Ouezzane

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34.8-5.5833333333333Koordinaten: 34° 48′ N, 5° 35′ W

Karte: Marokko
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Ouezzane
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Marokko
Ouezzane

Ouezzane (bzw. Wezzane, Wazzane oder Ouazzane; arabisch ‏وزان‎, DMG Wazzān) ist eine Stadt im Norden Marokkos, nördlich von Fès in der Region Gharb-Chrarda-Béni Hsen gelegen, mit etwa 58.000 Einwohnern (2004).

Die Stadt gilt wegen ihrer Scherifen und einer dort ansässigen Sufi-Bruderschaft als eines der wichtigsten religiösen Zentren Marokkos bzw. als „heilige“ Stadt.

Ouezzane ist auch für marokkanische Juden eine heilige Stätte. Neun Kilometer nordöstlich der Stadt, im Rif-Gebirge, liegt das Bergdorf Asjen mit der Grabstätte des Rabbiners Imran Ben Divan, auch „Moul Anrhaz“ genannt, der auf einer Reise von seinem Wohnort Hebron im Heiligen Land im Jahre 1782 hier verstarb. Typisch für die religiöse Kultur der von Berbern bewohnten Regionen in Marokko ist die Tatsache, dass sowohl Muslime als auch Juden diesen Mann bis heute als Heiligen verehren. Die Wallfahrt zu Ehren dieses Marabout heißt bei den Muslimen moussem, bei den Juden hiloula.

Grünäugige Prophetenabkömmlinge[Bearbeiten]

Die Stadt und die dortigen Linien der Abkömmlinge des Propheten Mohammed sollen der Legende nach schon im 9. Jahrhundert von einem der Söhne Idris II., der sich Ouezzane niedergelassen hatte, gegründet worden sein. Offiziell aber geht die Gründung erst auf den Idrisiden Mulay Abdallah im Jahr 1727 zurück. Für viele seiner heutigen Nachkommen sind – im Gegensatz zu den meisten Arabern und Berbern – grüne Augen typisch. Die Häufung dieser genetischen Merkmale im Norden Marokkos ist nicht mit häufigeren Vermischungen mit Spaniern und Franzosen zu erklären, denn auch der Stamm der Beni Sliman, die größtenteils im Raum Casablanca leben, ist mehrheitlich grünäugig und in Ouezzane trat dieses Phänomen schon vor der Kolonialzeit auf. Im Gegensatz zum übrigen Marokko war Ouezzane noch bis 1920 nicht von Kolonialtruppen besetzt. 1925 scheiterte ein Versuch der aufständischen Rif-Kabylen, Ouezzane zu erobern. 1937 aber kam es zu einem kurzen Aufstand gegen die Kolonialmacht, in den auch der aus Ouezzane stammende patriotische Politiker Muhammad Hassan al-Wazzani verwickelt war.

Die wichtigsten Scherifen-Familien in Ouezzane sind die Dar und Admana. Auch das heutige marokkanische Königshaus bezeichnet sich als Alawiden (Aliden), d.h. Nachkommen Mohammeds, Alis, Fatimas und Hassans. Zumindest in Teilen der "echten" Scherifen von Ouezzane aber wird diese Abkommenschaft unter vorgehaltener Hand angezweifelt. Die Alawiden waren erst im 13. Jahrhundert eingewandert, als in Marokko die von den Idrisiden abstammenden Meriniden zur Macht gekommen waren und die Scherifen zu fördern begannen.

Bemerkenswert ist der Umstand, dass König Mohammed V. 1961 nur kurz nach einem Besuch in Ouezzane verstarb. Damals kam das Gerücht einer Vergiftung auf. Fest steht nur, dass sein Nachfolger Hassan II. niemals Ouezzane besucht hatte. Hassans Nachfolger, der jetzige König Mohammed VI., unternahm zwar nach seinem Amtsantritt eine ausgedehnte Reise durch alle Städte des Landes, hatte aber ausgerechnet Ouezzane davon ausgenommen und bis heute gemieden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ouezzane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien