Paolo Di Canio

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Paolo Di Canio
Spielerinformationen
Geburtstag 9. Juli 1968
Geburtsort RomItalien
Größe 178 cm
Position Stürmer
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1985–1990
1986–1987
1990–1993
1993–1994
1994–1996
1996–1997
1997–1999
1999–2003
2003–2004
2004–2006
2006–2008
Lazio Rom
Ternana Calcio (Leihe)
Juventus Turin
SSC Neapel
AC Mailand
Celtic Glasgow
Sheffield Wednesday
West Ham United
Charlton Athletic
Lazio Rom
AS Cisco Roma
54 0(4)
27 0(2)
78 0(6)
26 0(5)
37 0(6)
26 (12)
41 (15)
118 (48)
31 0(4)
50 (11)
46 (14)
Nationalmannschaft
1988–1990 Italien U-21 9 0(2)
Stationen als Trainer
2011–2013
2013
Swindon Town
AFC Sunderland
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Paolo Di Canio (* 9. Juli 1968 in Rom) ist ein ehemaliger italienischer Fußballspieler und heutiger -trainer. Er spielte im Sturm.

Leben[Bearbeiten]

Laufbahn als Spieler[Bearbeiten]

Paolo Di Canio begann seine Karriere 1985 bei Lazio Rom. Er spielte daraufhin zehn Jahre bei verschiedenen Vereinen in seiner Heimat, wie dem AC Mailand oder Juventus Turin. Mit diesen zwei Vereinen gewann er seine einzigen drei Titel.

Im Jahr 1996 wechselte er zu Celtic Glasgow, wurde aber nach nur einem Jahr zu Sheffield Wednesday transferiert, obwohl er in der Spielerwahl zu Schottlands Fußballer des Jahres gewählt worden war. Er war nach Theo Snelders und Brian Laudrup der dritte Nichtbrite, der diese Auszeichnung erhielt. Bei Sheffield Wednesday fiel Di Canio durch seine Gewalttätigkeit auf. Im Spiel gegen Arsenal geriet er mit seinem Gegenspieler Martin Keown aneinander, woraufhin beide die Rote Karte sahen. Der Italiener wollte die Entscheidung jedoch nicht akzeptieren und stieß Schiedsrichter Paul Alcock zu Boden. Als Konsequenz wurden eine Sperre für elf Spiele und eine Geldstrafe von 10.000 Pfund verhängt.[1] Als er wieder spielberechtigt war, fehlte er jedoch oft beim Training und an den Spieltagen. Nach einem Angebot in Höhe von zwei Millionen Pfund wurde Di Canio zu West Ham United transferiert. Bei seinem neuen Verein stabilisierte sich sein Verhalten.

Nach der Saison 2002/03 wechselte Di Canio zu Charlton Athletic, da West Ham abgestiegen war. Im Sommer 2004 wechselte er wieder nach Italien zu seinem Stammklub Lazio Rom. Dort wurde er zum Kapitän ernannt und wieder zum Liebling der Lazio-Fans. Im Sommer 2006 ging Di Canio zum Viertligisten Cisco Roma, wo er seine Karriere 2008 beendete.

2006 wurde Di Canio in Rom bei einem Spaziergang mit einem bekannten Faschisten von rechtsgerichteten Fußballfans verbal attackiert („Du bist kein Kamerad mehr, die wahren Faschisten sind wir.“). Nachdem auch seine Ehefrau und seine Tochter beleidigt wurden, wollte sich Di Canio mit Handgreiflichkeiten zur Wehr setzen, wobei er am Bein verletzt wurde.[2]

Laufbahn als Trainer[Bearbeiten]

2008 war Paolo Di Canio als Trainer seines ehemaligen Vereins West Ham United im Gespräch, jedoch sorgte seine politische Einstellung dafür, dass nicht er, sondern sein Landsmann Gianfranco Zola diesen Posten übernahm.[3] Eine Trainerlizenz der UEFA besitzt er seit April 2008.[4]

Im Mai 2011 übernahm er das Traineramt beim englischen Fußballverein Swindon Town von Danny Wilson. In der ersten Saison führte er den Verein als Saisonsieger direkt aus der League 2 in die League 1. Er konnte sich in der Saison 2012/2013 im oberen Teil der Tabelle etablieren. Nach Streitigkeiten mit den alten Eigentümern über Spielertransfers und dem erwarteten Verkauf des Vereins, kündigte Di Canio seinen Vertrag am 18. Februar 2013, als der Verein den 6. Tabellenplatz belegte.[5]

