Nader und Simin – Eine Trennung

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Filmdaten
Deutscher Titel Nader und Simin – Eine Trennung
Originaltitel جدایی نادر از سیمین (Dschodai-ye Nader az Simin)
Produktionsland Iran
Originalsprache Persisch
Erscheinungsjahr 2011
Länge 123 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Asghar Farhadi
Drehbuch Asghar Farhadi
Produktion Asghar Farhadi
Musik Sattar Oraki
Kamera Mahmood Kalari
Schnitt Hayedeh Safiyari
Besetzung

Nader und Simin – Eine Trennung (persisch ‏جدایی نادر از سیمینDschodai-ye Nader az Simin, deutsche Übersetzung Die Trennung Naders von Simin, engl. Festivaltitel: Nader and Simin, A Separation) ist ein Spielfilm des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi aus dem Jahr 2011. Das Drama basiert auf einem Originaldrehbuch von Farhadi, der auch die Produktion übernahm und seine Tochter als Schauspielerin einsetzte. Erzählt wird die Beziehung zweier iranischer Familien, die eine stammt aus dem gebildeten höheren Mittelstand, die andere aus der religiösen Unterschicht.

Der Film wurde am 9. Februar 2011 beim Internationalen Fajr-Filmfestival in Teheran uraufgeführt. In Deutschland wurde er erstmals am 15. Februar 2011 im Rahmen der 61. Berlinale gezeigt, wo der Film als erster iranischer Beitrag den Goldenen Bären gewann. Es folgten über 40 weitere Film- und Festivalpreise, darunter der Oscar und Golden Globe Award als bester fremdsprachiger Film. Der deutsche Kinostart erfolgte am 14. Juli 2011.

Handlung[Bearbeiten]

Nader und Simin sind seit 14 Jahren verheiratet und leben mit ihrer elfjährigen Tochter Termeh in Teheran. Die Familie gehört der urbanen oberen Mittelschicht an. Das Paar steht kurz vor der Trennung. Simin will das Land, wie ursprünglich gemeinsam geplant und bereits erfolgreich bei den Behörden beantragt, mit ihrem Gatten und der Tochter verlassen. Termeh soll nicht weiter „unter den Umständen hier“ aufwachsen. Inzwischen werden Simins Absichten vom dickköpfigen Nader jedoch nicht mehr geteilt. Er hat Bedenken wegen seines Vaters, der an Alzheimer leidet und mit in der gemeinsamen Wohnung lebt. Als Reaktion auf Naders Entschluss, bei seinem Vater in Iran zu bleiben, reicht Simin die Scheidung ein.

Das Familiengericht lehnt Simins Klage ab, die Probleme sind nach Auffassung des Richters nicht gravierend genug, nach iranischem Recht muss der Ehemann der Scheidung also zustimmen. Hierzu ist Nader aus Enttäuschung und Trotz auch prinzipiell bereit, will Termeh aber nicht mit Simin gehen lassen. Simin verlässt nun Ehemann und Tochter und zieht bei ihrer Mutter ein. Nader engagiert deshalb die von seiner Noch-Ehefrau ausgesuchte Razieh als Haushaltshilfe. Die junge schwangere Frau aus einem der armen Vororte Teherans soll tagsüber seinen pflegebedürftigen Vater betreuen. Razieh übernimmt die Arbeit für wenig Lohn, da ihre Familie finanziell darauf angewiesen ist, allerdings ohne Wissen ihres jähzornigen arbeitslosen Ehemanns Hodjat, der nach iranischem Recht seine Zustimmung hätte geben müssen. Zu ihrer Arbeit bringt die gottesfürchtige, stets in einen Tschador gehüllte Frau ihre kleine Tochter, Somayeh, mit.

