Profen

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Dieser Artikel beschreibt den Ortsteil der Gemeinde Elsteraue. Für das gleichnamige polnische Dorf siehe Mściwojów.

51.12555555555612.211388888889139Koordinaten: 51° 7′ 32″ N, 12° 12′ 41″ O

Profen
Gemeinde Elsteraue
Höhe: 139 m
Einwohner: 1200
Eingemeindung: 1. Juli 2003
Postleitzahl: 06729
Vorwahl: 034424

Profen ist eine Ortschaft der Gemeinde Elsteraue an der Weißen Elster im Burgenlandkreis. Sie liegt im Südzipfel des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, nahe den Grenzen zu Sachsen und Thüringen.

Markt und Kirche in Profen

Zu Profen gehören die Ortsteile Lützkewitz und Beersdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

1079 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung Profens. Im 12. Jahrhundert wurde durch die Mönche des Klosters Pegau der Elstermühlgraben angelegt.

Die Errichtung der Brikettfabrik Profen begann 1911, wodurch sich die bis dato landwirtschaftlich geprägte Ortschaft zur Bergarbeitergemeinde wandelte. Am 1. Juli 2003 wurde aus der bis dahin selbstständigen Gemeinde im Zusammenschluss mit Bornitz, Draschwitz, Göbitz, Könderitz, Langendorf, Rehmsdorf, Reuden, Spora und Tröglitz die Gemeinde Elsteraue gebildet.[1]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tagebau Profen[Bearbeiten]

1941 war der Aufschlussbeginn und 1944 der Beginn der Kohleförderung aus dem Oberflöz des Tagebaus Profen. 1951 begann die Kohleförderung aus dem Unterflöz. Zwischen 1951 und 1954 wurde die Predeler Kippe angelegt.

1971 war der Beginn der Aufschlussarbeiten am Baufeld Süd und 1972 die Inbetriebnahme der Abraumförderbrücke F 34 Nr. 26 im Baufeld Nord.

1979 begann das Einfahren der Abraumförderbrücke Nr. 16 und Kopplung an die Abraumförderbrücke 26. 1982 begann die Innenverkippung mit dem Neubau-Absetzer 1112. Ab 1985 wurde im Restloch Pirkau verkippt.

1990 wurde der Brückenverband angehalten und gesprengt. 1993 bis 1995 wurde der Kohle-Misch- und Stapelplatz errichtet. 1999 kam es zur Wiederaufnahme der Innenverkippung im Tagebau Profen. 2004 wurde im Baufeld Schwerzau der erste Abraum bewegt. Am 4. Mai 2004 erfolgte ein Baggertausch am Baufeld Schwerzau, die mit einer Aufsehen erregenden Überquerung von 3 Tagebaugroßgeräten über die Grüne Magistrale verbunden war.

Der Tagebau Profen wird mit seinen Baufeldern Schwerzau und Profen-Domsen voraussichtlich bis 2035 in Betrieb sein.

Geplantes Kohlekraftwerk Profen[Bearbeiten]

Seit 2006 plant die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) am Standort Profen den Bau eines neuen Braunkohlekraftwerks mit einer elektrischen Leistung von 660 Megawatt.[2][3][4] Es soll die alten MIBRAG-Kraftwerke in Deuben und Mumsdorf, welches bereits 2013 vom Netz gegangen ist, ersetzen.[5] Der Baubeginn ist für 2015, die Inbetriebnahme für 2019/20 geplant.[6] Voraussetzung für den Bau ist der Aufschluss eines neuen Tagebaus bei Lützen, der die Kohle zur Befeuerung des Kraftwerks liefern soll.[5]

Das Kraftwerk soll einen Brennstoffausnutzungsgrad von 43 Prozent haben und für die Kraft-Wärme-Kopplung, jedoch nicht für die CO2-Abscheidung (CCS) ausgelegt werden.[4] Die Investitionssumme von 1,3 Mrd. Euro kann die Mibrag nicht allein stemmen und sucht daher noch einen Investor.[6][7] Die Investorensuche gestaltet sich seit Jahren schwierig. Im März 2007 stieg der süddeutsche Energiekonzern EnBW Energie Baden-Württemberg aufgrund von Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen für Braunkohle aus dem Projekt aus. Auch die Möglichkeit zur Beteiligung für Stadtwerke ab Herbst 2008 fand nur wenig Zuspruch. Bisher haben lediglich die Stadtwerke Leipzig eine Kostenübernahme von zehn Prozent zugesagt.[2]

