Osterreiten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Osterreiter ziehen jährlich am Ostersonntag durch die Lausitzer Dörfer

Das Osterreiten oder der Osterritt (obersorbisch Jutrowne jěchanje; Synonym Kreuzreiten) ist ein altes religiöses Ritual in Form einer Prozession, bei welchem die Auferstehung Jesu Christi verkündigt wird. Es wird bis heute in der katholischen Oberlausitz als sorbischer Brauch gepflegt. Österliche Reiterprozessionen gibt es auch in Altbayern und Franken, in Oberschlesien, Nordböhmen und Mähren.[1]

Osterreiten in der Lausitz[Bearbeiten]

In der Oberlausitz, im Gebiet zwischen den Städten Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen, zieht es jährlich viele Besucher in die Region. Auch in Ostritz beim Kloster Marienthal wird ein Osterreiten veranstaltet. Ende der 1990er Jahre hat man den alten Brauch auch bei Lübbenau in der evangelischen Niederlausitz wiederaufleben lassen.[2]

Ablauf[Bearbeiten]

Ostroer Osterreiter in Nebelschütz

Am Ostersonntag reiten die katholischen Männer einer Kirchengemeinde in Gehrock und Zylinder auf festlich geschmückten Pferden in die Nachbargemeinde, um dieser die frohe Botschaft zu verkünden, dass der Herr Jesus Christus auferstanden ist. Es ist Brauch, dass die besuchte Gemeinde einen Gegenbesuch durchführt. Jeder Prozessionszug, der aus über 400 Reitern und Pferden bestehen kann, darf dabei den anderen traditionell nicht kreuzen. Zudem sind die Prozessionsstrecken bewusst so gelegt, dass es ermöglicht wird, in so vielen Orten wie möglich die Botschaft zu verkünden. Vorneweg reiten die Fahnenträger, die Träger der Christusstatue und des Kreuzes.

Vor Beginn der Prozession wird gemeinsam der Ostergottesdienst gefeiert, danach umreiten die Osterreiter (Křižerjo) die heimatliche Kirche, werden gesegnet und begeben sich auf den Weg, die frohe Botschaft in Form von traditionellen Kirchenliedern ins Land zu tragen. Die Kirche bzw. der Dorfplatz, eines jeden Ortes, durch den der Zug führt, wird ebenfalls umritten. Dabei werden ebenfalls sorbische, manchmal auch deutsche bzw. lateinische Kirchenlieder gesungen; kurz vor Ausritt und teilweise auch zwischen den Ortschaften wird laut gebetet.

In der besuchten Zielgemeinde werden die Reiter beköstigt. Vor dem Heimritt wird gemeinsam vor dem Friedhof oder in der Kirche gebetet und die Reiter werden ebenfalls vom Pfarrer gesegnet.

Den Abschluss des Osterfestes bildet seit 1983 ein gemeinsamer Dankgottesdienst aller Reiter in der Rosenthaler Kirche am Osterdienstag.

Pferde und Reiter[Bearbeiten]

Die oftmals reich geschmückten Pferde werden zum Teil von weit her ausgeliehen. Am Karsamstag werden diese dann gebürstet und gestriegelt, die Mähnen werden geflochten, der Schweif gekämmt und mit einer Schleife versehen. Die Schleifen sind mit bunten Stickereien versehen, nicht selten mit den sorbischen Farben. Im Trauerfall werden schwarze Schleifen verwendet. Das Pferdegeschirr ist aufwändig mit Muscheln oder Metallbeschlägen verziert. In den letzten Jahren sieht man immer häufiger auch frische Blumen als Schmuck.

Nimmt ein junger Mann bzw. Jugendlicher das erste Mal am Osterreiten teil, trägt er einen kleinen grünen Kranz an der Brust. Bei einer 25-jährigen Teilnahme ist dies dann ein Silberkranz, bei 50 Jahren ein goldener.

Geschichte und Ursprung[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Osterreitens in vorchristlicher Zeit sind nicht durch Quellen belegbar. Plausibel ist die Annahme, dass das Umschreiten oder Umreiten der Felder im Frühjahr bei den heidnischen Slawen die Saat und die Ernte vor Schaden bewahren sollte. Dieser nicht nur slawische Brauch des Bittganges findet sich bis heute in katholischen Gegenden. In Verbindung mit dem Osterfest kann man dies in Ostro beobachten, wo die Männer vor dem eigentlichen Osterritt frühmorgens die Felder umreiten.

Das Osterreiten als Prozession zu Ehren des Auferstandenen bereits in vorreformatorischer Zeit gilt als historisch gesichert. Elemente mittelalterlicher Zeremonien wie die Fahnen als Herrschaftssymbol und die geschmückten Pferde verweisen nach Ansicht einiger auf diese Entstehungszeit. Das Osterreiten ist eingebunden in das reiche kirchliche und bäuerliche Brauchtum der katholischen Kirche sorbischer Prägung.[3]

Bereits Ende des 15. Jahrhunderts fanden zwischen Hoyerswerda und Wittichenau Reiterprozessionen statt. Seit 1541 zog die Prozession von Wittichenau nach Ralbitz, da in Hoyerswerda die Reformation eingeführt worden war.[4][5] Damit ist dieses Prozessionspaar das älteste bis heute bestehende.

Nach dem Tiefpunkt von 1974, als nur 487 Reiter teilnahmen, sind die Teilnehmerzahlen bis 2007 wieder auf etwa 1700 gestiegen.

Prozessionen[Bearbeiten]

Osterreiter im Kloster St. Marienstern, Panschwitz-Kuckau

Oberlausitz[Bearbeiten]

Gegenwärtig gibt es in der katholischen Oberlausitz vier Prozessionspaare mit und eine Prozession ohne Gegenbesuch. Die traditionellen Routen sind:

Die Prozession der Stadt Wittichenau ist die einzige, bei der sich auch viele nichtsorbische (50 %) Osterreiter beteiligen. Außerhalb des sorbischen Siedlungsgebiets besteht seit 1628 zusätzlich der – ebenfalls katholische – Brauch der Saatreiterprozession zwischen Ostritz und dem Kloster St. Marienthal.[7]

Niederlausitz[Bearbeiten]

Das Osterreiten zwischen Zerkwitz und Klein Radden wird erst seit einigen Jahren (wieder) durchgeführt und erfolgt ohne Gegenbesuch.

Bayern[Bearbeiten]

2013 wurde das Osterreiten im Ort Geldersheim wiederaufgelebt, wo es ebenfalls eine lange Tradition hat.[12]

Schlesien und Tschechien[Bearbeiten]

Osterreiten im schlesischen Ostropa (Ostroppa)

Das Osterreiten (lokal als Osterritt bezeichnet) ist auch in Oberschlesien verbreitet, ferner in Tschechisch-Schlesien. Die Tradition wird noch in den oberschlesischen Orten Racibórz (Ratibor)[13], Pietrowice Wielkie (Groß Peterwitz), Zawada Książęca (Herzoglich Zawada), Sternalitz,[14] Bischdorf, Ostropa (Ostroppa in Gleiwitz), Bieńkowice (Benkowitz) und im tschechisch-schlesischen Lukavec gepflegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Salowsky, Martin: "Osterreiten in der Lausitz", Bautzen 1992.
  • Brendler, Gerhard: "380 Jahre Saatreiten in Ostritz - St. Marienthal 1628 - 2008", Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, 2008.
  • Schorch, Marén: "Rituelle und symbolische Inszenierung von Zugehörigkeit. Das sorbische Osterreiten in der Oberlausitz", In: Herbert Willems (Hrsg.): Theatralisierung der Gesellschaft. Band 1: Soziologische Theorie und Zeitdiagnose, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, S. 331-354.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Osterreiten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Brindel: Brauchtum: Osterreiten. In: http://www.vfd-bayern.de. VFD-Bayern, 18. Februar 2012, abgerufen am 23. April 2014.
  2. Osterreiter begeistern in Zerkwitz Lausitzer Rundschau vom 26. April 2011
  3. Brendler, Gerhard, 380 Jahre Saatreiten in Ostritz - St. Marienthal,32.
  4. Zur Geschichte der Kreuzreiter-Prozession st-mariae-himmelfahrt-wittichenau.de
  5. Herbert Willems (Hrsg.): Theatralisierung der Gesellschaft - Band 1; Soziologische Theorie und Zeitdiagnose, Wiesbaden, 2009, ISBN 3531914421, S.360, (online)
  6. Die Kreuzreiterprozession zu Ostern. In: st-mariae-himmelfahrt-wittichenau.de. Katholisches Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Wittichenau, abgerufen am 23. April 2014.
  7. Osterreiten und Saatreiterprozession im Kloster St. Marienthal. die Osterzeit mit der Karwoche im Kloster St. Marienthal. In: ostern-international.de. IDL Software Publikations- und Verlagsgesellschaft mbH, 28. März 2014, abgerufen am 23. April 2014.
  8. Osterritt auf regen.de
  9. Regener Osterritt auf bayerischer-wald.de
  10. Fast 100 Reiter beim Nabburger Osterritt in der Mittelbayerischen
  11. Uraltes Brauchtum in Traunstein: Osterritt - Georgiritt, St. Georgs-Verein Traunstein
  12. Geldersheim: Osterritt neu aufgelegt, mainpost.de
  13. Veranstaltungen in Racibórz OS
  14. Nowa Trybuna Opolska: [1], [2] (polnisch)