On Dangerous Ground

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Dieser Artikel behandelt den Film noir von 1952; zu Filmen mit gleichlautendem Originaltitel siehe Der einsame Kämpfer (1985) und Jack Higgins: Das Abkommen (1995, auch: Jack Higgins – On Dangerous Ground).
Filmdaten
Originaltitel On Dangerous Ground
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1952
Länge 82 Minuten
Stab
Regie Nicholas Ray
Drehbuch A. I. Bezzerides
Nicholas Ray
Produktion John Houseman für RKO Pictures
Musik Bernard Herrmann
Kamera George E. Diskant
Schnitt Roland Gross
Besetzung

On Dangerous Ground ist ein in Schwarzweiß gedrehter, US-amerikanischer Film noir aus dem Jahr 1952. Regie führte Nicholas Ray, das Drehbuch schrieben A. I. Bezzerides und Nicholas Ray nach dem Roman Mad With Much Heart von Gerald Butler.

Der durch seinen Beruf verbitterte Großstadtpolizist Jim Wilson wird nach einem Übergriff in eine ländliche Region geschickt, wo er den Mord an einer jungen Frau aufklären soll. Die Begegnungen mit den Einwohnern, insbesondere mit der blinden Mary Malden, verändern ihn nachhaltig.

Handlung[Bearbeiten]

Der Großstadtpolizist Jim Wilson ist durch seinen Beruf verbittert und vereinsamt, seine Wut gegen den „menschlichen Müll“ entlädt sich regelmäßig in Gewaltausbrüchen gegen die von ihm verfolgten Kriminellen. Nach einem erneuten Übergriff wird er von seinem Vorgesetzten in eine ländliche Region versetzt, wo er bei der Klärung des Mordes an einer jungen Frau helfen soll. Zu den Ermittlern gehört neben dem Sheriff des Ortes auch Walter Brent, der Vater des toten Mädchens, der geschworen hat, den Mörder bei seiner Auffindung zu töten. Die Spur führt zum Haus der blinden Mary Malden, deren psychisch gestörter jüngerer Bruder Danny seit einiger Zeit verschwunden ist. Wilson und Mary entwickeln bald Sympathie füreinander, als sie sich über ihre soziale Isolation und Einsamkeit unterhalten, wobei Mary nichts von der Verbitterung empfindet, die Wilson quält. Sie gesteht Wilson, dass Danny sich in einer Hütte auf ihrem Grundstück versteckt. Wilson verspricht ihr, ihren Bruder nach Möglichkeit nicht zu verletzen, und bittet sie, ihn zur Aufgabe zu überreden. Ehe er den verstörten Danny verhaften kann, kommt Brent hinzu und schießt auf den Jungen. Bei der anschließenden Flucht kommt Danny ums Leben. Brent ist tief betroffen, als er feststellt, dass der Tote kaum älter ist als seine ermordete Tochter. Mary ist nun zur Gänze allein, aber nach einem Disput zwischen ihr und Wilson über eine Augenoperation, die vornehmen zu lassen sie nicht wagt, fordert sie ihn auf zu gehen. Während der Fahrt zurück in die Großstadt erinnert sich Wilson an die Unterhaltungen, die er unter anderem mit Mary über die Einsamkeit führte. Er kehrt um und sucht erneut Mary auf, die ihn mit offenen Armen empfängt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Produktion[Bearbeiten]

Gerald Butlers Romanvorlage spielt in Großbritannien und setzt unmittelbar mit Jim Wilsons Ermittlungen in der ländlichen Region ein. Zum Schluss trennen sich Wilsons und Mary Maldens Wege. Der Film verlegt den Schauplatz in die USA und fügt eine in der Großstadt angesiedelte Exposition ein. Nicholas Ray bestand, gegen den Widerstand von Drehbuchautor Bezzerides und Produzent John Houseman, auf einem positiven Schluss, in dem Wilson zu Mary Malden zurückkehrt.[1] In späteren Jahren bezeichnete Ray seinen Film als „Fehlschlag“ wegen der „wundersamen“ Schlusswendung.[2]

Die Dreharbeiten zu On Dangerous Ground fanden im Frühjahr und Sommer 1950 in den Studios von RKO statt, mit Außenaufnahmen in Los Angeles und in Grand County, Colorado.[3] – Verschiedentlich tauchte die Behauptung auf, Nicholas Ray sei während der Dreharbeiten erkrankt, und Ida Lupino habe darum bei einigen Szenen Regie geführt,[4] diese ist jedoch nicht belegt. Patrick McGilligans Nicholas Ray-Biografie beispielsweise führt diese Anekdote nicht auf.[1] – Bernard Herrmanns Filmmusik (mit Viola d’amore-Soli von Virginia Majewski) wurde im Januar 1951 aufgenommen.[5]

