Pouch

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pouch (Begriffsklärung) aufgeführt.

51.62222222222212.40277777777895Koordinaten: 51° 37′ 20″ N, 12° 24′ 10″ O

Pouch
Gemeinde Muldestausee
Wappen von Pouch
Höhe: 95 m
Fläche: 29,7 km²
Einwohner: 1680 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06774
Vorwahl: 03493
Dorfplatz

Pouch [Aussprache mit Dehnungs-u: pʰoːx bzw. Pohch] ist ein Ortsteil der Gemeinde Muldestausee im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten]

Pouch liegt zwischen Leipzig und Lutherstadt Wittenberg auf einer Halbinsel zwischen dem Muldestausee und dem Großen Goitzschesee.

Geschichte[Bearbeiten]

Pouch wurde in der zu Beginn des 11. Jahrhunderts verfassten Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg erstmals unter dem Jahr 981 als Pauc erwähnt [1]. 993 folgte die erste tatsächliche urkundliche Erwähnung. Pouch bildete mit seiner Burg an der Mulde im 10. Jahrhundert den Mittelpunkt eines Burgwards. Um 1070 gelangte der Ort an das Bistum Meißen.

1332 wurden die askanischen Herzöge von Sachsen-Wittenberg in Pouch belehnt. Im Jahre 1537 erkaufte der Graf Philipp zu Solms-Lich die Herrschaft Sonnewalde und das Rittergut Pouch von den Herzögen von Sachsen. Es blieb bis 1945 im Besitz der Familie Solms und spielte nicht selten, im Zusammenhang mit den Grafen zu Solms-Sonnenwalde, eine nicht zu unterschätzende Rolle innerhalb der herzoglich anhaltischen Familienpolitik, so z.B. im Zusammenhang mit der aus Anhalt verbannten Amalie von Anhalt-Dessau oder auch als Hochzeitsort zwischen den Solmsern und den Grafen von Pückler auf Schloss Muskau und Branitz in der Niederlausitz. 1422 gingen alle Lehensverhältnisse an die Wettiner über. 1528 erreichte die Reformation Pouch und der erste evangelische Gottesdienst wurde abgehalten. Um 1575 hatte Pouch 370 Einwohner und trug, für die damalige Zeit, den Charakter einer Stadt. Wie viele Gemeinden in der Umgebung wurde auch Pouch im Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1637 von schwedischen Truppen geplündert. Der Stadtcharakter ging durch den Krieg verloren.

Am 9. Oktober 1813 befand sich Generalfeldmarschall Blüchers Hauptquartier für einige Stunden im Ort.

Seit dem 1. Januar 2010 gehört die ehemals selbständige Gemeinde Pouch zur Einheitsgemeinde Muldestausee.[2] Die ehemalige Gemeinde gehörte der Verwaltungsgemeinschaft Muldestausee-Schmerzbach an.

Panorama der Goitzsche von Pouch aus gesehen


Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Pouch war Hans-Peter Fabig und wurde am 12. Juni 1994 gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Pouch

Das Wappen wurde am 9. Mai 2000 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 16/2000 registriert.

Blasonierung: „In Silber vom unteren Schildrand steigend drei langgestielte grüne Eichenblätter, vor dem mittleren – in gleicher Höhe – ein schwarz gefugtes rotes Stadttor mit zwei beknauften spitzbedachten Turmaufsätzen, vier Rundbogenfensteröffnungen (2:2) und einer Rundbogentoröffnung.“

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Jung gestaltet.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge von Pouch ist Rot mit je einem schmalen weißen Streifen an den Seiten (1:1:8:1:1; Hissflagge: Streifen von oben nach unten verlaufend). Das Wappen ist mittig auf die Flagge aufgelegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf der Halbinsel Pouch entstand zwischen 1989 und 2000 mit einer Fläche von 60 km² das weltweit größte Landschaftskunstprojekt. Der Landschaftspark Goitzsche ist Teil des Projektes Gartenträume Sachsen-Anhalt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Schloss, der „Rote Turm“ und die im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen erbaute Kirche mit einem spätgotischen vierflügeligen geschnitzten Hochaltar, dessen Altargemälde der Werkstatt des Wittenberger Malers und Reformators Lucas Cranach zugeschrieben werden, oder auch dem Hofmaler der Solms-Licher Schlossherren, Hans Döhring, sind historische Hinweise darauf, dass Pouch Verbindungen nicht nur in der Geschichte Anhalts, sondern auch im Königreich Sachsen und der Mark Brandenburg hatte. Das auf Schloss Pouch ansässige Geschlecht hatte direkte verwandtschaftliche Verbindungen zu den Herzögen von Anhalt-Bernburg und Anhalt Dessau, und diese lassen sich insbesondere in den Armeen von Sachsen-Anhalts Leopold I., „Der Alte Dessauer“, und von Brandenburgs/Preußens Friedrich dem Großen wiederfinden.

Musik[Bearbeiten]

In den Jahren 2007 und 2008 wurde das HipHop- und Reggae-Festival Splash! in Pouch veranstaltet, welches 2007 noch das größte in Europa war. Seit 2008 findet auch das Sputnik Springbreak Festival dort statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Eingang zur ehemaligen Bootfabrik

Das wichtigste und bekannteste Unternehmen in Pouch sind wohl die Poucher Boote GmbH. Das Unternehmen, welches 1953 gegründet wurde, war vor allem als Hersteller von Faltbooten bekannt. Der in der DDR sehr begehrte „Reise-Zweier“ RZ 85 wird bis heute hergestellt. Aber seit der Wiedervereinigung sind zu den klassischen Einer- und Zweier-Modellen auch vier neue Typen hinzugekommen.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Ort verlaufen zusammen die Bundesstraße 100 und die Bundesstraße 183 von Bitterfeld nach Wittenberg. Über die im Jahr 1976 fertiggestellte neue Muldebrücke führt der gesamte Fernverkehr der B 100 in Richtung Wittenberg, Bad Düben und die Dübener Heide.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Görlich: Bitterfelder Heimatblätter Heft 1 1000 Jahre Pouch - Ein Beitrag zur Jahrtausendfeier der Gemeinde Pouch, Kreismuseum Bitterfeld, 1981

Quellen[Bearbeiten]

  1. Thietmari Chron. Lib. III S. 117f.
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pouch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien