R. J. Reynolds Tobacco Company

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R. J. Reynolds Tobacco Company
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Sitz Winston-Salem, Vereinigte Staaten
Branche Tabak
Website Rjrt.com

R. J. Reynolds Tobacco Company (RJR), in Besitz des Holdingunternehmens Reynolds American, ist hinter der Altria Group der zweitgrößte Produzent von Tabakwaren in den Vereinigten Staaten mit Sitz in Winston-Salem, North Carolina. Die Firma wurde 1874 von Richard Joshua Reynolds gegründet.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

1987 entbrannte ein Wettstreit zwischen verschiedenen Beteiligungsgesellschaften um die Übernahme der RJR Nabisco Inc. 1988 übernahm schließlich Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) RJR Nabisco für 31,4 Milliarden USD. Diese Übernahme wurde in verschiedenen Artikeln des Wall Street Journal durch Bryan Burrough und John Helyar dokumentiert, die später als Basis des Bestsellers Barbarians at the Gate: The Fall of RJR Nabisco und des für einen Fernsehsender produzierten Films Barbarians at the Gate verwendet wurden. Infolgedessen zahlte RJR Nabisco dem Geschäftsführer F. Ross Johnson aufgrund einer Goldenen Fallschirm-Klausel 53.800.000 USD; Diese Auszahlung war der bis dato größte Goldene Fallschirm in der Geschichte.

1998 war die Firma Teil des Master Settlement Agreement.

Im Oktober des Jahres 2002 beschuldigte die Europäische Union R. J. Reynolds des Verkaufs von Schwarzmarkt-Zigaretten an Drogenhändler und Bandenmitglieder aus Italien, Russland, Kolumbien und der Balkanhalbinsel.

Am 30. Juli 2004 fusionierte R. J. Reynolds mit der amerikanischen Sparte der British American Tobacco unter dem Namen Brown & Williamson. Ein neuer Mutterkonzern mit dem Namen Reynolds American wurde als Teil des Vorgangs gegründet.

Das Unternehmen war von 1972 bis 2003 Namenssponsor der NHRA-Dragster und NASCAR Winston Cup Series.

Im Jahre 1987 ließ RJR das Maskottchen Joe Camel der Zigarettenmarke Camel wieder aufleben. Joe Camel, ein anthropomorphes Cartoon-Kamel, wurde von Kritikern als Versuch gesehen, das Interesse bei Kindern und Jugendlichen für das Rauchen zu erwecken. R. J. Reynolds behauptete, dass Joe Camels „lieblicher Charakter“ lediglich einen Anreiz für erwachsene Raucher darstellen sollte.

Diese Kritik wurde 1991 durch eine Studie des Journal of the American Medical Association bekräftigt, die zeigte, dass mehr fünf- und sechsjährige Kinder Joe Camel kannten als Micky Maus oder Fred Feuerstein. Ferner wurde angeführt, dass diese Marketing-Kampagne auf Kinder abzielte, auch wenn R. J. Reynolds weiter behauptete, dass diese Kampagne lediglich an Raucher anderer Marken gerichtet war. Als Antwort auf diese Kritik rief RJR die Kampagne „Let's Clear the Air on Smoking“ ins Leben; hierbei handelte es sich um ganzseitige, großbuchstabige Anzeigen, welche die Anschuldigungen abstritten und das Rauchen als „adult custom“ (dt. etwa: "Brauch/Sitte Erwachsener) bezeichnete.

1999 wurde das Auslandsgeschäft von Japan Tobacco übernommen und diese in der JT International mit Sitz in der Schweiz zusammengefasst. Alle Marken von R. J. Reynolds, wie Camel, außerhalb der USA gehören damit ebenfalls zu diesem japanischen Tabakkonzern.

Am 18. Juli 2014 verurteilte ein Geschworenengericht in Pensacola (Florida) Reynolds zu einer Schadenersatzzahlung von 16 Millionen Dollar an die Witwe eines 1996 an Lungenkrebs gestorbenen langjährigen starken Rauchers sowie zu einer Strafzahlung von 23,6 Milliarden Dollar, da der Tabakkonzern es absichtlich unterlassen habe, diesen darüber aufzuklären, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht und Nikotin hochgradig süchtig macht, obwohl diese Wirkung dem Unternehmen bekannt war. Reynolds bezeichnete die Höhe der Strafe als maßlos überzogen und kündigte an, das Urteil anfechten zu wollen.[1][2][3]

Marken[Bearbeiten]

R. J. Reynolds Marken sind unter anderem Camel, Kool, Winston, Salem, Doral, Natural American Spirit, Eclipse und Export A. Weitere, nicht mehr in größerem Maße beworbene Marken sind zum Beispiel Barclay, Belair, Capri, Carlton, GPC, Misty, Monarch, More, Now, Tareyton, Vantage und Viceroy. Fünf der firmeneigenen Marken befinden sich unter den zehn bestverkauften Zigarettenmarken in den Vereinigten Staaten, und man schätzt, dass eine von drei der im Lande verkauften Zigaretten von R. J. Reynolds oder einem Tochterunternehmen stammen.

Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Der Hauptsitz des Unternehmens liegt im Reynolds Building in Winston-Salem. Das 1929 gebaute, 20-stöckige Gebäude war der erste Wolkenkratzer des Südens und wurde vom selben Architekten erdacht, welcher später das Empire State Building in New York City entwarf.
  • R. J. Reynolds größte Fabrikanlage mit dem Namen Tobaccoville, ein 190.000 m² großes, 1986 bebautes Areal, liegt in der Stadt Tobaccoville, North Carolina, in der Nähe von Winston-Salem.
  • Das direkt in Winston-Salem gelegene Whitaker Park-Fabrikgelände wurde 1961 erbaut und umfasst ein Gebiet von 90.000 m².
  • Macon manufacturing – 1974 gebaut und 130.000 m² groß – liegt in Macon, Georgia.
  • Weiterhin unterhält das Unternehmen arbeitsteilige Tabakblatt-Fertigungsstätten in Chester, Virginia und Winston-Salem, Lagereinrichtungen in Blacksburg, South Carolina und Richmond, Virginia. Von Bedeutung ist zudem die Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtung in Winston-Salem.

Sonstiges[Bearbeiten]

Insgesamt beschäftigt R. J. Reynolds etwa 6800 Angestellte.

R. J. Reynolds unterhält weiter das Tochterunternehmen Reynolds Tobacco Foreign Sales Corporation[4] auf den Britischen Jungferninseln, da diese als Steueroase gelten.

2005 eröffnete R. J. Reynolds die Marshall McGearty Lounge in Wicker Park, Chicago, Illinois. Das Unternehmen erhebt den Anspruch darauf, dass die Marshall McGearty Lounge die erste auf handgefertigte (nicht handgerollte) spezialisierte Zigaretten-Lounge des Landes ist.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Will Isern: Jury hits tobacco company R.J. Reynolds with $23B verdict (en). In: USA Today, Gannett. Abgerufen am 22. Juli 2014. 
  2. Tabakkonzern soll 23 Milliarden Dollar an Witwe zahlen (de). In: Süddeutsche Zeitung, Süddeutscher Verlag. Abgerufen am 22. Juli 2014. 
  3. Camel-Hersteller soll Raucher-Witwe 23 Milliarden Dollar zahlen (de), Frankfurter Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 22. Juli 2014. 
  4. R. J. Reynolds Tobacco Foreign Sales Corporation