Orpheus in der Unterwelt

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Dieser Artikel behandelt die Operette Orpheus in der Unterwelt, zum gleichnamigen Film siehe Orpheus in der Unterwelt (Film).
Werkdaten
Titel: Orpheus in der Unterwelt
Originaltitel: Orphée aux Enfers
Originalsprache: Französisch
Musik: Jacques Offenbach
Libretto: Hector Crémieux, Ludovic Halévy
Uraufführung: 21. Oktober 1858
Ort der Uraufführung: Théâtre des Bouffes-Parisiens Paris
Spieldauer: ca. 2½ Stunden
Personen

Orpheus in der Unterwelt (französisch Orphée aux enfers) ist eine Operette in zwei Akten bzw. vier Bildern von Ludovic Halévy und Hector Crémieux. Die Musik komponierte Jacques Offenbach, die Uraufführung fand am 21. Oktober 1858 in Offenbachs Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris statt.

Allgemeines[Bearbeiten]

Plakat zur Uraufführung

Nachdem Offenbach für sein Theater wegen der Lizenzbestimmungen zwei Jahre lang Einakter komponiert hatte, war Orpheus das erste abendfüllende Werk und ein sensationeller Erfolg. Die Handlung persifliert die griechische Sage von Orpheus und Eurydike. Mit den Göttern des Olymp, die den Hades besuchen, um sich zu amüsieren, wird gleichzeitig die Doppelmoral der besseren Gesellschaft des Zweiten Kaiserreichs karikiert. Zur Zeit der Uraufführung konnten sich viele Personen der feinen Pariser Leute in dem Stück wiedererkennen. Die griechische Mythologie war ein beliebtes Gesprächsthema der besseren Gesellschaft, und Offenbach nahm mit seinem Orpheus den Kult um die Antike gehörig auf die Schippe. Selbst der regierende Kaiser der Franzosen Napoléon III. blieb nicht verschont. Er konnte sich in der Figur des liebestollen obersten Gottes Jupiter wiederfinden. Die Operette gefiel dem Kaiser offenbar; er nahm Offenbach die Anspielungen anscheinend nicht übel und applaudierte laut.

Das bekannteste Musikstück ist der Höllen-Cancan (im Original allerdings als „Galop infernal“ bezeichnet) im zweiten Akt, ein Gassenhauer, der auch heute noch vielfach verwendet wird.

Daneben finden sich in dem Stück zahlreiche musikalische Zitate, unter anderen die französische Nationalhymne, die Arie Che farò senz’ Euridice (Ach, ich habe sie verloren) aus Orfeo ed Euridice von Christoph Willibald Gluck, und ein Fugenthema von Johann Sebastian Bach.

Die 1860 uraufgeführte Wiener Bearbeitung des Orpheus stammt vermutlich von Johann Nestroy, der auch die Rolle des Jupiter übernahm.

Besetzung[Bearbeiten]

Das Werk ist neben den Gesangssolisten besetzt mit vierstimmigem Chor und einem Orchester mit 2 Flöten (2. mit Piccolo), 1 Oboe, 2 Klarinetten, 1 Fagott, 2 Hörnern, 2 Trompeten, 1 Posaune, Pauken, Schlagzeug und Streichern (Violinen 1, Violinen 2, Violen, Violoncelli, Kontrabässe).

Handlung[Bearbeiten]

Erster Aufzug (Erstes Bild)[Bearbeiten]

Die Handlung spielt auf der Erde, bei Theben im antiken Griechenland.

Das Ehepaar Orpheus und Eurydike hat sich auseinandergelebt. Der Musiklehrer und Geiger Orpheus betrügt seine Frau mit der Nymphe Chloé. Er hätte sich längst von seiner ungeliebten Gattin getrennt, wäre da nicht die Öffentliche Meinung. Eurydike, die ein gelangweiltes Leben führt, weiß das, und es stört sie nicht weiter. Auch sie hat einen Geliebten, den Schäfer und Imker Aristäus. Was Eurydike nicht weiß, ist, dass ihr Liebhaber Aristäus tatsächlich Pluto, der Herr der Unterwelt, ist. Pluto will seine Geliebte in die Unterwelt verführen und wartet auf einen günstigen Zeitpunkt. Nach einem heftigen Streit zwischen den Eheleuten sieht Pluto seine Zeit gekommen. Er beißt Eurydike in den Hals, und dieser Kuss des Todes liefert ihm Eurydike aus.

Als Eurydike wieder zu sich kommt, schreibt sie gemeinsam mit Pluto einen „Abschiedsbrief“ an Orpheus, ihren Ehemann:

Verlassen muss ich diese Schwelle,
Denn ich bin tot ohn’ allen Zweifel,
Aristeus war der Gott der Hölle,
Und jetzt holt mich der Teufel.

Als Orpheus ihre Nachricht liest, ist er erfreut. Er denkt, endlich frei zu sein von seiner Frau, und will die gute Nachricht sofort seiner Geliebten überbringen. Doch da tritt ihm die Öffentliche Meinung in den Weg und fordert ihn auf, seine Ehefrau von Jupiter, dem obersten Gott, zurückzufordern. Wieder kann sich die Öffentliche Meinung durchsetzen, und sie begleitet Orpheus hinauf auf den Olymp.

Erster Aufzug (Zweites Bild)[Bearbeiten]

Auf dem Götterberg Olymp.