Die endgültige Schnittfassung entsprach nicht Rays ursprünglicher Intention: Nach seiner Vorstellung sollte der Film in drei etwa gleich lange Kapitel aufgeteilt werden, von denen das erste und dritte in der Großstadt, das mittlere auf dem Land spielen sollte. Über einen Zeitraum von fast einem Jahr wurden zahlreiche Umstellungen und Kürzungen von insgesamt zehn Minuten Länge vorgenommen. Als Titel wurde erst Dark Highway erwogen, bevor der Film seinen endgültigen Titel On Dangerous Ground erhielt.[5]

Kinostart[Bearbeiten]

On Dangerous Ground startete in den USA am 26. Januar 1952 in Los Angeles und am 12. Februar in New York City.[6][3] Die Besprechungen zur Erstaufführung waren meist verhalten positiv, aber finanziell scheiterte der Film.[1] In den deutschen Kinos wurde er nicht gezeigt.

Themen[Bearbeiten]

„Die Stadt als Wiege des Verbrechens und Hexenkessel negativer Energie ist der unentbehrliche Schauplatz des Film noir. Ländliche Schauplätze tauchen eher vereinzelt auf, und gewöhnlich als Kontrapunkt zur verfaulenden Stadt“, so Foster Hirsch in seinem Buch The Dark Side of the Screen. Zu den Vertretern des Film noir, die Stadt und Land einander gegenüberstellen, zählt er unter anderem Asphalt Dschungel, Rächer der Unterwelt und Goldenes Gift. (Ein Film, der in Hirschs Aufzählung fehlt, ist Jacques Tourneurs Wenn die Nacht anbricht, neben On Dangerous Ground auch eines der wenigen Beispiele, in der eingeschneite Landschaften eine zentrale Rolle spielen.) „On Dangerous Ground bietet von allen Noir-Filmen den wahrscheinlich schematischsten Gegensatz zwischen Stadt und Land. […] Der Zusammenbruch des Protagonisten kontrastiert mit kaleidoskopartigen Bildern von großstädtischer Verderbtheit […] er entdeckt, dass auch das Land seine Gefahren und Fallgruben birgt, aber der Film deutet an, dass der überreizte Polizist in der ländlichen Umgebung eine Menschlichkeit gewinnt, die in der Stadt nicht möglich wäre.“[7]

Das „gefährliche Terrain“ (engl. „dangerous ground“) des Titels bezieht sich für Hirsch nicht nur auf die urbane Umgebung, in der der Polizist Wilson seinen Dienst verrichtet, sondern auch auf dessen emotionalen Zustand. Zudem entdeckt er Gemeinsamkeiten zwischen Wilson und Dixon Steele, der Hauptfigur in Rays ein Jahr zuvor entstandenem Ein einsamer Ort: „Sie erscheinen völlig separiert von der Gesellschaft, ausgegrenzt durch die Heftigkeit ihres Zorns. Dass ihre Ausbrüche keine einfache Ursache haben, lässt sie im wahrsten Sinne der Gesellschaft entfremden und nicht wieder eingliederbar werden.“ Darum sei das Ende von Ein einsamer Ort, dessen Protagonist in die Isolation zurückfällt, plausibler als das von On Dangerous Ground, das die Erlösung des Polizisten andeutet: „Indem sie das gewohnte Augenmerk des Film noir auf dramatische Niederlagen ins Gegenteil verkehrt, ist diese Geschichte sogar noch sentimentaler als [Rays Debütfilm] Im Schatten der Nacht. Ray hat den Mut, kitschige Film noirs zu drehen, die die heilende Kraft romantischer Liebe zelebrieren.“[7]

Kritiken[Bearbeiten]

Die ersten beiden Rezensionen datieren nahe zum Filmstart, die folgenden stammen aus späteren Jahren.

„Die Geschichte ist eine seichte, unausgegorene Angelegenheit […] Die Erklärung für den Sadismus des Polizisten fällt oberflächlich aus, und seine Erlösung wird auf einfache und romantisierende Weise erreicht. […] Trotz der sicheren und scharfsinnigen Regie und der überwältigenden Außenaufnahmen vermag dieses RKO-Melodram sein Thema nicht auszuloten.“

Bosley Crowther, The New York Times[8]

„[Der Film] dürfte Ihnen nicht schlecht gefallen – insbesondere die erste Hälfte, wenn Sie ihn als Actionfilm betrachten und sich nicht von den übermäßigen metaphysischen Untertönen herunterziehen lassen.“

Philip K. Scheuer, Los Angeles Times[9]

„Ein herausragender Film noir der etwas anderen Art […] über die Gewalttätigkeit in jedem von uns, über die Auswirkungen des Milieus und der Familie auf die Persönlichkeit […] und die spirituelle Erlösung eines Gefallenen. Auch wenn er stellenweise etwas schematisch wirkt, kann niemand die Wucht der darstellerischen Leistungen (besonders Ryan ist auf grimmige Weise effektiv, ein wahrer Vorläufer von Siegels Dirty Harry) und die Gewandtheit von Rays poetischer aber harter Inszenierung anzweifeln. Nachhaltig unterstützt von George Diskants kontrastreichen Kamerabildern und Bernard Herrmanns atemberaubender Filmmusik […] ist dies ein Film voller brillanter Momente.“

Geoff Andrew, Time Out Magazine[10]

„Einer der schönsten von Nick Rays Filmen. 1952 entstanden, beginnt er als rauer Film noir und weicht schrittweise einem himmlischen Romantizismus, der an Frank Borzage erinnert.“

Dave Kehr, Chicago Reader[11]

„Der zweigeteilte Aufbau der Geschichte mag seltsam erscheinen, wird aber von der Dichte der Inszenierung überdeckt, und obwohl das Ende sentimentaler ausfällt als offenbar ursprünglich vorgesehen, zeugt es von aufrichtiger Überzeugung.“

The BFI Companion to Crime[12]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

On Dangerous Ground erschien in den USA als Teil der „Film Noir Classic Collection Vol. 3“ DVD-Box bei Warner Home Video. In Frankreich erschien er unter dem Titel La Maison dans l'ombre bei Éditions Montparnasse, in Spanien als La casa en la sombra bei Manga Films. Alle Veröffentlichungen präsentieren den im Normalformat gedrehten Film[3] im Open Matte-Format (1,33:1). In Deutschland ist der Film bislang nicht erschienen.

2003 veröffentlichten Turner Classic Movies Music und Film Score Monthly die restaurierte Filmmusik von Bernard Herrmann auf CD.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerald Butler: Mad With Much Heart, Rinehart & Company, New York 1946
  • Geoff Andrew: The Films of Nicholas Ray: The Poet of Nightfall, Charles Letts & Co., London 1991, ISBN 1852381655; Neuauflage: British Film Institute, London 2004, ISBN 1844570010 (TB), ISBN 1844570002

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Patrick McGilligan: The Glorious Failure of an American Director, It Books/HarperCollins, New York 2011, ISBN 9780060731373.
  2. Alain Silver, Elizabeth Ward (Hrsg.): Film Noir. An Encyclopedic Reference to the American Style, Third Edition, Overlook/Duckworth, New York/Woodstock/London 1992, ISBN 978-0-87951-479-2, S. 216–217.
  3. a b c On Dangerous Ground auf Turner Classic Movies.
  4. Z. B. in Dave Kehrs (undatierter) Rezension im Chicago Reader, abgerufen am 17. April 2012.
  5. a b Begleittext von Christopher Husted zur CD-Veröffentlichung von Herrmanns Filmmusik zu On Dangerous Ground, Turner Classic Movies Music und Film Score Monthly, 2003.
  6. On Dangerous Ground in der Internet Movie Database.
  7. a b Foster Hirsch: The Dark Side of the Screen: Film Noir, Da Capo Press, New York 2001, ISBN 0-306-81039-5, S. 83, 127, 194–195.
  8. „[…] the story is a shallow, uneven affair […] The cause of the cop's sadism is only superficially explained, and certainly his happy redemption is easily and romantically achieved. […] For all the sincere and shrewd direction and the striking outdoor photography, this R. K. O. melodrama fails to traverse its chosen ground.“ – Rezension in der New York Times vom 13. Februar 1952, abgerufen am 17. April 2012.
  9. „You won't find it all too bad–particularly the first half, if you regard it as an action yarn and don't let the metaphysical overtones depress you unduly.“ – Rezension in der Los Angeles Times, zitiert nach Patrick McGilligan: The Glorious Failure of an American Director, a. a. O.
  10. „A superb noir thriller with a difference […] about the violence within us all, about the effects of environment and family upon character […] and about the spiritual redemption of a fallen man. If it sometimes seems a little schematic, there is no denying the power of the performances (Ryan in particular is ferociously effective, a true precursor to Siegel's Dirty Harry), nor the eloquence of Ray's poetic but tough direction. Aided enormously by George Diskant's high contrast camerawork and by Bernard Herrmann's stunning score […] it's a film of frequent brilliance.“ – Time Out Film Guide, Seventh Edition 1999, Penguin, London 1998.
  11. „One of the loveliest of Nick Ray's movies: this 1952 feature begins as a harsh film noir and gradually shifts to an ethereal romanticism reminiscent of Frank Borzage.“ – Rezension von Dave Kehr im Chicago Reader, a. a.  O.
  12. „The bipartite story construction might seem awkward, but this is over-ridden by the intensity of realisation, and though the ending is more sentimental than had evidently been the original intention, it is carried off with genuine conviction.“ – Tim Pulleine in Phil Hardy (Hrsg.): The BFI Companion to Crime, University of California Press, Berkeley/Los Angeles 1997, ISBN 0-520-21538-9, S. 248–249.