Naqada-Kultur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Naqada-Kultur, auch Negade-Kultur, ist eine prähistorische ägyptische Kultur. Sie wird in drei Perioden unterteilt; insgesamt dauerte die Naqada-Periode 1500 Jahre an. An diesen Zeitabschnitten können die Fortschritte in technologischer, sozialer und politischer Hinsicht der prädynastischen Periode bis zur Gründung des ägyptischen Staates abgelesen werden.

Den Namen erhielt die Kultur von der oberägyptischen Stadt Naqada oder Negade, ca. 45 km nördlich von Luxor auf dem Westufer des Nils. Dort wurden von Flinders Petrie im 19. Jahrhundert über 3.000 Gräber, die vor die frühdynastische Zeit zu datieren sind, gefunden.

Naqada I (ca. 4500 bis 3500 v. Chr.)[Bearbeiten]

Diese Periode hatte ihren Ursprung im Gebiet zwischen Luxor und Abydos als Folgekultur der Badari-Kultur, mit der sie einige Zeit parallel verlief und sie schließlich ersetzte. Sie wird auch als Amra-Kultur oder Amratien bezeichnet, da in dem Ort El-Amra nur Funde aus dieser Periode gemacht worden sind.

Naqada I ist von jenseits des 1. Nilkatarakts bis nach Norden in die Region von Assiut bekannt. Möglicherweise war sie sogar bis nach Fajum verbreitet. Die Naquada-I-Periode stellte eine rein kulturelle Einheit dar. Von einem Staatsgebilde kann hier noch keine Rede sein.

Kunst und Keramik[Bearbeiten]

Die Keramik, die zu Beginn der Periode geometrische Formen als Dekor aufwies, war rein rotpoliert und einfarbig oder rotpoliert mit schwarzem Rand. Die Keramik wurde cremefarben bemalt, wobei besonders Kreuzschraffuren sehr häufig auftreten. Später werden Tiere des Niltals, teilweise auch Jagd-, Kampf- und Kultszenen dargestellt. Auf einigen Funden sind Schiffe abgebildet. Abbildungen menschlicher Figuren sind in dieser Zeit rar.

Interessant sind sich kegelförmig (konisch) öffnende, hohe Gegenstände, aus denen sich später Töpfe und Flaschen entwickelten. Alle Keramik ist handgemacht. Die Anzahl menschlicher Figuren steigt an. Dabei finden sich bärtige Männerfiguren, die an Elfenbeinstäbe oder Anhänger angearbeitet worden sind, und eine große Anzahl von Frauenfiguren; bislang sind nur drei weibliche Idole gefunden worden, die der Badari-Kultur zugeordnet werden.

Naqada II (ca. 3500 bis 3200 v. Chr.)[Bearbeiten]

Diorit-Vase aus Neqada II, ~ 30 cm.

Diese Periode wird nach der Stadt Girza als Girzéen oder Girza-Kultur benannt, in der nur Funde aus dieser kulturellen Entwicklungsphase Ägyptens gemacht worden sind.

Der schnelle Zuwachs an Wissen und die daraus resultierenden Weiterentwicklungen der Technik zeichneten diese Periode aus, die Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. begann. Das Anfertigen von Stein- und Tongefäßen geschah nun nicht mehr nur für den Eigenbedarf. Auch die Metallverarbeitung trat weiter in den Vordergrund.

Ein Ballungsraum der Kultur lag in Hierakonpolis. Statt der einfach gebauten, runden Hütten gab es hier auch rechteckige Hütten. Für besondere soziale Schichten des Volkes wurden spezielle Bestattungsorte angelegt. Es entstand ein Elitedenken. In Hierakonpolis scheint es einen Regierungsbezirk gegeben zu haben. Die Grundlagen zum späteren Königtum wurden wahrscheinlich hier gelegt.

Kunst und Keramik[Bearbeiten]

Der Keramik-Stil der Naqada-I-Periode verliert immer mehr an Bedeutung. Aus Mergeltonen gefertigte Schüsseln, Vasen, Teller und Tassen tauchten auf. Dieses Material war deutlich schwerer zu bearbeiten, doch entstanden harte Keramiken, in denen Lebensmittel längerfristig gelagert werden konnten. Außerdem entstanden kugelförmige, bauchige Gefäße, die mit geometrischen Mustern bemalt wurden. Sie wurden mit Tier- und Pflanzendarstellungen dekoriert. Bootsdarstellungen mit Kajüten und Emblemstandarten waren noch häufigere Dekorationen.

Sogenannte „Jäger-Palette“ aus der Naqada III Periode (restauriert).

Naqada III (ca. 3200 bis 3000 v. Chr.)[Bearbeiten]

Diese Periode unterscheidet sich von der vorangehenden hauptsächlich durch die Grabbeigaben hoch gestellter Personen. Im Zeitraum dieser Periode wurden besonders die Städte Buto und Minschat Abu Omar besiedelt.

Kunst und Keramik[Bearbeiten]

Keramiken wurden in der Ausfertigung immer weiter perfektioniert und erstmals zeigen Funde dieser Periode hieroglyphische Aufschriften.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fekri A. Hassan: Nagada (Naqada). In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 555–57.
  • Regine Schulz, Matthias Seidel (Hrsg.): Ägypten. Die Welt der Pharaonen. Könemann, Köln 1997, ISBN 3-89508-541-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Naqada-Kultur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien