Performance (Risikomanagement)

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In der Betriebswirtschaft ist unter der Performance ein Maß der Zielerreichung zu verstehen.

Allgemeine Definition[Bearbeiten]

Während unter Produktivität das Verhältnis von realer Ausbringungsmenge zu realer Einsatzmenge verstanden wird, stellt die Performance das Verhältnis von tatsächlichem Output zu einem festgelegten (Standard-)Output bezogen auf die Einsatzmenge dar. Somit beinhaltet die Performance eine Bewertung des Ergebnisses und des Einsatzes mit jeweils relevanten Zielen, Standards oder Referenzen. Die Messgröße Performance gewinnt somit auch einen Potenzialcharakter. Der Unterschied zur (absoluten) Wirtschaftlichkeit liegt in der fehlenden monetären Erfassung der Handlungsergebnisse und des Mitteleinsatzes. Performance ist somit als ein Maß der Zielerreichung zu interpretieren.

Definition in der Finanzwirtschaft[Bearbeiten]

Performance bezeichnet im Bereich des Risikomanagements den Überschuss der erzielten Anlagerendite über eine vergleichbare, adäquate Benchmarkrendite. Die Renditedifferenz wird dabei durch die Division eines geeigneten Risikomaßes standardisiert.

  • Die Performance ist im weitesten Sinne also eine Messgröße zur Erfolgsbeurteilung von Kapitalanlagen.

Formel für die Berechnung im Allgemeinen: Performance = (Anlagerendite - Benchmarkrendite) / Risikomaß

Outperformer[Bearbeiten]

Als Outperformer bezeichnen Analysten eine Aktie, wenn sie hoffen, dass die Aktie sich besser als der Index bzw. Benchmark entwickeln wird.

Die Bezeichnung eines Wertpapiers als Outperformer ist somit eine Kaufempfehlung.

Underperformer[Bearbeiten]

Als Underperformer bezeichnen Analysten eine Aktie, wenn sie annehmen, dass die Aktie sich schlechter als der Index bzw. Benchmark entwickeln wird.

Die Bezeichnung eines Wertpapiers als Underperformer ist somit eine Verkaufempfehlung.

Marketperformer[Bearbeiten]

Als Marketperformer bezeichnen Analysten eine Aktie, wenn sie erwarten, dass sich die Aktie entwickelt wie der Index bzw. Benchmark der zugehörigen Branche.

Attributionsanalyse[Bearbeiten]

Mittels der Attributionsanalyse lässt sich die Performance des Portfoliomanagements messen. Ausgangspunkt ist die Frage, aus welchen Komponenten sich das Gesamtergebnis zusammensetzt. Die Leistung lässt sich in drei Bestandteile aufgliedern:

  • marktbedingt: Es handelt sich hier um eine passive Leistung, die anhand der Entwicklung eines Benchmarks nachzuvollziehen ist.
  • strukturbedingt: Entscheidung hinsichtlich der Wechselkursentwicklung oder der Performance-Entwicklung verschiedener Märkte.
  • technisch bedingt: durch Über- und Untergewichtung einzelner Aktien.

Performance-Maße[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Performance-Maße sind Kennzahlen zur Beurteilung einzelner Geschäfte oder ganzer Unternehmen. Es kann zwischen risikoadjustierten Kennzahlen und jenen, die nur Erträge berücksichtigen, unterschieden werden. Letztere sind eigentlich Ertragsmaßstäbe und keine Performancemaße im engeren Sinn (Beispiele: Return on Investment (ROI) Kennzahlen sind beispielsweise die Eigenkapitalrendite (ROE, Return on Equity) und die Gesamtkapitalrendite (ROA, Return On Assets)).

Ein risikoadjustiertes Performancemaß ergibt sich formal durch die Kombination des Erwartungswerts des Ergebnisses (z. B. des Gewinns, Cashflow oder Rendite) mit einem zugehörigen Risikomaß (z.B. Standardabweichung des Ergebnisses). Eine Performancemessung kann ex ante oder ex post durchgeführt werden. Ein ex ante Performancemaß dient dabei als prognostizierter Erfolgsmaßstab der Entscheidungsvorbereitung , z. B. für eine Sachinvestition oder Geldanlage. Dabei wird der Unsicherheit jeder Zukunftsprognose (über eine Ergebnisgröße X), die Grundlage der ökonomischen Entscheidung ist, explizit Rechnung getragen. Solche Performancemaße sind daher Kennzahlen, die sich aus der Kombination (operationalisiert durch eine Funktion f(..) des erwarteten Ergebnisses E(X) (z. B. erwarteter Gewinn) mit einem geeigneten Risikomaß R(X) wie Standardabweichung oder Value at Risk ergeben. Das Risikomaß zeigt dabei den Umfang möglicher Planabweichungen (Gleißner, 2011a).

P(X) = f(E(X), R(X)).

Im einfachsten Fall ergibt sich das Performancemaß P(X) für den unsicheren Gewinn X indem man den Erwartungswert E(X) durch einen Risikoabschlag reduziert, der unmittelbar abhängig ist vom Risikomaß R(X) also z. B. von Standardabweichung oder Value-at-Risk (des Gewinns). Beispiel: P(X) = E(X) – a*R(X).

Das Abziehen des Risikoabschlags (a*R(X)) vom Erwartungswert entspricht dem Vorgehen bei der Bestimmung sogenannter Sicherheitsäquivalente (Sicherheitsäquivalent), die ausdrücken, welche sicheres Ergebnis aus Sicht des Bewertenden äquivalent ist zum unsicheren Ergebnis X. Wählt man als Risikomaß beispielsweise den Eigenkapitalbedarf, kann man die Größe a, den „Preis des Risikos“, interpretieren als kalkulatorische Zusatzkosten für das Eigenkapital (zur Herleitung: Gleißner, 2011b). Damit entspricht der Risikoabschlag gerade den kalkulatorischen Eigenkapitalkosten oder Wagniskosten.

Risikoadjustierte Performance-Maße[Bearbeiten]

Die wichtigsten risikoadjustierten Performance-Maße sind:

  • Jensen-Alpha: Überrendite bezüglich eines Portfolios mit gleichem Beta-Risiko auf der Wertpapiermarktlinie,
\alpha_{PF}= \mu_{PF}-[r+(\mu_M-r) \beta_{PF}] \
  • Sharpe-Ratio: Überrendite relativ zum Gesamtrisiko. Entscheidung von individueller Risikoneigung abhängig. Es besteht ein Trade-off zwischen Diversifikation und Überrendite.
SR(PF)=P^S_{PF}=\frac {\mu_{PF}-r} {\sigma_{PF}}
Gesamtrisiko als Risikokennzahl, auf die die Prämie bezogen wird. Geeignet für breit diversifizierte Portfolios.
  • Treynor-Ratio: Überrendite relativ zum eingegangenen Beta-Risiko:
TR(PF)=P^T_{PF}=\frac {\mu_{PF}-r} {\beta_{PF}}
Systematisches Risiko in Form des Betafaktors als Risikokennzahl, auf die die Prämie bezogen wird. Geeignet zur Risikobewertung des Beitrags eines Teilportfolios zum Gesamtportfolio.

Die Sharpe- und Treynor-Ratio sind Kennzahlen, welche eine Überschussgröße zu einer Risikogröße ins Verhältnis setzen. Dies folgt dem Konzept der relativen Deckungsspannen, welches zur Entscheidung von Planungsproblemen mit Engpass gebraucht wird. Treynor-Ratio und Jensen-Alpha sind aus dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) abgeleitet. Damit unterliegen sie auch der Kritik, die an diesem Kapitalmarktmodell geäußert werden.

Die Risikoprämie des Finanztitels x steht im Zähler. Es ist die Differenz zwischen der Rendite r_x und dem risikolosen Zins i.

Einen Überblick über alle risikoadjustierten Performancemaße bietet die folgende Tabelle (Zählergröße ist jeweils die Überrendite):

Risikomaß (Nennergröße) Performance-Maß
Standardabweichung Sharpe-Ratio
Lower Partial Moments der Ordnung 1 Omega
2 Sortino-Ratio
3 Kappa 3
Drawdown (Kursausschlag nach unten) Maximum Calmar-Ratio
Durchschnitt Sterling-Ratio
Varianz Burke-Ratio
Value at Risk Standard Excess Return on Value at Risk
Conditional Conditional Sharpe-Ratio
Modified Modified Sharpe-Ratio

Performance-Maße im Bankenbereich[Bearbeiten]

Bankgeschäfte werden sequentiell und in unterschiedlichen Organisationseinheiten abgeschlossen. Dies erfordert ein Steuerungssystem, das die Risikosituation (Risikokapital) sowie knappe Ressourcen (aufsichtsrechtliche Eigenmittel) berücksichtigt. Damit sollen nur Geschäfte abgeschlossen werden, die insgesamt positiv zu bewerten sind.

RAPM[Bearbeiten]

Hier werden verfeinerte risikoadjustierte Performance-Maße (RAPM) verwendet. RAPM dienen zum Vergleich von Bankgeschäften mit unterschiedlichem Risikogehalt. Die Bewertung kann sich auf Finanztitel sowie Portefolios beziehen.

