My Bonnie

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My Bonnie (Lies Over the Ocean) ist der Titel eines gemeinfreien, traditionellen schottischen Folksongs, von Charles E. Pratt ursprünglich als Bring Back My Bonnie to Me komponierten Lieds, das durch die Beatles 1961 weltweit bekannt wurde und sich zu einem Evergreen entwickelt hat.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung des Lieds ist ungewiss; sicher ist, das sein Titel einige Verwandlungen erfahren hat. Es wird in der Literatur angenommen, dass es erstmals ab dem 16. April 1746 von Charles Edward Stuart (genannt „Bonnie Prince Charlie“) nach der Niederlage in der Schlacht bei Culloden gesungen wurde.[1] [2] Send Back My Barney to Me wurde etwa 1860 von Harry Clifton geschrieben und veröffentlicht, enthält jedoch einen anderen Text. Im Juli 1872 wird das Lied in dem New Prize Medal Song Book als #9 geführt. In gedruckter Form erschien der Song erstmals am 15. Januar 1881 in der 2. Auflage von William H. Hills' Students' Songs (Cambridge (Massachusetts)) unter dem Titel My Bonnie (Seite 9).[3] Das noch unbekannte Studentenlied wurde dann erstmals 1882 von Pratt unter dem Pseudonym „J. T. Woods“ und „H. J. Fulmer“ in der Phase der Tin Pan Alley unter dem Titel Bring Back My Bonnie to Me durch den Musikverlag T. B. Harms & Co. veröffentlicht.

Textlich geht es um eine Frau, die vom Tod ihres auf See befindlichen Partners träumt („lies over the ocean“) und ihn sehr vermisst („bring back my Bonnie to me“). Die von ihr herbeigewünschten Seewinde („the winds have blown over the ocean“) bringen ihn schließlich zurück. „Bonnie“ bedeutet auf Schottisch „hübsch“ und ist meist ein weiblicher, selten ein männlicher Vorname.[4]

Erste Schallplattenaufnahmen[Bearbeiten]

Es dauerte Jahrzehnte, bis die Musikindustrie das gängige Lied aufgriff. Dabei fällt die Titelvielfalt auf, die den verschiedenen Bearbeitungen zugrunde lag. Das Haydn Quartet startete ersichtlich als erste Band mit dem Titel Bring Back My Bonnie to Me (aufgenommen am 14. November 1900; Victor A-123), gefolgt von den Leake County Revelers mit My Bonnie Lies Over the Ocean (25. Oktober 1927; Columbia 15227-D). Die Sopranistin Alma Gluck entschied sich für Bring Back My Bonnie to Me (11. September 1918; Victrola 64793), Ella Logan wählte My Bonnie Lies Over the Ocean (17. Juli 1938; Brunswick 8196; Rang 8 der US-Pophitparade), unter demselben Titel übernahmen die Mobile Strugglers das Lied (18. Juli 1954; AmSkBa), Ella Fitzgerald unter My Bonnie Lies Over the Ocean (11. August 1952; Decca 28375). Ray Charles brachte My Bonnie als B-Seite von You Be My Baby heraus (20. Februar 1958; Atlantic 1196, veröffentlicht erst im August 1958), Duane Eddy verwendete bei seiner Instrumentalfassung den Titel Bonnie Came Back (Februar 1960; GB-12). Es folgten Bobby Darin (LP Bobby Darin Sings Ray Charles; 7. November 1961, veröffentlicht im März 1962), Bing Crosby (21. Juni 1962), das J.B.O. James Blast Orchester entschloss sich für My Bonnie (September 1995). My Bonnie kam als Liedform im gleichnamigen Kinofilm vor, der am 15. September 1925 Premiere hatte. Seitdem das Lied gemeinfrei ist, darf jeder Bearbeiter seinen Namen als Komponist angeben.

Version der Beatles[Bearbeiten]

Tony Sheridan & the Beat Brothers – My Bonnie (1961)

Die Beatles nahmen die Ray Charles-Fassung zum Vorbild und hatten My Bonnie bereits mehrmals bei ihren Auftritten im Hamburger Top Ten-Club ab 1. April 1961 gespielt.[5] Polydor-Musikproduzent Bert Kaempfert plante Musikaufnahmen mit Tony Sheridan und fand als Begleitgruppe die im Juni 1961 in Hamburg auftretende Liverpooler Beatband The Beatles. Als Tony Sheridan & The Beat Brothers standen sie am 22. Juni 1961 in der Friedrich-Ebert-Halle in Hamburg-Heimfeld – einer als Konzerthalle dienenden Aula und kein Tonstudio - mit Produzent Bert Kaempfert und Karl Hinze als Toningenieur vor den Mikrofonen. Aufgenommen wurden - mit einem tragbaren 2-Spur-Tonband (in Stereo abgemischt) - 5 Titel in 2 Tagen.

Aufnahmetag 22. Juni 1961:

05 My Bonnie (Ansage in Deutsch: Mein Herz ist bei Dir nur; Text: Bernd Bertie),
06 My Bonnie (My Bonnie Lies Over the Ocean),
07 The Saints (When the Saints Go Marching In),
08 Why (Can’t You Love Again),
09 Cry for a Shadow,

Am 23. Juni 1961 entstand noch

10 Nobody’s Child.

Die Aufnahmen entstanden in der Besetzung Tony Sheridan (Gesang/Gitarre), George Harrison (Leadgitarre), John Lennon (Rhythmusgitarre), Paul McCartney (Bassgitarre) und Pete Best (Schlagzeug). Bei My Bonnie spielte George Harrison zwar Leadgitarre, doch Tony Sheridan übernahm das Gitarren-Intro und das Gitarren-Solo. Für die Aufnahmesession als Begleitband von Sheridan bekamen die Beatles 300 DM. Am 23. Oktober 1961 wurde die Single My Bonnie (My Bonnie Lies Over the Ocean) / The Saints (When the Saints Go Marching In) (Polydor 24 673) veröffentlicht und erreichte Rang 5 in der deutschen Hitparade; es wurden 100.000 Singles in Deutschland verkauft.[6] In Großbritannien kam die Single erst am 5. Januar 1962 auf den Markt und konnte sich dort nur auf Rang 48 in den Charts platzieren. Sie erhielt am 27. Januar 1962 eine Bewertung im Melody Maker und am 21. Februar 1964 im New Musical Express. Der spätere Beatles-Manager Brian Epstein orderte 200 Stück für seinen Liverpooler Plattenladen NEMS wegen des interessierten Käufers Raymond Jones. In den USA kam die Platte erst am 27. Januar 1964 während der British Invasion (MGM K 13213) auf den Markt, gelangte am 8. Februar 1964 bis auf Rang 26 und verkaufte dort 300.000 Exemplare.[7] Am 21. Dezember 1961 nahm Tony Sheridan für sein Solo-Album My Bonnie einige Stücke ohne die Beatles auf (veröffentlicht im April 1962).

Rezeption[Bearbeiten]

My Bonnie machte zunächst eine Wandlung vom Studentenlied über das Kinderlied zum Shanty durch, bevor es von der Popmusik entdeckt wurde. Dort fand es stilübergreifend Verwendung, von Old-Time Music (Vorläufer der Country-Musik; Leake County Revelers) über Jazzversionen (Ella Fitzgerald), Rhythm & Blues (Ray Charles) bis hin zu Rock & Roll (Beatles). Auch DJ Ötzi kam an diesem Evergreen nicht vorbei (April 2001). Insgesamt bestehen mindestens 44 Versionen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deepti Menon, Arms And The Woman, 2002, S. 260
  2. James Hogg, The Forest Minstrel, 2006, S. 366
  3. Dan Worrall: Tom Maguire, A Forgotten Late Nineteenth Century Irish Vocalist, Comedian, Concertinist, and Songwriter, 2. Juni 2010, S. 10 f. (PDF; 833 kB)
  4. Male & Female Names, Bonnie
  5. Scott Wheeler, Charlie Lennon: Uncle to a Beatle, 2005, S. 174 ff.
  6. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 157
  7. Joseph Murrells, a.a.O., S. 157