Razieh ist mit der Pflege des Alten jedoch überfordert. Vor allem ist sie unsicher, ob es ihr aus religiösen Gründen erlaubt ist, den älteren Mann zu waschen, der auch an Inkontinenz leidet. Schon nach dem ersten Tag will sie die Stelle an ihren Ehemann weitervermitteln. Da dieser aber wegen seiner Schulden bei Gläubigern verhindert ist, vertritt sie ihn. Als Razieh eines Tages einen Arzttermin wahrnehmen muss, fesselt sie den schlafenden alten Mann an sein Bett und schließt ihn ein. Der Greis wird später am Tag bewusstlos neben dem Bett liegend von Nader und seiner Tochter aufgefunden. Aufgebracht drängt Nader seine zurückkehrende Haushaltshilfe aus der Wohnung und schimpft sie eine Diebin. Er schiebt Razieh aus der Haustür, worauf diese im Treppenhaus stürzt. Später erfährt er, dass sie im Krankenhaus behandelt wurde und ihren ungeborenen Sohn im fünften Monat verloren hat.

Ein Gericht wird mit der Bewertung von Naders Schuld beauftragt. Er sieht einer Anklage wegen Totschlags entgegen, sollte bewiesen werden, dass er Kenntnis von Raziehs Schwangerschaft hatte. Gleichzeitig wird Razieh wegen Misshandlung des alten Manns angeklagt. Der verschuldete Hodjat ist hin- und hergerissen zwischen der für Nader geforderten Gefängnisstrafe und einer finanziellen Abfindung, sollte er die Anklage fallen lassen. Naders Stolz aber steht der Zahlung eines Blutgelds im Weg. Termeh schützt ihren Vater mit einer Falschaussage, während Simin außerhalb des Gerichts mit zur Wahrheitsfindung beiträgt. Es stellt sich heraus, dass Razieh, die sich weigert, die Schuld Naders auf den Koran zu schwören, vor dem Zwischenfall auf der Straße angefahren worden war, als sie Naders dementen Vater wieder zurückholen wollte, der unbemerkt das Haus verlassen hatte.

Termehs Hoffnung, dass ihre Eltern wieder zueinander finden, erfüllt sich nicht. Vor dem Familiengericht muss sie sich entscheiden, ob sie von nun an bei Nader oder bei Simin leben möchte.

Kritiken[Bearbeiten]

Der Film wurde von der deutschsprachigen Kritik als Favorit auf den Hauptpreis der Berlinale gehandelt.[1][2][3][4]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bemerkte, es sei kaum vorstellbar, dass die Jury an dem Film vorbeigehen könne. „Farhadi hat in seinem Drehbuch die einzelnen Stränge seiner Geschichte so verwoben, dass es scheint, sie entfalte sich gerade eben erst vor unseren Augen und wir würden Zeugen, wie sie Kreise zu ziehen beginnt und schließlich eine Schlinge bildet, aus der sich keiner mehr befreien kann.“ Jodaeiye Nader az Simin zeichne sich wie schon Farhadis Vorgängerfilm Alles über Elly (Regiepreis der Berlinale 2009) durch die „Fähigkeit zur Alltagsbeobachtung“ aus.[5] Farhadi erzähle „perfekt auf den Punkt“ von der „Bedeutung des Politischen“ im Privaten, „ohne die politischen Hintergründe je zu benennen“, so die Süddeutsche Zeitung.[6] Ähnliches bemerkte die tageszeitung, die außerdem Hauptdarsteller Peyman Moadi lobte. Jodaeiye Nader az Simin mache „die verdrehten Moral- und Rechtsauffassungen eines neurotischen Systems deutlich. Willkür und Zufall entscheiden über Glück oder Unglück der Einzelnen.“[7]

Die Frankfurter Rundschau bemerkte, Jodaeiye Nader az Simin sei ein „gut gespielter und – bis auf eine Drehbuchschwäche – gut gemachter Film“ und Publikumsliebling. Allzu offensichtlich sei es, warum ihn die iranische Zensur für das Festival eingereicht hätte: „Ein kluger Richter und geduldige Polizisten, die nicht den leisesten Druck ausüben, stehen einer Diktatur nicht schlecht. Keinen Zweifel weckt der Film am Rechtssystem eines Staates, der seine Kritiker einkerkert.“[8] Als „präzise gezeichnete(n) Albtraum“, der Panahis offenen Brief zum Berlinale-Start weiterschreibe, bewertete ihn Die Zeit. Der „bisherige Höhepunkt“ des Wettbewerbs erzähle von Geschlechterkonflikten und von Klassengegensätzen und sei „ebenso großartig wie bestürzend. Ein Kammerspiel, in dem der ganze Iran Platz hat“.[9]

