OPAL (Pipeline)

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OPAL

Die OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung) ist eine Pipeline (DN 1400) zum Transport von Erdgas von Lubmin im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns nach Olbernhau im Süden Sachsens. Sie verbindet die Ostseepipeline mit Tschechien.[1] In Olbernhau (bzw. Sayda) besteht Anschluss an die Transgas-Pipeline, die aus der Ukraine via Tschechien kommt sowie an die STEGAL nach Sachsen und Thüringen, die wiederum Verbindungen zur MIDAL und JAGAL hat.

Die OPAL ist eine von drei Pipelines, die in Deutschland die Ostseepipeline Nord Stream an das bestehende europäische Erdgas-Fernleitungsnetz anbinden. Die anderen beiden sind die Richtung Hamburg führende NEL sowie die im Norden von Berlin endende noch in Planung befindliche NORDAL.

Gesellschafter und Betreiber[Bearbeiten]

Gesellschafter der OPAL sind Wingas mit 80 % und E.ON Ruhrgas mit 20 % Anteil. Entsprechend wird die Vermarktung des Erdgases und der Betrieb der Pipeline auf die Betreibergesellschaften OPAL NEL Transport GmbH und E.ON Ruhrgas Nord Stream Anbindungsleitungsgesellschaft mbH zwischen den beiden Gesellschaften aufgeteilt.[2]

Die Bundesnetzagentur erteilte im Februar 2009 eine weitgehende Freistellung der Betreiber von der Netzzugangs- und Entgeltregulierung ab Inbetriebnahme.[3] Die Genehmigung beruht auf § 28a EnWG, der es unter bestimmten Voraussetzungen der Regulierungsbehörde erlaubt, Verbindungsleitungen zwischen Deutschland und anderen Staaten (hier Tschechien) von der Regulierung auszunehmen.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Die Pipeline wurde aus 26.000[1] 18 Meter langen, 22,3 Millimeter starken und 15 Tonnen schweren Einzelrohren, die einen Durchmesser von 1,4 Metern haben, zusammengeschweißt und in einem Graben mit einem Meter Erdüberdeckung verlegt. Die Rohre wurden von der EUROPIPE in Mülheim an der Ruhr gefertigt.

Der Druck in der Erdgasleitung beträgt bis zu 100 bar. Um den Druckabfall auszugleichen wurde auf halber Strecke, in der Nähe des Ortsteils Radeland der Gemeinde Baruth/Mark, eine Verdichterstation mit einer Leistung von 30 Megawatt errichtet.[1] Hier kreuzt auch die JAGAL.

Die jährliche Kapazität der Leitung beträgt 35 Milliarden Kubikmeter, womit dann ein Drittel des gegenwärtigen Erdgas-Bedarfs von Deutschland gedeckt werden könnte.[1]

Die Pipeline hat eine Länge von rund 470 Kilometern, wobei 270 Kilometer durch Brandenburg und je 100 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen führen.[4] Besondere technische Herausforderungen sind die Querungen der Flüsse Peene, Spree und Elbe.

Planungsverfahren und Bau[Bearbeiten]

Verlegearbeiten für die OPAL bei Oderberg

Die grobe Trassenführung der Pipeline wurde zunächst in einem Raumordnungsverfahren (ROV) festgelegt. Hierbei wurde überprüft, ob das Projekt mit den Zielen der Raumordnung und Landesplanung (z.B. in ökologischer Hinsicht) vereinbar ist. Im südlichen Brandenburg haben Bedenken gegen eine geplante Verdichterstation in Groß Köris zur Verlegung der Trasse und der Verdichterstation Richtung Süden geführt. Damit wurde das ROV in Brandenburg im März 2009 abgeschlossen.[5] An das ROV schloss sich das Planfeststellungsverfahren an, das den Trassenverlauf exakt festlegte. Es endete mit dem Planfeststellungsbeschluss, der für das Land Brandenburg Ende 2009 (Nordteil) und Anfang 2010 (Südteil) abgeschlossen wurde.

Der Bau der Pipeline begann in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen im Oktober 2009, in Brandenburg im April 2010. Die Verlegearbeiten für die Rohre wurden im April 2011 abgeschlossen. Am 13. Juli 2011 wurden in der Radelander Verdichterstation die letzten Einzelrohre verschweißt und die Leitung anschließend einer kompletten Überprüfung unterzogen.[1][6] Am 6. August 2011 wurde erstmals Erdgas aus dem russischen Wyborg nach Lubmin befördert.[7]

Transportlogistik[Bearbeiten]

Lagerplatz für ca. 600 Großrohre in der Nähe von Baruth

Die Großrohre wurden vom Herstellerwerk in Mülheim mit Ganzzügen zu den entsprechenden Entladebahnhöfen in Ostdeutschland versandt. Sie bestanden aus bis zu 27 Flachwagen, die jeweils mit drei Großrohren beladen waren. An den Zielbahnhöfen verlud ein Autokran die Rohre einzeln auf Sattelzüge. Diese brachten sie zu Lagerplätzen, die jeweils etwa zehn Kilometer auseinanderlagen. Damit war sichergestellt, dass nach der Genehmigung des Vorhabens schnell mit dem Bau der Pipeline begonnen werden konnte.[8]

Ausgrabungen[Bearbeiten]

Mit dem Bau der Pipeline bestand für Archäologen die Möglichkeit, Ausgrabungen quer durch Vorpommern vorzunehmen. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern untersuchte die Strecke und konnte Siedlungsplätze, Gräberfelder und Schatzfunde aller Epochen entdecken. Die bedeutendsten Stücke sind in einer Sonderausstellung des Pommerschens Landesmuseums in Greifswald ausgestellt. Dazu zählt eine sehr seltene Goldmünze, die aus der Zeit zwischen dem Abzug der Germanen und der Besiedelung des Landes durch die Slawen stammt. Sie wurde in der Nähe der Ortschaft Gustebin gefunden und wird auf das 6./7. Jahrhundert datiert.[9] Weiterhin ist der 1.200 Jahre alte Silberhortfund von Anklam ausgestellt.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Die Erdgasleitung Opal ist offiziell fertiggestellt. In: Lausitzer Rundschau. GvH, 13. Juli 2011, abgerufen am 13. Juli 2011.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVgl. WINGAS GmbH & Co. KG, Projektbeteiligte. Abgerufen am 2. August 2009.
  3. Bundesnetzagentur gewährt Teilausnahme für OPAL. Pressemitteilung der Bundesnetzagentur. 25. Februar 2009, abgerufen am 17. Oktober 2012 (pdf).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVgl. WINGAS GmbH & Co. KG, OPAL in Zahlen. Abgerufen am 27. April 2009.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVgl. Land Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung, "Raumordnungsverfahren „Erdgasfernleitung OPAL Abschnitt Brandenburg Süd“ ist abgeschlossen"; Pressemitteilung Nr: 021/2009. Abgerufen am 27. April 2009.
  6. Gasleitung von Ostsee nach Tschechien fast fertig. In: Sächsische Zeitung. DD+V, 13. Juli 2011, abgerufen am 13. Juli 2011.
  7. Jürgen Flauger und Klaus Stratmann: Festtag für die Ostseepipeline In: Handelsblatt. vom 7. September 2011, Seite 14.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVgl. IPG Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH, "GVZ Berlin Ost Freienbrink als wichtiger Umschlagpunkt". Abgerufen am 20. Dezember 2010.
  9. VorpommernMagazin, Februar 2011, Seite 17
  10. Noch ganz frisch: Frühmittelalterlicher Silberhortfund. Fund des Monats Oktober 2010. Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, abgerufen am 15. Dezember 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: OPAL – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien