RoHS-Richtlinien

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Flagge der Europäischen Union
Basisdaten der
Richtlinie 2011/65/EU
Titel: EU Richtlinie 2011/65/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2011 zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten
Kurztitel:
(nicht amtlich)
RoHS 2
Rechtsnatur: Richtlinie
Geltungsbereich: Europäische Union
Rechtsmaterie: Umweltrecht, Chemikalienrecht
Veröffentlichung: 1. Juli 2011
Inkrafttreten: 3. Januar 2013
Verabschiedung: 8. Juni 2011
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!
Flagge der Europäischen Union
Basisdaten der
Richtlinie 2002/95/EG
Titel: EU Richtlinie 2002/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 2003 zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (veraltet)
Kurztitel:
(nicht amtlich)
RoHS 1
Rechtsnatur: Richtlinie
Geltungsbereich: Europäische Union
Rechtsmaterie: Umweltrecht, Chemikalienrecht
Veröffentlichung: 27. Januar 2003
Inkrafttreten: 1. Juli 2006
In nationales Recht
umzusetzen bis:
13. August 2004
Umgesetzt durch: ElektroStoffV (Deutschland)
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!

Die EG-Richtlinien 2011/65/EU und deren Vorläufer 2002/95/EG dienen der Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten und regeln die Verwendung und in Verkehr bringen von Gefahrstoffen in Geräten und elektronischen Bauelementen.

Im deutschen Sprachraum werden diese Richtlinien umgangssprachlich mit RoHS abgekürzt. Die Bedeutung der Abkürzung stammt aus dem englischen Sprachraum und bedeutet englisch Restriction of Hazardous Substances, deutsch: „Beschränkung (der Verwendung bestimmter) gefährlicher Stoffe“.

Die veraltete EG-Richtlinie 2002/95/EG (RoHS 1) ist durch die am 3. Januar 2013 in Kraft getretene 2011/65/EU (RoHS 2) abgelöst worden.

Ziel[Bearbeiten]

Das Ziel ist dabei problematische Bestandteile aus dem Elektronikschrott zu verbannen. Dazu gehört unter anderem, verbleite Verlötungen elektronischer Bauteile durch unverbleite Lötungen zu ersetzen, in der Umwelt problematische Flammhemmer in der Kabelisolation zu verbieten, sowie die Einführung entsprechender möglichst gleichwertiger Ersatzprodukte zu verstärken. Des Weiteren müssen auch die verwendeten elektrischen Bauelemente und Komponenten selbst frei von den problematischen Stoffen sein.

Dies hat direkte Auswirkung auf beteiligte Firmen wie Importeure, Einzelunternehmen, auch kleine Hardwarefirmen, oder Geschäfte und Handelsketten und demzufolge in letzter Konsequenz auch für den Verbraucher.

Substanzen und Grenzwerte[Bearbeiten]

Einige der in der Elektrotechnik verwendeten Substanzen gelten als umweltgefährdend. Zum einem wirken sie ab bestimmten Mengen toxisch, zum anderen können sie von der Umwelt nicht oder nur schlecht abgebaut werden. Aus diesem Grund soll durch die RoHS der Eintrag dieser Substanzen in die Umwelt minimiert werden. Hiervon betroffen sind im Besonderen:

  1. Blei (Pb), 0,1 % - Einsatz unter anderem bei Lötverbindungen
  2. Quecksilber (Hg), 0,1 % - Einsatz unter anderem bei Neigungsschaltern, Quecksilberdampfgleichrichtern
  3. Cadmium (Cd), 0,01 % - Einsatz unter anderem bei Nickel-Cadmium-Akkumulatoren
  4. sechswertiges Chrom (Cr+6), 0,1 % - Verwendung unter anderem als Bestandteil von Farben und Lacken, Holzschutzmittel.
  5. Polybromierte Biphenyle (PBB), 0,1 % - Flammschutzmittel in Kunststoffisolationen
  6. Polybromierte Diphenylether (PBDE), 0,1 % - Flammschutzmittel in Kunststoffisolationen

Die Prozentangaben stellen nach Anhang II der 2011/65/EU (RoHS 2) die maximal zulässige Höchstkonzentrationen in homogenen Werkstoffen in Gewichtsprozent dar. In der vorherigen und inzwischen abgelösten Richtlinie 2002/95/EG (RoHS, Artikel 4, Abs. 1) waren keine Grenzwerte definiert. Aus diesem Grunde durften nach der ursprünglichen Richtlinie diese Substanzen prinzipiell nicht in Produkten enthalten sein. Dieses nicht praktikable und absolute Inhaltsverbot wurde bereits mit 2005/618/EC, zum 1. Juli 2006 mit herstellungstechnisch realisierbaren als auch messtechnisch nachprüfbaren Grenzwerten ersetzt.[1]

Gemäß Artikel 6 der 2011/65/EU (RoHS 2) behält sich die Richtlinie auch die Einführung oder Änderung von Grenzwerten für bereits durch die Verordnung reglementrierte oder bisher noch nicht durch die Verordnung reglementierte Substanzen vor.

Weitere Überprüfungen sollen nach Artikel 6, Abs. 1 regelmäßig erfolgen. Es wird jedoch in der Verordnung hierzu kein Folgedatum oder ein Rhythmus benannt. Eine Überprüfung der bisherigen Grenzwerte und reglementierten Stoffe ist jedoch nach Artikel 6, Abs. 1 auch möglich, wenn hierzu ein Vorschlag durch einen Mitgliedstaat mit den Angaben nach Artikel 6, Abs. 2 gemacht wird.

Gemäß Artikel 4, Absatz 3 behält sich die Richtlinie 2002/95/EG auch ein Verbot weiterer Substanzen vor, wenn neue wissenschaftliche Studien auf eine Gesundheits- und/oder Umweltgefährdung dieser Substanzen hinweisen. Für eine derartige Änderung ist eine Entscheidung (EG) der Kommission notwendig.

Umsetzung[Bearbeiten]

Die Umsetzung von RoHS erfordert eine Umstellung von vielen weit verbreiteten Produktionsverfahren. Als problematisch wird dabei häufig die Verwendung von bleifreiem Lötzinn gesehen. Als Ersatz der bleihaltigen Legierungen kommen in nicht sicherheitskritischen Anwendungen unter anderem Zinn-Silber, Zinn-Kupfer und Zinn-Bismut zum Einsatz, welche im Regelfall eine Qualitätsverschlechterung der Lötverbindung oder eine Kostensteigerung darstellen. Da Erfahrungswerte über die Langzeitzuverlässigkeit der neuen Lötlegierungen noch nicht vorliegen und Ausfälle zufolge defekter Lötstellen in sicherheitsrelevanten Bereichen, wie beispielsweise bei Autos, in der Luftfahrt und der Medizin sowie beim Militär zu schwerwiegenden Problemen führen könnten, gibt es eine Reihe von Ausnahmen bei dem Einsatz von bleifreiem Lötzinn. Weiters sind bei Reparaturen von Menschenhand die Eigenschaften des bleifreien Lötzinns problematisch. Daher dürfen solche Arbeiten weiterhin mit bleihaltigem Lötzinn ausgeführt werden.

Die RoHS wird daher mit fortschreitenden Erfahrungswerten fortgeschrieben werden. So wurden die Ausnahmeregeln für die Medizin durch die Richtlinie 2011/65/EU der Europäischen Union inzwischen zeitlich befristet. Medizinische Geräte, die ab dem 22. Juli 2014 und In-vitro-Diagnostika, die ab dem 22. Juli 2016 in den Verkehr gebracht werden, müssen nun ebenfalls die RoHS-Richtlinie erfüllen.

Diese Richtlinie gilt zudem für industrielle Überwachungs- und Kontrollinstrumente, die ab dem 22. Juli 2017 in den Verkehr gebracht werden.

Ausnahmen[Bearbeiten]

Es gibt sowohl einige zeitlich befristete als auch zeitlich unbefristete Ausnahmeregelungen. Die genaue Liste der Ausnahmen ist unter Artikel 4 und im Anhang IV der Richtlinie 2011/65/EU nachzulesen.

Allerdings gilt es hierbei zu beachten, dass sich die Ausnahmegenehmigungen ändern können. Zum einen werden die bestehenden Regelungen gemäß Artikel 6 regelmäßig neu bewertet, erstmals erfolgte dies am 22. Juli 2014. Zum anderen ist es nach Artikel 5 Abs. 3 möglich, Anträge zur Erneuerung als auch zum Widerruf von Ausnahmegenehmigungen gemäß Anhang V zu stellen.