{RAPM}= \frac {\mathrm{Einzahlungen} - \mathrm{Auszahlungen} - \mathrm{erwartete~ Verluste}}\mathrm{Value~ at~ Risk}

  • Einzahlungen sind planmäßige Einzahlungen, die sich aus dem Kreditvertrag ergeben und von einem insolvenzfreien Verlauf des Kredits ausgehen.
  • Auszahlungen hingegen umfassen die Kreditzahlung, Zinsen für die Refinanzierung des Kredites und die Zahlung für (kalkulatorische) Bearbeitung.
  • Mit erwarteten Verlusten sind erwartete Ausfälle von Zins- und Tilgungszahlungen bezeichnet.
  • Value at Risk ist das Risikokapital zur Deckung unerwarteter Verluste

Mittels RAPM ist der Vergleich zwischen einzelnen Bankgeschäften mit unterschiedlichem Risikogehalt möglich.

RORAC (Return on Risk Adjusted Capital)[Bearbeiten]

{RORAC}= \frac{\mathrm{Nettoergebnis}}{\mathrm{Risikokapital}} \

{RAROC}=  \frac{\mathrm{risikoadjustiertes~Nettoergebnis}}{\mathrm{Risikokapital}} \

Zu beachten ist, ob Zähler und/oder Nenner risikoadjustiert sind. RA steht für risikoadjustiert, ROC für return on capital.

Nettoergebnis = Zinserlöse - Refinanzierungskosten

Für das Risikokapital wird entweder eine ökonomische oder regulatorische Kapitalgröße verwendet. Oft kommt hier der Value at Risk zum Einsatz. Damit werden die knappen Ressourcen berücksichtigt, durch die ein Überschuss erzielt werden soll.

Der Unterschied zwischen RAROC und RORAC ist, ob das Nettoergebnis risikoadjustiert wird oder nicht. Die Berücksichtigung von Standardrisikokosten ist dabei nicht ausreichend, da diese lediglich erwartete Verluste erfassen. Zusätzlich müssen für das risikoajustierte Nettoergebnis die Kosten für das vorbehaltene Risikokapital, also die Vorsorge für unerwartete Verluste, in Abzug gebracht werden. Man entscheidet sich für die Geschäfte, die den höchsten RORAC bzw. RAPM-Wert haben.

Aus einem positiven RORAC lässt sich jedoch nicht automatisch schließen, dass der Abschluss des Geschäftes lohnend ist. Es muss nämlich auch eine Prämie für die Risikoübernahme gezahlt werden (hurdle rate). In der Praxis wird die aus dem CAPM abgeleitete Marktrendite für RORAC_z, die sog. Hurdle Rate RORAC_z, verwendet.

Auf diese Weise lässt sich der RORAC in den RAROC überführen:

RORAC-RORAC_c= \frac{\mathrm{Nettoergebnis}-\mathrm{Risikokapital \cdot RORAC_c}}{\mathrm{Risikokapital}} =

\frac{\mathrm{risikoadjustiertes~Nettoergebnis}}{\mathrm{Risikokapital}} = RAROC=\mathrm{Economic~Value~Added}

Das Risikokapital wird auf die Nettoergebnisse bezogen, es ist ein Engpassfaktor.

Eine Kreditvergabe ist wertschaffend, wenn ihr RAROC positiv ist.

Stärkere Berücksichtigung von Risiko und Rendite[Bearbeiten]

Aktuelle Anlässe haben dazu geführt, dass Risiko und Rendite stärkere Berücksichtigung in der Gesamtbanksteuerung finden.

  • Umsetzung der Basel II-Richtlinien in deutsches Recht und die dabei verbindliche risikoabhängige Eigenkapitalunterlegung von Krediten
  • Übergreifende Banksteuerungssysteme werden zunehmend eingesetzt. Dabei werden Risikoarten gemeinsam betrachtet sowie risikoadjustierte Performancemaße eingeführt (RORAC).
  • Verfügbarkeit integrierter IT-Systeme erlauben den Umgang mit Schnittstellen und Verwendung einer bankspezifischen Software.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wernz, J., Baumann, A.: Risikoadjustiertes Pricing, in: ForderungsPraktiker, 01-02 / 2013, S. 29 - 32
  • Gleißner, W.: Quantitative Verfahren im Risikomanagement: Risikoaggregation, Risikomaße und Performancemaße, in: Der Controlling-Berater, 16 / 2011a, S. 179 – 204; Download unter:http://www.werner-gleissner.de/site/publikationen/WernerGleissner-offiziell-Nr-992-Quantitative-Verfahren-im-Risikomanagement.pdf
  • Gleißner, W.: Risikoanalyse und Replikation für Unternehmensbewertung und wertorientierte Unternehmenssteuerung, in: WiSt, 7 / 2011b, S. 345 – 352
  • Hartmann-Wendels, Pfingsten, Weber: Bankbetriebslehre. Springer, 3. Auflage, Berlin 2004, ISBN 3-540-21227-2
  • Schierenbeck, Lister, Kirmße: Ertragsorientiertes Bankmanagement, Band 2: Risiko-Controlling und integrierte Rendite-/Risikosteuerung. Gabler, 9. Auflage, Wiesbaden 2008, ISBN 3-834-90447-3