Roselith

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Roselith
Roselite-mrz206a.jpg
Roselith-Stufe aus Bou Azzer, Provinz Ouarzazate, Marokko (Größe: 4,9 × 3,6 × 2,2 cm)
Andere Namen
  • Roselit
Chemische Formel
  • Ca2Co[AsO4]2·2H2O[1]
  • Ca2(Co,Mg)[AsO4]2·2H2O[2]
Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.CG.10 (8. Auflage: VII/C.17) nach Strunz
40.02.03.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe Hell- bis Dunkelrosa, Rosenrot
Strichfarbe Blassrot[4]
Mohshärte 3,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,46 bis 3,74 ; berechnet: 3,65
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}[5]
Habitus kurzprismatische Kristalle; kugelige Aggregate
Häufige Kristallflächen {011}, {111}, {010}, {110}[5]
Zwillingsbildung nach {100} Kontaktzwillinge und -vierlinge
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,725 ; nβ = 1,728 ; nγ = 1,735[6]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,010[6]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 68° (berechnet)[6]
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Erythrin

Roselith ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der idealisierten, chemischen Zusammensetzung Ca2Co[AsO4]2·2H2O[1], ist also chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calcium-Cobalt-Arsenat.

Roselith ist das Cobalt-Analogon zu Wendwilsonit (Ca2Mg[AsO4]2·2H2O[1]) und bildet mit diesem eine lückenlose Mischkristallreihe. In natürlichem Roselith ist daher meist ein geringer Anteil Cobalt durch Magnesium ersetzt (substituiert), was in der Formel mit in runden Klammern gesetzten Elementsymbolen ausgedrückt wird: Ca2(Co,Mg)[AsO4]2·2H2O[2]

Das Mineral entwickelt meist kurzprismatische Kristalle von einigen Millimeter bis etwas über einem Zentimeter Länge, findet sich aber auch in Form sphärolithischer oder körniger Aggregate oder eingebettet in Geoden und Drusen. Die Farbe der durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle schwankt je nach Cobaltgehalt zwischen Hell- und Dunkelrosa bis Rosenrot und wird umso dunkler, je höher der Cobaltanteil ist.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Roselith ist dem Erythrin farblich sehr ähnlich, kann jedoch von diesem durch Erhitzen im Glasrohr unterschieden werden. Roselith verändert dabei in charakteristischer Weise seine Farbe zunächst in ein kräftiges Lasurblau (Ultramarin) und nach völligem Erkalten in Lavendelblau. Erythrin (Kobaltblüte) nimmt dagegen nur ein bläulichschwarzes Ansehen an.[7]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals beschrieben wurde Roselith 1824 durch Armand Lévy, der das Mineral auf einem Stück aus der Sammlung von Charles Hampden Turner[8] fand und nach dem deutschen Mineralogen Gustav Rose benannte. Die chemische Analyse führte John George Children durch, konnte jedoch aufgrund der geringen Probenmenge die chemische Zusammensetzung nicht exakt bestimmen.

Eine genauere Analyse des Minerals gelang erst durch weitere Funde 1873/74 in den Erzgruben von Schneeberg im sächsischen Erzgebirge, namentlich die Gruben „Daniel“ und „Rappold“. Letztere lieferte allerdings deutlich cobaltreichere, dunkel rosenrote Kristalle und gilt daher allgemein als Typlokalität für den Roselith.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Roselith zur Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Fairfieldit die „Fairfieldit-Roselith-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/C.17 und den weiteren Mitgliedern Brandtit, Cassidyit, Roselith-β, Collinsit, Gaitit, Hillit, Messelit, Parabrandtit, Talmessit, Wendwilsonit und Zinkroselith bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Roselith ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate ohne weitere Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis von Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4) zu Kristallwasser, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen, RO4:H2O = 1 : 1“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Brandtit, Wendwilsonit und Zinkroselith die „Roselithgruppe“ mit der System-Nr. 8.CG.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Roselith in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate etc.“ ein. Hier ist er als Namensgeber der „Roselith-Untergruppe (Monoklin: P21/c)“ mit der System-Nr. 40.02.03 und den weiteren Mitgliedern Brandtit, Manganlotharmeyerit, Wendwilsonit und Zinkroselith innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Nahezu perfekter Roselithkristall aus Bou Azzer, Marokko (Bildbreite 2 mm)
Roselith als Drusenfüllung mit Quarz aus der „Aghbar Mine“, Bou Azzer, Marokko (Größe: 12,8 × 8,5 × 5,9 cm)

Roselith bildet sich sekundär in cobalthaltigen, hydrothermalen Lagerstätten. Als Begleitmineral tritt unter anderem Talmessit auf.

Als seltene Mineralbildung konnte Roselith nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 20 Fundorte als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität „Grube Rappold“ trat das Mineral noch in anderen Gruben des Marx-Semler-Stolln-Systems um Neustädtel im Kreis Schneeberg in Sachsen, den Gruben „Friedrich-Christian“ im Wildschapbachtal und „St. Anton“ im Heubachtal in Baden-Württemberg, bei Mackenheim und im Kreis Richelsdorf in Hessen sowie in der Grube „Grüne Aus“ bei Schutzbach in Rheinland-Pfalz auf.

Ein bekannter Fundort für Roselith sind die Lagerstätten um Bou Azzer (Bou Azer) nahe Tazenakht in der marokkanischen Provinz Ouarzazate, wo in über 80 Tage- und Untertagebauen reiche Cobalt, Silber- und Nickelerze abgebaut werden und auch viele schöne Roselith-Stufen zutage traten.[9] Da in Bou Azzer allerdings auch die farblich ähnlichen Minerale Erythrin und Wendwilsonit auftreten, ist die Verwechslungsgefahr entsprechend hoch, zumal Wendwilsonit aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit als Mischkristallpartner rein visuell praktisch nicht vom Roselith zu unterscheiden ist.

Weitere Fundorte liegen unter anderem die „Veta Negra Mine“ im Pampa Larga District (Tierra Amarilla) in der chilenischen Provinz Copiapó, die „Talmessi Mine“ bei Anarak in der iranischen Provinz Esfahan und die „Silvana Mine“ bei Sandon in der kanadischen Provinz British Columbia.[10]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Kristallstruktur von Roselith mit Sicht in Richtung der c-Achse
Grün: Magnesium und Cobalt (gemischte Belegung), Cyan: Calcium, Gelb: Arsen, Blau: Sauerstoff

Roselith kristallisiert isotyp mit Fairfieldit im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 5,80 Å; b = 12,90 Å; c = 5,62 Å und β = 107,4° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roselite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c IMA/CNMNC List of Mineral Names 2009 (PDF 1,8 MB)
  2. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 484.
  3. Webmineral - Roselite
  4.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  5. a b Roselite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 64 kB)
  6. a b c Mindat - Roselite
  7. A. Weisbach (1874): Mineralogische Notizen. 1. Pucherit. 2. Domeykit. 3. Rhagit. 4. Roselith, In: Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, S. 249–254 (PDF 405,3 kB)
  8. The Mineralogical Record - Armand Lévy (1795 - 1841)
  9. Mineralfundstätte Bou Azzer-Distrikt, Marokko beim Mineralienatlas und bei Mindat
  10. Mineralienatlas:Fundortliste für Roselith und Mindat - Localities for Roselite