Linse (Botanik)

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Linse
Linse (Lens culinaris)

Linse (Lens culinaris)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Linsen (Lens)
Art: Linse
Wissenschaftlicher Name
Lens culinaris
Medik.

Die Linse oder Erve (Lens culinaris) ist eine Pflanzenart der Gattung Linsen (Lens) aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae). Sie stammt wahrscheinlich von der wilden Lens orientalis ab.[1][2][3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Linse wächst als einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis zu 50 cm. Der schon ab der Basis verzweigte Stängel ist flaumig behaart.

Die wechselständigen Laubblätter sind paarig gefiedert mit vier bis zwölf Paaren von Fiederblättchen. Die Fiederblättchen weisen eine Länge von 6 bis 20 mm und eine Breite von 2 bis 5 mm auf. Die Rhachis endet in einer Ranke. Die weiß behaarten Nebenblätter sind 3 bis 7 mm lang.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die traubigen Blütenstände enthalten nur eine bis drei Blüten. Die Kelchblätter sind intensiv behaart. Die weiße oder blaue Schmetterlingsblüte ist 4,5 bis 6,5 mm groß. Der kurz gestielte Fruchtknoten ist unbehaart. Die Blütezeit reicht von April bis September.

Die bei Reife gelbe Hülsenfrucht ist länglich und 10 bis 15 mm lang. Die runden, flachen, etwa 1 bis 2 mm dicken Samen weisen einen Durchmesser von 3 bis 7 mm auf. Die Früchte reifen zwischen Mai und September.

Kulturpflanze[Bearbeiten]

Anbau[Bearbeiten]

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Verzehrt werden ausschließlich die Samen. Linsen werden vor allem in Spanien, Russland, Chile, Argentinien, den USA, Kanada und Vorderasien angebaut. Allein in Indien sind über 50 Sorten verbreitet. In Deutschland werden sie in kleinsten Mengen auf der Schwäbischen Alb[4] und in Niederbayern angebaut. Vor allem die kargen Böden der Schwäbischen Alb eignen sich für den Anbau der anspruchslosen Linse.

Der Anbau erfolgt zumeist als Mischkultur gemeinsam mit Getreide, das die nötige Rankhilfe darstellt. Die Ernte erfolgt mit Mähdreschern. Das Erntegut besteht aus einer Mischung von Getreidekörnern und Linsen, die in einem technisch aufwendigen Verfahren getrennt werden müssen. Linsen können als Leguminosen auch auf schlechten Böden und unter ungünstigem Klima angebaut werden, die Ernteerträge sind aber insgesamt zu gering und gleichzeitig ist der technische Aufwand zu hoch, als dass sie in Deutschland im großen Stil zu konkurrenzfähigen Preisen angebaut werden könnten. Die Erträge können je nach Witterung und Anbaubedingungen zwischen 200 und 1000 kg pro Hektar schwanken.[5]

Linsensamen: geschälte rote und gelbe Linsen, grüne Tellerlinsen

Im Handel verbreitet sind:

  • Tellerlinsen (meist ungeschält, braun) – auch als Konserve
  • Rote Linsen (kleiner, bereits geschält und teilweise auch halbiert) – kochen weicher und breiiger
  • Berglinsen
  • Beluga-Linsen - schwarz, bleiben beim Kochen bissfest, sehen so aus wie Belugakaviar
  • Puy-Linsen – grüne Linsen, auch französische Linsen genannt, ursprünglich aus den vulkanischen Böden um Le Puy in Frankreich
  • Gelbe Linsen

In Deutschland werden sie oft mit Suppengrün und Mettwurst zu einer Suppe verkocht. Dabei wird oft etwas Essig zugegeben, was den Schaum beim Kochen mindert und angeblich die Verdaulichkeit verbessert. „Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle“ ist ein Nationalgericht der Schwaben.

Linsen sind leichter verdaulich als Erbsen oder Bohnen und haben einen sehr hohen Eiweißanteil von 25–30 % in der Trockenmasse, wodurch sie besonders bei zeitweiligem Fasten oder dauerhafter vegetarischer Ernährung ein sehr wertvolles und zugleich preiswertes Nahrungsmittel darstellen. Bemerkenswert ist ebenso ihr überdurchschnittlich hoher Gehalt an Zink, welches eine zentrale Rolle im Stoffwechsel spielt. Da sie kleiner sind als andere Hülsenfrüchte, brauchen sie auch weniger Einweich- und Kochzeit. Linsen und andere Hülsenfrüchte bilden mit Getreide-Eiweiß (z. B. Seitan) eine besonders hochwertige Kombination von Aminosäuren. Linsenprotein im Verhältnis von etwa 1 zu 3 zu Weizenprotein erreicht etwa dieselbe Wertigkeit wie Ei-Eiweiß, während Muskelfleisch nur eine Wertigkeit von 89 % erreicht.

