Riesenslalom

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Riesenslalomfahrer an einem Tor

Der Riesenslalom (in Österreich meist als Riesentorlauf, RTL, bezeichnet) ist eine Disziplin im alpinen Skisport und im Grasskilauf. Die zu umfahrenden Tore sind so gesetzt, dass ständig Richtungswechsel erfolgen. Im Gegensatz zum Slalom ist allerdings noch ein flüssiger, gleitender Rhythmus möglich. Ein Wettkampf besteht aus zwei Läufen, deren Zeiten addiert werden.

Unterschiede zwischen Slalom und Riesenslalom[Bearbeiten]

Riesenslalomfahrer sind schneller unterwegs als Slalomfahrer, weil ein Riesenslalom-Kurs weniger Tore aufweist, die in einem größeren Abstand zueinander stehen als im Slalom. Dies erfordert bedeutend weniger Schwünge, wodurch die Rennläufer mehr beschleunigen können. Allerdings ist die Strecke länger als bei Slaloms, so dass die Bestzeiten eines Durchgangs bei 80 Sekunden liegen. Riesenslalom-Tore bestehen aus zwei Doppel-Stangen, die durch einen breiten Kunststoffstreifen miteinander verbunden sind, während Slalomtore nur aus zwei einzelnen gleichfarbigen Stangen (blau oder rot) bestehen.

Im Slalom sind die Schwünge deutlich kürzer, wodurch die Rennläufer in einer engeren und direkten Falllinie unterwegs sind. Die Rennläufer kommen dadurch viel näher an die Stangen heran, weshalb sie diese mit den Händen wegschlagen müssen, um den Schwerpunkt möglichst nahe an der Falllinie zu halten. Im Gegensatz dazu ist die Falllinie im Riesenslalom weniger direkt, und die Tore stehen bedeutend weiter auseinander. Dadurch kommen die Fahrer weniger mit den Toren in Berührung und stoßen diese bei Bedarf mit der inneren Schulter weg anstatt mit der Hand.

Während Slaloms schon seit je her in zwei Durchgängen gefahren wurden, ist dies beim Riesenslalom grundsätzlich erst ab der Weltmeisterschaft 1966 bzw. dem Weltcupstart im Januar 1967 (Herren) und ab der Rennsaison 1977/78 (Damen) der Fall; zudem wurden sowohl im Weltcup als auch bei den Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen in der Anfangszeit dieser Neuregelung (Riesentorläufe mit zwei Durchgängen, damit praktisch nur auf Herren-Rennen zutreffend) größtenteils diese beiden Durchgänge an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgetragen. Diese Neuregelung mit zwei Durchgängen war derart gewöhnungsbedürftig, dass sogar die Printmedien für die Klassements Überschriften wie „Erstes Rennen“, „Zweites Rennen“ und „Gesamt-Klassement“ verwendeten, wobei ob des Umstandes, dass die Läufe ohnehin an zwei Tagen stattfanden (damit auch vom ersten Lauf ein größerer Bericht zu lesen war), diese Wortwahl eher verständlich war.

Identisch für Slalom und Riesentorlauf ist die Startreihenfolge, wobei allerdings hinsichtlich jener im zweiten Durchgang erst ab Beginn der Saison 1971/72 die so genannte Bibbo-Regel (benannt nach deren „Erfinder“, dem Schweden Bibbo Nordenskjöld), angewendet wurde, welche auch aktuell (mit einigen Abänderungen) gültig ist. Zuvor gab es Startgruppen von 1 bis 15, von 16 bis 30, von 31 bis 45 etc. – und im zweiten Durchgang starteten die Akteure nach Maßgabe ihrer Startnummer in gestürzter Reihenfolge (also nun von 15 bis 1, von 30 bis 16 etc. – natürlich insoweit, dass nicht ein Akteur durch Sturz, sonstigen Aufgabegrund oder bereits erfolgte Disqualifikation bereits abwesend war). Erst mit dem damaligen Riesenslalom von Val d’Isère (9. Dezember 1971, Sieg für den Norweger Erik Håker) wurde erstmals der zweite Durchgang nach Maßgabe der Platzierung aus dem ersten Lauf abgewickelt. In weiterer Folge kam es für mehrere Rennsaisonen zu einer „Super-Bibbo-Regel“ (die ersten Fünf aus dem ersten Durchgang starteten in gestürzter Reihenfolge vorweg, danach die weiteren ab Rang 6 in „normaler“ Reihenfolge). Erst in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre wurde die auch aktuell geltende zusätzliche Beschränkung der Starterzahl im zweiten Durchgang eingeführt, wonach hierfür nur mehr die ersten Dreißig des ersten Laufes startberechtigt sind. Nachweise: Arbeiterzeitung, Kronen-Zeitung Wien (u.a. 10. Dezember 1971), SPORT-Zürich ff.