Das Kraftwerk Profen ist im regionalen Entwicklungsplan Halle und im Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalt verankert. Die MIBRAG bereitet sich nach eigenen Angaben auf das behördliche Genehmigungsverfahren vor. Erst wenn Rechtssicherheit und Wirtschaftlichkeit für das Kraftwerk gegeben seien, werde ein Investitions- und Baubeschluss gefasst. Die Bauzeit beträgt ca. fünf Jahre.[8]

Der Kraftwerksneubau ist Kritik von zivilgesellschaftlicher und politischer Seite ausgesetzt. So bemängeln Umweltverbände, dass das neue Kraftwerk eine sehr viel höhere Leistung als die dafür abgeschalteten Kraftwerke habe und daher aus Sicht des Klimaschutzes trotz effizienterer Technik eine Verschlechterung der Umweltsituation zur Folge habe.[9][2]. Der Landesverband Sachsen-Anhalt von Bündnis 90/Die Grünen hält das Kraftwerk in Profen für unnötig und klimaschädlich, da der Energiebedarf des Landes bereits gedeckt sei.[10]

Bürgerinitiativen kritisieren neben dem Kraftwerksneubau insbesondere den geplanten Aufschluss des Tagebaus Lützen, dem die Ortschaften Schweßwitz, Michlitz, Röcken, Sössen, Bothfeld, Gostau, Kölzen, Stößwitz und Ellerbach zum Opfer fallen würden. Insgesamt müssten 1000 Menschen umgesiedelt werden. Von dem Tagebau wäre auch kulturhistorisches Erbe – das Geburtshaus und das Grab von Friedrich Nietzsche in Röcken sowie die Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen – bedroht.[2]

Verkehr[Bearbeiten]

In Profen liegt ein Bahnhof der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella. Die Bundesstraße 2 führt durch Profen.

Sehenswürdigkeiten / Tourismus[Bearbeiten]

Der Ortskern von Profen besteht aus zahlreichen unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkbauten, die im Zuge der Dorferneuerung zum Teil ansehnlich saniert wurden. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die 1495 erbaute Kirche mit ihrem weit sichtbaren spätgotischen Turm. Sie war als Dekanatskirche in einem der ältesten Pfarrorte des Bistums Zeitz-Naumburg von Bedeutung, welches im Spätmittelalter Marktrecht besaß, und ist daher in Formgebung und Ausführung für eine Dorfkirche ungewöhnlich aufwendig.

Das 1875 errichtete Kriegerdenkmal im Ort wurde aus der ehemaligen Kursächsischen Postdistanzsäule des Pegauer Obertors gestaltet. An der alten Fernverkehrsstraße 2 (F 2) im Ortsteil Beersdorf kennzeichnen ein königlich-sächsischer Grenzübergangsstein und ein königlich-preußischer Halbmeilenstein (große Glocke) die ehemalige Grenze zwischen Sachsen und Preußen ab 1815, an gleicher Stelle verläuft heute die Ländergrenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Der Elster-Radweg führt durch Profen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Profen kam der Altphilologe Florian Lobeck (1816–1869) zur Welt.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Profen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  2. a b c d Kohlekraftwerk PROFEN. Abgerufen am 17. September 2014.
  3. NEIN zum geplanten Kohlekraftwerk und Tagebauaufschluss in Profen/Lützen. Webseite des BUND Leipzig. Abgerufen am 17. September 2014.
  4. a b Das Kraftwerksprojekt: Mehr Energie aus weniger Kohle. Webseite der MIBRAG. Abgerufen am 17. September 2014.
  5. a b Landesentwicklungsplan 2010 des Landes Sachsen-Anhalt, Z 136 X. Abgerufen am 17. September 2014.
  6. a b Uwe Freitag: Kohlegigant Mibrag plant neues Kraftwerk. In: Bild-Zeitung, 12. Oktober 2011. Abgerufen am 17. September 2014.
  7. Birger Zentner und Heike Riedel: Kraftwerk Buschhaus soll Absatz sichern. In: Mitteldeutsche Zeitung, 20. September 2013. Abgerufen am 17. September 2014.
  8. Fragen und Antworten. – Kraftwerksprojekt. Webseite der MIBRAG. Abgerufen am 17. September 2014.
  9. Das geplante Kraftwerk. – Infoseite MIBRAG. Webseite von Greenpeace Leipzig. Abgerufen am 17. September 2014.
  10. ZUKUNFT OHNE BRAUNKOHLE - Neues Kohlekraftwerk ist unnötig und klimaschädlich. Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt, 23. Januar 2012. Abgerufen am 17. September 2014.