Rainer von Österreich (1783–1853)

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Erzherzog Rainer – unbekannter Künstler um 1840
Rainer Joseph Johann von Österreich, Lithographie von Josef Kriehuber, 1834

Rainer Joseph Johann Michael Franz Hieronymus von Österreich (* 30. September 1783 in Pisa; † 16. Januar 1853 in Bozen) aus dem Haus Habsburg-Lothringen war ein Erzherzog von Österreich und Vizekönig von Lombardo-Venetien.

Leben[Bearbeiten]

Rainer war der neunte Sohn von insgesamt 16 Kindern des römisch-deutschen Kaiser Leopold II. (1747–1792) und seiner Frau Infantin Maria Ludovica (1745–1792), fünfte Tochter von König Karl III. von Spanien und Prinzessin Maria Amalia von Sachsen. Nach dem frühen Tod seiner Eltern übernahm sein älterer Bruder Kaiser Franz II. die Aufsicht über seine Erziehung, wobei besonderes Augenmerk auf Militär- und Staatswissenschaften gelegt wurde. Im kaiserlichen Militärdienst erreichte er den Rang eines Feldzeugmeisters.[1]

Im Jahr 1818 wurde Rainer als Nachfolger des Erzherzogs Anton Viktor von seinem Bruder zum Vizekönig Lombardo-Venetiens berufen, ein Amt, das er bis zur Revolution 1848 innehatte. Die eigentliche Regierungsgewalt blieb beim österreichisch-metternichschen Regierungssystem und Rainers Aufgaben beschränkten sich vielfach auf repräsentative Tätigkeiten. Sein informeller Einfluss verhinderte allerdings, dass die überhöhten Steuern, die die Landbevölkerung in Armut und Auswanderung trieben, trotz der Zusage seines Bruders aus dem Jahr 1818, und - nach Hungerkatastrophen - 1833 neuerlichen Diskussionen, erst nach seiner Amtszeit durch Daniele Manin abgeschafft wurden. Rainer war der Überzeugung, es sei Aufgabe der Regierung, die moralischen Mängel der Venezianer zu korrigieren.[2]

Zu Beginn seiner Regierung fand er ein wirtschaftlich darniederliegendes Land vor, welches sich durch Belebung des Handels, Venedig erhielt den Status eines Freihafens, und Ausbau der Infrastruktur besserte.[3] Rainer legte den Grundstein für die Eisenbahnlinie Venedig-Mailand und unterhielt als passionierter Botaniker in seiner Sommerresidenz Monza einen botanischen Garten.

Nach 1848 kehrte er nicht mehr nach Lombardo-Venetien zurück und legte alle politischen Ämter nieder. Er lebte von da an, sich weiterhin der Natur- und Pflanzenkunde widmend, als Privatmann in Bozen, wo er auch starb und beigesetzt wurde.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten]

Maria Elisabeth von Savoyen-Carignan
Grabstätte von Erzherzog Rainer in der Stadtpfarrkirche von Bozen (Sebastian Altmann 1864)

Am 28. Mai 1820 heiratete Erzherzog Rainer in Prag Maria Elisabeth (1800–1856), Tochter des Prinzen Karl Emanuel von Savoyen-Carignan. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor:

  • Maria (1821–1844), Sternkreuzordensdame
  • Adelheid (1822–1855)
∞ 1852 König Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont (1820–1878)
  • Leopold (1823–1898), Feldmarschalleutnant[4]
  • Ernst (1824–1899), Feldmarschalleutnant[5]
∞ 1858 (morganatisch) Laura Skublics de Velike et Bessenyö (1826–1865)
∞ 1852 Erzherzogin Marie Karoline von Österreich-Teschen (1825–1915)
∞ 1868 (morganatisch) Leopoldine Hofmann, “Freifrau von Waideck” (1842–1891)
  • Maximilian (1830–1839)

Titel und Ehren[Bearbeiten]

  • Kaiserlicher Prinz und Erzherzog von Österreich
  • Königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen
  • Prinz von Toskana
  • 1805 Orden vom Goldenen Vlies

Siehe auch[Bearbeiten]

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Rainer von Österreich
Ururgroßeltern

Herzog
Karl V. Leopold (1643–1690)
∞ 1678
Eleonore von Österreich (1653–1697)

Philipp I. von Bourbon (1640–1701)
∞ 1671
Elisabeth von der Pfalz (1652–1722)

Kaiser
Leopold I. (1640–1705)
∞ 1676
Eleonore Magdalene von der Pfalz (1655–1720)

Herzog
Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671–1735)
∞ 1690
Christine Luise von Oettingen (1671–1747)

Ludwig von Frankreich (1661–1711)
∞ 1680
Maria Anna von Bayern (1660–1690)

Odoardo II. Farnese (1666–1693)
∞ 1690
Dorothea Sophie von der Pfalz (1670–1748)

König
August II. (1670–1733)
∞ 1693
Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth (1671-1727)

Kaiser
Joseph I. (1678-1711)
∞ 1699
Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg (1673-1742)

Urgroßeltern

Herzog Leopold Joseph von Lothringen (1679-1729)
∞ 1698
Élisabeth Charlotte de Bourbon-Orléans (1676-1744)

Kaiser Karl VI. (1685-1740)
∞ 1708
Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1691-1750)

König Philipp V. (1683-1746)
∞ 1714
Elisabetta Farnese (1692-1766)

König August III. (1696-1763)
∞ 1719
Maria Josepha von Österreich (1699–1757)

Großeltern

Kaiser Franz I. Stephan (1708-1765)
∞ 1736
Maria Theresia (1717-1780)

König Karl III. (1716-1788)
∞ 1738
Maria Amalia von Sachsen (1724-1760)

Eltern

Kaiser Leopold II. (1747-1792)
∞ 1765
Maria Ludovica von Spanien (1745-1792)

Rainer von Österreich

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rainer von Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hof- und Staats-Handbuch des Kaiserthumes Österreich, 1868, S. 7 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  2. David Laven: Venice and Venetia under the Habsburgs, 1815-1835, Oxford University Press 2002, S. 117.
  3. Arne Karsten: Kleine Geschichte Venedigs. C. H. Beck, München 2008, S. 235.
  4. Oscar Criste: Leopold, Erzherzog von Oesterreich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 51, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 655–657.
  5. a b c Treffen dreier Brüder an Erzherzog Rainers Sommersitz, Baden bei Wien, Locales. Hofnachrichten. In der Villa Rainer …. In: Badener Bezirks-Blatt, 8. September 1883, S. 5 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb