Psychopharmakon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Psychopharmakon (von altgriech. ψυχή psychḗSeele‘ und φάρμακον pharmacon ‚Arzneimittel‘; Pl. Psychopharmaka) ist ein Arzneistoff (vgl. Medikament), der auf die Psyche des Menschen symptomatisch einwirkt und vorwiegend der Behandlung psychischer Störungen und neurologischer Krankheiten dient. Das Ziel ist dabei meist die Linderung der Symptome, nicht jedoch die Heilung chronischer psychischer Erkrankungen. Einige Psychopharmaka werden auch als Narkosemittel oder zur Behandlung von Krankheiten außerhalb des Fachgebietes der Psychiatrie eingesetzt.

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten]

Einigen psychischen Erkrankungen liegen Störungen des Neurotransmitterhaushalts (insbesondere Dysbalancen der Monoamine Dopamin, Noradrenalin und Serotonin) und – teils als deren Ursache, teils als deren Folge – neurophysiologische Veränderungen zugrunde (wie z. B. von der Dichte und der Sensibilität von Rezeptoren, sowie von intrazellulären Strukturen). Einige Psychopharmaka zielen darauf ab, den gestörten Neurotransmitterhaushalt auszugleichen, andere richten sich mehr auf die Neujustierung physiologischer Effektorstrukturen.

Einteilung[Bearbeiten]

Anwendung und Rechtliches[Bearbeiten]

Im Abschlussbericht der Bund-Länder Arbeitsgruppe „Betreuungsrecht“[1] zur 74. Konferenz der Justizministerinnen und -minister im Juni 2003 werden Psychopharmaka benannt, die wegen stark schädigender Nebenwirkungen (Parkinsonoid und Spätdyskinesien) bei Behandlung von Betreuten als durch das Betreuungssgericht genehmigungsbedürftig eingestuft werden.

Psychopharmaka sind häufig verordnete Arzneimittel. Nach einer Statistik der Betriebskrankenkassen aus dem Jahr 2009 hat sich die Zahl der Verordnungen von Psychopharmaka in drei Jahren verdoppelt.[2] Laut einer neuen Studie der Universität Witten/Herdecke verordnen Psychiater und Neurologen Patienten in Pflegeheimen bezogen auf Menge und Dosierung doppelt bis viermal so viele Psychopharmaka wie Allgemeinmediziner.[3] Diese Häufigkeit der Verordnung von Psychopharmaka wird von einigen Fachvertretern kritisiert.[4] Bei einigen psychischen Störungen werden von den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften neben der medikamentösen Behandlung weitere Therapien (z.B. Psychotherapie) ergänzend empfohlen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einführungen

  • Benkert, Hippius: „Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie“, Springer-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-642-13043-4
  • Greve, Osterfeld, Diekmann: Umgang mit Psychopharmaka – Ein Patienten-Ratgeber, BALANCE buch+medien verlag, Bonn 2007, ISBN 978-3-86739-002-6
  • Finzen, Asmus: Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen – Einführung in die Therapie mit Psychopharmaka. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2004, (14. Aufl.). ISBN 3-88414-372-7
  • Burkhardt-Neumann, Carola: Wegweiser Psychopharmaka. Wirkstoffe für die Seele, ZENIT Verlag, München 2005, ISBN 978-3-928316-23-1

Unerwünschte Wirkungen

  • F. L. Tornatore, J. J. Sramek, B. L. Okeya, E. H. Pi: Unerwünschte Wirkungen von Psychopharmaka, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 1991, ISBN 3-13-754601-X

Kritische Betrachtung der Verordnungspraxis

  • Krause-Girth. Cornelia: Schein-Lösungen. Psychiatrie-Verlag. Bonn 1989. ISBN 3-88414-099-X

Geschichte

  • Bangen, Hans, Geschichte der medikamentösen Therapie der Schizophrenie, Berlin 1992. ISBN 3-927408-82-4
  • Hall, Frank, Psychopharmaka – ihre Entwicklung und klinische Erprobung: zur Geschichte der deutschen Pharmakopsychiatrie von 1844–1952, Hamburg: Kovac, 1997
  • Healy, David, The Antidepressant Era, Harvard University Press, 3. Auflage 2000
  • Johannes Pantel, Gisela Bockenheimer-Lucius, Ingwer Ebsen, Ruth Müller, Peter Hustedt und Alexander Diehm: Psychopharmakaversorgung im Altenpflegeheim: eine interdisziplinäre Studie unter Berücksichtigung medizinischer, ethischer und juristischer Aspekte. Frankfurt am Main, Lang. 2006. Reihe: Frankfurter Schriften zur Gesundheitspolitik und zum Gesundheitsrecht. ISBN 3-631-55095-2.
  • H.-U. Melchert: Einnahme von Psychopharmaka in: Die Gesundheit der Deutschen – Ein Ost-West-Vergleich von Gesundheitsdaten, Hrsg. H. Hoffmeister , B. Bellach, RKI-Hefte 7/95, Robert Koch-Institut, Berlin 1995, ISBN 3-89606-008-2

Nachschlagewerke für Synonyme, INN und systematische Stoffnamen

  • Walter Pöldinger, François Wider: Index Psychopharmacorum (Englisch – Deutsch – Französisch – Italienisch – Spanisch), Hans Huber Verlag 1990, Bern/Stuttgart/Toronto, ISBN 3-456-81770-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abschlussbericht der Bund-Länder Arbeitsgruppe „Betreuungsrecht“ (PDF-Datei; 884 kB)
  2. sueddeutsche.de: Arbeit in Zeiten der Wirtschaftskrise − Angst ist unproduktiv. 6. Januar 2009.
  3. Der Hausarzt, 10/2010, S. 21
  4. Asmus Finzen & H. J. Haug u. a: Hilfe wider Willen. Zwangsmedikation im psychiatrischen Alltag. Psychiatrie Verlag: Bonn 1993

Weblinks[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!