Auch bei den Göttern herrscht Langeweile und Überdruss. Gottoberhaupt Jupiter vergnügt sich ungeniert mit jungen Frauen. Diana ist traurig, weil sie den schönen Sterblichen Aktäon bei ihren Aufenthalten unten auf Erden nicht mehr gefunden hat. Juno, die Gemahlin Jupiters, macht ihrem Göttergatten eine Szene. Auf Erden sei eine wunderschöne Frau von einem Gott entführt worden. Jupiter streitet ab, etwas mit dieser Entführung zu tun zu haben.

Da kommt Merkur, der Götterbote, mit der Nachricht, Pluto sei eben von einem Aufenthalt auf Erden mit einer wunderschönen Frau namens Eurydike in die Unterwelt zurückgekehrt. Jupiter ist erfreut, ist er doch durch diese Nachricht vorerst der Vorwürfe enthoben. Um seiner Unschuld Nachdruck zu verleihen, zitiert er Pluto aus der Unterwelt auf den Olymp. Pluto erscheint vor dem obersten Gott, doch er leugnet die Entführung.

Da erscheint Orpheus zusammen mit der Öffentlichen Meinung und fordert seine Frau zurück. Jupiter beschließt, die Sache in der Unterwelt genauer zu untersuchen. Er will Eurydike aus der Unterwelt holen, aber nicht für Orpheus, sondern für sich selbst. Die gesamte Götterschar folgt ihm in Plutos Höllenreich.

Zweiter Aufzug (Drittes Bild)[Bearbeiten]

Der Komiker Désiré als Jupiter, der sich Eurydike in Gestalt einer Fliege nähert (bei der Uraufführung 1858)

Unterwelt, in Plutos Boudoir.

Hier hält Pluto die entführte Eurydike versteckt. Bewacht wird sie von Hans Styx, dem stets betrunkenen Diener Plutos. Hans Styx umwirbt die Schöne und erzählt ihr von seiner Zeit in Reichtum und Pracht als Prinz von Arkadien. Doch Eurydike lässt das kalt.

Sie sehnt sich zurück zu ihrem Mann auf Erden. Der Reiz des Abenteuers ist bereits verblasst. Die vom Olymp in der Unterwelt eingetroffenen Götter können das Versteck der Eurydike zunächst nicht finden. Doch Jupiter ist misstrauisch. In Gestalt einer Fliege kommt er durchs Schlüsselloch und entdeckt Eurydike. Er scharwenzelt um sie herum, gibt sich als oberster Gott zu erkennen und verspricht ihr, sie zu befreien und mit auf den Olymp zu nehmen.

Zweiter Aufzug (Viertes Bild)[Bearbeiten]

Pluto gibt ein Höllenfest. Es wird getanzt und getrunken.

Jupiter erntet allgemeinen Beifall mit einem Menuett, das sich alsbald zu einem wilden Cancan steigert. Eurydike ist als Bacchantin auf dem Fest. Abermals wird die göttliche Gesellschaft von den Sterblichen gestört. Wieder fordert Orpheus in Begleitung der Öffentlichen Meinung von Jupiter seine Frau zurück. Jupiter gibt dem Wunsch nach, aber er stellt eine Bedingung: wenn Orpheus vor Eurydike in die Oberwelt hinaufsteige, dürfe er sich nicht nach seiner Gattin umwenden.

So beginnt der Marsch in Richtung Oberwelt: die Öffentliche Meinung, dann Orpheus und Eurydike, von Hans Styx geführt. Doch als sie das Tor erreichen, schleudert Jupiter einen Blitz. Orpheus dreht sich erschrocken herum und hat damit seine Frau verloren.

Aber auch Pluto soll Eurydike nicht haben, und so bestimmt Jupiter:

Nein, eine Bacchantin mach’ ich jetzt aus ihr.

Gesamteinspielungen (Auswahl)[Bearbeiten]

In französischer Sprache:

  • Demigny, Lindenfelder, Chalot, Jonqueres, Pebordes, Mans, Choeurs et Orchestre Philharmonique Paris unter René Leibowitz Line 1951
  • Mesplé, Rhodes, Berbié, Sénéchal, Burles, Trempont, Chor und Orchester du Capitole de Toulouse unter Michel Plasson, EMI 1978
  • Dessay, Naouri, Fouchecourt, Podles, Cole, Chor und Orchester der Opéra national de Lyon unter Marc Minkowski, EMI 1997

In deutscher Sprache:

Kinderfassung[Bearbeiten]

Das Gift im Lift – warum Orpheus ganz nach unten fuhr. Kinderoperette von Kay Link nach Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt. Uraufführung: 18. März 2012. Auftragswerk der Bayer.Kultur, Leverkusen

Verfilmung[Bearbeiten]

Bereits 1909 wurde die Oper unter demselben Titel verfilmt.[1] Im Jahr 1974 wurde die Operette als Orpheus in der Unterwelt von der DEFA als Musik-Komödie verfilmt. Mitwirkende waren Wolfgang Greese und Dorit Gäbler in den Hauptrollen. Weiterhin wirkten Schauspieler wie Rolf Hoppe, Fred Delmare und Gerry Wolff mit. Die Regie übernahm Horst Bonnet. Die Gesangseinlagen wurden zum Teil von den Schauspielern selbst gesungen. Unterstützt wurden sie vom Chor und von Mitgliedern der Deutschen Staatsoper Berlin, vom Ballett der Komischen Oper Berlin und des Metropol-Theaters sowie dem DEFA-Sinfonieorchester unter der Leitung von Robert Hanell.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orphée aux Enfers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Orpheus in der Unterwelt bei The German Early Cinema Database