Linsenpflanzen

Ungeschälte Linsen lassen sich auch keimen und dann verarbeiten. Es gibt Hinweise auf eine verbesserte Aufschließung von Nährstoffen durch Keimen.[6] Der Keimvorgang vervielfacht den Gehalt an B-Vitaminen in Linsen und anderen Samen. Linsenkeime enthalten auch Vitamin C.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde aus den mesolithischen Schichten (lithic assemblages VIII, IX) gehören zur Art Lens nigricans oder Lens ervoides. Eine Domestikation ist nicht anzunehmen.[7]

Die Linse stammt wahrscheinlich von der Wildlinse Lens orientalis aus Kleinasien.[1] Sie ist seit Beginn des Ackerbaus bei Menschen im Neolithikum eine der Hauptnutzpflanzen der aus dem fruchtbaren Halbmond stammenden Kulturen und wurde z. B. in Bulgarien[8] oder in der Höhle von Franchthi in Griechenland bereits in den frühesten neolithischen Schichten gefunden, die um 7000 v. Chr. datieren.

Linsen wurden auch in der mitteleuropäischen Linearbandkeramik gefunden, wo sie seit der ältesten Phase, etwa 5500 v. Chr. bekannt sind.[7] Im alten Ägypten waren Linsen eines der Grundnahrungsmittel und auch in Palästina kannte man sie: In der Genesis heißt es in Kap. 25, Vers 29–34: „Jakob gab Esau Brot und ein Linsengericht und er begann zu essen und zu trinken. Dann stand er auf und ging seines Weges. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.“

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Rohe Linsen enthalten unbekömmliche oder sogar giftige Inhaltsstoffe (Lektine und andere), die durch das Kochen unschädlich gemacht werden. Werden die Linsen vor dem Kochen eingeweicht, wird der Gehalt unbekömmlicher Inhaltsstoffe reduziert.

Linsen enthalten folgende Nährstoffe:

100 g getrocknete Linsen enthalten durchschnittlich:[9]
kcal kJoule Eiweiß Kohlenhydrate Fett Ballaststoffe
278 1162 24 g 41 g 2 g 17 g

 

100 g geschälte rote Linsen enthalten:[10]
kcal kJoule Eiweiß Kohlenhydrate Fett
348 1472 26,7 g 52,2 g 2,2 g

 

100 g getrocknete Linsen enthalten an Mineralstoffen und Vitaminen durchschnittlich :[9]
Natrium Kalium Calcium Magnesium Phosphor Eisen Zink β-Carotin Vitamin E Vitamin B1 Vitamin B2 Vitamin B6 Folsäure Vitamin C
6 mg 840 mg 70 mg 130 mg 410 mg 8 mg 3,4 mg 100 µg 1,3 mg 0,48 mg 0,26 mg 0,55 mg 170 µg 5 mg

Quellen[Bearbeiten]

  • Bojian Bao, Nicholas J. Turland: Lens. In: Flora of China, Volume 10, 2010, S. 577: Lens culinaris - Online (Abschnitt Beschreibung, Verbreitung und Systematik).
  • S. I. Ali: Papilionaceae. In: Flora of Pakistan: Lens culinaris - Online (Abschnitt Beschreibung, Verbreitung und Systematik).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Daniel Zohary: The wild progenitor and the place of origin of the cultivated lentil: Lens culinaris. In: Economic Botany 26, Nr. 4, 1972, S. 326–332, doi:10.1007/BF02860702.
  2. G. Ladizinsky: The origin of lentil and its wild genepool. In: Euphytica 28, Nr. 1, 1979, S. 179–187, doi:10.1007/BF00029189.
  3. Priyanka Verma, Tilak R. Sharma, Prem S. Srivastava, M. Z. Abdin, Sabhyata Bhatia: Exploring genetic variability within lentil (Lens culinaris Medik.) and across related legumes using a newly developed set of microsatellite markers. In: Molecular Biology Reports 2014, S. 1–19, doi:10.1007/s11033-014-3431-z.
  4. http://www.alb-leisa.de/
  5. Bernd Horneburg: Frischer Wind für eine alte Kulturpflanze – Linsen im ökologischen Anbau, ihre Geschichte und Verwendung. 1. Auflage, Dreschflegel e.V. und Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Göttingen, Göttingen 2003, S. 21.
  6. M. A. Davila, E. Sangronis, M. Granito: Germinated or fermented legumes: food or ingredients of functional food. In: National Center for Biotechnology Information, Dezember 2003, PMID 15125075.
  7. a b J. M. Hansen: The palaeoethnobotany of Franchthi cave, Indianapolis 1991.
  8. Elena Marinova: Landwirtschaft und Landnutzung im Neolithicum Bulgariens: Die archäobotanische Perspektive. In: A. N. Nice (Hrsg.): Interdisciplinäre Forschungen zum Kulturerbe auf der Balkanhalbinsel, 2011, ISBN 978-954-8587-07-5.
  9. a b Helmut Heseker, Beate Hesker: Die Nährwerttabelle. 2. vollst. überarbeitete Auflage, Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße 2012, S. 50.
  10. Durchschnittswerte. Alnatura Rote Linsen, Packungsangabe.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Linse (Lens culinaris) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Rezepte mit Linsen – Lern- und Lehrmaterialien