Am 31. März 2013 wurde er beim Premier League-Club AFC Sunderland als Nachfolger von Martin O'Neill vorgestellt. Ziel soll der Klassenerhalt des angeschlagenen Erstligisten sein. Gleichzeitig legte der britische Politiker David Miliband (Labour Party) sein Aufsichtsratsmandat bei Sunderland nieder, da er wegen Di Canios politischer Einstellung nicht zusammenarbeiten könne.[6][7] Di Canio erklärte in einem Statement, er sei „kein politischer Mensch“, distanzierte sich jedoch nicht vom Faschismus.[8] Er rettete den Verein knapp vor dem Abstieg. Sein dortiges Engagement wurde jedoch von der Vereinsführung am 22. September 2013 nach einem schwachen Saisonstart beendet. Di Canio konnte sich mit seiner offensiven 4-2-4-Aufstellung nicht durchsetzen und hatte zu einigen Spielern ein gestörtes Verhältnis.[9]

Strafen und Politik[Bearbeiten]

Als Kapitän von Lazio Rom wurde Di Canio im März 2005 von der Disziplinarkommission des italienischen Fußballverbands FIGC zur Zahlung einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt, weil er am 6. Januar 2005 beim Stadtderby gegen die Roma seine Anhänger mit dem faschistischen römischen Gruß, der Benito Mussolini gilt und dem Hitlergruß sehr ähnlich ist, gegrüßt hatte.

Di Canio, der sich selbst als Faschist und rechtsradikal bezeichnet,[10] akzeptierte das Urteil nicht, sondern wiederholte den an seine Fans gerichteten faschistischen Gruß am 11. Dezember 2005 beim Spiel gegen AS Livorno, dessen Anhänger politisch links stehen und dessen Stürmerstar Cristiano Lucarelli Kommunist ist, sowie bei seiner Auswechslung sechs Tage später im Spiel Lazio Rom gegen Juventus Turin. Dies führte zu einer erneuten Strafe von 10.000 Euro sowie zu einer Spielsperre in der italienischen Liga. Auch der Weltverband FIFA nahm Untersuchungen zur „Causa Canio“ auf.

Die Irriducibili Lazio, deren Mitglied Di Canio ist, organisierten daraufhin eine Demonstration zu Gunsten Di Canios vor dem Sitz des italienischen Fußballverbandes. An dieser nahmen am 23. Dezember rund 500 Personen teil. Als Solidaritätsgeste starteten drei Fan-Vereinigungen von Lazio Rom eine Sammelaktion, um die 10.000 Euro Strafe aufzubringen.

Paolo Di Canio hat auf seinem rechten Oberarm das Wort „Dux“ tätowiert, geschrieben von oben nach unten in den Lettern „DVX“, was lateinisch für Duce (Führer) steht und der Titel des ehemaligen italienischen Diktators Benito Mussolini war.

Titel[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Paolo Di Canio erhielt 2001 den FIFA Fairplay-Preis für eine Aktion während des Spiels zwischen West Ham United und dem FC Everton: aus dem Spielverlauf ergab sich für Di Canio die Chance, auf das leere Tor der Toffees zu schießen, doch als er bemerkte, dass Evertons Torhüter Paul Gerrard verletzt am Boden lag, nahm er den Ball in die Hände und unterbrach somit das Spiel, damit Gerrard behandelt werden konnte. Er wurde für sein Handspiel mit einer gelben Karte verwarnt. Die FIFA bezeichnete sein Verhalten als einen „besonders guten Akt sportmännischen Verhaltens“. Allerdings sagte Di Canio auch, dass er sich in einem Derby gegen die Roma eher die Hand abschneiden würde, als den Ball aufzuheben.

Privat[Bearbeiten]

Paolo di Canio, der drei Brüder hat (Antonio, Giuliano und Dino), ist verheiratet und hat mit seiner Frau zwei Töchter.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paolo di Canio, Paolo di Canio - The Autobiography, Collin William Verlag, London 2003, ISBN 0-00-710682-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paolo Di Canio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Di Canio: Paolo di Canio - The Autobiography. 2003, S. 5
  2. Spaziergang mit Faschisten: Skandal-Fußballer Di Canio verprügelt auf spiegel.de vom 22. August 2006
  3. West Ham will Faschisten als Trainer auf bild.de vom 6. September 2008
  4. Fußball-Faschist Di Canio will West Ham trainieren auf bild.de vom 6. September 2008
  5. caughtoffside.com Paolo Di Canio Resigns as Swindon Town Manager vom 18. Februar 2013
  6. Premier League: Di Canio neuer Trainer in Sunderland auf spiegel.de vom 31. März 2013
  7. New Head Coach auf Homepage AFC Sunderland vom 31. März 2013
  8. Di Canio: "Ich bin kein politischer Mensch", kicker.de, 1. April 2013
  9. Sunderland schmeißt di Canio raus, kicker.de, 22. September 2013
  10. „Ja, ich bin ein Faschist, na und? Ich bin kein Rassist. Warum kann ich nicht sagen, dass ich rechtsradikal bin?“ Martin Mazur: Kreuzverhör mit Paolo Di Canio, fussballmagazin 4-4-2, Dezember 2006, S. 110ff
  11. Di Canio: Paolo di Canio - The Autobiography. 2003, S. V
Vorgänger Amt Nachfolger

Paul Gascoigne
Schottlands Fußballer des Jahres
Spieler-Wahl

1997

Jackie McNamara