Popkomm

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Die Popkomm war eine Fachmesse für Musik und Unterhaltung in Berlin. Bis 2003 fand die Popkomm in Köln statt.[1]

Die Popkomm ist eine internationale Handelsmesse der Musik- und Unterhaltungsbranche und zieht jährlich Tausende von Fachbesuchern aus aller Welt an. Sie setzt auf ein integriertes Veranstaltungskonzept aus Fachmesse, Kongress und Festival und wird von der Messe Berlin GmbH veranstaltet.

Geschichte[Bearbeiten]

Mitte der 1980er Jahre fanden in der Wuppertaler „Börse“ die ersten vom damaligen Leiter des „Rockbüro NRW“ in Wuppertal, Dieter Gorny, initiierten Musikmessen statt, damals noch ohne Veranstaltungstitel. 1989 wurde daraus die Popkomm in Düsseldorf im Kulturzentrum zakk im Rahmen des zweiten Rock-Pop-Kongresses der Kulturpolitischen Gesellschaft (Bonn) gegründet,[2] unter anderem auch von Gorny. Namensgeber war der Hamburger Journalist Rainer Jogschies. Damals war sie noch ein alternativer Insidertreff der Musikszene, aber bereits als Kommunikationsort für nationale Independents und Branche geplant. 1990 fand die Popkomm erstmals in Köln als internationale Branchenmesse statt. Im Jahr 2003 wurde die Popkomm an die Messe Berlin verkauft. In Köln wurde ab 2004 das Festival c/o pop als Reaktion auf die Abwanderung der Popkomm ins Leben gerufen. In Berlin entwickelte sich die Popkomm zu einer der drei größten internationalen B2B-Veranstaltungen der Musikindustrie, bis sie 2009 aufgrund sinkender Einnahmen verschoben wurde. Seit 2010 ist die Popkomm nun als Teil der Berlin Music Week zurück und fand in den letzten Jahren im ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof statt.

Messe[Bearbeiten]

Die Popkomm ist zu einer bedeutenden Veranstaltung der Branche geworden, von der wirtschaftliche und kulturpolitische Impulse ausgehen. Zahlreiche Labels, Majors und Independents, Händler, Verlage und musikaffine Unternehmen sind seit Jahren auf der Popkomm vertreten. Auf einer Ausstellungsfläche von 16.000 m² zählte die Popkomm 2006 insgesamt 817 Aussteller, davon 589 internationale Aussteller aus 55 Ländern, sowie über 15.000 Fachbesucher. Nach der Popkomm 2006 gaben 72 Prozent der Aussteller und 41 Prozent der Fachbesucher an, erfolgreich Geschäfte gemacht zu haben. Im Jahr 2008 fand die Popkomm vom 8. bis 10. Oktober 2008 statt. 2010 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Popkomm ein B2C-Bereich auf dem Marktplatz eingeführt, um den Endverbraucher mehr in die Veranstaltung miteinzubeziehen.

Absage 2009[Bearbeiten]

Am 19. Juni 2009 wurde die Messe überraschend abgesagt. Die Geschäftsführung der Popkomm GmbH begründete diesen Schritt mit geringen Gewinnerwartungen aufgrund schlechter Anmeldezahlen. Dieter Gorny, Gründer der PopKomm, nannte als Grund für die Absage den anhaltenden Diebstahl geistigen Eigentums im Internet sowie die damit verbundenen Umsatzausfälle der Branchenteilnehmer.[3] Dieser Ansicht wurde vom ehemaligen Deutschlandchef von Universal Music, Tim Renner, umgehend entschieden widersprochen. Das Konzept der Messe sei überholt, erläuterte Renner im Deutschlandfunk noch am selben Tag.[4] Die Messe funktioniere nicht mehr, weil sie als „Selbstdarstellungsfeier“ einer Branche diene, die „in der Tat wenig zu feiern hat, weil sie ihr Geschäftsmodell nicht mehr im Griff hat“ und verwies dabei auf die Versäumnisse, das Internet als zukünftigen Vertriebskanal zu erkennen.[5]

Von vielen wurde Gornys Messeabsage als Hilferuf der Branche an die Bundesregierung interpretiert, ähnliche Gesetze wie in Frankreich zu schaffen, in denen Internetnutzer ohne richterlichen Vorbehalt und Verfahren den Internetanschluss bei wiederholten Urheberrechtsverstößen für bis zu einem Jahr verboten bekommen könne (das sogenannte „Loi Hadopi“, siehe auch: Urheberrechtsverletzung).[6] Der Hamburger Journalist Rainer Jogschies, einst Renner-Kollege beim NDR und dem Magazin tango, kritisierte als Namensgeber der PopKomm und Mitverantwortlicher der Konzeption in einem Brief an Gorny die Absage – es sei bei der Einrichtung der Messe 1979 um die Kommunikation der independents mit der Branche gegangen – damals habe man auch „kein Geld“ gehabt und auch deshalb die Messe initiiert.[7] Sie nun aus Geldmangel abzusagen sei absurd und schade.

Kongress[Bearbeiten]

Auf dem Popkomm-Kongress werden aktuelle Themen der Branche diskutiert, Innovationen vorgestellt und Fachwissen von internationalen Branchenvertretern vermittelt. Der Kongress bietet den Fachbesuchern Vorträge und Beteiligung von Prominenten aus der Musikbranche: Kongressteilnehmer auf der Popkomm 2006 waren unter anderem Feargal Sharkey, ehemaliger Sänger der Undertones und Vorsitzender des britischen Live Music Forums, Gilberto Gil, Musiker und Kulturminister des Partnerlandes Brasilien sowie der Gründer des Montreux Jazz Festivals, Claude Nobs und Musikproduzent Lou Pearlman. Im Jahr 2007 widmete sich der Kongress in Diskussionsrunden, Vorträgen und Workshops den Themen, von denen angenommen wird, dass sie die Musikindustrie in Zukunft beschäftigen werden: „Digital“, „Live“, „Mobile-Entertainment“ und „Creative Industries“. Neben diesen Schwerpunktthemen bietet der Kongress Länderübersichten, so zum Beispiel im Jahr 2006 Japan, Brasilien und Russland. 2010 fand der Kongress all2gethernow ebenfalls im ehemaligen Flughafen Tempelhof statt.

Festival[Bearbeiten]

Neben der Geschäftsmesse und dem Fachkongress findet als dritte Säule der Popkomm jedes Jahr ein Festival statt. Die Popkomm 2006 brachte über 2.000 Musiker aus 26 Ländern auf die Bühne. Über 400 Auftritte sorgten dabei für mehr als 600 Stunden Live-Musik in 30 Berliner Clubs mit etwa 70.000 Besuchern. Auf diesem Popkomm-Festival traten u. a. Billy Talent, Chicks on Speed, Joy Denalane, Kaizers Orchestra, iForward Russia!, The Aggrolites, The Long Blondes, Sugarplum Fairy, Juliette and the Licks und Lunik auf. Dabei ist die Popkomm genreübergreifend: Alle Musikrichtungen sind willkommen. Im Jahr 2007 waren musikalische Festivalbewerbungen erstmals ausschließlich auf elektronischem Wege möglich. Hierzu kooperierte die Popkomm GmbH mit dem US-amerikanischen Online-Portal „Sonicbids“.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

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„Popkomm-IMEA“ steht für „Innovation in Music and Entertainment Awards“, Auszeichnungen für kreative Geschäftsideen in der Musikbranche. Dabei stehen junge Unternehmen im Mittelpunkt, die sich etwa in den Bereichen digitale Vermarktung von Musik oder Mobile-Unterhaltungselektronik mit kreativen Ideen hervorgehoben haben. Die Gewinner der Popkomm-IMEAs erhalten einen kostenlosen Stand inklusive Freiakkreditierungen auf der im Jahr darauf stattfindenden Popkomm, einen Wirtschaftsberatungsworkshop sowie besondere Berichterstattung der Popkomm-Medienpartner. Die Gewinner waren:

  • 2004: Play Louder (UK)
  • 2005: kSolo (USA)
  • 2006: Royalty Share (USA)
  • 2007: Trivid (Deutschland)[8]
  • 2008: Kyte (USA)

Popkomm Classics[Bearbeiten]

In der „Classic Lounge“ der Popkomm präsentieren sich Labels, Verbände, Verlage und Klassikmedien, um neue Perspektiven des Klassikmarktes zu präsentieren und um Begegnungen und Gespräche zu fördern. Klassik ist auch in den Kongressteil der Popkomm integriert; im Jahr 2006 ging es in den Foren um Schulungsprogramme und die Macht klassischer Musik. Auf dem Popkomm-Festival spiegelt sich klassische Musik insbesondere in der „Yellow Lounge“ wider, die in Kooperation mit dem Programm „Classics & Jazz“ der Firma Universal Music veranstaltet wird. 2006 feierte „ReComposed by Jimi Tenor“ in diesem Kontext seine Weltpremiere in der Deutschen Oper.

Veranstalter[Bearbeiten]

Veranstalterin der Popkomm ist seit 2004 die Popkomm GmbH, eine 100 %ige Tochter der Messe Berlin GmbH. Geschäftsführer der Popkomm GmbH ist Dr. Ralf Kleinhenz, die organisatorische Projektleitung als Direktorin hatte 2004-2007 Katja Bittner inne, 2008 übernahm Esther Piehl diese Aufgabe und seit 2009 Daniel Barkowski, der ehemalige Projektleiter der Jugendmesse YOU. Zum Kernteam der Popkomm gehört Tenday Mwase als Manager Exhibition.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Die Popkomm ist Mitglied des Kooperationsnetzwerkes der Berliner Musikwirtschaft Berlin Music Commission.[9]

Andere Musikmessen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Als Nachfolge-Veranstaltung der Popkomm in Köln gilt seit 2004 die c/o pop.
  2. Siehe dazu Rainer B. Jogschies (Hrsg.): Rock & Pop – Kritische Analysen und kulturpolitische Alternativen. II. Dokumentation der Düsseldorfer Tagung der Kulturpolitischen Gesellschaft, Verlag der Kulturpolitischen Gesellschaft Eigenverlag, Hagen 1990
  3. [1]
  4. [2]
  5. [3]
  6. [4]
  7. [5]
  8. [6]
  9. Website der Berlin Music Commission – Popkomm. Abgerufen am 15. Februar 2011 (deutsch).