Beispielhafte und nicht vollständige Auflistung von einigen konkreten Ausnahmen:

  1. Quecksilber in Kompaktleuchtstofflampen in einer Höchstmenge von 5 mg je Lampe. (Ab 2012 3,5 mg, ab 2013 2,5 mg.[2])
  2. Blei im Glas von Kathodenstrahlröhren, elektronischen Bauteilen und Leuchtstoffröhren.
  3. Blei als Legierungselement in Stahl mit einem Bleianteil von bis zu 0,35 Gewichtsprozent, in Aluminium mit einem Bleianteil von bis zu 0,4 Gewichtsprozent und in Kupferlegierungen mit einem Bleianteil von bis zu 4 Gewichtsprozent.
  4. Blei in hochschmelzenden Loten (d. h. Lötlegierungen auf Bleibasis mit einem Massenanteil von mindestens 85 % Blei),
  5. Sechswertiges Chrom als Korrosionsschutzmittel des Kohlenstoffstahl-Kühlsystems in Absorptionskühlschränken.
  6. Blei in Bleibronze-Lagerschalen und -buchsen.
  7. Blei in Einpresssteckverbindern mit flexibler Zone.
  8. Blei in Starterbatterien für Kraftfahrzeuge.

Gesetzliche Regelungen[Bearbeiten]

Die EU-Richtlinie wurde am 27. Januar 2003 verabschiedet. Bis Ende 2004 sollte die Umsetzung in nationales Recht bei den EU-Mitgliedsstaaten erfolgt sein. Die Situation in den einzelnen Ländern ist jedoch unterschiedlich.

In Deutschland trat am 13. August 2005 das Elektro- und Elektronikgerätegesetz in Kraft, das neben der RoHS auch die EU-Direktive WEEE (Reduktion und Entsorgung von Elektronikschrott) in deutsches Recht umsetzte. Die Übergangsfrist für die betroffenen Hersteller und Branchen lief bis zum 1. Juli 2006.

In Österreich ist die Umsetzung der RoHS und WEEE in der Elektroaltgeräteverordnung geregelt, die am 30. April 2005 in Kraft trat.

Vergleichbare Regelungen in Staaten außerhalb der EU[Bearbeiten]

Die Schweiz zog mit dem Erlass der ChemRRV (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung) nach.[3]

Auch in Ländern wie Japan und USA sind ähnliche Verordnungen im Gespräch, in der Umsetzung oder bereits in Kraft.[4]

In der Volksrepublik China trat am 1. März 2007 die „China RoHS“ (Management Methods for Controlling Pollution Caused by Electronic Information Products Regulation) in Kraft. Auf die Industrie kommt damit ein breites Regelwerk mit Stoffverboten, Zertifizierungen und/oder Zollkontrollen sowie Kennzeichnungspflichten zu. Der Geltungsbereich dieser Richtlinie bezieht sich zunächst auf dieselben sechs Stoffklassen der RoHS-Richtlinie. Zudem gibt es noch Vorgaben zur Energieeffizienz, einfachem Recycling und Umweltverträglichkeit. Überdies muss auch die Verpackung umweltverträglich sein und die Materialien sind zu benennen.

Norwegen hat unter dem Namen PoHS einen Entwurf für eine Richtlinie vorgestellt, die insgesamt 18 Substanzen in Konsumgütern verbieten soll. Dabei überschneidet sich die PoHS mit der RoHS nur in zwei Substanzen: Cadmium und Blei. Die PoHS Richtlinie wurde mittlerweile wegen vehementen Einspruches der EU gestoppt.

Südkorea hat am 27. April 2007 ein allgemein als Korea-RoHS bezeichnetes Gesetz verabschiedet, das am 1. August 2008 in Kraft getreten ist. Der korrekte Titel lautet „Act for Resource of Electrical and Electronic Equipment and Vehicles“. In diesem Gesetz werden weitgehend die EU Richtlinien RoHS, WEEE und ELV (Altfahrzeugrichtlinie) übernommen. Eine Kennzeichnung der Produkte wie bei der ChinaRoHS ist nicht vorgesehen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 18. August 2005 zur Änderung des Anhangs der Richtlinie 2002/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zwecks Festlegung von Konzentrationshöchstwerten für bestimmte gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten
  2. Richtlinie 2011/65/EU. In: Amtsblatt der Europäischen Union. 1. Juli 2011, S. 14, abgerufen am 30. Oktober 2012 (PDF-Datei).
  3. Verordnung zur Reduktion von Risiken beim Umgang mit bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitungen und Gegenständen (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, ChemRRV)
  4. Prominentes Beispiel ist die kalifornische Proposition 65 (The Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986).
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