Kurier-Express-Paket-Dienst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Paketdienst)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zwei KEP Dienste im Lieferdienst
DHL-Fahrzeug

KEP-Dienste (Kurier, Express und Paketdienste, mitunter Kurier, Express und Postdienste, im internationalen Kontext auch CEP service für Courier, Express and Parcel) sind Logistik- und Postunternehmen. Die Abgrenzungskriterien zu anderen Märkten sind unter anderem das Gewicht und Volumen der Sendungen, die Geschwindigkeit des Güterversandes und die angebotenen Dienstleistungen.

Unterteilung[Bearbeiten]

Kurierdienste[Bearbeiten]

Ein Kurierdienst (auch Kurier oder Bote genannt) befördert die Sendung persönlich und direkt vom Absender zum Empfänger. Der Unterschied zu einer Spedition ist, dass Kuriere nicht linienmäßig verkehren, meist nur kleine Sendungen transportieren und auf Schnelligkeit ausgerichtet sind. Dies wird beispielsweise von Fahrradkurieren in Großstädten getan. Sicherheitskuriere transportieren Wertgegenstände, handliche Kunstgegenstände und Exponate, sowie vertrauliche und schutzbedürftige Dokumente und Daten.

Expressdienste[Bearbeiten]

Im Gegensatz dazu werden Expresssendungen nicht direkt, sondern über ein Umschlagzentrum zum Empfänger befördert. Wesentliches Merkmal der Expresstransporte ist die garantierte Laufzeit. Die großen Expressdienste sind genauso stark automatisiert wie Paketdienste, setzen aber besonders in den USA auf Frachtflugzeuge. In Europa vermischen sich die Begriffe Paket- und Expressdienst, da es hierfür keine rechtlich verbindliche Definition gibt.

Ebenfalls eine garantierte und schnellere Lieferzeit, nicht überregional sondern innerhalb von Ballungsräumen, soll mit Same Day Delivery angeboten werden.

Paketdienste[Bearbeiten]

Paketdienste sind Systemdienstleister, die mit einer hohen Standardisierung arbeiten. Die Laufzeit der Sendungen ist durch die festgelegte Arbeitsweise meist etwas höher als bei Expressdiensten, aber nicht garantiert. Außerdem gibt es Beschränkungen der zum Transport übernommenen Sendungen in Größe und Gewicht (so beschränken die meisten Paketdienste das Höchstgewicht einer Sendung auf 31,5 kg).

Nachtexpress[Bearbeiten]

Spezialbereich der Expressdienste. Anders als bei Overnight-Dienstleistern werden die Sendungen im Nachtexpress vor 8:00 Uhr, optional vor 7:00 Uhr oder 6:00 Uhr zugestellt und stehen den Empfängern damit vor Arbeitsbeginn zur Verfügung. Die Übergabe erfolgt quittungslos an zuvor definierten Übergabeplätzen. Dazu verwalten die Nachtexpressdienstleister die Schlüssel oder Zugangscodes zu Unternehmensgebäuden, Safes oder die Kofferräume von Service-Technikern.

Dienstangebot[Bearbeiten]

Die KEP-Dienste grenzen sich durch ein breites Serviceangebot von den speditionellen Angeboten ab. Diese zusätzlichen Dienstleistungen werden durch ein höheres Beförderungsentgelt vergütet und können meist je nach Bedarf vom Kunden zusätzlich bestellt werden.

Physische Dienstleistung:

Bevorzugte Zustellung[Bearbeiten]

Die meisten KEP-Dienste bieten eine Zustellung der Sendung zu einer bestimmten Uhrzeit an. Typische Zeiträume sind bis 8 Uhr, bis 10 Uhr oder bis 12 Uhr. Diese Services sind teuer.

Beförderung kritischer Sendungen[Bearbeiten]

Einige KEP-Dienste sind in der Lage, Gefahrgut, Kunstwerke, sensible Geräte, lebende Tiere, Kühlsendungen oder auch medizinische Proben zu transportieren.

Informationsdienstleistungen:

Paketverfolgung[Bearbeiten]

Der Kunde kann im Rahmen einer Sendungsverfolgung noch während der Beförderung über Internet oder Telefonhotline nachvollziehen, wann sich sein Paket wo befindet.

Abliefernachweis[Bearbeiten]

Viele KEPs bieten gegen Gebühr erweiterte Dokumentation der Auslieferung an:

  • gescannte Unterschrift des Warenempfängers
  • aufbereitete Berichte
  • fotografiertes Paket mit lesbarer Adresse (Schweizer Post)

Vorteile: Sicherheit, Langzeitüberwachung, Lieferservice (365 Tage), Pünktlichkeit, Just-in-Time-Möglichkeit

Nachteile: Teurer als normaler LKW Transport, wegen geringerer Transportfläche umweltbelastender, Verkehrsbehinderungen z.B. Stau

Software[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Speditionen, die auf standardisierte Schnittstellen wie EDIFACT/EANCOM und NVE setzten, aber auch auf individuelle Wünsche der Kunden eingehen, geben KEP-Dienstleister die Form der Datenkommunikation in der Regel fest vor. Das Regelwerk dazu ist proprietär und somit auch von KEP-Dienstleister zu KEP-Dienstleister sehr unterschiedlich. Nur das Prinzip ist bei allen gleich. Der KEP-Dienstleister übermittelt an seine Kunden regelmäßig die sogenannten Routings (eine Tabelle, in der zu jeder Postleitzahl eine Kennung – in der Regel für Niederlassung, die ein Paket für diese Postleitzahl an den Empfänger weiterleiten soll – genannt ist, sowie Sortier- und Ausliefer-Verkehrsknotenpunkte, oft Hub genannt), die der Kunde in seinem System benutzen muss, um das Routing auf dem von ihm gedruckten Paketlabel mit auszugeben. Auf diesem Paketlabel muss sich auch eine maschinenlesbarer Strich– bzw. 2D-Codes befinden, der in der Regel alle für den KEP-Dienstleister wichtigen Informationen enthält. Auf eine Datenübertragung pro Paket o. ä. wird nach Möglichkeit verzichtet. KEP-Dienstleister unterhalten oft Sortieranlagen, die die Pakete automatisch zu dem richtigen Lkw befördern und die abrechnungsrelevanten Daten an die Finanzbuchhaltung weiterleiten. Auf diese Weise soll dem im KEP-Bereich höheren Durchsatzbedarf Rechnung getragen werden. Viele KEP-Dienste bieten ihren Kunden eine entsprechende fertige Softwarelösung an.

Die meisten KEP-Dienste bieten proprietäre Schnittstellen an. ERP-Softwarepakete wie SAP (XSI = eXpress Shipper Interface als Teil von LE = Logistics Execution) sind im Prinzip auf eine elektronische Zusammenarbeit vorbereitet, trotzdem muss Middleware dafür sorgen, dass die Systeme miteinander kommunizieren können.

Situation in Europa[Bearbeiten]

Nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney stieg 2010 in Europa die Zahl der Sendungen um 6 Prozent auf 5 Milliarden Stück. Der Umsatz der Branche stieg 2010 um 4 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro.[1]

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Beschäftigungszahlen[Bearbeiten]

Im Dezember 2010 waren bei Post-, Kurier- und Expressdienste 208.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 128.000 ausschließlich geringfügig Beschäftigte registriert. 24.400 Beschäftigte erhielten zum Erwerbseinkommen zudem Arbeitslosengeld II („Hartz IV“).[2]

Ausbildung[Bearbeiten]

In Deutschland existieren zwei Ausbildungsberufe: die zweijährige Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen sowie der dreijährige Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen.

Arbeitgeberverbände[Bearbeiten]

Einige Arbeitgeber sind im Bundesverband der Kurier-Express-Postdienste (BdKEP) vertreten, darunter Der Kurier, DHL, Dynamic Parcel Distribution (DPD), FedEX, General Logistics Systems (GLS), General Overnight (GO!), Hermes Europe, TNT, trans-o-flex und United Parcel Service (UPS).

Andere Arbeitgeber sind im Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste (BIEK) vertreten, darunter Dynamic Parcel Distribution (DPD), FedEX, General Overnight (GO!), Hermes Europe, Sovereign Speed, TNT und United Parcel Service (UPS).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.presseportal.de/pm/15196/2157107/paketmarkt-zurueck-auf-wachstumskurs-mit-bild
  2. http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/072/1707212.pdf