreichischen Druck und trat Niederbayern und die Oberpfalz ab, dafür sollte er Vorderösterreich erhalten. Doch das stieß auf die Ablehnung der übrigen Reichsmitglieder und Preußens. Daher ließ Friedrich II. seine Truppen in Böhmen einmarschieren, aber es kam aufgrund logistischer Probleme zu keinem großen Gefecht. Frankreich und Russland vermittelten infolgedessen den Frieden von Teschen, in dem Kaiser Joseph II. die Hausverträge der Wittelsbacher anerkannte und das Innviertel von Bayern erhielt.

Vom Bayerischen Erbfolgekrieg bis zu den Koalitionskriegen 1780–1812[Bearbeiten]

Die Spannungen glätteten sich trotz des Friedens nicht und gingen weiter, aber ohne kriegerische Auseinandersetzungen. Kritisch wurde die Lage erneut, als Österreich 1785 plante, Bayern gegen die Österreichischen Niederlande zu tauschen (Bayerisch-Niederländisches Tauschprojekt). Infolgedessen bildete sich der protestantische Fürstenbund unter Führung Preußens gegen Österreich.

1786 starb Friedrich II. von Preußen. Hierauf begannen Österreich und Russland einen weiteren Feldzug gegen die Türken, um das schwache Osmanische Reich aus Europa herauszudrängen und die eroberten Gebiete unter sich aufzuteilen. Das hätte aber eine massive Machtverschiebung in Europa zugunsten Österreichs und Russlands bedeutet, was der neue preußische König Friedrich Wilhelm II. nicht akzeptieren wollte. Deshalb zog er 1790 die preußische Armee in Schlesien zusammen, um sie gegen Österreich zu führen.

Doch diesen Plan gab der König nach kurzer Zeit selbst auf, weil er zu teuer war. Verstärkt durch die Französische Revolution 1789 versuchten auf englische Initiative der neue Kaiser Leopold II. und Friedrich Wilhelm II. von Preußen die österreichisch-preußischen Konflikte zu bereinigen, was in der Reichenbacher Konvention von 1790 auch gelang. Österreich beendete den Türkenkrieg und Preußen seine Expansion nach Osten.

1791 verbündeten sich Österreich und Preußen in der Pillnitzer Deklaration und erklärten dem französischen König die uneingeschränkte Solidarität. Darauf erklärte der französische Nationalkonvent am 20. April 1792 Österreich und Preußen den Krieg (Erster Koalitionskrieg). Den beiden Mächten gelangen aber aufgrund veralteter Heeresorganisationen und mangelnden Kriegswillens keine großen Siege. Preußen schloss 1795 den Frieden von Basel, Österreich 1797 den Frieden von Campo Formio, in denen beide der Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich zustimmten und dafür Entschädigungen erhalten mussten.

Nach dem Zweiten Koalitionskrieg (1799–1801), an dem nur Österreich teilnahm, schloss auch das Heilige Römische Reich als Ganzes Frieden mit Frankreich (Friede von Lunéville), in dem es der Abtretung aller Reichsgebiete links des Rheins zustimmte und die betroffenen Fürsten entschädigt werden mussten. Dies geschah mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 durch Mediatisierung und Säkularisation. Damit war der Kaiser seiner wichtigsten Machtstütze beraubt, wodurch die Auflösung des Alten Reiches nur eine Frage der Zeit war. Um dem Statusverlust entgegenzutreten und die Kaiserwürde zu behalten, rief Kaiser Franz II. am 11. August 1804 das Kaisertum Österreich aus.

Danach führten die beiden deutschen Großmächte unabhängig voneinander Kriege gegen Frankreich, 1805 Österreich (Dritter Koalitionskrieg; Niederlage und 1806 Auflösung des Alten Reiches), Preußen 1806/07 (Vierter Koalitionskrieg; Niederlage und Verlust des Großmachtsstatus) und erneut Österreich 1809 (Fünfter Koalitionskrieg; Niederlage). Beide wurden gezwungen, mit Frankreich (Napoleon) ein Militärbündnis zu schließen (Preußen 1807 im Frieden von Tilsit und Österreich 1809 im Frieden von Schönbrunn), das sie zwang, 1812 gegen Russland zu ziehen.

Befreiungskriege und Wiener Kongress 1813–1815[Bearbeiten]

Nach der französischen Niederlage in Russland lösten sich Österreich und Preußen aus dem Bündnis mit Frankreich und verbündeten sich mit Russland. Gemeinsam befreiten sie Deutschland von Napoleon. Auf dem Wiener Kongress 1814/1815 wurden die Territorien Österreichs und Preußens weitgehend wieder so hergestellt, wie es vor 1789 der Fall war. Österreich verlor zugunsten der staatlichen Geschlossenheit Vorderösterreich und die Österreichischen Niederlande, erhielt aber das Königreich Lombardo-Venetien, dessen König in Personalunion der Kaiser von Österreich war.

Für Preußen war ein harter Verlust die Abtretung der Gebiete aus der Dritten Polnischen Teilung, es erhielt lediglich Posen und einige Gebiete am Rhein als Schutzwall gegen Frankreich, musste aber noch alle Gebiete, die nicht wegen des staatlichen Geschlossenheitsprinzipes zum Hauptgebiet hinzukamen, abtreten, unter anderem in Süddeutschland einige Gebiete, erhielt aber die Provinz Sachsen. Anstelle des Alten Reiches wurde der Deutsche Bund mit der alleinigen Präsidialmacht Österreich gegründet, ein Defensiv-Bündnis aller deutschen Staaten.

Vom Wiener Kongress bis zur Revolution 1815–1849[Bearbeiten]

Deutscher Bund 1815 bis 1848 und 1851 bis 1866

Nach dem Wiener Kongress setzte in Deutschland eine Restaurationsphase ein, die überwiegend vom österreichischen Staatskanzler Metternich geprägt war. Auf seine Veranlassung hin wurden Liberale und Nationale Kräfte unterdrückt, die Fürsten regierten absolutistisch, 1819 die Karlsbader Beschlüsse gefasst, und ein Zentraluntersuchungskommission in Mainz zur Verfolgung Liberaler eingesetzt. Das hatte für Österreich langfristig negative Folgen: Man geriet durch die konservativ-restaurative Politik gesellschaftlich, politisch, militärisch und wirtschaftlich etwas hinter die europäischen Mächte zurück. Diese Missstände riefen alsbald eine Revolution herauf.

Einwohner im Deutschen Bund 1848, nach Einzelstaaten. Ein deutscher Bundesstaat auf dieser Grundlage hätte im Wesentlichen der so genannten großdeutschen Lösung entsprochen.
Deutsche Einigungspläne 1848-1850. Flächenfarbe signalisiert einen Staat (oder Staatengruppe), Umrandung einen Staatenbund.

Im März 1848 trieben die genannten Missstände das Volk auf die Barrikaden, es kam zur Revolution. Sie hatte vielseitige Gründe: Das Streben nach einem Nationalstaat, die Unterdrückung der Liberalen und Nationalen, und die soziale Frage, die durch die Industrielle Revolution, die durch die Gründung des Deutschen Zollvereines 1834 beschleunigt, auftrat. In den großen deutschen Städten kam es zu Barrikadenkämpfen, die Fürsten mussten liberale Regierungen einsetzen.

Es wurde erstmals ein gesamtdeutsches Parlament gewählt. Diese Frankfurter Nationalversammlung erarbeitete eine Verfassung für Deutschland, die aber durch die Gegenrevolution nicht wirksam wurde. Weder Österreich noch Preußen noch die weiteren größeren Staaten Deutschlands wollten einen Nationalstaat mit liberaler Verfassung. Für Österreich war ein Nationalstaat insbesondere ein Problem wegen seiner ethnischen Zersplitterung (nur 20 Prozent des Gesamtstaats waren Deutsche). Die Nationalversammlung hätte nur diejenigen Teile Österreichs im neuen Deutschen Reich akzeptiert, die bereits zum Deutschen Bund gehört hatten.

Während Preußen versuchte, ein konservativeres Kleindeutschland über die Erfurter Union (1849/1850) zu verwirklichen,[1] schlug Österreich ein Großösterreich vor: Dabei sollte sein gesamtes Staatsgebiet zu einem deutsch-österreichischen Staatenbund gehören.[2] Die Auseinandersetzung spitzte sich in der Herbstkrise 1850 zu, als Österreich und Preußen an der Schwelle eines Krieges standen. Russische Unterstützung für Österreich führten dazu, dass Preußen seine Unionspolitik aufgab.

Bis zum Ende des Deutschen Bundes 1866[Bearbeiten]

Schlacht bei Königgrätz 1866, die den Deutschen Krieg für Preußen entschied

Nachdem Österreich und Preußen gemeinsam in der zehnjährigen Reaktionsära die liberale und Nationalbewegung unterdrückt hatten, kam Ende der 1850er-Jahre die Entwicklung wieder langsam in Gang. Preußen versuchte, die Nationalbewegung für seine Machterweiterung zu nutzen. Eine von Österreich vorgeschlagene Bundesreform lehnte Preußen aus Angst vor Machtverlust ab; dem Frankfurter Fürstentag 1863 blieb Preußen fern. Österreich hatte eine bloße Reform des Staatenbundes vorgeschlagen.

1864 kam es noch einmal zu einer österreichisch-preußischen Zusammenarbeit, als Dänemark entgegen den Bestimmungen des Londoner Protokolls von 1852 das Herzogtum Schleswig über eine Verfassungsänderung näher an das eigentliche Königreich binden wollte. Bundestruppen unter Beteiligung Österreichs und Preußens besetzten in einer Bundesexekution zunächst Holstein und Lauenburg, kurze Zeit später eroberten Österreich und Preußen im Deutsch-Dänischen Krieg schließlich auch das Herzogtum Schleswig. Die Verwaltung in den Herzogtümern wurde anschließend zwischen beiden Großmächten geteilt: Österreich verwaltete Holstein und Preußen Schleswig.

Doch Unstimmigkeiten über die Verwaltung der beiden Herzogtümer führten schließlich zum Deutschen Krieg von 1866, in dem Österreich unterlag. Im Prager Frieden musste Österreich der Auflösung des Deutschen Bundes und dem Austritt aus der deutschen Politik zustimmen. Damit war die Frage der Vorherrschaft in Deutschland geklärt, und auch der Dualismus fand so sein Ende.

Literatur[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band II: Der Kampf um Einheit und Freiheit 1830 bis 1850. 3. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart [u. a.] 1988, S. 887.
  2. Jürgen Angelow: Der Deutsche Bund. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S. 93.