Rosenthal (Unternehmen)

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Rosenthal GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1879
Sitz Selb
Leitung Pierluigi Coppo
Mitarbeiter 900 (2012)[1]
Umsatz 130 Mio. Euro (2008)
Branche Haushaltswaren
Website www.rosenthal.de
Bodenmarke Rosenthal um 1900.
Verputzen von Rohgeschirren mit dem Schwamm im Werk Selb 1956.

Die Rosenthal GmbH ist ein deutscher Hersteller von Porzellan und anderen Haushaltswaren. Sie gehört seit 2009 zum italienischen Konzern Sambonet Paderno Industrie.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1879 gegründet und als Familienbetrieb geführt. Der Firmengründer Philipp Rosenthal siedelte mit seiner Porzellanmalerei von Werl (Nordrhein-Westfalen) nach Selb in Bayern über, wo er im Schloss Erkersreuth seine Malereiwerkstatt industrialisierte. 1897 gründete Rosenthal die Firma Bauer, Rosenthal & Co. in Kronach, um sie anlässlich der Gründung von Philipp Rosenthal & Co. AG 1897 zurück in den heimischen Konzern zu holen. 1908 kaufte Rosenthal die Porzellanmanufaktur Thomas in Marktredwitz sowie 1917 die Porzellanfabrik Zeidler & Co., die später als Marke „Bahnhof Selb“ in Selb-Plößberg bekannt wurde und heute einer von zwei Sitzen des Porzellanikons ist.

1921 übernahm das Unternehmen die Krister Porzellan-Manufaktur in Waldenburg (Schlesien). Die Manufaktur ging 1945 verloren, die Marke wurde aber 1951 wiederbelebt. Erst 1971 erlosch sie endgültig.[2]

1934 musste sich Philipp Rosenthal wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Firma zurückziehen. Vorstand und Aufsichtsrat wandten sich gegen Rosenthal und setzten verschiedene Maßnahmen, um zu verhindern, dass Rosenthal seine Stimmanteile nutzen könnte, um die Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat zu verändern. So wurde die Gauleitung um Unterstützung gebeten und Aktien mit Stimmanteilen an Personen verkauft, die Rosenthal nicht wohlgesinnt waren.[3] Das NS-Regime ging jedoch nicht direkt gegen ihn vor, um die Auslandsgeschäfte des Unternehmens nicht zu gefährden. Die leidlich verdeckte Arisierung machte sich Erbstreitigkeiten in der Familie zu nutze und drängte auch den von Rosenthal zum Nachfolger ausersehenen Stiefsohn aus dem Unternehmen. Philipp Rosenthals Tod 1937 ebnete seinen Enkeln und dem antisemitisch agierenden Vorstand endgültig den Weg.

Im Jahr 1936 kaufte Rosenthal die Porzellanmanufaktur Waldershof sowie die Porzellanfabrik Thomas in Weidenberg-Sophienthal. 1939 wurde die Rosenthal Isolatoren GmbH (RIG) mit Niederlassungen in Erkersreuth (Selb) und Hennigsdorf bei Berlin gegründet. 1939 wandelte sich die Firma zur Rosenthal Porzellan AG. Über verschiedene Stadien und Umstrukturierungen entstand der heutige Betrieb. 1965 wurde der einheitliche Name Rosenthal Glas & Porzellan AG gewählt und 1969 zu Rosenthal AG verkürzt.

Mit der Rückkehr des Juniors Philip Rosenthal aus dem Exil und seinem Eintritt in die Firma 1950 gewann sie eine Pionierrolle im modernen Produktdesign. 1960 wurde in Nürnberg das "Rosenthal Studio Haus" eröffnet, woraus die erste Designladenkette der Welt hervorging.[4] In Zusammenarbeit mit Industriedesignern wie Raymond Loewy, Tapio Wirkkala, Timo Sarpaneva und Luigi Colani entstand eine imposante Reihe von Produkten, von denen heute einige als Klassiker gelten.[5] Walter Gropius entwarf für Rosenthal das Teeservice TAC - und 1967 das Fabrikgebäude für das Thomas Glaswerk in Amberg, die sogenannte „Glasmacherkathedrale“ (heute Kristallglasfabrik Amberg).

Ab 1997 gehörte die börsennotierte Rosenthal AG zu 90 % dem britisch-irischen Waterford Wedgwood Konzern. Rosenthal stellte in Deutschland den Marktführer für hochwertiges Geschirr und Kunsthandwerk aus Porzellan und Glas dar und war im Verbund mit Waterford Wedgwood Weltmarktführer. Im Jahr 2000 übernahm das Unternehmen die Marke „Hutschenreuther“ und das Hutschenreuther-Werk B in Selb.[6]

Im Juni 2008 wurde öffentlich, dass Waterford Wedgwood aufgrund von Liquiditätsschwierigkeiten sein Rosenthal-Aktienpaket abstoßen wollte. Beschäftigt waren zu diesem Zeitpunkt ca. 1100 Mitarbeiter weltweit. Das Unternehmen stand durch den anschließenden Zusammenbruch von Waterford Wedgwood vor der Zahlungsunfähigkeit und musste am 9. Januar 2009 Insolvenz anmelden. Das anschließende Insolvenzverfahren der Rosenthal AG wurde am 1. April 2009 durch das Amtsgericht Hof eröffnet.[7] Am 20. Juli 2009 wurde der Verkauf an den italienischen Haushaltswarenhersteller Sambonet Paderno bekanntgegeben.[8] Die am 1. August 2009 gegründete Rosenthal GmbH bildet ein eigenständiges Unternehmen des Sambonet-Paderno-Konzerns. Der Firmensitz bleibt in Selb, Geschäftsführer ist Pierluigi Coppo.

Heutige Marken[Bearbeiten]

  • „Rosenthal studio-line“, designorientiertes Geschirr und Kunstobjekte aus Porzellan und Glas
  • „Rosenthal classic“, klassisch gestaltetes Porzellan
  • „Rosenthal meets Versace“, Luxusporzellan in Zusammenarbeit mit Versace, seit 1992
  • „Thomas“, designorientiertes Gebrauchsporzellan
  • „Hutschenreuther“, Haushalts- und Hotelgeschirr
  • „Arthur Krupp“, günstige Zweitlinie für die Gastronomie[9]
  • Arzberg, seit 2013

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Struß: Rosenthal. Service, Figuren, Zier- und Kunstobjekte. Battenberg, Augsburg 1995, ISBN 3-89441-211-9. (Englische Übersetzung 1997)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rosenthal heute Firmenwebseite, abgerufen am 15. Februar 2014.
  2. Gerhard Schmidt-Stein: Schlesisches Porzellan vor 1945, Bergstadtverlag Korn, Würzburg 2007, S.293
  3. Jürgen Lillteicher: Rechtsstaatlichkeit und Verfolgungserfahrung. In: C. Goschler, J. Lillteicher (Hrsg.): „Arisierung“ und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in Deutschland und Österreich nach 1945 und 1989. Göttingen 2002, S. 135.
  4. Bernd Polster: Designlexikon Deutschland. Köln 1999, S.282.
  5. Bernd Polster: Wohndesign Deutschland. Köln 2008, S. 132, 197, 236 und 527.
  6. Die Geschichte Rosenthals: 1997-2000. In: rosenthal.de, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  7. kaz/Reuters/AP/dpa: Rosenthal meldet Insolvenz an. In: Spiegel Online, 9. Januar 2009.
  8. Italiener retten Traditionshaus Rosenthal Handelsblatt, 20. Juli 2009, abgerufen am 16. Februar 2014
  9. Andre Tauber: Rosenthal im Kampf gegen billiges Ikea-Porzellan Die Welt online, 29. Dezember 2011, abgerufen am 15. Februar 2014