Alpiner Skisport[Bearbeiten]

Ski und Tore[Bearbeiten]

Die für Riesenslaloms verwendeten Ski sind länger und steifer als Slalomski. Die Tore sind so gebaut, dass sie sich bei einer Berührung durch den Fahrer flexibel biegen. Sie sind auch weniger fest im Schnee verankert als Slalomtore. Dadurch bieten sie weniger Widerstand, wenn ein Rennläufer in sie hineinfährt, und werden von diesem mitgerissen; dadurch wird das Verletzungsrisiko minimiert.

Um die Sicherheit zu erhöhen, setzte der Weltverband FIS für die Saison 2007/08 den Radius der Taillierung für Riesenslalom-Ski auf 27 m (Männer) und 23 m (Frauen) fest. Zum ersten Mal überhaupt wurden Mindestlängen für Ski eingeführt, 185 cm für Männer und 180 cm für Frauen. Die besten Skifahrer nutzten jedoch weniger Taillierung, Ted Ligety z.B. 29 m, und Lindsey Vonn 27 m. Für die Saison 2013/2014 erhöhte die FIS den Radius der Taillierung auf 35 m und die Mindestlänge auf 195 cm für die Herren und auf 30 m Radius und eine Mindestlänge von 188 cm für Damen. Viele Athleten kritisierten diese Entscheidung. Oft wird hierbei David Dodge zitiert. Dodge vertritt die Ansicht, dass die von der FIS verwendeten Studien für die neue Regelung kein wissenschaftlicher Beweis seien. Er gibt auch an, dass man einen Ski mit 35 m Taillierungsradius nur um 7° mehr neigen muss, um denselben Kurvenradius zu fahren wie mit einem Schi mit 28 m Taillierungsradius. Das führt jedoch dazu, dass das Knie innerhalb der Linie Skikante – Schwerpunkt zu liegen kommt, was das Verletzungsrisiko erhöht. Er gibt an, dass seit den 1990er Jahren die Verletzungen im Kniebereich zurückgehen.[1][2][3][4][5]

Im Weltcup beträgt die Höhendifferenz eines Riesenslalom-Laufs bei den Herren mindestens 250 und höchstens 450 Meter; bei den Damen mindestens 250 und höchstens 400 Meter.

Geschichte[Bearbeiten]

1905 organisierte Mathias Zdarsky in Lilienfeld unter der Bezeichnung Wettfahren einen Torlauf, dessen Kurs einem modernen Riesenslalom ähnelte. Die Tore wurden Fahrmale genannt, neben Schnelligkeit wurde auch sturzfreies Fahren gewertet. Unabhängig davon legte der Engländer Arnold Lunn in den 1920er Jahren die Regeln für Abfahrt und Slalom fest.

Die FIS führte den Riesenslalom erst 1950 bei den Weltmeisterschaften in Aspen als vierte Disziplin neben Abfahrt, Slalom und Kombination ein. Die ersten Goldmedaillengewinner waren Dagmar Rom und Zeno Colò. Die erfolgreichsten Teilnehmer an Titelkämpfen sind Deborah Compagnoni mit je 2 Olympiasiegen und Weltmeistertiteln bzw. Alberto Tomba mit 2 Olympiasiegen und einem Weltmeistertitel.

Seit der Einführung des Weltcups ist der Riesenslalom fixer Bestandteil dieser Rennserie. Traditionelle Veranstaltungsorte von Weltcup-Riesenslaloms sind Adelboden mit dem Chuenisbärgli, Alta Badia mit der Piste Gran Risa, Kranjska Gora mit dem Vitranc-Pokal und Maribor mit dem Goldenen Fuchs. Seit 1999 werden die Weltcupsaisonen jedes Jahr Ende Oktober mit Riesenslaloms für Damen und Herren auf dem Rettenbachgletscher bei Sölden eröffnet. Die erfolgreichsten Athleten im Riesenslalom-Weltcup sind Vreni Schneider, die vier Mal die Disziplinenwertung und 20 Einzelrennen gewonnen hat, bzw. Ingemar Stenmark mit acht Gesamtsiegen und 46 gewonnenen Rennen.

Grasski[Bearbeiten]

Ein Riesenslalom hat mindestens 80 m Höhendifferenz, im Weltcup und bei Weltmeisterschaften mindestens 100 m, für Damen maximal 150 m und 180 m für Herren. Die Zahl der Richtungsänderungen beträgt etwa 11 bis 15 % der Höhendifferenz, also zum Beispiel 14 Richtungsänderungen bei 100 m Höhenunterschied. Die Bestimmungen zur Kurssetzung sind von der FIS in der Internationalen Wettkampfordnung festgehalten. Für die Startreihenfolge gelten dieselben Regeln wie im Slalom.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Riesenslalom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Riesenslalom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ted Ligety, Skiing’s Most Outspoken Critic, Is Still the Best in the World, bleacher report, 28. Oktober 2012
  2. A Letter To FIS, David Dodge, 2011.
  3. [1]
  4. Update on Injury Trends in Alpine Skiing, Johnson, Etlinger, Shealy, Update on Injury Trends in Alpine Skiing, 2009
  5. Unfälle und Verletzungen im alpinen Skisport (PDF, 2,9 MB), David Schulz, Auswertungsstelle für Skiunfälle, Stiftung Sicherheit im Skisport, 2011.