Der US-amerikanische Rezensionsdienst Rotten Tomatoes zählte unter 141 Rezensionen nur eine negative auf, bei einer durchschnittlichen Bewertung von 8,9 von 10 möglichen Punkten.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Beim Internationalen Fajr-Filmfestival wurde Nader und Simin – Eine Trennung unter anderem mit den Preisen für die beste Regie und das beste Drehbuch ausgezeichnet.[11] Im Rahmen der Berlinale gewann der Film mit dem Goldenen Bären den Hauptpreis des Festivals sowie den Silbernen Bären für das beste männliche und weibliche Schauspielensemble, den Preis der Ökumenischen Jury[12] und den Leserjury-Preis der Berliner Morgenpost.[13] Erstmals in der Geschichte der Berlinale wurden damit der Hauptpreis und beide Darstellerauszeichnungen an eine Filmproduktion verliehen. Weitere Auszeichnungen folgten im selben Jahr auf dem Durban International Film Festival (Bester Film), dem Fukuoka International Film Festival (Publikumspreis), dem Melbourne International Film Festival („Most Popular Feature Film“), dem Pula Film Festival (Internationaler Wettbewerb – Bester Film), Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián („TVE Otra Mirada Award“), Sydney Film Festival (Bester Film) und Jerewan International Film Festival (Bester Film).

Bei der Oscarverleihung 2012 gewann Nader und Simin – Eine Trennung als erster iranischer Kandidat einen Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film. Des Weiteren erhielt er eine Nominierung für das beste Originaldrehbuch.[14] 2011/12 kürten das New York Film Critics Circle, die National Board of Review, die National Society of Film Critics und die Broadcast Film Critics Association Nader und Simin jeweils zum besten ausländischen bzw. fremdsprachigen Film. 2012 gewann der Film den Golden Globe Award und den César als bester fremdsprachiger Film sowie den London Critics’ Circle Film Award in den Kategorien Bester fremdsprachiger Film und Bestes Drehbuch.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berlinale-Finale: Teilexplosion und klare Favoriten. In: Der Standard, 18. Februar 2011, S. 3
  2. Gute Geschäfte – und erste Preise. In: Der Tagesspiegel, 19. Februar 2011, Nr. 20893, S. 27
  3. Schleider, Tim: Wenn das Adlon in die Luft fliegt. In: Stuttgarter Zeitung, 19. Februar 2011, S. 31
  4. Zander, Peter: Leserpreis der Morgenpost geht an den großen Berlinale-Favoriten. In: Berliner Morgenpost, 19. Februar 2011, Nr. 49, S. 23
  5. Scheidung auf Persisch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Februar 2011, Nr. 39, S. 30
  6. Vahabzadeh, Susan: Ruhe im Sturm. In: Süddeutsche Zeitung, 16. Februar 2011, S. 15
  7. Fanizadeh, Andreas: Neurotisches System. In: die tageszeitung, 16. Februar 2011, S. 27
  8. Kothenschulte, Daniel: Zwischen Wahrheit und Lüge. In: Frankfurter Rundschau, 16. Februar 2011, S. 34
  9. Nicodemus, Katja: Den Menschen ganz nah. In: Die Zeit, 17. Februar 2011, Nr. 8, S. 61
  10. http://www.rottentomatoes.com/m/a_separation_2011/
  11. IRIB World Service: Farhadi's 'Nader Simin' sacks 3 Fajr Film Fest prizes. 18. Februar 2011
  12. Preis-Begründung der Ökumenischen Jury Berlinale 2011
  13. Preise von unabhängigen Jurys bei berlinale.de, 19. Februar 2011
  14. Offizielle Pressemitteilung bei oscars.org, 13. Oktober 2011 (abgerufen am 5. November 2011)